Rückbesinnung auf das christliche Menschenbild

23. Juni 2009, 09:35 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von
Christoph Kramer

Die Münchner Benedictus Stiftung möchte einen Beitrag dazu leisten, christliche Vorstellungen vom menschlichen Leben neu in die Mitte der gesellschaftlichen Diskussion zu tragen.

Die Freie Welt sprach mit Alexa von Künsberg, Stiftungsvorstand der Benedictus Stiftung.

FreieWelt.net: Frau von Künsberg, im Mittelpunkt der Arbeit der Benedictus Stiftung steht das christliche Menschenbild. Glauben Sie, daß dieses Menschenbild in Deutschland und Europa noch von Bedeutung ist?

Alexa von Künsberg: Das christliche Menschenbild leitet sich von der Idee ab, daß jeder Mensch ein von Gott geschaffenes Individuum ist. Daraus folgt seine unantastbare Würde – unabhängig von Status, Gesundheitszustand, Intelligenzquotienten. Gefahr besteht dann, wenn diese Würde des Menschen relativiert wird, wenn die Gleichwertigkeit verloren geht, wenn Menschen nach rein äußerlichen, „weltlichen“ Kriterien unterschieden und gewertet werden. Wenn Menschen zu Objekten hinabgestuft werden, wird es legitim, über sie zu verfügen, sei es im Sinne politischer Machtinteressen oder medizinischer Forschungsinteressen. Von daher bleibt es immer ein zentrales Anliegen einer guten Gesellschaft, dieses christliche Menschenbild zum Schutze jedes Individuums hochzuhalten.

FreieWelt.net: Was tut die Benedictus Stiftung dafür?

Alexa von Künsberg: Wir suchen die Diskussion mit möglichst vielen Menschen zu unterschiedlichen Themen. Dabei sollen Gedanken angeregt werden und auch möglicherweise Lösungen für konkrete persönliche oder gesellschaftliche Probleme gefunden werden. Wir versuchen z.B. bei einer Podiumsdiskussion immer einen Vertreter einzuladen, der den Menschen als Geschöpf Gottes sieht, der nicht nur eine unantastbare Würde hat, sondern auch verantwortlich ist vor Gott, seinem Nächsten und der Umwelt. Wir bemühen uns auch darum, daß das Bewußtsein dieser Verantwortung in die Herzen der Menschen gelangt.

FreieWelt.net: Die Benedictus Stiftung betont die Unentbehrlichkeit bestimmter Werte. Welche Werte sind das konkret?

Alexa von Künsberg: Wie gesagt resultiert aus dem christlichen Menschenbild auch eine Verantwortung für die gesamte Umwelt, für die gesellschaftlichen Strukturen, in denen wir leben. Auf der Mikroebene geht es dabei um die Verantwortung innerhalb der Familie, des Bekanntenkreises, der Nachbarschaft usw. – Es sind ja keine neuen Werte, die die Benedictus Stiftung vertritt, wir wollen sie aber neu in den Dialog einbringen und wollen diese Werte auch gemeinsam im Dialog neu finden. Es geht um die Frage, wie man diese Werte heute als Individuum leben und wie man sie in der Gesellschaft einlösen kann.

FreieWelt.net: Was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich zu engagieren?

Alexa von Künsberg: Mein persönlicher Entschluß reifte während eines Studienaufenthalts in Washington D.C. Dank vieler Gespräche und vielleicht durch die Entfernung  wurde mir bewußt, welche ausschlaggebende Bedeutung das Christentum für die Entwicklung und die großen Errungenschaften Europas in der Geschichte hatte. Trotz aller auch tragischen Schattenseiten kann man doch sagen, daß Europa seine Fortschrittlichkeit und Freiheit dem Christentum und der damit entstandenen Aufklärung zu verdanken hat. Ich denke, es ist wichtig, an diese Tradition anzuknüpfen und die positiven Errungenschaften weiterzutragen.

FreieWelt.net: Welche Rolle spielt das Wirken Papst Benedikt XVI. für Ihre Stiftung?

Alexa von Künsberg: Die Wahl Joseph Ratzinger zum Papst war sicherlich Anlaß für die Gründung der Stiftung. Der Name Benedikt XVI., den der neue Papst wählte, steht in Bezug zu Werk und Geist des großen Ordensbegründers Benedikt von Nursia, der in einer epochalen Umbruchszeit die Grundlage für die Zukunft Europa gelegt hat. Vieles deutet darauf hin, daß heute ähnlich tiefgreifende Umbrüche bevorstehen. So denke ich, ist eine Rückbesinnung auf die modernen und auch revolutionären Ideen des Heiligen Benedikt auch eine Aufgabe der Benedictus Stiftung.

FreieWelt.net: Glauben Sie, daß christliche Vorstellungen eine Grundlage unseres Rechtssystems sein können?

Alexa von Künsberg: Wesentliche Grundlage unseres Rechtssystems ist die Menschenwürde und die Gleichheit vor dem Gesetz. Beides fußt auf dem christlichen Menschenbild und der Gleichheit vor Gott. Wenn diese Menschenwürde, die nur mit transzendentem Bezug möglich ist, nicht mehr vorhanden ist, kann ein Rechtssystem in eine menschenverachtende Richtung abweichen.

FreieWelt.net: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Religiosität und demographischer Entwicklung?

Alexa von Künsberg: Ich denke schon. Ein Mensch, der aus dem Glauben heraus lebt, möchte die Werte und Liebe weiterzugeben, die er mitbekommen und erfahren hat bzw. erfährt. Wenn ein Mensch dankbar ist für sein Leben, möchte er weiteres Leben schaffen und diese Lebensfreude weitergeben, auch an nachfolgende Generationen – selbst unter schwierigen Umständen.

FreieWelt.net: Die Benedictus Stiftung vertritt den Anspruch, Orientierung zu vermitteln. Können Sie uns bitte zum Abschluß verraten, welchen Rat Sie jungen Menschen mit auf ihren Weg geben würden?

Alexa von Künsberg: Jeder Mensch hat eine religiöse Ader. Jeder kennt die Sehnsucht nach dem Höheren, dem Absoluten, dem unendlich Guten. Ich würde jungen Menschen raten, diese Sehnsucht ernst zu nehmen, sich auf die Suche zu begeben und sich zu öffnen für eine persönliche Beziehung mit Gott.

Die Münchner Benedictus Stiftung möchte einen Beitrag dazu leisten, christliche Vorstellungen vom menschlichen Leben neu in die Mitte der gesellschaftlichen Diskussion zu tragen. Zugleich möchte sie das Bewusstsein für die christlichen Wurzeln Europas fördern, welche Kultur, Rechtssystem und Identität geprägt haben und Grundlage für die Zukunft sein können.

http://www.benedictusstiftung.de/

Schlagworte:

Schreibe einen Kommentar

Anzeige