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Freihandel würde Afrika helfen
Weitere Themen: Allgemein, Wirtschaftspolitik



Der kenianische Ökonom James Shikwati, Direktor des Inter Region Economic Network (IREN) in Kenia, ist einer von Afrikas wenigen Wirtschaftsexperten und ein entschiedener Gegner der Entwicklungshilfe.   FreieWelt.net sprach im Exklusiv-Interview mit Mr. Shikwati über die Perspektive, die ein echter Freihandel für Afrika bedeuten würde.

Freie Welt.net: Afrika verfügt über eine Vielzahl von Ressourcen – zum Beispiel Öl, Gold, Diamanten und Uran, um nur einige zu nennen.  Nichtsdestrotz ist Afrika ein von Armut geprägter Kontinent.  In vielen Ländern hat sich die Lage in den letzten Jahren verschlechtert.  Wo sehen Sie die Ursachen hierfür?

James Shikwati:  Afrika sieht sich mit einer global kontrollierten Wirtschaft konfrontiert, die von Institutionen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds beaufsichtigt wird.  Von Afrika wird in erster Linie die Lieferung von Rohmaterialien verlangt.  Die Wertschöpfung auf dem afrikanischen Kontinent ist minimal, während die importierenden Nationen beständig ihr Fachwissen erweitern und anspruchsvolle Arbeitsplätze schaffen, kämpfen viele Afrikaner weiterhin um ihr Überleben.  Die Situation wird noch weiter verschlimmert durch schlechte Regierungssysteme, miserable Bildungssysteme und eine Führung, die nicht in der Lage ist, dem einzelnen Afrikaner eine Möglichkeit zur Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen.

Freiewelt.net:  Sie glauben, dass der Freihandel Afrikas Wirtschaft helfen würde.  Warum und wie würde er helfen?

James Shikwati:  Der Freihandel in seiner idealen Form, nicht in der Form eines Diktats durch die Industriestaaten, würde Afrika gewaltig helfen.  Erstens wäre er ein Ansporn für wirtschaftliche Aktivitäten auf dem ganzen Kontinent und würde somit afrikanischen Investoren viele Möglichkeiten erschließen und zweitens würde der Freihandel afrikanischen Ländern die Möglichkeit geben, sich an lukrativeren Wirtschaftszweigen zu beteiligen.

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  Anstatt beispielsweise Coltan als Rohmaterial in Industriestaaten zu exportieren, damit dort Bauteile für Handys oder Notebooks hergestellt werden, könnten solche Produkte direkt in Afrika hergestellt und von dort aus verschickt werden.  Drittens können die Afrikaner ihre landwirtschaftlichen Produkte stolz auf dem Weltmarkt präsentieren, statt ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen, wie es die Höflichkeit vor den Geberländern gebietet.


FreieWelt.net:  Ihrer Ansicht nach schadet die Entwicklungshilfe Afrika.  Was sind die schädlichen Auswirkungen und plädieren Sie für eine vollständige Abschaffung oder für eine Veränderung der Entwicklungshilfe?

James Shikwati:  Die Entwicklungshilfe schadet Afrika, weil sie dem Afrikaner die Gelegenheit und die Fähigkeit raubt, die Welt selbst zu gestalten.  Stattdessen schreiben die Geberländer den Afrikanern vor, wie sie zu leben haben.  Die Afrikaner müssen Verantwortung übernehmen.  Sich den täglichen Herausforderungen zu stellen wird Afrika helfen, seinen Ressourcenreichtum auf kreative Art und Weise in Wohlstand zu verwandeln, ohne auf irgendwelche Spender warten zu müssen.  Jeder der will, dass die Afrikaner ihr menschliches Selbstverständnis, das vor mehr als 500 Jahren verschwunden ist, wiederfinden, wird sich für ein Ende der Entwicklungshilfe und eine Befreiung des afrikanischen Geistes einsetzen.

FreieWelt.net:  Wieso beachten die Regierungen der Industriestaaten die Entwicklungshilfekritiker kaum?

James Shikwati: Ich nehme an, es dient ihren Interessen eine Situation zu schaffen, in der sie auf diesem Weg billigen Zugriff auf afrikanische Ressourcen haben.  Zudem werden so Afrikaner daran gehindert, sich auf der ganzen Welt frei zu bewegen und gesunde Märkte für ihre Produkte zu erschließen.  Westliche Regierungen sind nicht dazu verpflichtet, Afrika zu entwickeln.  Es ist Sache der Afrikaner, den richtigen Weg zu finden und aktiv zu werden.

FreieWelt.net:  Könnte Europa seinerseits von einem freien Handel in Afrika profitieren?

