Holger Thuß: “Prosperität ist die Basis hoher Umweltstandards”

10. August 2010, 07:23 | Kategorien: Lebenswelt, Politik, Wirtschaft | Schlagworte: | von
Redaktion

Dr. Holger Thuß ist Verleger, Publizist und Mitgründer des Netzwerkes CFACT Europe und des privaten Europäischen Instituts für Klima und Energie. Das Internetportal Ökowatch sprach mit Holger Thuß über die Arbeit von CFACT, den Einfluss von Großkonzernen und von Nicht-Regierungsorganisationen auf die Umweltpolitik und über seine Sicht des Klimawandels.

Ökowatch: Herr Dr. Thuß, was macht das “Committee For A Constructive Tomorrow” genau?

Holger Thuß: Wir sind ein internationales Aktivistennetzwerk, das versucht, neue umwelt- und entwicklungspolitische Ansätze zu entwickeln und umzusetzen. Darüber hinaus sind wir bestrebt, auf Missstände in den genannten Politikbereichen hinzuweisen. Unser größtes Projekt ist ein Schulprojekt in Uganda.

Ökowatch: CFACT ist von grünen Nichtregierungsorganisationen Lobbyismus vorgeworfen worden. Was sagen Sie zum Vorwurf, dass sich CFACT dafür einsetze, dass möglichst wenig Auflagen zum Schutz der Umwelt den Profitinteressen von Großkonzernen im Wege stehen?

Holger Thuß: In der Psychologie nennt man so etwas Projektion: Man projiziert eigene Verhaltensweisen auf eingebildete „Feinde“. Die Großkonzerne benötigen unsere Hilfe nämlich nicht. Ganz im Gegenteil – sie arbeiten sehr erfolgreich mit Regierungen, der UNO und „linken“ Aktivisten zusammen. Im physischen Zentrum der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im letzten Dezember drehte sich eine von innen angestrahlte künstliche Weltkugel mit einem riesigen SIEMENS-Logo. Überall im Konferenzzentrum hatte die Lobby der neuen Karbonfinanzierungsindustrie Stände aufgebaut.

Eine Initiative von Großkonzernen zum Klimaschutz in den USA besteht ausschließlich aus Profiteuren einer zukünftigen Cap-and-Trade-Gesetzgebung und von gigantischen Umweltsubventionen. Ein anderes Beispiel: Jede neue Windturbine erhöht den Verbrauch von Erdgas, da immer mehr grundlastfähige Gaskraftwerke vorgehalten werden müssen. Ich habe noch nie etwas von einer „grünen“ Kampagne gegen die Gasförderung gehört. Bestimmte Gruppen engagieren sich aber massiv gegen Kohle- und Kernkraftwerke. Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, weiß, was da los ist. Diese Beispiele ließen sich endlos fortsetzen. Im übrigen wurde auch die Öl-Katastrophenfirma BP von grünen Aktivisten jahrelang gehätschelt – und umgekehrt. In diesem Spiel der ganz großen ökonomischen Interessen treten wir als Sachwalter der Bürgerinteressen auf, wenn wir z. B. durch die Besetzung eines Greenpeace-Schiffes gegen den öko-industriellen Filz protestieren. Denn für diese ganze Veranstaltung „Klimaschutz“ gibt der Otto-Normal-Steuerzahler und jeder Energiekunde die Melkkuh ab, oft, ohne es zu wissen.

Ökowatch: Dennoch wird CFACT Europe vorgeworfen, von der Energiewirtschaft finanziert zu werden.  Laut Greenpeace soll z.B. Exxon CFACT in den Jahren 2000 bis 2007 mit 577.000 US-Dollar unterstützt haben. Was ist die Position von CFACT dazu?

Holger Thuß: Das sind keine Vorwürfe, sondern öffentlich zugängliche Informationen aus dem World Giving Report der philanthropischen ExxonMobil-Stiftung. Die angeblichen Enthüllungen sind also gar keine. Alles ist völlig legal und transparent abgelaufen. Zumal die Klimapolitik für ExxonMobil, wie jeder dort selbst nachlesen kann, nur einen Nebenaspekt darstellt. So wird ein breit angelegtes Malariaprojekt in Entwicklungsländern mit Millionenbeträgen unterstützt. Auch viele namhafte Universitäten bekommen für ihre Forschungen Millionenbeträge. Diese Kampagne ist ein Ablenkungsmanöver wie aus dem Handbuch für Desinformation. Man muss sich das doch mal überlegen: hauptamtliche Funktionäre millionenschwerer Umweltorganisationen halten uns eine Spende in dieser Höhe vor, wobei die meisten „grünen“ Organisationen bei ihrer Spendenpraxis nicht gerade zimperlich sind, um es mal vorsichtig zu formulieren, und zusätzlich von der gesamten staatlichen Umweltbürokratie bis hinauf zur EU alimentiert werden. Indem man uns und anderen freiheitlichen Netzwerken jede Integrität abspricht, glaubt man, uns mundtot machen und sich wichtigen politischen und wissenschaftlichen Debatten entziehen zu können.

