Frühsexualisierung manipuliert und verführt unsere Kinder

09. März 2012, 12:37 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: , | von Redaktion
Foto: Initiative Familienschutz
Redaktion FreieWelt.net

Im Interview mit der Wochenzeitung Junge Freiheit spricht Hedwig Freifrau von Beverfoerde (Sprecherin der Initiative Familienschutz) über die Hintergründe und Folgen schulischer Frühsexualisierung, über angemessenen Aufklärungsunterricht und über die Forderungen und Erfolgsaussichten ihrer Berliner Online-Kampagne "Staatliche Sexualisierung der Kindheit - Schützt uns davor!".

Freifrau von Beverfoerde, Sie sind Sprecherin der Initiative gegen „staatliche Sexualisierung” an Schulen. Was haben Sie eigentlich gegen Aufklärungsunterricht?

Beverfoerde: Gar nichts – solange er sich erstens auf die biologischen Grundlagen der Fortpflanzung beschränkt, zweitens in einem angemessenen Alter der Kinder, etwa ab elf Jahren, erfolgt und drittens auf peinliche und schamverletzende Darstellungen in Bild und Schrift verzichtet.

Ist das denn nicht so?

Beverfoerde: Nein. Aufklärungsunterricht ist längst abgelöst durch eine fächerübergreifende Sexualerziehung. Schon bei Erstkläßlern wird damit begonnen! Grundschüler sollen Fragen diskutieren wie: „Was ist, wenn dein Freund oder deine Freundin Sex haben wollen, du aber nicht?” Kinder ab der siebten Klasse sollen dann Begriffe wie „Sadomaso”, „Selbstbefriedigung”, „Orgasmus”, „Homosexualität” und „Darkroom” interpretieren und darstellen. All das hat mit Aufklärungsunterricht nichts zu tun, das ist Frühsexualisierung der Kinder.

Wir leben im 21. Jahrhundert – kann es sein, daß Ihre Einwände nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sind?

Beverfoerde: Im Gegenteil. Es zeigt sich, daß die Folge staatlicher Sexualerziehung nicht ein Rückgang, sondern ein Anwachsen der Probleme ist. Amerikanische Studien belegen, daß seit Einführung der „Sex Education” in den USA etwa Teenager-Schwangerschaften dort nicht weniger werden, sondern zunehmen und daß immer mehr Jugendliche immer früher Sexualkontakte suchen.

Ziel der schulischen Sexualerziehung sei, wie die Journalistin Daniela Niederberger erklärt, „Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, eine selbstbestimmte und angstfreie Sexualität zu entwickeln”, sowie die „Verhinderung von sexuellen Übergriffen”.

Beverfoerde: In einer Erziehung, die zur Frühsexualisierung des Kindes führt, kann ich keinen positiven pädagogischen Ansatz erkennen. Denn der Tenor ist ja gerade nicht der verantwortungsbewußte Umgang mit sich und seinem Körper im Hinblick auf Liebe und Treue in der Ehe und das Geschenk des gemeinsamen Kinderbekommens, sondern – alles ist toll, alles ist erlaubt, alles muß probiert werden. Hauptsache, es ist lustvoll und macht Spaß. Die Ehe zwischen Mann und Frau – die Liebe zwischen zwei Menschen ist zu einer Variante unter vielen verkommen. Alle denkbaren Spielarten von Sexualität und Partnerschaft sollen als gleichermaßen erstrebenswert dargestellt werden. Das Kind soll seine eigene sexuelle Identität in Frage stellen. Damit werden die Kinder gezielt verunsichert und desorientiert. Eine solche Erziehung schützt nicht vor Übergriffen, sondern ist selbst ein Übergriff, nicht nur auf das Erziehungsrecht der Eltern, sondern auf die Persönlichkeit des Kindes.

Indem Sie diese Erziehung zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt” zu verhindern versuchen, sind Sie „schuld an der künftigen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern”.

Beverfoerde: Damit bemühen Sie das typische Totschlagargument, das aber nicht stimmt. Jeder hat das gute Recht, im Rahmen der Gesetze so zu leben, wie er will und hat Anspruch auf Toleranz, also Duldung. Das kann aber kein Grund sein, jegliche Lebensweise aktiv in den Schulen zu propagieren. Hier geht es nicht um Toleranz, sondern um Umerziehung, darum, den Kindern das natürliche Familienbild von Vater, Mutter und Kindern auszutreiben. Durch die verfrühte Beschäftigung mit sexuellen Themen, denen das Kind in der Schule ja nicht ausweichen kann, geschieht zudem eine Enthemmung. Von Kontrolle und Zügelung des so mächtigen Sexualtriebes oder gar von Enthaltsamkeit ist in der schulischen Sexualerziehung praktisch keinerlei Rede. Die einzige Grenze, die noch gezogen wird ist, daß nur erlaubt sei, was das Kind „freiwillig” will.

