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21.05.2013
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Preis und Gewinn der Freiheit - Interview mit Manfred Messmer
Weitere Themen: Allgemein, Wirtschaftspolitik



Manfred Messmer ist seit 1986 Berater für strategische Kommunikation. Mit seiner Agentur messmerpartner in Basel berät er Führungskräfte und Verwaltungsratspräsidenten von national und international tätigen Unternehmen und Institutionen. 

FreieWelt.net sprach mit ihm im Exklusiv-Interview über den Siegeszug des Internets und dessen Auswirkungen auf Unternehmen und Journalisten.

FreieWelt.net: Das Internet hat die Medienlandschaft verändert.  Sie waren ursprünglich Journalist, inzwischen sind Sie PR- und Kommunikationsberater. Sie haben zuletzt für die Basler Zeitungs Gruppe den Online-Bereich aufgebaut.  Was bedeutet die Veränderung durch das Internet für Sie persönlich?


Manfred Messmer: Ich bin seit über zwanzig Jahren PR-Berater. In dieser Zeit hat sich mein berufliches Umfeld völlig verändert. Ich würde auch sagen, organisatorisch ungemein vereinfacht und wir sind effizienter geworden.  Zum Beispiel spielt es keine zentrale Rolle mehr, wo sich meine Büros physisch befinden. Meine Internetadressen – E-Mail und URL – sind viel wichtiger geworden. Der Computer hat das Faxgerät völlig verdrängt und habe ich vor zehn Jahren meinen halben Arbeitstag am Telefon verbracht, so telefoniere ich heute kaum noch. E-Mail und Skype sind effizienter.  Auswirkungen hat das Internet auf die Mitarbeitersituation. Man braucht zum einen weniger inhouse, weil vernetztes arbeiten die Regel ist und man braucht andere Kompetenzen. Wichtig ist, wer einen Computer bedienen und denken kann.


FreieWelt.net: Welche Bedeutung hat das Internet für die Presse- und die Meinungsfreiheit?

Manfred Messmer: Das wird sich noch zeigen. Gesellschaften respektive „der Staat“ neigen dazu, neue Medien beherrschen zu  wollen. Das haben wir während Jahrzehnten beim Rundfunk erlebt. Wie bei den klassischen Medien, wird man um die Meinungsfreiheit im Internet auch kämpfen müssen. Denn die Politik entdeckt gerade das World Wide Web. Das Kerngeschäft eines Politikers ist es Gesetze zu erlassen. Ergo werden sie auch das Internet regeln wollen, was wir gerade erleben.

FreieWelt.net: Sie betätigen sich auch als Blogger. Sind Blogger und Journalisten Gegner oder Verbündete?

Manfred Messmer: Weder das eine noch das andere. Journalisten machen ihren Job, für den sie bezahlt werden und Blogger schreiben und denken nicht kommerziell vor sich hin. Blogger werden die Journalisten nie verdrängen. Ohne Profis ist eine moderne Kommunikationsdemokratie nicht denkbar. Die Möglichkeiten des Internets verändert jedoch das Profil des Journalisten grundlegend. Die Herausforderung in der täglichen Arbeit: Der Journalist sieht sich wie nie zuvor mit einer informierten Öffentlichkeit konfrontiert.

Da einen Mehrwert zu bieten,  ist die Herausforderung. Meine Hoffnung: Nur die Besten werden in einer solchen Informationsumgebung bestehen. Was zugleich eine Chance für Blogger ist, deren Professionalisierung nur noch eine Frage der Zeit ist.

FreieWelt.net: Sie erstellen Online-Konzepte für Unternehmen.  Welche Auswirkungen hat das Internet auf die Arbeit von Unternehmen?


Manfred Messmer: Der wohl wichtigste erste Schritt ist der, dass Unternehmen, aber auch Parteien und Verbände, Abschied von der Idee nehmen, ihre Homepage sei ein elektronischer Werbeprospekt. Das war einmal. Jede Firmenwebsite ist nichts anderes als ein Werkzeug für die Unternehmenskommunikation. Einen eigenen Informationskanal aufzubauen, ist angesichts der Krise der klassischen Medien eine Frage des eigenen Überlebens.

Noch vor zehn Jahren war die Regel, wer was verkünden will, lädt zu einer Pressekonferenz ein. Die Kosten für die Verbreitung  der Nachricht trugen die Verlage. Damit ist es vorbei, weil das Geld fehlt und zunehmend auch die Leser. Wie lange es noch Nachrichten auf Papier geben wird, ist eine heiß diskutierte aktuelle Frage. Wer was kaufen möchte und  sich informieren will, geht zu allererst ins Netz. Deshalb gilt für alle: Wer im Internet nicht kommuniziert, stirbt.

FreieWelt.net: Was möchten Sie auf Grundlage Ihrer Erfahrungen angehenden Unternehmensgründern mit auf den Weg geben? 


Manfred Messmer: Die Freiheit, die man  als selbstständiger Unternehmer erlangt, hat  einen Preis: die permanente existenzielle Unsicherheit. Die haben inzwischen die Angestellten auch. Doch unser Gewinn ist der persönliche Gestaltungsspielraum. Wir Unternehmer sind privilegiert, unser Leben weitgehend nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Weil man nur dieses eine hat, und es zudem noch  zeitlich begrenzt ist, scheint mir das doch ein recht großer  Gewinn zu sein.

Das Interview führte Fabian Heinzel

zu www.messmerpartner.com

(Foto: M. Messmer)

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Redaktion, 24.06.2009 16:18 | Kommentare (0)




 
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