“Linke hat Hang zur Selbstzufriedenheit”

02. Dezember 2009, 11:49 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von
Redaktion

Der Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer hat mit dem Bestseller "Unter Linken" eines der erfolgreichsten Bücher des Jahres 2009 geschrieben.  In seinem Werk karikiert er treffend die Dominanz des politisch-korrekten, linken Bildungsbürgertums.  FreieWelt.net sprach mit Jan Fleischhauer über politische Lager, Meinungsfreiheit und seine Zukunft als Autor. 

FreieWelt.net: Ihr Buch „Unter Linken“ hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Bestseller entwickelt.  Wo sehen Sie die wichtigsten Ursachen für Ihren Erfolg?

Jan Fleischhauer: Offenbar gibt es das Bedürfnis nach einem Buch, das einmal nicht nur das segensreiche Wirken der Linken als der in Deutschland kulturell nach wie vor dominanten Macht beschreibt, sondern im ganz im Gegenteil vorzugsweise die dunklen Seiten ihres Imperiums ausleuchtet. Gehen Sie in eine Buchhandlung: Sie finden dort jede Menge Bücher, die sich mit der Linken als politischer Bewegung beschäftigen, aber fast alle tragen Titel wie „Links!“ oder „Links neu denken“ und sagen im Wesentlichen, wie toll es sich anfühlt, auf der richtigen Seite zu stehen. Neu ist bei mir, glaube ich, auch der Ton: Da ich nicht aus Verbitterung gegen die Linke anschreibe, sondern eher mit anteilnehmendem Spott und einer Lust an der Boshaftigkeit, spreche ich auch Leser an, die sich sonst nicht so für politische Sachbücher interessieren.

FreieWelt.net: Wie zeitgemäß sind Kategorien wie links und rechts überhaupt noch?

Jan Fleischhauer: Dass sich die Lager auflösen, höre ich, seit ich beim „Spiegel“ über Politik schreibe. Das ist das große Mantra der Politikwissenschaft. Ich habe nie richtig daran glauben können, denn den Leuten, die ich kenne, ist es überhaupt nicht egal, ob man sie links oder rechts einordnet. Die meisten Menschen können vielleicht nicht so genau definieren, was die politischen Lager im Einzelnen unterscheidet, aber sie haben dennoch ein klares Gefühl, wo sie hingehören oder jedenfalls hingehören wollen. Mit den Begriffen „links“ oder „rechts“ sind ja nicht nur Entscheidungen gemeint, wie man zu Steuersenkungen oder der Atomkraft steht, also eher praktische Fragen der Politik – mit ihnen verbinden sich vielmehr lebensweltliche Zuordnungen, und das ist viel bedeutsamer und geht auch viel tiefer. Deshalb können sich Menschen über Politik auch so erzürnen.

FreieWelt.net:  Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Buch reagiert?

Jan Fleischhauer: Sehr positiv, angefangen von meiner Mutter, die ja als überzeugungsfeste Sozialdemokratin darin eine prominente Rolle spielt, bis zu den Kollegen im „Spiegel“, die haben das mit großer Gelassenheit ertragen. Den meisten in meinem Umfeld dürften meine politischen Neigungen über die Jahre nicht ganz verborgen geblieben sein, insofern hielt sich nun auch der Schock über mein Coming-Out in Grenzen.

FreieWelt.net: Wo sehen Sie die größten Gefahren für die Meinungsfreiheit in Deutschland?

Jan Fleischhauer: Lassen sie uns nicht gleich die Meinungsfreiheit in Gefahr sehen. Es wäre vermutlich im Augenblick auch nicht sehr glaubhaft, sich über ein Klima der Unterdrückung zu beklagen, wenn man gleichzeitig mit seinen Gedanken doch gerade außergewöhnliche Beachtung und Verbreitung findet. Was mich stört, ist eher eine gewisse Gleichförmigkeit in der öffentlichen Debatte; die Linke hat einen Hang zur Selbstzufriedenheit und auch Selbstgenügsamkeit, der intellektuell schnell sterilisierend wirkt und gegen den ich mit meinen Mitteln anschreiben wollte.

FreieWelt.net: Was können Linke und Konservative voneinander lernen?

Jan Fleischhauer: Wenn man es vorzieht, nicht immer nur das zu hören, was man schon kennt, dann mit Sicherheit das andere Argument.

FreieWelt.net: Was dürfen wir in Zukunft von Ihrer Arbeit als Autor erwarten?

Jan Fleischhauer: Hoffentlich weiter gute Artikel im „Spiegel“. Und im Herbst 2011 ein neues Buch.

zu Jan Fleischhauers Blog “unterlinken.de”

Das Interview führte Fabian Heinzel

(Foto: Jan Fleischhauer/Fotografin: Dagmar Morath)

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