Professor plädiert für Zweitwährung in starken Euro-Staaten

12. Juni 2012, 09:16 | Kategorien: Politik, Wirtschaft | Schlagworte: | von Redaktion
Foto: Prof. Marcus C.Kerber
Redaktion

Markus C. Kerber, Professor am Institut für Volkswirtschaft der TU-Berlin, ist Gründer des Think-Tanks Europolis. Dieser solle die Werte der Europäischen Gemeinschaft wiederbeleben. Zur Lösung der grundsätzlichen Probleme der Eurozone schlägt Kerber die Einführung einer Guldenmark vor – einer Parallelwährung die in wirtschaftlich stabilen Euro-Ländern wie Österreich, den Niederlanden oder Deutschland neben dem Euro als gesetzliches Zahlungsmittel dienen würde. Kerber erläutert seine Idee im Interview mit Abgeordneten-Check.de

Abgeordneten-Check.de: Wie beurteilen Sie ESM und Fiskalpakt?

Kerber: Beide haben gemein, daß sie wie alle bisherigen Maßnahmen die Eurozone nicht stabilisieren sondern destabilisieren werden. Der ESM durch den Anreiz, sich hilfsbedürftig zu machen und dadurch Geld zu erhalten. Der Fiskalpakt durch die Zentralisierung der Budgetkontrolle, welche antidemokratisch ist und in allen Mitgliedsländern der Eurozone auf faktische Ablehnung stoßen wird. Wer glaubt denn wirklich, daß la Grande Nation – Frankreich – sich im Unterschied zur den vergangenen 11 Jahren an Fiskalregeln halten wird ?!

Abgeordneten-Check.de: Sie sind der Gründer des Think-Tanks Europolis. Welches Ziel verfolgt Euorpolis?

Kerber: Europolis ist ein deutscher Beitrag zur europäischen Ordnungspolitik. Wir plädieren für einen Richtungswechsel in der europäischen Governance, d.h. für eine strikte Beachtung des Subsidiaritätsprinzips statt ständiger Selbstermächtigung der Kommission und für eine Renaissance der Europäischen Gemeinschaft als Raum individueller Freiheitsrechte anstelle der illegitimen Zunahme Brüsseler Zentralgewalt. Nur durch die Rekonstruktion einer solchen Europäischen Gemeinschaft kann das Scheitern des europäischen Projektes verhindert werden.

Abgeordneten-Check.de: In ihrer neusten Studie, die es auch als Buch gibt, werben sie für die Idee der „Guldenmark“. Können Sie unseren Lesern dieses Konzept näher bringen?

Kerber: In meinem Buch „ Mehr Wettbewerb wagen – Ein Konzept zur Reform der europäischen Währungsordnung“ weise ich einen Weg für die Leistungsbilanzüberschußländer (neben Deutschland, die Niederlande, Finnland, Österreich und Luxemburg); sich gegen die Zerrüttung der Eurozone durch die Südländer unter Führung Frankreichs zu wehren, ohne den Euro aufzugeben: Sie gründen eine Parallelwährung, die Guldenmark, als ein weiteres gesetzliches Zahlungsmittel und geben ihren Bürgern und Unternehmen damit die Option, bei der Festsetzung des Zahlungsmittel zwischen zwei Währungen zu wählen. Dies ist ein evolutionärer, liberaler Ansatz, die unvereinbaren Konzepte zur Geld- und Währungspolitik zwischen Nord und Süd friedlich innerhalb der EU zu organisieren.

Abgeordneten-Check.de: Was würde sich für die stabilen Länder der Eurozone verbessern?

Kerber:Sie hätten sofort eine zusätzliche Währung als Stabilitätsanker und darüberhinaus ein Zahlungsmittel, das als Starkwährung mit Aufwertungstendenz bestens geeignet wäre, die abwertenden, in Euro denominierten Schulden leichter zurückzuzahlen. Die Guldenmark ist also die Option zur eigenen Haushaltskonsolidierung.

Abgeordneten-Check.de: Würde dann überhaupt noch jemand in diesen Ländern mit Euro zahlen?

Kerber: Das hängt von der Politik der EZB ab. Setzen Draghi und Coeuré ihre Politik des Billiggeldes und der nahezu ungesicherten Refinanzierung der Banken fort, werden rationale Anleger dem Euro kein Vertrauen mehr schenken.

Abgeordneten-Check.de: Was sind andererseits die Risiken, wenn man auf Biegen und Brechen am Euro fest hält?

Kerber: Das politisch größte Risiko für Deutschland ist der Verlust der fiskalischen Souveränität. Die Bürger dieses Landes würden für das Fiskalverhalten auch solcher Staaten haften, die – wie Frankreich –eine unverantwortliche Schuldenpolitik betreiben. Das wäre das Ende der deutschen Demokratie auf europäischem Umweg.

Abgeordneten-Check.de: Derzeit ist eine sich zunehmend beschleunigende Kapitalflucht aus Spanien zu beobachten. In Griechenland ist es ähnlich. Niemand in den Südländer möchte seine Euro-Ersparnisse in eine neue landeseigene Währung umtauschen – aus Angst vor Wertverlust. Wie bewerten Sie dies, auch in Hinblick auf einen möglichen Euro-Austritt dieser Länder?

Kerber: Dies belegt, daß diese Länder besonders Griechenland- längst die EWU hätten verlassen müssen, weil sie sich ausschließlich über die EZB refinanzieren können und damit ihren Bankrott nur verschleiern und verschleppen.

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