Klingt doch vernünftig.

Beverfoerde: Meinen Sie? De facto heißt das, daß Kindern im Grundschulalter zugemutet wird, einen klaren Willen zu haben und zu äußern, bezüglich Dingen, die ihre werdende Persönlichkeit zutiefst, im intimsten Inneren, betreffen. 6- bis 13jährige sollen ihre sexuellen Gefühle klären und standfest gegenüber anderen, wie etwa der Klasse, und gegenüber Erwachsenen, Eltern, Lehrern, Erziehern behaupten. Eine völlig abwegige Vorstellung! Kinder werden so, im Gegenteil, manipuliert und verführt. Sie werden schon frühzeitig an sexuelle Themen und Bedürfnisse, die sie noch gar nicht verspüren, herangeführt und gewöhnt. Damit wird ihr natürliches Schamgefühl, das ihre Seele schützt und ihnen hilft, sexuelle Zudringlichkeiten zurückzuweisen, zerstört. Sie sagen, Kinder sollen so „selbstbestimmt” und „vor sexuellen Übergriffen geschützt” werden? Das Gegenteil ist der Fall. Die Gefahr des Kindesmißbrauchs wächst.

Das Nachrichtenmagazin „Die Weltwoche” aus Zürich schreibt über eine ähnliche Entwicklung in der Schweiz: „Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit arbeiten die Behörden an einer kleinen sexuellen Revolution.” Trifft das auch für uns zu?

Beverfoerde: Ja, diese heimliche sexuelle Revolution findet hier auch statt: Es wird schon im frühen Alter angesetzt, um den Erziehungserfolg zu sichern, um von Beginn an anderslautende Werte und Erziehungsziele von Eltern zu unterlaufen. Man zielt auf das noch nicht kritische Kind, das beeinflußt werden soll, bevor es eigene Wertmaßstäbe entwickelt. Im Klartext: Man nutzt das Kindsein aus, um Kinder zu manipulieren. Das trägt schon totalitäre Züge.

Moment, konkret sprechen wir über das Programm „Für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt” an Berliner Schulen, das von allen Fraktionen – also auch von den bürgerlichen Parteien CDU und FDP – im Abgeordnetenhaus einstimmig beschlossen worden ist.

Beverfoerde: Genau, es ist erschreckend … Schließlich sind Ehe und Familie das Fundament christlicher und bürgerlicher Weltanschauung, die vor staatlichem Zugriff zu schützen sind. Das scheint man bei der Verabschiedung des Programms in den Reihen von Union und Liberalen wohl vergessen zu haben. Artikel 6 unseres Grundgesetzes besagt klar, daß die Erziehung des Kindes das natürliche Recht und die Pflicht der Eltern ist. Mit der schulischen Sexualerziehung übertritt der Staat eindeutig seine Befugnisse.

Woher kommt das? Handelt es sich um den Durchmarsch der Achtundsechziger „Sex- Front” durch die Institution Schule zur Aushebelung der bürgerlichen Gesellschaft?

Beverfoerde: Wohl eher um eine Umgestaltung der bürgerlichen Gesellschaft im Sinne des Gender Mainstreaming.

Steckt dahinter vor allem die Homosexuellen- Lobby, wie manche meinen?

Beverfoerde: Tatsache ist, daß einschlägige Interessen- und Lobbygruppen direkten Einfluß auf die Unterrichtsinhalte nehmen. Unterrichtsmaterialien und Lehrerhandreichungen für die Schulen sind unter anderem vom Verein „Queerformat”, „ABqueer” oder dem LSVD, dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland erarbeitet worden.

Also doch die Homosexuellen-Lobby?

Beverfoerde: Nein, das wäre zu einfach. Die politische Verantwortung für Bildungsinhalte tragen nicht Lobbygruppen, sondern die Regierungen und Parlamente in den Bundesländern. Hier wird die Ideologie des Gender Mainstreaming verwirklicht, die die rot-grüne Bundesregierung 1999 zum „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe” für die deutsche Politik erklärt hat, was 2005 von der Regierung Merkel übernommen worden ist. Die Gender-Ideologie bestreitet die natürliche Vorgabe der Geschlechtsidentität des Menschen als Mann oder Frau und behauptet, das Geschlecht entstehe durch gesellschaftliche Prägung. Unter dem Vorwand die Geschlechter gleichzustellen, zielt Gender Mainstreaming deshalb auf die Abschaffung der Zweigeschlechtlichkeit. Die Gender-Ideologie zieht sich durch alle öffentlichen Bereiche. Auch in den Medien, womit vermutlich auch das geringe kritische Interesse zu erklären ist, auf das das Thema in Presse, Funk und Fernsehen trifft.

