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Kritik am Betreuungsgeld durch Bildungsbericht war Medienkonstrukt

26. Juni 2012, 08:23 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: ,

Vor wenigen Tagen wurde - quer durch die Medien - die Nachricht in die Öffentlichkeit getragen, dass der am 22.6.2012 vorgelegte Bildungsbericht eine deutliche Kritik an der geplanten Einführung des Betreuungsgeldes beinhaltete.

Dies war natürlich Wasser auf die Mühlen der Gegner dieser ‚Gerechtigkeits-Prämie’. Weshalb sich die angeblich sparbewussten Betreuungsgeld-Kritiker so verhalten, ist angesichts des Betrages von 100,- bzw. 150,- Euro schwer nachvollziehbar, denn diese Eltern schenken gleichzeitig dem Staat 1.200,- Euro pro Monat für einen nicht in Anspruch genommenen Krippenplatz. In finanzknappen Zeiten eigentlich ein ‚Supergeschäft’. Dass aber Ideologen nur rechnen und Fakten aufgreifen, wenn es ihnen passt, wurde nun durch folgendes Dementi offensichtlich. So veröffentlich heute das Heidelberger Büro für Familienfragen (HBF) folgende Meldung:

„Der Bildungsbericht 2012 ist nicht als Warnung vor der Einführung des geplanten Betreuungsgeldes zu verstehen! – so stellte am Wochenende ein federführender Forscher in einem Interview klar. Die Bildungsexperten hätten zu diesem Thema inhaltlich gar keine Bewertung oder Empfehlung abgegeben. Die gegenteilige, von der Nachrichtenagentur dpa ausgelöste, breite Medienberichterstattung vor der Veröffentlichung sei sachlich falsch. Die einmalige Nennung des Betreuungsgeldes in dem 360-seitigen Dokument sei ausschließlich mit Blick auf die finanzpolitische Prioritätensetzung erfolgt, die angesichts bereits laufender bildungspolitischer Vorhaben notwendig erscheine. Diese Bedenken hätten sich zudem nicht nur auf die neue Familienleistung bezogen, sondern in gleicher Weise auf die politischen Bemühungen, das letzte Kindergartenjahr beitragsfrei zu stellen.“

Die Bildungsexpertin der SPD-Bundestagsfraktion, die zuvor noch – wie andere Politiker und Medienkommentatoren auch – ausdrücklich das “mutige” Expertenvotum gegen das Betreuungsgeld gelobt hatte, zeigte sich von dieser Klarstellung des Wissenschaftlers nicht nur enttäuscht; sie stellte darüber hinaus den Sinn des gesamten Bildungsberichtes in Frage. Mit anderen Worten: Bei Nichtgefallen werden Fakten ignoriert oder abgewertet. Tatsächlich sind die vorgelegten Daten der Experten/innen einerseits gar nicht dafür geeignet, das Betreuungsgeld zu bewerten. Diese Falschmeldung ist nach Kenntnis des HBF nur einer überregionalen Redaktion aufgefallen. Andererseits benennt der Bericht ein schwerwiegendes, strukturelles Problem bei der bestehenden Förderung in den “frühkindlichen Bildungseinrichtungen”, das – anders als der vermeintliche Risikofaktor Betreuungsgeld – medial keinerlei Niederschlag gefunden hat. Soweit die wichtigsten, vom HBF am 25.6.2012 zusammengestellten Kernaussagen.

Nun kann es immer mal wieder vorkommen, dass Nachrichten durch Unaufmerksamkeit nicht der Sachlage entsprechen. Dies wird gemeinhin als Zeitungsente bezeichnet. Im Gegensatz dazu handelt es sich hier nicht um einen Irrtum, sondern um eine bewusste Fälschung. Solche gezielten Irreführungen durch die Beschreibung von etwas nicht vorhandenem werden im Pressewesen ‚Tatarenmeldung’ genannt. Es kann also resümiert werden. Menschen, welche wie besessen nur Fakten sehen bzw. hören wollen, wie es der eigenen Zielsetzung entspricht, werten nach einer Entlarvung die vorher noch hoch gelobten Befunde – selbst wenn es sich um den Bildungsbericht der Bundes handelt – einfach ab. Bleibt zu fragen, wann werden solche Meinungs-Macher bzw. Tatsachen-Verdreher in die wüsten Steppen des Tataren-Königs Dschingis Khan ausgewiesen?

Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17

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2 Kommentare auf "Kritik am Betreuungsgeld durch Bildungsbericht war Medienkonstrukt"

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