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"Familie unter Druck" - Symposium in Erfurt
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Verleihung des Matejcek-Preises und Symposium des Familiennetzwerkes

Ministerpräsident Dieter Althaus hat ihn zuerst bekommen. Das war 2007 in Berlin. Am 9. Mai 2009 wurde er nun zum zweiten Mal verliehen: der Matejcek-Preis des Familiennetzwerks Deutschland. Benannt ist der Preis nach dem tschechischern Kinderpsychologen Zdenek Matejcek, der zu den ersten Kritikern der kommunistischen Kollektiverziehung im Ostblock gehörte und deren schädliche Folgen in wissenschaftlichen Langzeitstudien nachwies. Verliehen wird der Preis für herausragende familienfreundliche Leistungen in der Politik.

Dieter Althaus bekam ihn für seine 2005 gestartete landespolitische Familienoffensive, mit der Thüringen einen vielbeachteten familienpolitischen Sonderweg einschlug und sich zum „Familienland Nr. 1“ in Deutschland entwickelte. Die damals beschlossenen Leistungen, unter anderem ein Landeserziehungsgeld und verschiedene weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Wahlfreiheit der Eltern bei der Kinderbetreuung, werden derzeit in Thüringen sogar noch ausgebaut. Um die Anstrengungen des kleinen Landes zu würdigen, erfolgte die Preis-Verleihung dieses Jahr in Thüringens Hauptstadt Erfurt.

Zwei Politiker wurden für ihr Engagement ausgezeichnet: Petr Necas und Anna Zaborska.

Necas war Minister für Arbeit, Soziales und Familie in Tschechien. Die Übergabe des Ministeramtes an seinen Nachfolger erfolgte just am Tag der Preisverleihung. Die familienpolitische Grundrichtung Tschechiens, die „neue Aufmerksamkeit“ für die Familienpolitik, würden aber auch nach dem Personalwechsel beibehalten, versicherte ein Vertreter von Minister Necas, der stellvertretend für ihn den Preis entgegennahm. In ihrer Laudatio für ihren Ministerkollegen Necas betonte die Thüringische Justizministerin Marion Walsmann die Bedeutung der Wahlfreiheit für die Eltern, wie sie eben in Tschechien und Thüringen besonders vorbildhaft verwirklicht sind und in beiden Ländern auch mit erhöhtem Kinderreichtum und demographischem Wachstum in einer schrumpfenden Umgebung einhergehen.

Anna Zaborska, die slowakische EU-Abgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter im Europäischen Parlament, setzt sich für eine neue Wertschätzung von Familien in den EU-Gremien ein. Die Laudatio hielt Staatssekretär Hermann Binkert, Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaates Thüringen beim Bund.

Die Preisverleihung erfolgte nicht isoliert, sondern war eingebettet in eine Reihe von hochkarätigen Vorträgen, moderiert vom Deutschlandfunk-Redakteur Jürgen Liminski, und eine Podiumsdiskussion zum Tagungsthema, moderiert von der MDR-Moderatorin Judith Saitz. In dieser Runde diskutierten die ehemalige Tagesschausprecherin Eva Herman, der Thüringische Landtagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Michael Panse MdL, Katrin Konrad von der Elterninitiative „Wir sind Familie“ und Stefan Fuchs vom Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie

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In einer musikalischen Einlage begeisterten die Kinder und Jugendlichen des Erfurter Musikkonservatoriums das Publikum mit schmissigen Rhythmen. Die ursprünglich vorgesehene Stadtführung mußte aufgrund des dicht gedrängten Programms auf den nächsten Morgen verschoben werden.

Die Verantwortlichen, das Familiennetzwerk unter seiner Vorsitzenden Maria Steuer und die Thüringer Elterninitiative „Wir sind Familie“, verdienen großes Lob angesichts der sehr gelungenen Veranstaltung. (Siehe auch: Interview mit Maria Steuer auf FreieWelt.net) Frau Dr. Pistner von der Elterninitiative „Wir sind Familie“, die die Tagung vor Ort organisiert hatte, erklärte, ihre Motivation zu diesem Engagement liege unter anderem in dem Bestreben, der von ihr geleisteten (unbezahlten) Familienarbeit endlich die selbe Anerkennung zu verschaffen wie (geldmäßig entlohnter) Erwerbsarbeit. (Siehe auch: Interview mit Dr. Pistner auf FreieWelt.net)

Die Alte Oper Erfurt bot eine großartige und würdige Kulisse für das anspruchsvolle Tagungsprogramm. Verschiedene familienpolitische Initiativen aus dem In- und Ausland waren in Erfurt vertreten, etwa die Initiative „Gerne leben mit Kindern“ von Almut Rosebrock oder Prof. Danhel vom Österreichischen Familiennetzwerk und viele andere. Angesichts zahlreicher anderer Tagungen zu familienpolitischen Themen, die am gleichen Wochenende stattfanden, haben sich vergleichsweise viele Besucher in Erfurt eingefunden. Eine wesentliche Ursache für den Zuspruch dürfte in der großen Zahl hochkarätiger Referenten zu suchen sein, die vom Familiennetzwerk gewonnen werden konnten.

