Interview mit Achim Hecht

23. Juni 2009, 01:34 | Kategorien: Politik | Schlagworte: | von
Redaktion FreieWelt.net

Die Seite "Antibuerokratieteam.net" ist einer der erfolgreichsten, liberalen Blogs im Internet und kann sich im schnelllebigen Netz mittlerweile seit vier Jahren behaupten.  FreieWelt.net sprach mit Achim Hecht, der als Mitbegründer den Erfolg des Projekts maßgeblich beeinflusst hat.

FreieWelt.net: Mit der Website “antibuerokratieteam.net” haben Sie eines der bekanntesten liberalen Blogs geschaffen.  Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Achim Hecht: Vor allem aus einer, wie ich meine, durchaus glücklichen Hand bei der Auswahl der Autoren des Multi-Autoren-Projekts antibuerokratieteam.net – aber auch der schlichten Tatsache, dass es uns inzwischen schon mehr als vier Jahre gibt. Damit sind wir sozusagen ein „Urgestein“ der liberalen Blogosphäre im schnelllebigen Netz. Viele ehemals bekannte Weblogs, wie z.B. die Blog-Pioniere „Statler und Waldorf“, sind inzwischen wieder verschwunden oder in anderen Blogs aufgegangen. Auch wir haben uns nicht nur einmal „neu erfunden“.

Als letzter diesbezüglicher Coup ist es uns gelungen, den  FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler als Blogger beim „A-Team“, wie wir in der Szene genannt werden, zu gewinnen. Wenn Sie also mal mit einem echten MdB (nicht mit einem seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter, wie auf den meisten „Politikerblogs“) diskutieren wollen, können Sie das bei uns tun…

FreieWelt.net: Wie kam es zur Gründung des Antibürokratieteams?

Achim Hecht: Es war Geltungsdrang und Eigennutz: als Mitglied einer Partei, die „stets als Tiger startet, aber oft genug als Bettvorleger landet“ (so beschrieb ich es am 05.02.2005 in meinem ersten Blogeintrag) wollte ich meine Auffassung von einem konsequent verstandenen Liberalismus jenseits der üblichen Parteiprosa unter die Menschen bringen und in einem Kommunikationsprozess mit den Lesern weiter entwickeln. Und natürlich meinen Frust über den „real existierenden Sozialismus in den Farben der BRD“ in die Welt hinaus lästern ;-)

Im Gegensatz zu Foren, die oft genug im eigenen Saft schmoren und selbstreferentiell immer die selben Themen debattieren oder Seiten wie der Achse des Guten [1], bei denen Diskussion nicht erwünscht bzw. möglich ist, erschien mir das Blog-Format für den Zweck ideal.

Der Name und die Domain Antibuerokratieteam stammen übrigens aus einer 2002er FDP-Wahlkampf-Aktion meines bayerischen Landesverbandes – Bürger sollten ihre Probleme mit der Bürokratie melden – die wie so vieles Sinnvolle im parteipolitischen Sande verlief. Ökologisch korrektes Recycling sozusagen.

FreieWelt.net: Was möchten Sie mit dem Antibürokratieteam erreichen?

Achim Hecht: Frage falsch gestellt – wen möchten wir erreichen: Alle die sich gerne täglich mit Kommentaren zu Wesentlichem und Unwesentlichem aus liberaler Sicht, die „undogmatisch, politisch inkorrekt und polemisch jenseits überkommener Schablonen von lechts und rinks“ (vgl. unser „About“ [2]) daher kommen, informieren und unterhalten lassen möchten,

FreieWelt.net: Haben Blogs wie Ihrer eine politische Wirkung?

Achim Hecht: Ich denke schon, dass wir in den letzten Jahren einiges zur Vernetzung und zum Wachstum der radikal liberalen und libertären Szene in diesem Land beigetragen haben.

FreieWelt.net: Sie tragen den Kampf gegen die Bürokratie im Namen.  Wo sehen Sie durch Bürokratie verursachte Probleme in Deutschland?

Der Antibürokratismus im Titel soll nicht so sehr ein Appell an den – berechtigten – Ärger des Bürgers über  Behördenschlamperei und verbeamtete Inkompetenz sein, sondern bezieht sich mehr auf  die Schrift „Die Bürokratie“ [3] von Ludwig von Mises [4]. Er stellte in dem sehr empfehlenswerten Büchlein dar, dass bürokratische, staatlich dominierte, Organisationen niemals effektiv arbeiten können, da ihre Tätigkeit nicht auf  Marktpreisen und Wirtschaftlichkeitsrechnung basiert: Die Bürokratie (i.S.v. Usurpation wirtschaftlicher Tätigkeit durch den Staat) verursacht keine Probleme. Sie ist das Problem.

