Jetzt spricht Birgit Kelle im FreieWelt-Interview

02. Februar 2013, 05:32 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: | von Redaktion
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Redaktion (rk)

Den jüngsten Beitrag „Dann mach doch die Bluse zu“ der Bloggerin Birgit Kelle haben innerhalb kürzester Zeit Hunderttausende Leser auf TheEuropean.de und FreieWelt.net angeklickt. Kurzzeitig brach der Server von FreieWelt.net unter dem unerwarteten Massenansturm zusammen.
Jetzt spricht Birgit Kelle im Interview über diese erstaunliche Resonanz auf ihren Text.

FreieWelt.net: Frau Kelle, die ganze Republik diskutiert über Ihren Blogbeitrag „Dann mach doch die Bluse zu”. Wie erklären Sie sich diese ungewöhnliche Resonanz? Haben Sie damit gerechnet? Handelt es sich um eine Kampagne?

Birgit Kelle: Ich bin, ehrlich gesagt, überwältigt von der Zahl der Reaktionen, die meine Kolumne bei The European ausgelöst hat. Ich habe weder damit gerechnet, noch war es als Kampagne gedacht – es scheint sich aber inzwischen zu einer Aufschrei-Gegenbewegung zu entwickeln. Es ist, als hätte ich ein Ventil geöffnet für alle diejenigen, denen diese ganze Hysterie ebenfalls auf die Nerven geht. Ich werde überhäuft von Mails wildfremder Menschen, die sich bedanken, dass ich das ausgesprochen habe, was sie selbst denken. Vor allem von Männern kommt immer wieder der Satz: Danke dass Sie das als Frau geschrieben haben, so etwas hätten wir als Mann niemals sagen dürfen, wir wären dann gleich Sexist. Inzwischen haben über 15.000 Leser meinen Text bei facebook und Twitter geteilt – noch nie, seit Bestehen des European in England und Deutschland, ist ein Artikel auf dem Portal so häufig gelesen oder gar in sozialen Netzwerken geteilt worden.

FreieWelt.net: Sie haben inzwischen sicher sehr viele Reaktionen auf den Beitrag erhalten. Welche Reaktion hat Sie am meisten überrascht? Welche am meisten geärgert?

Birgit Kelle: Am meisten überrascht, gleichzeitig auch sehr gefreut, hat mich die Tatsache, dass ich genau so viele positive Reaktionen von Frauen bekommen habe wie von Männern. Wissen Sie, man schreibt sich als Autorin ja erst einmal nur die persönliche Einschätzung von der Seele und ich habe mir uns Frauen sehr ehrlich vorgenommen in dem Text. Es hätte ja auch sein können, dass gerade Frauen mich deswegen anfeinden, aber stattdessen geben sie mir Recht. Viele Frauen sind es ja leid, dass es in unserem Land immer nur die gleichen feministisch Bewegten sind, die eine Deutungshoheit darüber beanspruchen, was Frau zu wünschen, zu denken und wie sie zu leben hat. Schon in der Frauenquoten- und vor allem auch der Betreuungsgeld-Diskussion hat sich das sehr gut gezeigt. Wo uns eine kleine laute Gruppe mit Quoten zwangsbeglücken und kollektiv in die Produktion schicken will. Glücklicherweise sind wir Frauen aber doch vielfältiger und bunter im Denken und Handeln, und das ist auch gut so. Es existiert kein Frauen-Kollektiv. Ich finde es entlarvend, dass in der Sexismus-Debatte ausgerechnet diejenigen Frauen, die immer bemängelt haben, dass die Männer uns vorschreiben, wie wir zu sein haben und wie wir zu denken haben, jetzt kollektiv Männern vorschreiben wollen, wie diese zu denken und zu handeln haben. Das bringt uns in der Geschlechter-Debatte nicht weiter, sondern reißt neue Gräben auf.

FreieWelt.net: Von vielen Seiten wird auch scharfe Kritik an dem Beitrag geübt. Man wirft Ihnen vor, ein altes Stereotyp zu bedienen – das von der aufreizend gekleideten Frau, die selbst schuld ist, wenn sie zum Opfer von Sexismus wird. Manche Frau sieht Sie als eine Art „Verräterin”, als eine Frau, die sexistischen Männern zuarbeitet. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Birgit Kelle: Wie gesagt, ich bekomme genau so viel Zuspruch von Frauen, wie von Männern auf meinen Beitrag. Meine Kritiker haben den Text wahrscheinlich bewusst selektiv gelesen. Nichts, wirklich rein gar nichts, rechtfertigt einen sexuellen Übergriff auf Frauen. Weder ein tiefer Ausschnitt noch ein Minirock. So weit muss sich ein Mann im Griff haben, dass er Frauen nicht als Freiwild betrachtet. Und die große Mehrheit der Männer überschreitet niemals eine Grenze. Jede Frau entscheidet doch selbst, wie sie sich selbst präsentieren will. Aber man kann doch auch nicht verleugnen, dass viele bewusst mit ihrer Attraktivität spielen. Schauen Sie sich mal den „Bachelor“ im Fernsehen an oder denken Sie an die vielen tausend jungen Frauen, die „Germany’s next Top-Model“ werden möchten. Das muss einem nicht gefallen, aber das sind auch Frauen, und sie dürfen selbst entscheiden, was sie tun wollen.

Die Fragen stellte Christoph Kramer

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