Ideologiefreie Aufklärung über Männerfeindlichkeit – Interview Eckhard Kuhla

05. Dezember 2010, 05:48 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , | von
Eckhard Kuhla
Redaktion

Der Verein AGENS e.V. startete vor einigen Wochen die Kampagne "Männerfeindlichkeit stoppen !" auf AbgeordnetenCheck.de. AGENS-Vorsitzender Eckhard Kuhla zieht im Gespräch mit FreieWelt.net eine erste Zwischenbilanz der Aktion.

FreieWelt.net: Herr Kuhla, Sie fordern mit Ihrem Verein AGENS e.V. “Männerfeindlichkeit stoppen !”. Bereits jetzt verbietet Art. 3 GG jegliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes. Reicht das nicht aus?

Eckhard Kuhla: Überhaupt nicht! Viele Abgeordnete antworteten auf unsere Anfragen: Diskriminierungsfälle gegen Männer sind uns nicht bekannt. Und wenn, dann gäbe es das AGG, das Antidiskriminierungsgesetz – so die Antwort einiger Männer. Rein logisch gesehen, ist das ein stimmiges Argument, aber: Kriminologen bezeichnen dies als „Hellfeld-Ergebnisse“. Die Dunkelziffer ist viel größer, weil Männer Diskriminierungen einfach „männlich“ wegstecken, nach dem Motto: Männerstolz ficht das nicht an. Dann fragt man sich natürlich nach der Sinnfälligkeit des relevanten Grundgesetz-Artikels, oder des AGGs, wenn Übertretungen nicht angezeigt werden, geschweige denn verfolgt werden.
Ein Hauptziel von agens ist die Aufklärung in der Geschlechterpolitik. Die bisherige Politik war geprägt von den ideologischen Aussagen der Frauenlobby, die dem Gender Mainstreaming anhängen. Mit unserer Aufklärung wollen wir die Bewußtseinsbildung vorantreiben in Richtung eines neuen MITeinanders von Mann und Frau. Es ist für uns schon irritierend, wie wenig die Öffentlichkeit und besonders die Männer, Männerfeindlichkeit wahrnehmen.
Bewusstseinsbildung ist  ein langer, mühseliger Prozess. Der wird noch zusätzlich dadurch erschwert, dass selbst die Betroffenen, die Männer, es anscheinend mit männlicher Gelassenheit hinnehmen, wenn Sie z.B. lächerlich gemacht werden. Der feministisch-orientierte Mann hat es da einfacher: er heult mit den Wölfinnen…

FreieWelt.net: Die Kampagne “Männerfeindlichkeit stoppen !” ist für Sie ein Mittel, um auf die zunehmende Männerfeindlichkeit aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit darüber aufklären. Wie konnten Sie diese Ziele bisher erreichen?

Eckhard Kuhla: Unsere Mittel zur Aufklärung waren bisher noch beschränkt, wir arbeiten und agieren mit den Mitteln des Internets, d.h. über unsere Webseite. Mit der Kampagne „Männerfeindlichkeit stoppen !“ auf AbgeordnetenCheck.de haben wir jetzt weit über unseren Verein hinaus Männer in der ganzen Bundesrepublik aufgeklärt und dazu motiviert, für ihre Würde und ihre Rechte zu kämpfen. Mehrere hundert Männer haben bundesweit Emailpetitionen an ihre Abgeordneten gesendet und sie dazu aufgefordert, sich gemäß Art. 3 Grundgesetz klar gegen Männerfeindlichkeit auszusprechen. Die Vernetzung mit anderen geschlechterpolitischen Initiativen hat sehr gut funktioniert. Viele bundesweite Medien und Internetportale nehmen unsere Anliegen auf und berichten wohlwollend über die Kampagne und die Ziele von agens. Immer weitere Anfragen – auch von großen im Druck erscheinenden Periodika – erreichen uns. Das Thema ist in den Medien angekommen – auch dank unserer erfolgreichen Kampagnenarbeit.

FreieWelt.net: Sie wollen die “politische Bewusstseinslage” der Bundestags-Abgeordneten anhand von Fragebögen hinsichtlich Männerverachtung ausloten. Welche Ergebnisse hat diese Befragung gebracht?

Eckhard Kuhla: Wir beobachten eine erschreckende Gleichgültigkeit unserer Volksvertreter, was die Zahl, aber auch den Inhalt der Antworten betrifft. Die geringe Antwortbereitschaft der Abgeordneten kann nur zum Teil erklärt werden mit dem Wust von Post, mit dem die Büros der Abgeordneten alltäglich bombardiert werden. Vielmaher hat man den Eindruck, dass viele Abgeordnete “Männerfeindlichkeit” als unangenehmes Thema betrachten, zu dem man sich gerade wegen der großen eigenen Versäumnisse in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten lieber nicht äußern möchte.

FreieWelt.net: Welche Unterschiede können Sie zwischen den verschiedenen Parteien in deren Haltung zur Männerfeindlichkeit erkennen?

