Für ein starkes C in der Union – Interview mit Martin Lohmann

27. Januar 2010, 07:51 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , , | von
Redaktion FreieWelt.Net

Martin Lohmann ist Vorsitzender des Arbeitskreises engagierter Katholiken in der Union (AEK). Nach anfänglichem Mißtrauen aus der Unionsspitze, will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nun noch im ersten Quartal 2010 mit dem AEK treffen. FreieWelt.Net sprach mit Martin Lohmann über das Verhältnis von Union und katholischen Bischöfen zum AEK, den wichtigen thematischen Dialog und die Perspektive für das Gespräch mit der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden.

FreieWelt.Net: Herr Lohmann, zuerst hat die Parteivorsitzende der CDU Sie offenbar mit Nichtachtung strafen wollen. Jetzt sollen Sie noch im ersten Quartal des Jahres 2010 doch zu einem Gespräch mit Frau Merkel eingeladen werden. Was ist passiert?

Martin Lohmann: Wir sind froh, dass wir die Gelegenheit haben werden, mit unserer Parteivorsitzenden über den Arbeitskreis Engagierter Katholiken zu sprechen. Unsere Freunde von der CSU hatten diese Gelegenheit bereits mit ihrem Parteivorsitzenden. Dass es etwas länger gedauert hat, bis nun auch wir von der CDU mit unserer Frau Merkel reden können, mag an den zahlreichen Aufgaben liegen, die sie hat. Schließlich ist die CDU-Chefin ja auch noch Bundeskanzlerin.

FreieWelt.Net: Aber es ist ja auch immer wieder gesagt worden, dass Frau Merkel gegen einen katholischen Arbeitskreis gewesen sei, den Sie dann doch ins Leben gerufen haben.

Martin Lohmann: Ja, das mag so sein. Oder besser: Das mag so gewesen sein. Aber schon Konrad Adenauer hat einmal gesagt, niemand könne ihn daran hindern, von Tag zu Tag klüger zu werden. Ich nehme an, dass sich seine Nachfolgerin ähnlich klug verhält. Sie wird sicher beobachtet haben, was einerseits alles an Unsinn über uns schon verbreitet wurde, und andererseits wird sie gesehen haben, dass wir zum Beispiel nicht als Anti-Merkel-Truppe unterwegs sind, vielmehr unserer Partei helfen wollen, verlorenes Vertrauen bei katholischen Wählern zurückzuholen. Frau Merkel ist da sicher ganz pragmatisch. Sie weiß auch, dass es Unmut bei vielen Katholiken gibt oder gab, und dass unsere Initiative sehr schnell sehr viele Freunde und Unterstützer bekommen hat.

FreieWelt.Net: Gegenwind gab es aber auch kräftig. Manche Prominente in der CDU-Spitze haben sich gar nicht nett über den AEK und auch Sie, Herr Lohmann, geäußert. Frau Schavan soll Sie im Bundesvorstand sogar persönlich attackiert haben, obwohl Sie gar nicht anwesend waren, sich also gar nicht rechtfertigen konnten. Schmerzt so etwas?

Martin Lohmann: Es verwundert und irritiert. Es ist doch schade, dass offenbar manche in Ermangelung von Argumenten gegen das Engagement von Katholiken, die es einfach nicht gibt, lieber den Knüppel der Diffamierung rausholen und versuchen, einzelne Personen zu diskreditieren. Wissen Sie, so etwas sagt ja generell mehr über verbale Knüppelschläger aus als über jene, auf die sie eindreschen wollen. Insofern kann einem das schon leidtun. Besonders intelligent oder souverän wirkt das dann nämlich nicht. Und es erstaunt, wenn das dann noch jene nötig zu haben scheinen, die ansonsten stets den Pluralismus und die Toleranz predigen. Das ist für viele von uns wenig glaubwürdig. Es macht auch traurig, wenn von einzelnen Personen versucht wird, uns in eine bestimmte Ecke zu drängen und mit – ja man muss es wohl so formulieren – Dreck fast schon wutentbrannt zu werfen. Das wird weder unseren Mitgliedern noch dem guten Anliegen gerecht. Wut, Verleumdung, Hass und Rufmord – das entspricht nicht unserem Dialogniveau. Oder hat man wirklich Angst vor dem „C“ und seiner freundlichen Klarheit? Merkwürdig. Aber auch aufschlussreich. 

