Gesellschaften respektive „der Staat“ neigen dazu, neue Medien beherrschen zu wollen. Das haben wir während Jahrzehnten beim Rundfunk erlebt. Wie bei den klassischen Medien, wird man um die Meinungsfreiheit im Internet auch kämpfen müssen. Denn die Politik entdeckt gerade das World Wide Web. Das Kerngeschäft eines Politikers ist es Gesetze zu erlassen. Ergo werden sie auch das Internet regeln wollen, was wir gerade erleben.
FreieWelt.net:
Sie betätigen sich auch als Blogger. Sind Blogger und Journalisten Gegner oder Verbündete?Manfred Messmer: Weder das eine noch das andere. Journalisten machen ihren Job, für den sie bezahlt werden und Blogger schreiben und denken nicht kommerziell vor sich hin. Blogger werden die Journalisten nie verdrängen. Ohne Profis ist eine moderne Kommunikationsdemokratie nicht denkbar. Die Möglichkeiten des Internets verändert jedoch das Profil des Journalisten grundlegend. Die Herausforderung in der täglichen Arbeit: Der Journalist sieht sich wie nie zuvor mit einer informierten Öffentlichkeit konfrontiert.
Da einen Mehrwert zu bieten, ist die Herausforderung. Meine Hoffnung: Nur die Besten werden in einer solchen Informationsumgebung bestehen. Was zugleich eine Chance für Blogger ist, deren Professionalisierung nur noch eine Frage der Zeit ist.
FreieWelt.net: Sie erstellen Online-Konzepte für Unternehmen. Welche Auswirkungen hat das Internet auf die Arbeit von Unternehmen?
Manfred Messmer: Der wohl wichtigste erste Schritt ist der, dass Unternehmen, aber auch Parteien und Verbände, Abschied von der Idee nehmen, ihre Homepage sei ein elektronischer Werbeprospekt. Das war einmal. Jede Firmenwebsite ist nichts anderes als ein Werkzeug für die Unternehmenskommunikation. Einen eigenen Informationskanal aufzubauen, ist angesichts der Krise der klassischen Medien eine Frage des eigenen Überlebens.
Noch vor zehn Jahren war die Regel, wer was verkünden will, lädt zu einer Pressekonferenz ein. Die Kosten für die Verbreitung der Nachricht trugen die Verlage. Damit ist es vorbei, weil das Geld fehlt und zunehmend auch die Leser. Wie lange es noch Nachrichten auf Papier geben wird, ist eine heiß diskutierte aktuelle Frage. Wer was kaufen möchte und sich informieren will, geht zu allererst ins Netz. Deshalb gilt für alle: Wer im Internet nicht kommuniziert, stirbt.
FreieWelt.net: Was möchten Sie auf Grundlage Ihrer Erfahrungen angehenden Unternehmensgründern mit auf den Weg geben?
Manfred Messmer: Die Freiheit, die man als selbstständiger Unternehmer erlangt, hat einen Preis: die permanente existenzielle Unsicherheit. Die haben inzwischen die Angestellten auch. Doch unser Gewinn ist der persönliche Gestaltungsspielraum. Wir Unternehmer sind privilegiert, unser Leben weitgehend nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Weil man nur dieses eine hat, und es zudem noch zeitlich begrenzt ist, scheint mir das doch ein recht großer Gewinn zu sein.
Das Interview führte Fabian Heinzel
zu www.messmerpartner.com
(Foto: M. Messmer)