James Shikwati:  Im Moment ist Europa Teil des Blocks, der die Weltwirtschaft monopolisiert.  Wenn sich diese in einen echten Freihandel verwandeln würde, könnte auch Europa von afrikanischem Talent und afrikanischem Wissen, die dann auf dem Weltmarkt verfügbar wären, eine Kostprobe erhalten.  Auch wird sich die Sensibilität für ihre Umwelt vergrößern, wenn die Afrikaner als Mitspieler und Profiteure, nicht als Bettler an der Globalisierung teilnehmen können.  Der Freihandel wird die militärischen Konflikte um die Rohstoffe des afrikanischen Kontinents reduzieren.  Europa wird den Handel als Alternative zu diesen Konflikten, die das Gewissen der Menschheit belasten, begrüßen.  Darüber hinaus bin ich sicher, dass es die Europäer freuen wird, afrikanischen Händlern statt afrikanischen Bettlern zu begegnen.

FreieWelt.net:  Was ist das wichtigste für die Zukunft Afrikas?

James Shikwati:  Die Entwicklung der Menschen.  Es ist wichtig, dass die Afrikaner die Welt gestalten und verstehen und kreativ auf Herausforderungen reagieren.  Jeder, der das anstelle der Afrikaner für sie zu tun versucht, beraubt, sie ihrer Freiheit, Menschen zu sein.  

zur Homepage von IREN

Das Interview führte Fabian Heinzel

 



Redaktion, 29.07.2009 14:19 | Kommentare (5)


Nachricht zum Thema auf FreieWelt.net



 
  Kommentare (5)

Stefan Roth, 14.08.2009 10:48
"Zufällig" bin ich auch das Interview gestoßen. Mit Geschäftspartnern werden wir im Spätjahr in Kamerun investieren. Wir arbeiten mit zwei Dorfgemeinschaften zusammen, die bis heute mit sehr einfachen Mitteln Gold abbauen. Die Beziehung besteht seit zwei Jahren und wird nun intensiviert. Ende September werden wir in Basel eine Anlegerveranstaltung anbieten.
Wer mehr Informationen wünscht, fordert diese per mail an info@rothkapital.de an.


Gerhard KARPINIEC, 31.07.2009 09:42
Gerne stehe ich Herrn Shikwati theoretische Wirtschaftskompetenz zu, er dürfte aber von der afrikanischen Realität und Praxis schon sehr weit entfernt sein. Von einem 3 monatigen Aufenthalt in der „Kornkammer“ Senegals vergangenes Jahr könnte ich Herrn Shikawati berichten, die Mangos am Boden verrotten – werden nicht verfüttert oder kompostiert. Kommentar einer hochgebildeten Dame vor Ort – dies gehört nicht zu unseren Gewohnheiten. Weiteres stehen Trocknungsanlagen in der Saison still. Trotz sehr guter Verkehrsverbindung Strasse und Schiff ist es nicht möglich die Hauptstadt mit genügend Produkten zu versorgen. Von den Fischfarmen welche nicht genügend Futter für die Fische haben wäre zu berichten obwohl es rundherum Grün gibt.
Afrikaner haben die Freiheit zu gestalten, Sie haben auch das Wissen, denn viele denen die Flucht nach Europa gelingt haben oft gute Stellungen hier bei uns. Warum sie all dies nicht in Ihren Heimatländern tun, dies ist die Frage. Hier eine Fehleranalyse zu erstellen, diesen Vorschlag mache ich Herrn Shikwati und stelle Ihm gerne mein wissen aus der Praxis zur Verfügung.


Gerhard KARPINIEC
Wienerstraße 6/1
A-2361 Laxenburg
Tel+Fax +43(0)2236/72 363
E-Mail g.karpi@aon.at


Lars-Michael Lehmann, 30.07.2009 18:23
Das ist doch eine richtige gute Arbeit. Es befähigt die Menschen sich eigenständig zu entwickeln, statt Sie in Abhängigkeit zu bringen. Unser Land könnte sehr gut davon Lernen, auch für das eigene Wirtschaftssystem.

Hans von Atzigen, 29.07.2009 19:36
Respekt und Anerkennung,
Dem Mann kann man nur Glück und sehr viel Erfolg wünschen.
Angesichts der Elenden Zustände auf dem Afrikanischen Kontinent wird der Weg sehr lang und beschwerlich für die Völker des Afrikanischen Kontinents.
Sinnvol währe jedoch meines erachtens eine Bildungskooperation zur vermittlung Wissenschaftlicher
Erkenntnisse,nicht im Sinne eines Wissenschafts-Kolonialismus sondern als Unterstützung.
Letztlich soll es Sache der Afrikaner bleiben was für sie sinnvoll und dienlich ist.


Konstanze Quirmbach, 29.07.2009 18:20
Das mutige Denken James Shikwatis muss Schule machen, so meine ich. Bereits vor mehr als 20 Jahren gab es Diskussionen über den Sinn von Entwicklungshilfe, die Menschen in Abhängigkeit bringt anstatt ihnen Selbständigkeit zu erlauben. Veränderungen sind mehr als überfällig. - Menschlichkeit und Würde werden mit selbstbestimmten Handel und Handeln für alle Beteiligten neu spürbar. Für die Afrikaner ist eine Frage des Überlebens. Ich wünsche James, dass seine Denkweise sich recht bald durchsetzen wird und Konsequenzen zeigt!


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