Kein Konsens über globale Erwärmung – Interview mit Prof. Singer

12. November 2009, 10:04 | Kategorien: Lebenswelt, Politik, Wirtschaft | Schlagworte: , | von
Redaktion FreieWelt.net

Prof. S. Fred Singer ist Physiker und Klimawissenschaftler an der University of Virginia. Er war Chef des US Weather Satellite Service und IPCC-Reviewer. Er gilt als einer der meist-respektierten und am häufigsten veröffentlichten Klimaexperten. Singer leitete das Science and Environmental Policy Project (SEPP); welches er 1990 gegründet hat.

FreieWelt.Net sprach mit Prof. Singer darüber, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens über globale Erwärmung gibt, die Klimaforschung und Ursachen für Klimaschwankungen.

FreieWelt.Net: Professor Singer, Sie waren einer von 160 Physikern der American Physical Scociety, die kürzlich einen offenen Brief an den Senat unterschrieben haben, in welchem sie erklären dass es einen Konsens zur globalen Erwärmung unter Wissenschaftlern nicht gibt. Sind das 160 Außenseitermeinungen?

Fred Singer: Nein. Die Zahl ist inzwischen sogar auf 210 angewachsen. Unter den Unterzeichnern sind viele Mitglieder der National Academy – und ein Nobelpreisträger

FreieWelt.Net: Warum spielen Meinungen von Wissenschaftlern, die anderer Auffassung sind als vom Weltklimarat (IPCC) vertreten, in der öffentlichen Debatte fast keine Rolle?

Fred Singer: Ganz einfach: Die öffentlichen Medien scheinen unwillig zu sein, darüber zu berichten

FreieWelt.Net: In der Presse liest man immer wieder von mehr als 4000 Klimawissenschaftlern, die am IPCC Report mitgearbeitet haben. Wie viele Wissenschaftler waren denn tatsächlich an den entscheidenden Passagen beteiligt?

Fred Singer: Nach Angaben des Britischen Met Office haben 150+ Wissenschaftler tatsächlich am IPCC-Report zur Klimawissenschaft geschrieben. Es gab 600 Mitwirkende und Reviewer, viele von ihnen widersprachen dem IPCC. Und nur 9 Autoren haben das entscheidende Chapter 9 (“Attribution”) verfasst, in welchem behauptet wird, dass der Mensch die Ursache für die globale Erwärmung ist.

FreieWelt.Net: Wenn sich skeptische Wissenschaftler zu Wort melden, hört man vielfach die Erwiderung, es handele sich bei diesen ja nicht um „richtige Klimawissenschaftler“. Was ist denn genau die Definition eines Klimawissenschaftlers?

Fred Singer: Aus meiner Sicht muss ein Klimawissenschaftler vor allem fundiertes Wissen der Physik, der Strömungslehre und des Strahlentransports haben.

FreieWelt.Net: In dem Brief an den Senat steht auch, dass natürliche Faktoren wie der Einfluss der Sonne oder der von zyklischen Ozeanströmungen bislang zu wenig Beachtung finden. Wie viel wissen wir denn bisher über natürliche Einflussfaktoren auf das Klima?

Fred Singer: Geologische Belege natürlicher Klimaschwankungen sind im Überfluss vorhanden. Am meisten überzeugend ist dabei die Sonnenaktivität als Hauptursache für Klimaschwankungen.

FreieWelt.Net: Der deutsche Klimaforscher Mojib Latif hat im September auf einer Klimakonferenz in Genf davon gesprochen, dass die globale Erwärmung eine Pause eingelegt habe, die noch 20 Jahre andauern könnte. Begründet hat er dies mit natürlichen Einflussfaktoren wie den Ozeanströmungen. Latif war ja bislang als Hardliner bekannt, der den Einfluss von CO2 als absolut dominierend angesehen hat. Sind das erste Anzeichen für einen Richtungswechsel in der „etablierten Klimaforschung“?

Fred Singer: Ja, das stimmt. Und was dieser Richtungswechsel noch zeigt ist, dass Klimamodelle nicht geeignet sind, die Entwicklung für die Zukunft vorherzusagen. Politiker sollten ihre Entscheidungen nicht von ihnen abhängig machen.

FreieWelt.Net: Der deutsche Physiker Professor Lüdecke bezeichnete in seinem Buch „Klimafakten“ die Größe der Klimasensitivität, also um wie viele °C sich die Erde bei einer Verdopplung des atmosphärischen CO2- Gehalts erwärmt, als die Eintausend Milliarden Euro Frage. Wie genau kann die Wissenschaft diese Schlüsselfrage zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt beantworten?

Fred Singer: Da hat er absolut Recht. Aktuelle Klimadaten lassen übrigens eher den Schluss zu , dass die Klimasensitivität nur ein Zehntel des Wertes beträgt, den das IPCC angibt.

FreieWelt.Net: Die Herausforderung, den Klimawandel durch die Einschränkung der CO2-Emissionen zu beeinflussen, wird vielfach mit der Rettung der Ozonschicht durch das FCKW-Verbot verglichen. Damals hätte die Welt an einem Strang gezogen und so eine mögliche Katastrophe abgewendet…

Fred Singer: Das sind zwei völlig unterschiedliche Probleme. Sowohl aus wissenschaftlicher Sicht, als auch in Bezug auf die Auswirkungen auf die Wirtschaft. Ich habe übrigens niemals bestritten, dass (anthropogenes) FCKW einen signifikanten Einfluss auf die Ozonschicht haben kann. Der Effekt von weiterem CO2 hingegen auf das Klima ist unbedeutend.

FreieWelt.Net: Erwarten Sie, dass in Kopenhagen ein globales Abkommen mit verbindlichen Emissionszielen unterzeichnet wird?

Fred Singer: Nein. In Kopenhagen wird entschieden werden, dass der Temperaturanstieg auf 2 °C begrenzt werden muss. Wie das erreicht werden soll, werden sie nicht sagen.

Prof. Fred Singer ist Vortragender auf der Klimakonferenz des Instituts für Unternehmerische Freiheit am 4. Dezember in Berlin. Zum Programm

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Das Interview führte Michael Limburg, EIKE. Übersetzung aus dem Englischen Rainer Feldhaus

Foto: IUF-Berlin.Org/F.Singer

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