Manipulation der Geldmenge – Interview mit Christian Zeuß

09. Juli 2010, 08:31 | Kategorien: Politik, Wirtschaft | Schlagworte: , , , | von
Redaktion FreieWelt.net

Christian Zeuß ist unabhängiger Portfoliomanager und Autor des Buches „Kapitalanlage und die Gefahr des schleichenden Sozialismus“. Er studierte Betriebswirtschaft  und war als  Unternehmer und Prokurist im Private Banking einer schweizer Großbank tätig. Sein Buch soll einen Einblick in die Entscheidungsparameter und die Anlageklassen der Vermögensverwaltung vermitteln und kritisiert das Papiergeldsystem und die derzeit bestehende Wirtschaftspolitik. FreieWelt.net sprach mit Christian Zeuß über sein Buch, die Vorzüge von Gold gegenüber Papiergeld, die österreichische Schule und Kritik sowie mögliche Reformansätze des bestehenden Wirtschaftssystems.

FreieWelt.net: Ihr Buch soll keine direkte Handlungsempfehlung für Anleger sein, aber Sie verweisen auf bestimmte Ungereimtheiten und Möglichkeiten, die beachtet werden sollten. Worauf müssen Anleger schauen und welche Gefahren und Risiken gilt es zu berücksichtigen?

Zeuß: In der Tat halte ich mich zurück, wenn es darum geht konkrete Anlageempfehlungen zu geben. Kapitalanlage ist eine äußerst persönliche Angelegenheit, die genaue Recherche und Mitarbeit des Betroffenen notwendig macht. Mein Buch soll dem Anleger einen sehr kompakten ersten Einblick in die Vermögensanlage bieten. Nach der Lektüre sollte er durchaus seinen Anlageberater kontaktieren. Dieser wird sich sicherlich wundern, wenn er das Portfolio nach statistischen Gütekriterien und (echter!) Inflationssicherung durchleuchten soll. Wenn ihm das den Angstschweiß auf die Stirn treibt, dann sollte so lange nachgehakt werden, bis alle Risiken auf dem Tisch liegen. Welche Gefahren und Risiken es gibt? Sehr viele, das größte Problem ist die eigene Gutgläubigkeit. Jeder Anleger sollte seine Vermögenswerte bis ins Detail verstehen und sich an Realwerten orientieren.
  
FreieWelt.net: Sie sprechen im Buch von echtem kapitalistischen Geld und sozialistischem Papier(schein)geld. Erklären Sie unseren Lesern bitte den Unterschied und warum Sie ersteres favorisieren.

Zeuß: Kapitalistisches Geld bildet sich am Markt heraus, wenn Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Über Jahrtausende hinweg wurde hier Gold und Silber als allgemein anerkanntes Geld bestätigt. Mit der Einführung des Papiergeldes durch die amerikanische Zentralbank (FED) im Jahr 1913 wurde ein Geldmonopol gegründet, das seither den Markt durch Planwirtschaft ersetzt hat. Mit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars durch Präsident Nixon im Jahr 1971 wurde schließlich die Möglichkeit zu einem gigantischen Schneeballsystem realisiert. Nur Kapitalistisches Geld kann auf Dauer überleben. Sozialistisches Geld wird früher oder später verschwinden. Mein Favorit ist das Leben.

FreieWelt.net: Sie berufen sich bewußt auf die Österreichische Schule der Nationalökonomie im Gegensatz zur aktuellen Wirtschaftspolitik. Wie würden Sie diese charakterisieren und gibt es Länder in denen beispielhaft „österreichische“ Wirtschaftspolitik betrieben wird?

Zeuß: Die Österreichsche Schule der Nationalökonomie glaubt an den Individualismus und die dezentrale Verteilung des Wissens. Jeder mündige Mensch kann demnach seine Wünsche selbst am besten einschätzen. Daraus resultiert ein ausgeprägter Glaube an den Markt und eine Aversion gegen jede Form von staatlicher Manipulation. Als Fallbeispiel der Österreichischen Schule werden gerne die USA in ihrer Gründungsphase gesehen. Dieser florierende Zustand ist natürlich schon lange Vergangenheit.

FreieWelt.net: Was sind, aus Ihrer Sicht, die größten Fehler im derzeitigen Wirtschaftssystem und welche Verbesserungen schlagen Sie vor?

Zeuß: Fehler gibt es viele, aber die zentralen Themen sind die Manipulationen der Geldmenge und der Zinshöhe. Ersteres führt zu sich beschleunigender Inflation, letzteres zu Verzerrungen bei den Investitionen. Ein ständiges Wiederkehren von künstlichen Aufschwüngen und echten Krisen ist die Folge. Wir sollten das Papiergeldmonopol der Zentralbanken abschaffen und den Markt echtes Geld hervorbringen lassen. Wenn das wieder Gold werden sollte, dann wird sich in dessen weitaus höherem (Papiergeld-) Preis die gewaltige Inflation der Vergangenheit offenbaren. Ganz reibungslos würde das natürlich nicht abgehen, aber wir wären es unseren Kindern schuldig. Die junge Generation soll sich in Frieden und Freiheit entfalten, nicht in einem sozialistischen Moloch.

FreieWelt.net: Herr Zeuß, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Zur Internetseite von Christian Zeuß: Liberaler-Verteiler.de

Das Interview führte Norman Gutschow

Christian Zeuß: „Kapitalanlage und die Gefahr des schleichenden Sozialismus“, Books on Demand, ISBN 978-3-8391-6913-1, Paperback, 144 Seiten
Das Buch bei Books on Demand

Foto: Christian Zeuß

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