“Wir sind Anwälte der Frauen” – Interview mit Martin Lohmann

22. August 2011, 08:13 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von Redaktion
Foto: Martin Lohmann/privat
Redaktion FreieWelt.net

Der bekannte katholische Journalist, Verlagsleiter des Kirchenzeitungsverlages Bachem Medienhaus und Gründer des Arbeitskreises engagierter Katholiken (AEK) in der CDU, Martin Lohmann, fordert mehr Toleranz für das Leben. Im Interview mit FreieWelt.net sprach Lohmann, der auch Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) ist, über Lebensschutz, den geplanten Marsch für das Leben am 17. September in Berlin und die Möglichkeiten Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern.

FreieWelt.net: Herr Lohmann, Sie haben wieder zum sogenannten Marsch für das Leben nach Berlin eingeladen. Am 17. September demonstrieren Sie in der Hauptstadt gegen die Tötung ungeborener Menschen. Und diesmal beginnen Sie mit einer Veranstaltung zwischen Bundeskanzleramt und Reichstag. Steckt dahinter eine besondere politische Botschaft?

Martin Lohmann: Ja. Es ist die Botschaft an alle, endlich mehr Mut zum Leben zu haben und zu zeigen. Und es ist die Botschaft an die politisch Verantwortlichen, mehr ihrem Herzen und der Logik des Lebens zu folgen als bisher. Es ist höchste Zeit fürs Leben! Es darf doch einfach nicht wahr sein, dass wir immer noch viele Frauen als Mütter alleine lassen und ihnen keinen Ausweg aus einer für sie zunächst ausweglosen Situation zeigen. Wir könnten so viele Menschen retten, wenn wir es nur wollten. Und wir könnten es wollen! Dazu bedarf es nur einer kleinen aber lebensrettenden Erkenntnis: Das Lebensrecht ist von Anfang an gegeben und bleibt unteilbar. Denn jeder Mensch ist gewollt und geliebt. Wenigstens von Gott. Und das ist schon eine Menge. Also sollten wir der Fantasie freien Lauf lassen, wie wir dieser Vorgabe gerecht werden können.

FreieWelt.net: Moment mal, Sie wollen aber doch nicht sagen, dass ungeborene Kinder aus Fantasielosigkeit abgetrieben werden?

Martin Lohmann: Doch. Leider ist es häufig so. Weil die Fantasie zur Hilfe und der Mut zur Verantwortung fehlen. Vor allem bei Männern. Sie sind es oft, die nach ihrem „Spaß“ vor den Konsequenzen weglaufen und als Väter von Ungeborenen die Mutter in die Verzweiflung schicken. Die Lebensschützer in Deutschland und nicht nur hier sind letztlich auch Anwälte der Frauen, die als Mütter vielfach in die Verzweiflung des Tötens manövriert werden und dann auch noch Ärzten in die Hände fallen, die mit der Menschentötung Geld verdienen. Sie sehen: Es fehlt ein kleines Stückchen Fantasie in unserer Gesellschaft, einfach klar zu sehen.

FreieWelt.net: Vielfach sind die Männer die Schuldigen?

Martin Lohmann: Oh ja, leider. Doch sie werden nicht belangt. Bisher. Deren Einstellung zur Abtreibung könnte sich ändern, wenn sie für alle Kosten und Folgekosten aufkommen müssten. Hier könnte der Gesetzgeber mal richtig fantasievoll nach vorne denken. Denn es ist eine Schande, wie sehr Frauen im Stich gelassen werden und mehr oder weniger zu etwas gezwungen werden, was kein normaler Mensch gerne tut, nämlich einen anderen Menschen, noch dazu ein eigens Kind zu töten.   

FreieWelt.net: Was kann, was könnte denn getan werden?

Martin Lohmann: Wir brauchen ein richtiges Hilfsprogramm, und es müsste so sein, dass jeder und jede weiß, nicht alleine gelassen zu werden in sogenannten Notsituationen. Und wir brauchen ein besseres Adoptionsrecht. Da wir doch dort ohnehin schon generell vom Kind her denken, sollte man darüber nachdenken, ein Kind schon vor der Geburt adoptieren zu können. Besser als seine Tötung ist das allemal.

FreieWelt.net: Für Ihren Einsatz für das Leben und seine Unantastbarkeit werden Sie aber auch heftig beschimpft. Sind Lebensschützer radikal?

Martin Lohmann: Sie sind vor allem Anwälte des Lebens. Und sie sind tolerant. Es ist zwar ein schmerzlicher Skandal, dass mitten in einer sich human dünkenden Gesellschaft bereits vorhandene wachsende kleine Menschen brutal getötet werden, doch ein christlicher Lebensschützer würde niemals darauf mit physischer Gewalt oder Verächtlichkeit reagieren. Wir suchen eher das Gespräch, wir wollen aufklären und ganz logische Argumente wirken lassen. Mit unserem Marsch für das Leben beweisen wir seit Jahren, dass wir auch auf blanken Hass friedlich reagieren. Wissen Sie: Viele von denen, die uns Böses unterstellen und uns in bestimmte Ecken drücken wollen, wollen damit eigentlich eine Wahrheit verdrängen, die man ihnen allzu lange vorenthalten hat oder die sie für sich, weil sie in ihrer Logik nach Verantwortung und Liebe ruft, als zu radikal und konsequenzenstark empfinden. Und diese Botschaft ist schlicht und ergreifend: Jeder Mensch hat ein vorgegebenes und unantastbares Lebensrecht und eine ebensolche Würde. Mir scheint, dass wir ein hohes Defizit an Zuneigung, Verständnis und Liebe in unserer Gesellschaft haben, weshalb dann diejenigen, die sich für das Fundament einer wirklich humanen Gesellschaft einsetzen, von einigen zunächst als störend missverstanden werden. Nicht wir sind radikal. Radikal im Sinne von in der Wahrheit verwurzelt ist die Erkenntnis, dass Lebensrecht und Menschenwürde unantastbar sein und bleiben müssen.

FreieWelt.net:  Haben Sie denn auch das Lebensende im Blick?

Martin Lohmann: Und ob! Die Missachtung des Lebensrechtes am Anfang ist eine enge Verwandte der Missachtung des Lebensrechtes und der Würde am Ende des irdischen Lebens. Abtreibung und Euthanasie haben dieselbe vergiftete Wurzel. Denn in beiden Fällen wird selektiert. In beiden Fällen wird Leben missachtet. In beiden Fällen fehlen Verantwortung und Liebe. Wir haben wohl noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Und wir werden das auch künftig tun, mit oder ohne Widerstände. Das Leben eines jeden Menschen, ob geboren oder nicht, ob jung oder alt, ob gesund oder krank ist es wert, sich einzusetzen für ein klares Ja zum Leben.

FreieWelt.net: Ist das Ihre Kernbotschaft?

Martin Lohmann: Ja. Wer etwas für eine bessere Zukunft und eine humane Welt tun will, sollte mitmachen. Wir laden alle Freunde des Lebens ein, am 17. September mittags auf dem Platz vor dem Kanzleramt mitzumachen beim Zeugnis für das Leben. Friedlich und freundlich. Von dort ziehen wir wieder zur Hedwigskathedrale, wo wir einen ökumenischen Gottesdienst feiern und für alle beten: für die getöteten Kinder, deren Mütter und Väter, aber auch für jene, die sich der Wahrheit des Lebens noch verschließen. Wissen Sie, bei nüchterem Nachdenken kommt doch eigentlich jeder zu der Erkenntnis: Es gibt keine humane Alternative zu einem Ja zum Leben.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Gespräch!

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