Wieder auf gutes Deutsch achten – Interview mit Dr. Gisela Spieß

10. Juni 2010, 09:48 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: , | von
Redaktion FreieWelt.Net

Dr. Gisela Spieß ist Regionalleiterin des Vereins Deutsche Sprache e.V. (VDS) in Freiburg. Die promovierte Germanistin war als Studien- bzw. Oberstudienrätin in Hamburg, Salem und Überlingen tätig. FreieWelt.net sprach mit Frau Dr. Spieß über die deutsche Sprache, den VDS, seine Ziele und das schönste Wort der deutschen Sprache.

FreieWelt.net: Was will der Verein Deutsche Sprache erreichen?

Frau Dr. Spieß: Wir wollen erreichen, daß unsere schöne und einst in der ganzen Welt geschätzte Sprache wieder mehr geachtet und nicht leichtfertig zerstört wird.

FreieWelt.net: Auf welchem Weg wollen Sie diese Ziele erreichen?

Frau Dr. Spieß: Wichtig ist zunächst, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie unsere Sprache durch ständig eingefügte Englischbrocken und fehlerhaftes Deutsch zerstört wird, was wir durch Gespräche und Anschreiben zu erreichen versuchen.

FreieWelt.net: Sprachen haben sich schon immer gegenseitig beeinflusst.  Früher wurden vor allem Begriffe aus dem Lateinischen und dem Französischen entnommen, heute steht das Englische an erster Stelle.  Auch im Englischen gibt es aus dem Deutschen entliehene Wörter.  Ist der Sprachwandel nicht ein ganz normaler Vorgang?

Frau Dr. Spieß: Natürlich beeinflussen sich Sprachen gegenseitig, wogegen auch nichts einzuwenden ist. Es kommt nur darauf an, in welchem Maße das geschieht. So hat sich z.B. schon ein Cicero gegen die Übernahme zu vieler griechischer Wörter zur Wehr gesetzt. Und was heute bei uns in Deutschland geschieht, ist ja nicht mehr normal. Denn man benutzt (aus Angeberei oder Dummheit) plötzlich nicht mehr seine deutschen Wörter, sondern die englischen Übersetzunngen, und das auch oft noch falsch (body bag, public viewing usw.). Und wenn etwas Neues erfunden wird, übernehmen wir blindlings die englischen Bezeichnungen, während andere Völker Bezeichnungen in ihrer Sprache erfinden.

FreieWelt.net: Eine globalisierte Welt wie die unsrige benötigt eine allgemeine Verkehrssprache.  Das Englische hat sich in diesem Zusammenhang durchgesetzt.  Ist das nicht im Rahmen der internationalen Verständigung eher vorteilhaft?

Frau Dr. Spieß: Wir haben keineswegs etwas gegen Englisch als allgemeine Verkehrssprache. Aber wir haben etwas dagegen, daß man in Deutschland nicht mehr deutsch spricht und daß man dadurch viele Menschen ausgrenzt und man eine Zwei-Klassen-Gesellschaft schafft.

FreieWelt.net: Welche Aufgaben im Zuge der Sprachvermittlung sehen Sie bei den Eltern, welche bei den Schulen und welche bei den Medien?

Frau Dr. Spieß: Die Eltern sollen mit ihren Kindern viel reden und auch vorlesen.  In den Schulen soll es nicht mehr um Spaß gehen, sondern es sollte wieder gelernt werden, und der Muttersprache müßte größere Bedeutung zugemessen werden.
Die Medien sollten endlich wieder auf gutes Deutsch achten und nicht ständig englische Bezeichnungen gebrauchen bzw. sogar einführen.

FreieWelt.net: Was ist für Sie das schönste Wort der deutschen Sprache?

Frau Dr. Spieß: Da es so unendlich viele schöne deutsche Wörter gibt, ist es schwer für mich, das schönste zu nennen. So nenne ich eins der schönsten: Feierabend.

Der Verein Deutsche Sprache unter vds-ev.de

Das Interview führte Fabian Heinzel

Foto: Gisela Spieß/VDS e.V

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