Bruno Bandulet Journalist

»Nach der Bundestagswahl wird richtig geschröpft«

Interview mit Dr. Bruno Bandulet

Der Journalist Bruno Bandulet war Mitglied des Bundes freier Bürger (BfB), der 1994 als Reaktion auf den Maastricht-Vertrag gegründet worden war. Gegenwärtig unterstützt er die AfD, ohne eine prominente Rolle einzunehmen. Bandulet warnte schon früh vor der Einführung einer Einheitswährung. FreieWelt.net sprach mit ihm über den Zustand des Euro und die Chancen der AfD.

Redaktion (oe)
Veröffentlicht: | Kategorien: Interviews, Interviews - Empfohlen | Schlagworte: Finanzkrisen, Innenpolitik, Wahlen
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FreieWelt.net: Die Eurokrise beschäftigt uns nunmehr seit mehreren Jahren – und ein Ende ist nicht abzusehen. Sie haben die Einführung der Einheitswährung von Anbeginn kritisiert. Fühlen Sie sich bestätigt?

Bruno Bandulet: Mir war von Anfang an klar, dass die Geldkulturen und das wirtschaftliche Niveau der europäischen Länder zu unterschiedlich sind, als dass die Währungsunion funktionieren könnte. Die Vorstellung, die EZB werde die Tradition der Deutschen Bundesbank fortführen, war absurd. Bestätigt hat sich auch, dass die Konvergenz- und Stabilitätskriterien nur auf dem Papier standen. Der Maastrichter Vertrag wurde von Anfang an verletzt.

FreieWelt.net: Mit dem 1994 als Reaktion auf den Vertrag von Maastricht gegründeten Bund freier Bürger (BfB), in dem Sie sich engagiert haben, versuchten Sie, mit parlamentarischen Mitteln gegen den Vertrag von Maastricht zu kämpfen. Woran ist dieses Vorhaben gescheitert?

Bruno Bandulet: Das ist eine lange Geschichte. Nur ein Punkt: Da der Euro zu BfB-Zeiten noch nicht existierte, klangen die Warnungen vor einem Desaster eher theoretisch.

FreieWelt.net: Jetzt hat sich eine neue Partei gegründet, die in der Tradition des BfB steht und die Sie ebenfalls unterstützen: die Alternative für Deutschland (AfD). Wird die AfD ebenfalls scheitern oder hat sie eine Chance?

Bruno Bandulet: Es wird nicht leicht werden, aber die AfD hat definitiv eine Chance, weil die Euro-Misere inzwischen Realität ist, weil die Bindung der Wähler an die großen Parteien im Vergleich zu den neunziger Jahren sehr viel schwächer geworden ist und weil das Internet die Möglichkeit bietet, mit geringem Kostenaufwand Anhänger zu mobilisieren – siehe auch die wertvolle Vorarbeit, die die Zivile Koalition geleistet hat.

FreieWelt.net: BfB und AfD sind vor allem wegen der Sorge um die Währung – damals die Mark, heute der Euro – gegründet worden. Ist eine Partei aber überhaupt das geeignete Instrument, wenn man vor allem eine bestimmte Problematik bearbeiten will?

Bruno Bandulet: In unserem System können Sie nur etwas beeinflussen und ändern, wenn Sie im Bundestag vertreten sind.

FreieWelt.net: Es sieht so aus, als habe die Mehrheit des Wahlvolks ein unerschütterliches Vertrauen in den Euro und in Angela Merkels Politik der Euro-»Rettung«. Woran liegt das?

Bruno Bandulet: Das Vertrauen hält sich in Grenzen. Aber es stimmt schon, dass ein Großteil der Wähler – schätzungsweise Dreiviertel – im Status quo das kleinere Übel sieht. Sie haben mehr Angst vor einem Ende mit Schrecken als vor einem Schrecken ohne Ende. Angela Merkel vermittelt das Gefühl, sie könne die Euro-Krise aussitzen. Das wird sich als Irrtum herausstellen.

FreieWelt.net: Die Deutschen üben anders als viele Nachbarn seit Jahren Lohnzurückhaltung, sie stören sich kaum an der Übernahme von Milliardengarantien für dieselben Nachbarn, während die kalte Progression jeden Einkommenszuwachs wieder auffrisst. Und jetzt wirbt die SPD ausgerechnet mit der Forderung nach Steuererhöhungen um Stimmen. Was müsste man tun, um den Deutschen den Zusammenhang von Eigentum und Freiheit wieder deutlich zu machen?

Bruno Bandulet: Der Mehrheit können Sie das schwer vermitteln, weil die Mehrheit keine oder kaum Steuern zahlt und mehr oder weniger vom Staat lebt. Die Mehrheit glaubt an Gleichheit, nicht an Freiheit und Eigentum. Deswegen muss sich die Botschaft der AfD an den Mittelstand inklusive Facharbeiter richten, an diejenigen also, die die Last der sogenannten Euro-Rettung tragen und die nach der Bundestagswahl erst noch richtig geschröpft werden.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Hans Meier