Wenn man denn aber unbedingt über Geld sprechen will, sollte man nicht unerwähnt lassen, dass allein die offizielle Klimaforschung, häufig eng mit der Klimaaktivistenszene verwoben, wie Climategate zeigt, seit dem Aufblasen dieses Themas um 1990 weltweit etwa 70 Milliarden US-Dollar kassiert hat. Darüber schreibt kein Mensch. Von den grünen NGOs ganz zu schweigen.
Jeder kann selbst überprüfen, dass wir unsere Meinung zu bestimmten Themen nicht je nach Sponsor ändern. Ich selbst fand den sogenannten „Klimaschutz“ schon vor 15 Jahren lächerlich und falsch, da wusste ich noch gar nicht, dass es CFACT gibt. Der CFACT-Experte Paul Driessen hat bereits vor fünf Jahren in seinem Buch „Öko-Imperialismus“ der Firma BP technologische Mängel und ein verlogenes „grünes“ Image vorgeworfen und jetzt auf dramatische Weise recht bekommen. Nach dem Ende der Unterstützung durch die ExxonMobil-Stiftung hat CFACT übrigens erst richtig durchgestartet. Unsere Blogs climatedepot.org und cfact.eu gehören mittlerweile zu den meist gelesenen Umweltblogs.

Ökowatch: Sie sind neben Ihrem Engagement für CFACT auch Präsident des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ (EIKE); in dessen Veröffentlichungen die Existenz eines menschgemachten Klimawandels bezweifelt wird.  Sind die für EIKE tätigen Wissenschaftler kompetent genug, die Ergebnisse des IPCC, das sich seinerseits aus international renommierten Wissenschaftlern rekrutiert, in Frage zu stellen?

Holger Thuß: Ich muss kein Koch sein, um ein Restaurant beurteilen zu können. Klimaforschung ist für jeden, ein wenig Ausdauer vorausgesetzt, nachvollziehbar. Jeder kann erkennen, dass ein unter einem Abluftkanal einer häuslichen Klimaanlage aufgestelltes Wetterhäuschen keine sinnvollen Messergebnisse hervorbringen kann. So etwas ist aber vorgekommen und sollte vertuscht werden. Auch die Climate-Gate-Emails kann jeder, der der englischen Sprache mächtig ist, nach Herzenslust im Internet studieren.

Unsere Kritik wendet sich auch nicht gegen den gesamten IPCC-Bericht, sondern gegen einzelne Teile. Wenn beim IPCC-Bericht von den neun Autoren und 71 Gutachtern (zusammen 71+9 = 80) des Kapitels 9 außer den neun Autoren nur fünf (!) unabhängige Gutachter der Meinung sind, dass der beobachtete Temperaturanstieg überwiegend auf mensch­lichen Einfluss zurückzuführen ist, sieht jeder, dass hier nur 14 und nicht die immer wieder genannten 2.500 Wissenschaftler mitgewirkt haben. Sogar der IPCC-Leitautor Mike Hulme, ein glühender Verfechter der These vom anthropogenen Treibhauseffekt, glaubt, dass insgesamt nur wenige Dutzend Kollegen diese These stützen.
Außerdem finden wir es mehr als merkwürdig, wenn die Zusammenfassung des Klimaberichts von Politikern und Funktionären abgestimmt wird, bevor der eigentliche Bericht fertig gestellt ist.

Dass sich das Klima wandelt und der Mensch es beeinflusst, ist unbestritten. Der Streit dreht sich lediglich darum, ob ein minimaler, auf menschliches Tun zurückzuführender Anteil von ein bis drei Prozent des so gut wie nicht existenten atmosphärischen Kohlendioxids die Erde „aufheizt“, oder ob ein riesiger, strahlungsaktiver Himmelskörper namens Sonne das Klima beeinflusst, wie es die Professoren Svensmark und Shaviv nach allen Regeln der Kunst bewiesen haben. Wie verrückt oder korrupt muss man eigentlich sein, um als Naturwissenschaftler an die CO2-These zu vertreten?  Davon abgesehen finden sich in unseren Reihen viele namhafte Professoren, die in den entsprechenden Bereichen gearbeitet haben.

Ökowatch: Scheint es nicht fast zwingend, dass die fast sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten und die zahlreichen Abgase, die sie produzieren, das Klima beeinflussen?