FreieWelt.Net: Ist das alles Zufall, was da gelegentlich gemacht wird?

Martin Lohmann: Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Jemand meinte neulich, es könne auch eine – allerdings durchschaubare – Strategie sein: Nachdem das Totschweigen beziehungsweise das Wegschweigen dieser Idee eines AEK nicht gelungen ist, weil es halt genau die richtige Idee war und ist und diese Idee von Anfang an boomte, will man nun die gute Idee beschädigen, indem man die Träger dieser Idee als Personen beschädigt, Rufschädigung und Rufmord betreibt. Und das alles nur, weil sich hier mit dem AEK Katholiken zu Wort melden, die im besten Sinne konservativ und frei sind. Ja, und gute Argumente für manche Debatte haben sie auch noch. Da ist es, wenn einem eigene Argumente fehlen, simpler, die Botschaft zu verbieten oder die mit ihr verbundenen Köpfe für untragbar zu erklären. Schade. Aber das gibt es halt auch immer wieder. Wir vom AEK lassen uns aber davon nicht umhauen. Im Gegenteil: Weil wir keine Angst vor der Diskussion und vor anderen Argumenten haben, leisten wir uns eine bleibende Freundlichkeit und laden wieder und wieder zum wirklich fairen Dialog ein. Wetten, dass da irgendwann auch jene verstehen, die den Dialog noch fürchten, wenn er nicht von ihnen alleine gesteuert werden kann?

FreieWelt.Net: Ein Berliner Jesuitenpater hat nun dem AEK ziemlich deutlich unterstellt, er thematisiere manches mit Zorn, sei geprägt von Hasspredigten und Steinewerfern. Wie gehen Sie denn mit einer solchen Kritik um?

Martin Lohmann: Ist so etwas denn wirklich Kritik? Ist nicht genau so etwas eine Hasspredigt und mentales Steinewerfen? Wir wissen nicht, warum dieser Geistliche, der anscheinend lieber die zorneswütige Beschimpfung als das Gespräch und die Information sucht, sich für ein solches Niveau hergibt. Da wir keine sachlichen Gründe erkennen können, gibt es vielleicht persönliche. Aber wäre das priesterlich oder jesuitisch? Ich bin selbst Jesuitenschüler und habe eine Bronzefigur des großen Ignatius von Loyola auf meinem Schreibtisch stehen. Meines Wissens hat dieser Heilige viel von Anstand, Klarheit und Aufrichtigkeit gehalten. Aber auch Jesuiten sind eben nur fehlbare Menschen. Vielleicht ist ja manche  etwas entgleiste Wortmeldung letztlich nichts anderes als ein ursprünglich gemeinter Widerspruch in Loyalität. Dann sollte man es aber auch erkennbar so ausdrücken. Fair und anständig.

FreieWelt.Net: Nun heißt es aber in einem Zeitungsbeitrag, Erzbischof Zollitsch habe sich vom AEK distanziert.

Martin Lohmann: Hat er nicht. Der von Ihnen angesprochene Artikel verwundert insofern, als der Autor, der das in seinem Beitrag behauptet, auch der Gesprächspartner im Interview mit dem Erzbischof war. Und dort ist keine Distanzierung zu finden. Im Gegenteil. Wörtlich heißt es in dem Interview mit Zollitsch: “Ich mische mich nicht in Strukturfragen der CDU ein. Anscheinend besteht ein Bedürfnis in Bezug auf den Arbeitskreis. Dessen Aktivitäten sollten aber den breiten Dialog der Kirche mit der Partei nicht beeinträchtigen.” Ist das eine Distanzierung? Wenn das aber nun fälschlicherweise behauptet wird und Zitate beliebig zusammenstellt werden, könnte das eine Form von mentalem Selbstbetrug sein. Oder aber es ist einfacher: Der Autor des Artikels hat geschrieben, was er gerne als Antwort vom Bischof bekommen hätte – aber nicht bekam. Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass es keine Gründe geben könnte, als Bischof sich vom notwendigen Engagement katholischer Laien zu distanzieren.

