Interview mit Maria Steuer

»Versuch, Einfluß des Elternhauses zu minimieren«

In einem aufsehenerregenden Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht das elterliche Erziehungsrecht auf den außerschulischen Bereich beschränkt. Das wird zum Problem, besonders in einer Zeit, in der die Schulen immer stärker von Bildungs- zu Erziehungsauftrag umschwenken, sagt die Vorsitzende des Familiennetzwerks Maria Steuer im Interview mit FreieWelt.net

Veröffentlicht: | Kategorien: Interviews, Interviews - Empfohlen | Schlagworte: BVerwG, Elternrecht, Erziehungsrecht der Eltern, Grundgesetz, Klage, Maria Steuer, Urteil
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FreieWelt.net: Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Urteil (Az.: BVerwG 6 C 12.12) gegen die klagenden Zeugen Jehovas entschieden. Diese wollten verhindern, dass ihre Kinder den Film "Krabat" in der Schule zu sehen bekommen, in dem das Praktizieren schwarzer Magie dargestellt wird. Können Sie den Klagegrund nachvollziehen?

Maria Steuer: Grundsätzlich kann ich verstehen, daß in der Schule Inhalte vermittelt werden, mit denen Eltern nicht einverstanden sind. Bisher haben meines Wissens nach Eltern in solchen Fällen oft einfach ihr Kind zu Hause behalten und es "krank" gemeldet. Wichtig ist dabei auf jeden Fall das Alter des Kindes: mit einem 15jährigen können Eltern die Inhalte besprechen - bei einem Grundschulkind ist das nicht wirklich möglich. Besonders problematisch ist das Vorführen von Filmen, da über ein solches Medium Emotionen vermittelt werden, die dann nur schwer auf die Verstandesebene geholt werden können.

FreieWelt.net: Welche Auswirkungen hat das BVerwG-Urteil - besonders in Hinblick auf das im Grundgesetz verankerte Erziehungsrecht der Eltern?

Maria Steuer: Unser Erziehungsrecht beschränkt sich auf den außerschulischen Bereich unserer Kinder. Das wird zum Problem, wenn Kinder mehr Zeit in der Schule als zu Hause verbringen und je mehr die Schule den Bildungsauftrag vernachlässigt und den Schwerpunkt auf den Erziehungsauftrag verlagert. Da hat in den letzten Jahrzehnten ein enormer Wandel in den Schulen stattgefunden: immer mehr soll versucht werden, den Einfluß des Elternhauses zu minimieren. Bisher wird dies nur in dem Bereich der Bildungschancengerechtigkeit offen besprochen.

FreieWelt.net: Kann es nicht auch sinnvoll sein, das Erziehungsrecht, auch das religiöse Erziehungsrecht der Eltern zu relativieren - gerade im Hinblick auf Kinder von Extremisten, etwa Satanisten oder Islamisten?

Maria Steuer: Hier zeigt sich die Schizophrenie der augenblicklichen politischen Situation. Es wird oft mit unterschiedlichem Maß gemessen. Ich bin mir nicht sicher, ob man ebenso das religiöse Erziehungsrecht von Islamisten relativieren würde in einer Zeit, in der bereits die Abschaffung des Sankt-Martins-Festes in Schulen und Kindergärten gefordert wird, weil das Fest diskriminierend für den muslimischen Kulturkreis sei.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Die Zerstörung von Familien ist in Deutschland offizielle Familienpolitik. Sollte man den Bürgern etwas anderes erzählen, dann ist das schlichtweg gelogen.

Es ist nicht zu erwarten, dass diese Politik der Altlastenparteien geändert wird.

Gravatar: Dr. Gerd Brosowski

Die Schulpflicht beruht auf dem Grundrecht der Kinder auf Entfaltung ihrer Persönlichkeit, auf eine Bildung, die das Elternhaus in der Regel nicht leisten kann und die allen Kindern, gleich welcher Herkunft, anzubieten ist. Dieses Grundrecht kollidiert mit dem Grundrecht der Eltern auf Erziehung , weshalb die Schulpflicht per Gesetzt geregelt ist. Auch ist deshalb die Lehre in der Schule nicht frei – im Gegensatz zu der Lehre an Universitäten ist sie an Lehrpläne gebunden und unterliegt der staatlichen Aufsicht, letztlich der Aufsicht der Parlamente. Diese Kontrolle ist durch behördlich vorgegebene Lehrpläne gegeben, deren Durchführung die Schulleitung zu überwachen hat. Die erzieherischen Aufgaben der Schule leiten sich aus den Erfordernissen eines geordneten Unterrichts ab; sollten sie darüber hinaus gehen, so müssen sie explizit per Gesetz geregelt werden. So sollte es jedenfalls sein, und lange Zeit war es auch so.