Holger Thuß: Das Klima ändert sich ständig, das ist völlig normal, und die Menschen passen sich dem Klimawandel an. Sicher beeinflussen menschliche Aktivitäten wie Rodungen oder der Reisanbau das Klima. Das alles sind banale Feststellungen. Ihre Frage impliziert jedoch den gefährlichen Irrglauben, wir litten an Überbevölkerung. In Wirklichkeit sind weite Teile der bewohnbaren Gebiete der Erde unterbevölkert. Wussten Sie, dass alle 6,9 Milliarden heute lebenden Menschen locker auf 60 Prozent der Fläche des Saarlandes passen – ohne zu drängeln? In Europa haben wir ein ernsthaftes demographisches Problem. Ländliche Gebiete Frankreichs und Spaniens veröden ebenso wie lettische oder weißrussische Dörfer. Aber auch die meisten afrikanischen Länder sind abseits der urbanen Zentren unterbevölkert. Der Autor Philip Longman weist in „The empty cradle“ zu Recht darauf hin, dass solche unterbevölkerten Zonen die wirklichen Risiken bergen, während Innovationen und Lösungen in der Geschichte meist in den Städten geboren wurden. Wobei ich die Probleme der Megastädte und der Versorgung vieler Menschen nicht kleinreden will. Ich wende mich aber grundsätzlich dagegen, Menschen, also uns selbst, nur noch als Abgasproduzenten wahrzunehmen. Wer so etwas Lebensfeindliches predigt, liefert (vielleicht, ohne es zu wissen); die ideologische Rechtfertigung für zukünftige Massenmorde aus ökologischen Gründen.

Ökowatch: CFACT schreibt: “Unsere Mission ist es, die Situation der Erde und aller ihrer Bewohner zu verbessern”. Was ist Ihre persönliche Vision einer sinnvollen Umweltpolitik?

Holger Thuß: Ich gebe es zu, ich habe Probleme mit dem Begriff „Umwelt“, ein Abstraktum aus den ideologischen Kämpfen der 1970er Jahre, der beliebig mit Inhalt gefüllt werden kann und wird. Eigentlich müsste man klassischerweise über die Dichotomie von Kultur und Natur sprechen. Weil das nicht geschieht, sehen wir in der Umweltdebatte sehr viel Nihilismus und wenig Diskussionen über Dinge, die uns lieb und teuer sind. Dabei gehen dann oft wichtige Details verloren, etwa, dass der mythische deutsche Wald eher forstkultureller als natürlicher Herkunft ist, oder dass die doch zu schützende Natur nicht nur aus sympathischen Wirbeltieren, sondern auch aus Borkenkäfern, gefährlichen Pilzsporen, Viren und Bakterien besteht. Aber sei’s drum.

Umweltpolitik sollte vor allem nicht losgelöst von anderen Politikbereichen stattfinden. Die Basis für hohe Umweltstandards ist immer die Prosperität eines Landes. Insofern schafft der, der auf echtes, quantitatives Wachstum und marktwirtschaftliche Lösungen setzt, eine gesunde materielle Basis für Umweltschutzmaßnahmen. Irgendwer muss ja am Ende immer die Rechnung bezahlen. Dagegen kann die Illusion vom einfachen Landleben, vom sich Einschränken und von der Selbstkasteiung keine Zukunftsvision für alle sein, was man leicht daran erkennen kann, dass diese Vision von Leuten in klimatisierten Büros gepredigt wird, die wie Al Gore sehr gerne mit dem eigenen Flugzeug von Land zu Land reisen. Arme Länder kennen den Umweltschutz nur aus dem Fernsehen. Das weltweit durchgesetzte DDT-Verbot ist so ein schlimmes Beispiel, wie der bereits genannte CFACT-Fellow Paul Driessen in seinem Buch eindrucksvoll belegen kann: War zu Beginn des Verbotes um 1980 die Malaria fast ausgerottet, sterben heute „dank“ des Verbotes jährlich etwa 800.000 Kinder und eine Million Erwachsene. Ein afrikanischer Umweltminister sagte kürzlich, er hätte noch nie Gräber gesehen von Leuten, die an DDT gestorben wären, aber jede Menge Gräber von Kindern, die an Malaria starben.

Dann wäre da noch der Begriff der Nachhaltigkeit, womit viele Maßnahmen gerechtfertigt werden, die zwar heute völlig sinnlos sind, aber angeblich zukünftigen Generationen nützen. Als ob irgendwer prophetische Gaben hätte! Leider sehen das viele Politiker anders. Betrafen strenge Umweltvorschriften zunächst und zu Recht Kernkraftwerke, Schweinemastbetriebe oder die Chemieindustrie, trifft es jetzt die gesamte industrielle und landwirtschaftliche Produktion. Viele Firmen lagern ihre Produktion aus oder sterben einen stillen Tod. Viele Firmen werden aufgrund strenger Vorschriften gar nicht erst gegründet! Damit wird die Basis unseres Wohlstandes und damit auch des Umweltschutzes zerstört. Umweltschutz im Sinne eines Schutzes der Menschen und der Natur vor Beeinträchtigungen sieht anders aus.

www.oekowatch.org

www.cfact.de

(Foto: H. Thuß)

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