Einspruch! Die „Mehrheit“ die sich von der Politik ignoriert fühlt, weil ihr keine Alternativen mehr zur Verfügung stehen, diese Wählergruppe existiert.
Es sind die, die um ihre Ersparnisse fürchten, die unzufrieden sind, das die Steuern nur steigen, um den „Euro angeblich zu retten“.
Es sind die Enttäuschten, die ihre Riesterrenten und ihre Lebensversicherungen den „Bach runter schwimmen sehen“.
Es sind die, die erkennen welche Dilettanten, mehr oder weniger den gleichen, sozialisierenden Schuldenweg eingeschlagen haben, weil sie sich selbst bedienen und die Bevölkerung als Stimmvieh und als Zahler ausbeuten.
Es sind die unglaubwürdigen Gestalten, die täglich im „Müllstream der öffentlichen Medien glorifizierend präsentiert werden“ und absolut verbraucht sind.
Eine mit apokalyptischen Ängsten malträtierte Bevölkerung, hat eine Sehnsucht nach einer zuversichtlichen Alternative, einer Perspektive das Krisengeschrei zu beenden. Sich auf das zu konzentrieren was wieder zu überschaubaren, konstruktiven Lösungen taugt, statt sich in Visionen zu verlieren.
Visionen eines gleichgeschalteten Euro-Europas was nur die Deutschen bezahlen.
Einer Klima-Diktatur die nur ein Mafia-Modell ist, um Schutzgeld zu schröpfen.
Diese gebeutelte Bevölkerung, die sich einen Ausweg wünscht, nach dem ihr alle möglichen Ängste serviert wurden, die sich von ihren Politikern und deren Müllmedien bedroht fühlt, hat als erstes Argument: WIR sind das Volk, und eine Alternative für Deutschland zu wählen.
Schauen Wir mal was sich ereignet, wenn sich die Hoffnung Bahn bricht.

Gravatar: Klimax

Herr Meier, WO existiert denn diese Mehrheit? Ich kann sie nicht sehen. Im Internet sind es immer dieselben, die warnen, mahnen, protestieren. Ein paar hundert Leute vielleicht. Wenn wirklich die Mehrheit so dächte, wie Sie es beschreiben, hätten wir morgen die Revolution.

Gravatar: thomas kimpalske

Was soll das heißen "...die Mehrheit keine oder kaum Steuern zahlt und mehr oder weniger vom Staat lebt." ? Mehrheit heißt doch mehr als 50%, oder? Das soll dann zum Beispiel bedeuten, daß jeder 2. des eigenen Bekanntenkreises, keine Steuern zahlt!? Tut mir leid, aber das kann ich nicht bestätigen.

Gravatar: ich

„Man sollte nie dem Glauben verfallen,
eine kleine Gruppe ideenreicher, engagierter Leute könnte die Welt
nicht ändern.
Tatsächlich wurde sie nie durch etwas anderes geändert.“
(Margaret Mead, 1901–1978)

Gravatar: Diabolus

Ich bin fest überzeugt, dass viele der in dem Artikel geäusserten Meinungen, falsch sind. Der Euro HEUTE! ist nicht allein das Problem, sollten wir, rein hypothetisch die DM zurückbekommen, würden die "Schulden" in DM fällig werden. Die Aussage, nur im Bundestag kann man etwas ändern ist grundfalsch, das ganze System ist falsch und muss geändert werden. Der Bundestag ist genau wie alle Politiker nicht wirklich fähig, willens oder gar legitimiert für das deutsche Volk etwas zu tun. Auch eine AfD wird nicht das geringste für uns erreichen, sie spielen mit dem "Euro-Aus" den Machthabern(Parteien und Politiker) nur in die Hände. Es wird höchste Zeit, dass die Menschen sich besinnen und Verantwortung übernehmen - wir brauchen keinen Herren!

Gravatar: olaf milter

"... und die nach der Bundestagswahl erst noch richtig geschröpft werden."
Und hier, wo das Gespräch interessant zu werden scheint, wird es abgebrochen! Wie sehen bitte diese möglichen Schröpfungen aus?

Gravatar: Karl

Was soll diese doofe AfD Partei ????
Wählen zwischen Teufel und Belzebub - wie immer.
Aber die Menschen wollen es wohl nicht anderst, sonst könnten die VolksverTRETER nicht das tun was sie tun.....
Armselig geht Deutschland unter - wie geplant !

Gravatar: Klaus

"Der Mehrheit können Sie das schwer vermitteln, weil die Mehrheit keine oder kaum Steuern zahlt und mehr oder weniger vom Staat lebt. Die Mehrheit glaubt an Gleichheit, nicht an Freiheit und Eigentum."

Recht hat er, der Herr Bandulet. Indirekte (Verbrauchs)Steuern zahlen natürlich alle. Aber absolut richtig ist der Rest seiner Aussagen.

In Deutschland beziehen weit über 50 % aller Bürger Transferleistungen vom Staat, erhalten also Eigentum anderer Menschen, welches der Staat ihnen weggenommen hat.

Das Problem ist, daß in einer Demokratie die Mehrheit entscheidet. Und wenn die Mehrheit staatliche Transferleistungen erhält, wird sich diese Mehrheit auch kaum zu etwas entscheiden, was sie von diesen Transferleistungen abschneidet.

Daraus folgt, leider, daß eine Reform des Systems auf demokratischen Wege nicht ersichtlich scheint. Nun habe ich gewiß keine bessere Lösung parat. Aber Tatsache bleibt, wenn erst mal mehr als die Hälfte der Bevölkerung direkt oder mittelbar vom Staat lebt, es keine realistische Chance gibt, dieses noch einmal zu ändern.

Gravatar: MSBeatz

Es müsste jedem klar sein das wir mit einer harten Mark unsere Produktionsmaterialien billiger einkaufen können, von den ersparten Geld können dann wie früher mehr Menschen beschäfigt werden. Aber lieber schauen wir zu wie unsere Autoindustrie in andere Länder abwandert.

In der nächsten Legislaturperiode wandert die Produktion mehrer wichtiger Baureihen aus Deutschland ab, warum wohl? Klar weil man vom Euro und Lohndumping profitiert. Allerdings scheint es wenn man sich die Realität anschaut doch profitabler zu sein die Autos wo anders zu bauen.
Egal lasst uns zuschauen wie die restliche Industrie abwandert nur weil wir unbedingt den Euro brauchen.

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