Versagen die Medien?

Beverfoerde: Davon bin ich überzeugt. Der eine oder andere spießt das Thema zwar auf, aber eher in der Art eines Schlagzeilen-„Schmankerls”, wie die Berliner Boulevard-Zeitung BZ, die laut „Schulfach Schwul” titelte, sich dann aber danach nicht weiter kritisch damit auseinandersetzte. Schulische Sexualerziehung in ihrer ganzen Tiefe und der gefährlichen Konsequenz der Frühsexualisierung wird überhaupt nicht hinterfragt.

Nun wohnen die meisten Deutschen nicht in Berlin, warum also sollte diese das Geschehen dort interessieren?

Beverfoerde: Weil Berlin Modellcharakter hat. Sie können sich darauf verlassen, daß wenn es nicht gelingt, die Frühsexualisierung in Berlin zu stoppen, diese früher oder später auch in andere Bundesländer exportiert wird. Zumal es auch anderswo, etwa in Hamburg und NRW bereits ähnliche Ansätze gibt. Natürlich schauen die sehr genau nach Berlin und was dort passiert.

Was fordert Ihre Initiative konkret?

Beverfoerde: Eine grundlegende Überprüfung der Lehrinhalte und Handreichungen zur Sexualerziehung und insbesondere der Unterrichtsmaterialien zur „Sexuellen Vielfalt” durch ausgewiesene und unabhängige Experten. An erster Stelle muß dabei die seelisch-moralische Unversehrtheit der Kinder stehen sowie die Einhaltung des Artikels 6 Grundgesetz: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht.”

Wie kann man sich beteiligen?

Beverfoerde: Auf unserer Aktionsseite im Internet www.abgeordneten-check.de, auf der Sie auch weiter Informationen über die staatliche Frühsexualisierung finden, kann jeder mit nur wenigen Klicks, einfach und direkt, eine E-Mail-Petition an die Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses schicken. Mit unserer Petition fordern wir die Abgeordneten auf, sich für eine Prüfung der Unterrichtsmaterialien einzusetzen. Je mehr Bürger mitmachen, desto mehr E-Mails bekommen die einzelnen Abgeordneten und desto größer ist der Druck, eine öffentliche Haltung zu diesem Thema einzunehmen.

Also können nicht nur Berliner teilnehmen?

Beverfoerde: Nein, jeder Bürger kann teilnehmen, denn die Sexualisierung der Kindheit ist – ausgehend vom Modell Berlin – für das ganze Land geplant. Wenn Sie Berliner sind, schreiben Sie am besten Ihrem Wahlkreisabgeordneten direkt. Nicht-Berliner schreiben einem oder mehreren beliebigen Abgeordneten. Um die Sache zu erleichtern, schlagen wir auf abgeordneten-check.de konkret Abgeordnete vor. Aber Sie müssen diesen Vorschlägen nicht folgen. Wichtig ist, daß die erhaltenen Antworten der Abgeordneten an unsere Redaktion weitergeleitet werden, damit diese auf abgeordneten-check.de veröffentlicht werden können.

Und wer Sie dauerhaft unterstützen will?

Beverfoerde: Kann dies sehr gern tun. Wir bieten einen Newsletter sowie regelmäßige Informationsschreiben für unsere Unterstützer an. Wir sind gemeinnützig. Spenden an uns steuerlich absetzbar.

Hand aufs Herz, wenn CDU und FDP bisher mitgemacht haben, werden diese sich durch Ihre Initiative wohl kaum umstimmen lassen.

Beverfoerde: Das ist noch längst nicht entschieden. In NRW etwa hat die CDU 2005 den Regierungskurs in Sachen schulischer Sexualerziehung schon einmal korrigiert. Konkret haben wir zu Beginn alle Berliner Abgeordneten per Brief gebeten, sich für unsere Forderungen einzusetzen. Wer darauf positiv reagiert hat, wird auf abgeordneten-check.de als „Befürworter”, wer negativ reagiert hat, als „Blockierer”, und wer gar nicht reagiert hat als „Unentschiedener” geführt. Im Moment sind es neun Befürworter, zwanzig Blockierer, aber 119 Unentschiedene. Da ist also noch viel Spielraum für eine endgültige Entscheidung.

(Die Veröffentlichung des Interviews erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Jungen Freiheit)

www.jungefreiheit.de

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