Aber in den vier Jahrzehnten, in denen ich am Gymnasium unterrichtete, wurden diese Fundamente allmählich zerstört. Lehrpläne wurden immer weniger beachtet und nicht mehr durchgesetzt; heute sind die Inhalte des Unterrichts weitgehend in das Ermessen der einzelnen Schule oder gar des einzelnen Lehrers gestellt und sind jeder möglichen Kontrolle durch die Parlamente entzogen. Den Schulen hat man vage formulierte erzieherische Aufgaben zugewiesen, durch Auslagerung etwa der Nachmittagsbetreuung auf private Anbieter sind erzieherische Einflussnahmen nicht mehr zu kontrollieren. Kamen früher Lehrpläne in der Weise zustande, dass die Schulaufsichtsbehörde mit ihrer Formulierung eine Kommission aus Lehrerinnen und Lehrern beauftragte, danach die Lehrpläne in Kraft setzte und für ihre Einhaltung sorgte, so wird heute etwa zur Formulierung der „Sexualerziehung“ – wohlgemerkt, nicht des Unterrichts in Sexualkunde, sondern zur „Erziehung“ – ein „Runder Tisch“ einberufen, an dem Leute aus der Lehrerfortbildung Platz nehmen und des weiteren viele Vertreter aller möglichen Gruppierungen, Vereine, Initiativen. Aktionspläne statt Lehrpläne. Keine klaren Verantwortlichkeiten, Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden faktisch unmöglich und vielleicht auch gar nicht mehr beabsichtigt. Das sind nicht nur Überdehnungen des gesetzlich festzulegenden Auftrages der Schulen, das sind Anmaßungen, Usurpationen von Erziehungsrechten.

Gravatar: Jonathan Skeet

Kinder gehören den Staat. Eltern Sind nur eine Biologische Notwendigkeit.

Gravatar: MiniDragon

Habe keine Kinder, aber wenn ich welche hätt e, dann würde ich großen Wert darauf legen, dass Sie im Schuluntericht Wissen und die Fähigkeit zum Selberdenken vermittelt bekommen und nicht indokriniert werden.

Gravatar: Alfons Liesch

Volle Zustimmung für Frau Karin Weber. Das Ganze hat einen Namen: GENDER-POLITIK mit
der Spitze der EU unter Martin Schulz.
Wir müßen zusammenrücken und schnellst möglich dagegen in allen Städten Deutschlands
demonstrieren!!!!!!!

Gravatar: R. Braun

Der einstige, sozialistisch-kommunistischen Kommissar für Erziehung in der damaligen Sowjetunion, Anatoli Lunatscharski (1875-1933) zur beabsichtigten Zerstörung der Familie.
"Familie ist der ausgemachte Feind des Sozialismus: -Unsere jetzige Aufgabe ist die Zerstörung der Familie und die Ablösung der Frau von der Erziehung ihrer Kinder. Wenn wir in unseren Gemeinschaftshäusern gut vorbereitete Abteilungen für Kinder organisiert haben, ergibt es sich zweifellos, dass die Eltern ihre Kinder von allein dorthin senden werden, wo sie durch medizinisch und pädagogisch qualifiziertes Personal überwacht sind. Dadurch werden zweifellos Ausdrücke wie meine Eltern oder unsere Kinder immer weniger gebraucht werden und durch Begriffe wie die Alten, die Kinder, die Säuglinge ersetzt werden-".

Noch Fragen?

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na ist denn das...
Ja die Schulpflicht heißt aber nicht das man sich als Eltern mit dem Unterrichtsstoff abfinden muss.
Ohne Eltern bei der Großmutter aufgewachsen konnte ich schon mit 5 Jahren schreiben,lesen und rechnen .Es hat den Lehrern natürlich nicht gepasst. Unterricht war mir lästig da ich damals schon von den Lehrern gemobbt wurde.Kunst,Werken ,Lesen und Vortrag,Sport, Erdkunde und Geschichte waren meine Lieblingsfächer.Bei dummen Fragen habe ich oft nur gelächelt und geschwiegen..Noten waren mir gleichgültig haben aber immer gereicht.

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