Freiewelt.net: Sie bezeichnen sich selbst als liberal beziehungsweise neoliberal.  Was sind Ihre Definitionen von Liberalismus und Neoliberalismus?

Achim Hecht: Der Blog-Untertitel „Sektion der neoliberalen Weltverschwörung“ bezieht sich ironisch auf die Begriffsverdrehung der Linken, der es gelang, aus der selbstgewählten Bezeichnung des Ordoliberalismus der Hayeks, Röpkes, Erhards et all. eine sozialistische Schmähparole zu machen. Ich selbst würde mich aber weniger als Neoliberalen im ursprünglichen Sinne bezeichnen, sondern eher als  radikal liberal; folgerichtig bin ich auch Mitglied in der Libertären Plattform [5].

Zur Definition des Liberalismus steht in der Wikipedia [6] zu lesen: „Der Liberalismus (lat. liber: frei, lat. liberalis: die Freiheit betreffend, freiheitlich) ist eine philosophische, ökonomische und politische Strömung, die die individuelle Freiheit als normative Grundlage der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung anstrebt.“  Das ist doch durchaus treffend, das muss ich nicht neu formulieren, oder?

Auf einer persönlichen Ebene bedeutet Liberalismus für mich vor allem die Betonung von Individualität, Rationalismus, Selbstverantwortung – und eine gehörige Portion Aufsässigkeit gegenüber unbegründeter Autorität, die ich vom kleinen frechen Bruder des Liberalismus, dem Anarchismus, übernommen habe.

FreieWelt.net: Was ist Ihre Prognose für die Zukunft des politischen Bloggens?

Lassen Sie mich einmal in meine Glaskugel sehen: im Jahr 2019 wird Achim Hecht antibuerokratieteam.net verkaufen und nicht, wie Robert Basic für sein Basic Blog [7], lediglich schlappe 47.000 Euro dafür erhalten, sondern mindestens € 470.000,–. Aufgrund der segensreichen Auswirkungen der Konjunkturpakete 1 – 32b wird er sich zu diesem Zeitpunkt für die Summe allerdings gerade noch mal ein Online-Abo des renommierten Sprachrohrs der bürgerlichen Opposition FreieWelt.net leisten können ;-)

Nein, im Ernst: aufgrund der rasanten Entwicklung des Netzes ist es schwer, Tendenzen vorauszusagen. Als eine Art von „Bürgerjournalismus“ und/oder „journalistischem Vorgarten“ wird sich das politische Bloggen sicher neben vielen anderen Formen des Web 2.x behaupten können und weiter ausdifferenzieren, z.B. in semi-professionelle Online-Magazine mit Diskussionsforen, Multimediales Podcasting [8], Micro-Blogging [9] a la Twitter, etc.

Manch ein öffentliches Tagebuch mit politischen Einträgen ohne größeren Drang, über den eigenen Bekanntenkreis hinaus zur Kenntnis genommen zu werden, wird wohl auch in Richtung Facebook und/oder weiterer noch folgender Formate des Social Networking abwandern. Von dem „Blogger-Hype“ der den Tod des Mainstream-Journalismus wegen einiger ambitionierter Freizeitprojekte voraussagte, habe ich nie viel gehalten. Jede ordentliche Print-Publikation wird allerdings ihrem Online-Pendant ein oder mehrere Blogs ihrer Autoren beiordnen.

Aber vielleicht kommt ja alles ganz anders – wer weiß. Das Spannende, zumindest für einen Nerd [10] wie mich, ist gerade, dass alles im Fluss ist und sich weiter entwickelt…

Danke für die Möglichkeit, hier einige Hintergrundinfos zum „Antibürokratieteam“ darzustellen!

Das Interview führte Fabian Heinzel

Foto: Achim Hecht

Links:
[1] http://www.achgut.com/
[2] http://www.antibuerokratieteam.net/about/
[3] http://www.mises.de/public_home/article/74
[4] http://www.mehr-freiheit.de/idee/mises.html
[5] http://www.libertaere-plattform.de/
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Liberalismus

[7] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,601539,00.html
[8] http://www.podcast.de/faq/
[9] http://twitter.com/
[10] http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/115/

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