Suche nach Wahrheit – Interview Roja Said

16. April 2010, 07:49 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: , , | von
Redaktion FreieWelt.net

Das Mediennetzwerk „Generation Benedikt“ wurde im Jahr 2005 von Jugendlichen aus aller Welt gegründet, die ihren katholischen Glauben öffentlich bekennen und erläutern wollen, um anderen jungen Menschen eine eigene Auseinandersetzung mit Glaube, Kirche und Papst zu ermöglichen. FreieWelt.net befragte pünktlich zum Geburtstag und Amtsjubiläum des Papstes eine Sprecherin des Netzwerks. Roja Said beendet derzeit ihr Studium der Germanistik, der Sozialpsychologie und -anthroplogie und Philosophie in Bochum.

FreieWelt.net: Am 19. April 2010 jährt sich das Pontifikat Benedikts zum fünften Mal. Wie hat sich die Generation Benedikt und ihre Beziehung zu dem Papst aus Deutschland seit 2005 entwickelt?

Roja Said: Seit Anbeginn gilt, dass die klare Haltung des Papstes für uns als junge Menschen besonders wichtig ist. Sein Privatsekretär Georg Gänswein beschrieb den Heiligen Vater in der Bild kürzlich als “sanft in der Art, aber felsenfest in der Sache”.  Zumindest meine Empfindungen traf das exakt. Er ist jemand, der ohne wenn und aber, doch stets gut begründet Position bezieht, Orientierung gibt und unsere Welt so ein Stück bewohnbarer macht – eben ein wahrer Hirte. In diesem Zusammenhang denke ich etwa an seine Haltung zum modernen Relativismus. Viele Jugendliche sind dankbar, dass eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens den Zeitgeist derartig klar als das benennt, was er ist. Wer in unserer völlig verwirrten Zeit nach Sinn sucht, findet bei Benedikt XVI. sicher Antwort-Hinweise. Das war zu Beginn so und dieses Gefühl hat sich bestärkt. Sicher, anfangs mussten einzelne von uns diesen zurückhaltenden, stillen Papst erst einmal kennenlernen. Inhaltlich steht er selbstredend in einer Linie mit Johannes Paul II., aber in Bezug auf seine Öffentlichkeitwirksamkeit gibt es ja offensichtliche Unterschiede. Doch diese Kennenlern-Phase ist nun schon seit längerem abgeschlossen. Wir sind dankbar für diesen Mann und stehen absolut solidarisch hinter ihm, weil er glaubwürdig ist. Daher tut es uns auch besonders weh, wenn der Heilige Vater in wichtigen Dingen missverstanden wird oder seine Aussagen medial wissentlich verzerrt werden.

FreieWelt.net: Welche päpstlichen Botschaften stießen in der Generation Benedikt auf besonders große Resonanz? Welche Worte des Papstes sind für seine jugendlichen Anhänger besonders bedeutsam?

Roja Said: Ich denke, initialzündend für das Netzwerk war vor allem der tiefe Glaube Benedikts an die Kraft und das Streben der Jugendlichen. Auf dem Weltjugendtag in Sydney wurde er dazu deutlich: “Sprecht mutig von eurem Glauben, auch wenn er zuweilen auf Widerstand stößt”. Er glaubt an uns und vertraut darauf, dass wir das “Große, Gute und Wahre” anstreben. Dieses hohe Ansehen, mit dem der Papst den Jugendlichen begegnet, trägt unsere Arbeit maßgeblich mit. Benedikt XVI. ist ein großer Lehrer, dem wir vor allem Schriften und Reden verdanken, die uns einen rationalen Zugang zum Glauben eröffnen. Bei ihm wird niemand durch Überreden überzeugt, sondern durch Ausführungen, getragen von tiefem Respekt. Dass Vernunft und Glaube zusammen gehen, sieht man bei ihm wie sonst nirgends. Am meisten berührt und geprägt hat wohl seine Enzyklika “Deus caritas est”, in der das Leben als eine Liebesbeziehung zu Gott – und den Menschen – ganz plastisch wird. Aber auch seine Botschaft zum Weltfriedenstag 2008, in der er die Bedeutung der christlichen Familie für den Frieden in der Welt thematisiert, hatte große Bedeutung, da sie den Anspruch der Generation Benedikt untermauert, dass Politik und Glaube für eine humane Zivilgesellschaft zusammengehören.

