Wir können diese Großfamilie nicht zurücksehnen, aber wir können aus den Prinzipien von Familien lernen, um heute den Kreislauf des Gebens und
Nehmens zwischen den Generationen wieder zu beleben. Dazu brauchen wir Orte, an denen sich Menschen aller Generationen ganz selbstverständlich im Alltag
begegnen, voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Das 2006 ins Leben gerufene „Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser“ von
Bundesfamilienministerin Ursula von der der Leyen versucht erfolgreich überall in Deutschland solche Räume entstehen zu lassen. Ich begrüße das sehr. Für
Menschen verschiedener Altersgruppen bieten diese Einrichtungen Raum, so dass sich mehrere Generationen ungezwungen begegnen, gegenseitig unterstützen und
füreinander mehr Verständnis und Achtung zu entwickeln. Gegenwärtig greifen fast 10.000 Menschen auf Dienstleistungen zurück, die in Mehrgenerationenhäusern
angeboten werden.
FreieWelt.Net:
Diese Politik ist an der Basis ja nicht unumstritten. Die Vorwürfe sind unter anderem, dass die traditionelle Familie durch diese Politik geschwächt wird,
dass die Vätermonate ein direkter Eingriff des Staate in die Familie darstellen und Entwicklungspsychologen halten negative Folgen der Krippenerziehung für die kindliche Entwicklung für möglich. Inwieweit haben Sie sich mit dieser Kritik auseinandergesetzt? Was sind Ihre Gegenargumente?Dr. Maria Flachsbarth: Jedes Kind hat Vater und Mutter – jedenfalls ganz am Anfang. Ist es geboren, und wächst es heran, „verschwinden“ viele Väter mehr und mehr aus dem Leben ihrer Kinder; leider ist auch das gesellschaftliche Realität. Dabei braucht ein Kind beide
Eltern mit ihren unterschiedlichen Anlagen und Persönlichkeiten. In meiner Familie hält mein Mann unsere Familie zusammen, was eine echte Aufgabe ist, wenn die Ehefrau und Mutter als Politikerin wochenweise nicht da ist und in den Wahlkreiswochen von einer Vielzahl von Terminen absorbiert wird. Unseren Jungen
tut der enge und alltägliche Umgang mit ihrem Vater sehr gut; mein Mann ist deshalb nicht die bessere Mutter sondern eben mit Herz und Seele Vater. Aus dieser
Erfahrung heraus begrüße ich das Angebot des Elterngeldgesetzes, dass Väter exklusiv für zwei Monate Elterngeld beziehen können – es hilft ihnen, sich zu ihrem Wunsch zu bekennen, Vater zu sein. Der Anteil der Väter, die für ihre Kinder eine Auszeit nehmen, hat sich auf 16% gesteigert, insbesondere in eher konservativen
Bundesländern, wie Baden-Württemberg und Bayern
Die Krippenerziehung ist insbesondere für Elternfamilien oder auch Familien, in denen beide Partner arbeiten, eine Möglichkeit, sich für ein Kind zu entscheiden. Und
außerdem sind nicht alle Kinder Wunschkinder – in dieser Situation die Entscheidung für das Kind zu ermöglichen, ist eine wichtige Aufgabe für die Politik. Ausschlaggebend ist, wirkliche Entscheidungsfreiheit zulassen, deshalb ist der Rechtsanspruch zu begrüßen, dass es bis zum Jahr 2013 für 35 Prozent aller Kinder unter drei Jahren ein Krippen-Angebot geben soll. Allerdings sehe ich die Entwicklung problematisch, dass auch Mütter oder Väter, die keinem außerhäusigen Beruf nachgehen, trotzdem Krippenplätze nachfragen. Erfahrungen aus meinem Wahlkreis zeigen, dass dies auch der Fall ist, weil sie sich
selbst die Erziehung nicht mehr zutrauen und Angst haben, ihren Kindern etwas vorzuenthalten. Deshalb müssen wir die Eltern stärken, aber auch Angebote wie
Mehrgenerationenhäuser.
FreieWelt.Net:
Wie sollte die CDU/CSU mit diesen Meinungsverschiedenheiten an der eigenen Basis umgehen? Was wollen Sie persönlich tun, damit der Gesprächsfaden nicht reißt und sich die Unzufriedenen von der Partei abwenden?Dr. Maria Flachsbarth: Ich versuche, so oft wie möglich das Gespräch mit der Basis zu suchen, bin viel im Wahlkreis unterwegs, lade zu Diskussionsveranstaltungen ein, besuche Betriebe und soziale Einrichtungen von Seniorenresidenzen bis hin zu Krippen. Über meine Büros bin ich für die Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar und ich kommuniziere über Briefe, Emails und Internet mit jedem, der sich – insbesondere aus meinem
Wahlkreis - an mich wendet.
FreieWelt.Net:
Bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern hat die Union viele Stimmen an die FDP verloren. In der aktuellen Sonntagsfrage liegen CDU/CSU bei 36
Prozent. Könnten Sie uns die drei wichtigsten Argumente nennen, warum die Bürger bei der Bundestagswahl 2009 der CDU/CSU und keiner anderen Partei
ihre Stimme geben sollten?Dr. Maria Flachsbarth: Nur CDU und CSU bieten eine Politik, die auf Grundlage christlicher Werte sozialeVerantwortung und persönliche Freiheit ausgewogen miteinander verbindet. Unsere Bundeskanzlerin führt Deutschland besonnen und mutig durch eine der schwersten weltwirtschaftlichen Krisen – sie steht für Maß und Mitte. Ob Abschaffung der gesetzlichen Krankenkasse, radikale Steuersenkung oder Verhinderung einer Verstaatlichung der HRE-Bank, deren Zusammenbruch unzählige Rentnerinnen und Rentner um wesentliche Teile ihrer Renten bringen könnte, da Papiere der Bank im Wert von über 100 Milliarden bei Renten-, Sozialversicherungen und Kirchenkassen und in zahlreichen Kapitallebensversicherungen liegen.
Die CDU/CSU steht nicht für Klientelpolitik wie politische Mitbewerber aus dem bürgerlichen Lager, sondern für Verantwortung für das Allgemeinwohl und ich bin froh, dass die Wählerinnen und Wähler das in der Europawahl honoriert haben.
Über die Bilanz der Große Koalition und über Reformen in Deutschland in Teil 1
Zu Internetseite von Dr. Maria Flachsbarth
Das Interview führte Gerad Bökenkamp
Foto: Internetseite Dr. M. Flachsbarth