FreieWelt.Net: Wie könnten Sie denn den breiten Dialog der Kirche mit der Partei beeinträchtigen wollen?

Martin Lohmann: Keine Ahnung. Übrigens: Gerade weil wir niemandem etwas wegnehmen möchten und selbst an einem breiten Dialog der Kirche mit der Partei interessiert sind, sollte dieser Dialog doch bitte nicht beeinträchtigt werden durch das Ausklammern derer, die sich als Katholiken bewusst als CDU-Mitglieder innerparteilich daran beteiligen wollen. Oder sind engagierte Katholiken jetzt nicht mehr Teil der Kirche? Also: Wo bleiben intellektuelle Redlichkeit und Anstand bei denen, die manch Unsinniges über oder gegen uns behaupten? Noch einmal: Es gibt keinen Grund, sich als Bischof von dem Engagement katholischer Laien für ein starkes C in einer C-Partei zu distanzieren! Warum sollte sich ein Bischof, der selbst weder den Auftrag noch die Zeit hätte, ausdrücklich innerparteilich tätig zu sein, distanzieren von CDU-Mitgliedern, die sich als katholische Christen exakt dem Auftrag entsprechend innerhalb ihrer Partei einsetzen für ein katholisches Profil?

FreieWelt.Net: Sie haben also einen originären Auftrag als Laien, sich so einzusetzen?

Martin Lohmann: Ja, selbstverständlich. Wir haben unseren Auftrag stets so verstanden, dass – im Unterschied zu anderen Bekenntnissen – der Glaube und unser Bekenntnis zu Jesus Christus eben nicht in die Privatsphäre verdammt werden darf, sondern öffentlich sichtbar werden kann und darf und ein Zeugnis verlangt. Wir wissen, dass dies auch nicht immer mit Beifall begleitet wird und für manche gar störend wirken muss, zumal Katholiken dazu aufgerufen sind, sich nicht willenlos der Diktatur des Relativismus zu unterwerfen. Aber es wäre doch mehr als seltsam, wenn dieses Engagement ausgerechnet von unseren Bischöfen und ihren politischen Repräsentanten nicht verstanden werden würde. Wir orientieren uns gerne am Zweiten Vatikanischen Konzil. Dort ist die Rede von der relativen Autonomie der Kultursachbereiche und vom besonderen und eigenständigen Engagement der Laien. Und weil das so ist, erwarten wir letztlich ausdrücklich die Unterstützung unserer Bischöfe und den bischöflichen Segen für etwas, das sie weder tun sollten noch dürfen.

FreieWelt.Net: Und was erwarten Sie von dem Gespräch mit Angela Merkel, zu dem Sie eingeladen sind?

Martin Lohmann: Lassen Sie mich zunächst sagen: Wir bleiben auch bei manchem Gegenwind, den Sie benannt haben, auf unserem guten und inhaltlich starken Kurs. Von persönlichen Diffamierungen lassen wir uns nicht irritieren. Es geht um Inhalte. Ich erinnere an unsere 10 Anmerkungen zur Berliner Erklärung zum Beispiel. Es geht uns um die Sache, also um unsere Partei und deren Profil. Andere bevorzugen persönliche Attacken anstelle inhaltlicher Dialoge. Wir bleiben dennoch dabei und laden zum themenorientierten Dialog ein. Und es ist gut, wenn sich viele daran qualifiziert beteiligen. Punkt. Und was Ihre Frage angeht: Wir erwarten Fairness, das aufrichtige Interesse am Einsatz engagierter Katholiken in ihrer C-Partei – und gemeinsame Überlegungen, wie dieser demokratische Einsatz zu einem erkennbar selbstverständlichen Teil eines überzeugenden und breiten Profils unserer Volkspartei werden kann, die mit ihrem C auf Christus orientiert ist und sich belastbare Koordinaten ebenso leisten kann und muss wie das konstruktive Miteinander der Konfessionen. Der AEK will mitreden und mitgestalten. Wir sind ein wichtiger Teil einer modernen Partei mit Anspruch.

 

Foto: Heike Lohmann

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