Eckhard Kuhla: Erstaunlich viele Abgeordnete antworteten parteiübergreifend ähnlich nach dem abwehrenden Motto: “Wo ist das Problem?”, “Unsere Partei macht doch…”, “wir haben dies und das auf den Weg gebracht…” oder “unsere Partei handelt auf der Basis des Grundgesetzes”. Punkt. Das sind alles Antworten, die mit unserer eigentlichen Fragestellung wenig zu tun haben. Wir wollten keine seitenlangen Abhandlungen von den Parteien über die aktuelle Ausrichtung ihrer Männerpolitik haben. Wir wollten nur eine kurze und eindeutige Aussage dazu, dass die Menschenwürde von Männern zu wahren und der Abwertung des Männlichen entgegenzutreten sei. Aber das fiel den meisten Abgeordneten offenbar schon zu schwer.
Dass sich die beiden bürgerlichen Regierungsparteien nicht zu einer öffentlichen Distanzierung von den männerfeindlichen Äußerungen der Politikerinnen Cornelia Pieper (FDP) und Ursula von der Leyen (CDU) durchringen können, ist traurig. Aber so sind wohl die Parteiloyalitäten. Da hält man offenbar auch dann noch zum Führungspersonal, wenn es den größten menschenverachtenden Unsinn redet, um seine Partikarriere nicht zu gefährden. Dennoch stammen die Mehrzahl der Unterstützer unserer Kampagne gegen Männerfeindlichkeit aus der CDU und FDP. Die zuständige Fraktions-Sprecherin der Union, Dorothee Bär (CSU); sprach sich klar für die Wahrung der Menschenwürde von Männern und gegen die Abwertung des Männlichen aus.Von den Grünen und der Linkspartei haben sich ebenfalls einzelne Abgeordnete der Forderung angeschlossen, während die Blockierer der Forderung in erster Linie aus den Reihen der SPD kommen. Deren Sprecherin Christel Humme wies im Namen der Fraktion die Kritik an dem umstrittenen Satz zur „Überwindung der männlichen Gesellschaft“ im SPD Programm zurück, ohne es glaubhaft zu begründen.

FreieWelt.net: Bundesministerin Kristina Schröder, CDU, ist fachlich zuständig für das Thema Männerdiskriminierung. Wie beurteilen Sie das Verhalten der Ministerin?

Eckhard Kuhla: Ministerin Schröder hat als MdB nicht geantwortet. In diesem Falle ist uns aber die viel bedeutungsvollere Funktion als Ministerin wichtig. Und da hat sie sich in letzter Zeit in den Printmedien sehr eindeutig gegen den Feminismus geäußert: „Mit einem Feminismus, der … die Menschen umerziehen will, kann ich nichts anfangen.“ Damit hat sie einen in der Geschlechterpolitik folgenschweren Generationswechsel eingeläutet, der sich nur positiv auf unsere Agens Botschaft auswirken kann. 

FreieWelt.net: Welche Schlussfolgerungen für Ihre weitere Vorgehensweise ziehen Sie aus dem Verlauf der Kampagne “Männerfeindlichkeit stoppen !”?

Eckhard Kuhla: Mit der Kampagne haben wir eines ans Licht gebracht: die Bewusstseinslage hinsichtlich Männerfeindlichkeit ist erschütternd. Schlimmer als wir gedacht haben. Es zeigt die Wirksamkeit langjähriger feministischer Öffentlichkeitsarbeit, die „Männlichkeit“ infrage stellt, abwertet und lächerlich machen konnte und kann. Und diese Art von Öffentlichkeitsarbeit, besser gesagt von Propaganda,  konnte so viel Erfolg haben, weil sie auf eine uninformierte und schweigende Mehrheit traf. Nicht nur das, die Abwertung des „Männlichen“ wird von den Betroffenen selbst schweigend hin genommen, statt ihr mit Empörung zu begegnen.
Wir haben durch die Kampagne viel gelernt. Die Notwendigkeit von ideologiefreier Aufklärung wurde mehr als bestätigt. Wir meinen, dass die Abwertung des Männlichen und – das sollte man nicht vergessen – des Weiblichen – einer Kulturzerstörung gleichkommt. Wir werden mit allen Mitteln jetzt erst recht ein Sprachrohr bilden besonders für die Mehrzahl der Normalbürger, die von der Genderideologie bisher wenig gehört haben. Eine schwierige Aufgabe wird das sein, konnte doch die Frauenlobby über Jahrzehnte hinweg Meinungsführer in diesem Bereich sein. Unser „MITeinander“-Konzept wird – und da bin ich mir sicher – langsam aber stetig der jetzigen geschlechterpolitischen Polarisierung Einhalt gebieten. Wir haben großes Vertrauen in den mündigen Bürger, der ist unser Potential!

FreieWelt.net: Heißt das, Sie werden die Kampagnenarbeit weiterführen?

Eckhard Kuhla: Ja. Und zwar solange, bis es auch dem letzten Abgeordneten endlich gelungen ist, einer im Grunde völlig selbstverständlichen Aussage wie der folgenden eindeutig und ohne Ausflüchte zuzustimmen: “Ich bin dafür, die Menschenwürde von Männern zu wahren und der Abwertung des Männlichen entgegenzutreten. Ich spreche mich in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz dagegen aus, dass Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit diskriminiert werden, dass Männer als minderwertige Wesen abgewertet werden, dass Männer aus der „menschlichen Gesellschaft“ ausgegrenzt werden und dass Jungen im Bildungssystem benachteiligt werden.” Wer dem nicht eindeutig zustimmen kann, verdient es nicht, unser Gemeinwesen im Parlament zu repräsentieren.

Hier können Sie die wichtigsten deutschen Spitzenpolitiker direkt mit dieser Forderung konfrontieren:
AbgeordnetenCheck.de

Das Interview führte Christoph Kramer
Foto: Eckhard Kuhla

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