FreieWelt.net: Die Generation Benedikt repräsentiert nicht alle katholischen Jugendlichen. In einem Interview mit dem „Spiegel“ behauptete der Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ); Dirk Tänzler, sogar, es gebe gar keine „Generation Benedikt“. Wie erklären sich diese Auffassungsunterschiede innerhalb der katholischen Jugend in Deutschland? Worin unterscheidet sich die Generation Benedikt vom Verbandskatholizismus des BDKJ?

Roja Said: Ob Dirk Tänzler nun mit seiner Aussage, die Generation Benedikt gebe es nicht, auch auf unseren Namen als Netzwerk junger Katholiken anspielt oder – eigenen Angaben zufolge – tatsächlich allein klarstellen wollte, dass nicht alle Jugendlichen unserer Generation Rom-treue Katholiken sind – in beiden Fällen würde ich ihm empfehlen, sich einmal unserer Homepage zu widmen. Dort wird deutlich, dass allein in unserer Initiative rund 400 junge Menschen von einem tiefen Glauben getragen sind und beim Papst durchaus Antworten auf ihre dringlichen Lebensfragen finden. Im Übrigen würde ja kein geisteskräftiger Mensch behaupten, unsere Generation bestehe allein aus „Papstanhängern“. Als “Generation Benedikt” bezeichnen wir uns, da viele, auch kirchenferne, Jugendliche von der aufrichtigen und offenen Herangehensweise Benedikts an aktuelle Fragen beeindruckt sind. Mit ihm identifiziert ein nicht geringer Teil unserer Generation die Suche nach Wahrheit in Zeiten emotionaler und intellektueller Orientierungslosigkeit. Die Generation Benedikt verfolgt ein klares Ziel: Wir wollen nicht nur innerhalb der Kirche aufrichtige Dialoge führen, sondern auch mit Menschen ins Gespräch kommen, die man sonst nicht in der Kirche antreffen würde. Ein naheliegender Weg ist da die Medienarbeit. Durch sie erreichen wir Foren, die organisierten Kirchenstrukturen nur schwer zugänglich sind. Wir stehen gerade auch dort für den Glauben ein, wo er ins Schussgefecht gerät: In der Presse, bei Podiumsdiskussionen, an Universitäten oder in bestimmten politischen Verbänden. Unser Auftrag bringt die je eigene Spiritualität mit politischem Engagement in Einklang. Das bedeutet, bei uns gibt es keine unpolitische Frömmigkeit aber auch keine kirchenpolitischen, verbrämten Verbandsstreitereien.

FreieWelt.net: Welche Hoffnungen und Erwartungen verbindet die Generation Benedikt mit der weiteren Amtszeit des Pontifex maximus?

Roja Said: Ich würde mir wünschen, wir könnten uns in diesen schweren Tagen als Weltkirche vereint auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren, wie aktuell die Missbrauchsfälle innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche -  auf rückhaltlose Aufklärung, Opferhilfe und die Rückgewinnung des Vertrauens für die katholische Kirche. Für die weitere Amtszeit wünschen wir uns, dass sich die offene, wissenschaftliche und sorgende Vorgehensweise des Heiligen Vaters mehr Menschen eröffnet. Unser Papst bezieht auch unter Inkaufnahme starker Kritik aufrichtig Position und gibt Antworten auf notwendige, elementare Fragen. Die nötige unerschütterliche Kraft wünschen wir ihm für die weitere Amtszeit. Erwartungen knüpfen sich für uns als Mediennetzwerk insbesondere an die Kommunikationsstrategien, sofern es sie denn gibt, des Vatikan und der Bistümer. Dort müssen Veränderungen stattfinden, wie beispielsweise der Fall Williamson bereits vor einem Jahr gezeigt hat. Kostbare Glaubensinhalte dürfen in keinem Fall durch falsche Öffentlichkeitsarbeit verzerrt werden. Diese Aussage ist nicht nur als Medienkritik, sondern auch als Aufgabe an uns in der Kirche gemeint. Jeder Mensch muss, so er denn will, verstehen können, warum beispielsweise exkommuniziert wurde und was das genau bedeutet. Teile der Kirche müssen diese Bereitschaft, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach unserer Hoffnung fragt, deutlicher signalisieren oder in Teilen wahrscheinlich neu erlernen.

Das Interview führte Christoph Kramer

Weitere Informationen: www.generation-benedikt.de

Foto: Roja Said

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