Den gelungenen Auftakt im Referentenreigen machte die Familientherapeutin Dr. Carmelite Avraham-Krehwinkel aus Israel. Ihr Vortrag über Sozialisation im Kibbuz brachte viele in Deutschland, aber auch in Israel weitgehend unbekannte Fakten und erschreckende Einblicke in eine letztlich gescheitere Erziehungs- und Betreuungsform, die im kulturellen Gedächtnis dennoch weiterhin eher positiv besetzt ist.

Die britische Psychotherapeutin Melanie Gill trat mit flammend rotem Haar vor das Publikum und forderte, wunderbar kämpferisch in Tonfall und Pose, eine familienfreundliche Politik in den westlichen Industrienationen ein.

Wolfgang Bergmann überzeugte mit einem sehr bewegenden, auch rhetorisch bewegt vorgetragenen Referat über das frühkindliche Gefühlsleben und Bindungsbedürfnis. Allen betroffenen Eltern im Publikum werden vielleicht besonders die wertvollen Hinweise des bekannten Kinder- und Jugendpsychologen zum Umgang mit der berühmten Supermarkt-Situation (Kind gerät an der Kasse in Wut, weil es das Bonbon in der Auslage nicht bekommt) in Erinnerung bleiben.

Die freie Journalistin Dr. Karin Jäckel trat als zusätzliche, nicht im Programm angekündigte Referentin zum Thema „Jugendamt“ auf. Was sie auf der Basis jahrzehntelanger Recherchen an erschreckenden Fallgeschichten aus der Praxis der „Kinderklaubehörde“ zu berichten hatte, empfanden viele im Publikum geradezu als erschütternd.

Als Doyenne der Therapie und Forschung im Familien- und Erziehungsbereich zog Christa Meves eine Bilanz ihrer lebenslangen Arbeit, zeigte sich aber immer noch auf der Höhe der zeitgenössischen Entwicklung etwa in der Hirnforschung. Sehr beeindruckend.

Hauptschulrektor Siegfried Bäuerle referierte über die „Brutalisierung der Jugend“ und betonte unter anderem die Bedeutung der familiären Bindung in der Prävention von Gewalttaten.

Stefan Fuchs vom Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie referierte sehr fundiert über die fortschreitende De-Familialisierungstendenz in der deutschen und europäischen Politik. (Siehe auch: Interview mit Stephan Fuchs auf FreieWelt.net)

Der bekannte liberale Rechtsanwalt Carlos A. Gebauer setzte in seinem rhetorisch versierten Vortrag einen etwas anderen Akzent und warnte vor dem staatlichen Angriff auf die Freiheit, v.a. im Bereich der Zwangsversicherungen. Später in der Kaffeepause präzisierte Herr Gebauer noch einmal seine Vorstellung des Verhältnisses von Staat, Freiheit und Familie zueinander. Man müsse sich das ungefähr so vorstellen: Der Staat ist ein zu enger Schuh, der überall am ganzen Fuß drückt. Die Familie aber ist wie der große Zeh, bei dem es am schnellsten anfängt weh zu tun. (Siehe auch: Interview mit Carlos A. Gebauer auf FreieWelt.net)

Den Abschluß und gleichzeitig den rhetorischen  Höhepunkt der Referentenriege bildete zweifellos der Vortrag von Eva Herman, der zeitweilig Züge einer Erweckungspredigt annahm. Eva Herman verband viele Ansätze der Vorredner zu einem einfühlsamen und stimmungsvollen Gesamtbild, das genau den Nerv der Zuhörer traf und zu recht mit viel Beifall bedacht wurde.

Homepage des Familiennetzwerks Familie-ist-Zukunft.de

Fotos: MichalePanse.de



Christoph Kramer, 23.06.2009 09:43 | Kommentare (1)

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  Kommentare (1)

Horatio Nelson, 04.08.2009 21:20
Erfreulich. Dieser Bericht vermittelt den Eindruck, daß die Familie selbst und nicht ihre Sozialisierung bzw. Verstaatlichung im Mittelpunkt der Überlegungen, Vorträge und Diskussionen stand. Was allerdings bei der Durchlesung aber doch auffiel ist das Fehlen der Feststellung der göttlichen Natur der Familie.

Bei den Beratungen war auch offensichtlich kein Vertreter der Kirche anwesend. Denn die Familie, „unsere erste Festung“, geht in dieser heutigen Meinungsdiktatur des antichristlich „politisch Korrekten“ verloren. Die Familie ist entchristlicht, verweltlicht worden.

Die Ehe ist göttlichen Ursprungs, ebenso wie auch die Einrichtung und die Grundrechte der Familie vom Schöpfer selbst bestimmt und festgelegt sind. Sie sind und dürfen nicht der menschlichen Willkür, politischen Ideologien und wirtschaftlichen Faktoren zum Opfer fallen. Im Gegenteil. Unsere Gesellschaft muß den Weg zur christlich ausgerichteten Familienpolitik wiederfinden.
Grüße
Horatio Nelson



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