“Es liegt im Innern der Kirche” -Interview mit Pere Delfieux

11. August 2010, 08:10 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von
Redaktion FreieWelt.net

Pere Pierre-Marie Delfieux ist Gründer und Generalprior der Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem.
FreieWelt-Autor Constantin Graf von Hoensbroech sprach mit ihm über den Beruf und die Berufung des Priesters, den Zölibat das Erscheinungsbild der Kirche.

FreieWelt.net: Sie sind seit über 30 Jahren Priester. Was macht für Sie ganz persönlich das Selbstverständnis Ihres Berufes und Ihrer Berufung aus?

Pere Delfieux: Mehr als einen “Beruf” würde ich das Priestertum wesentlich als einen Dienst ansehen: ein Leben, das sich in Freiheit in den Dienst Gottes und der Menschen stellt, und dies inmitten der Kirche Jesu Christi. Und wenn man das Priestertum als eine „Berufung“ beschreiben möchte, so erfahre ich persönlich es als eine freie und frohmachende Antwort auf Seinen Anruf. Ich kann nicht leugnen, dass ich glücklich bin, im Dienst eines solchen Meisters zu stehen, der ja unser Herr ist und sich zu unserem Diener gemacht hat. Nichts anderes auf der Welt könnte stimulierender sein als zu wissen, dass der Erlöser der Welt uns persönlich in seinen Dienst genommen hat. Das macht im tiefsten demütig. Denn alles kommt ja von Ihm und lebt durch Ihn. Aber das erfüllt auch mit wahrem Stolz, denn es ist ja nicht wenig, nicht mehr Knecht, sondern Freund des Herrn der Herrlichkeit genannt zu werden! Wie sollte man sich also selbst rühmen: Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin, sagt der Apostel Paulus. Aber wie sollte man nicht auch froh und dankbar sein für die Stärke und die Innigkeit Seiner Gegenwart!

FreieWelt.net: Was heißt Priester sein heute?

Pere Delfieux: Heute wie auch schon gestern und auch morgen bedeutet Priester sein grundsätzlich zunächst einmal, in den Spuren Jesu zu gehen, seinem Wort zu glauben, aus seinem Evangelium zu leben, es durch sein ganzes Leben hinauszurufen, zu verkünden, was er gesagt hat, denn er hat Worte des ewigen Lebens, den unerschöpflichen Reichtum der Sakramente ungeteilt zu spenden, und dies in Solidarität und liebender Nähe zur Welt. Dieser Welt ruhig, aber unaufhörlich zu sagen, dass Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14,6). Und sich selbst rückhaltlos Christus überlassen, um Ihn der Welt zu bringen, denn Er hat uns ja sein Wort, seine Eucharistie, seine Vergebung und sein Licht unseren Händen, unseren Lippen und unseren Herzen anvertraut. Damit jeder so weit wie möglich dahin geführt werde, aus einem echten „von Herz zu Herz“ mit Christus zu leben.

FreieWelt.net: Und was wird dies morgen heißen?

Pere Delfieux: Wie zu jeder anderen Epoche setzt auch heute das Priestersein ausdrücklich eine Anpassung voraus. Wir haben herauszufinden, wie wir in Zeiten der Globalisierung und der Allgegenwart der Medien dem Konsumrausch, der ein unendliches Wachstum anstrebt, der Relativierung und Nivellierung aller Werte, der Aufgabe jeglicher religiöser Praxis und dem Rückgang der Priester- und Ordensberufe entgegentreten können. Mehr als je zuvor muss der Priester gegen den Strom schwimmen. Aber das ist nicht neu. Das dauert bereits 2000 Jahre. Und das wird wohl immer so sein, denn Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Die schlimmsten Momente in der Geschichte des Christentums waren vielleicht die Zeiten, in denen die kirchliche – oder besser klerikale-  Institution alles verwaltete, regierte, beeinflusste und in ihrem Besitz hatte. Für die Folgen zahlen wir noch heute. Es ist gefährlich, zu sehr mit der Welt übereinzustimmen. Der Priester ist gerufen, sich immer an die Warnung Jesu zu erinnern, die er an seine Jünger gerichtet hatte: Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt (Joh 15,19). Angesichts dieser geistigen Verfassung und dieser Tatsache, die so klar vom menschgewordenen Sohn Gottes angekündigt und angeprangert wurden, geht es nun nicht darum, zu kapitulieren, zu klagen, pessimistisch zu werden und zu verzweifeln. Es geht vielmehr darum, sich das Herz eines Widerstandskämpfers zu bewahren – ohne dabei zu vergessen, dass die das Land erben werden, die keine Gewalt anwenden – und die Seele eines Streiters – der aber den guten Kampf kämpfen soll, mit dem einzigen Schwert des Wortes und des Geistes. Denn Sein Wort ist Wahrheit und der Geist ist Leben.

FreieWelt.net: Stichwort Priesterausbildung: Was hat sich bewährt? Wo sollten möglicherweise neue Ansätze oder Modelle verfolgt werden?

Pere Delfieux: In dieser Frage kann ich keine besondere Kompetenz aufweisen. Doch ich weiß, dass es außerordentlich wichtig ist, wie ein zukünftiger Priester schon von dem Augenblick an zu leben, in dem man den Ruf zum Priestertum vernommen hat. Ein anderes Leben vorher zu führen unter dem Vorwand, dass man ein entschiedeneres Leben ja dann nach der Weihe führen würde, ist eines der größten Risiken, wenn nicht einer der schlimmsten Fehler in der Priesterausbildung. Früher hat man sicherlich zu sehr betont, der Priester sei ein “abgesonderter Mensch”: Aber vielleicht hat man dies heute zu sehr vergessen. Im Grunde ist es wichtig, immer wieder auf das zurückzukommen, was Evagrios Ponticos einmal so wunderbar von den Ordensleuten gesagt hat: sie sind getrennt von allen, um mit allen vereint zu sein. Letztendlich geht es um die Umsetzung des letzten Gebets Christi, das er an den Vater gerichtet hat und das für alle Priesteramtskandidaten ein Schlüsselwort bleibt: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst (Joh 17,15). Darin ist alles zusammengefasst.

FreieWelt.net: Müssen die Zulassungsbedingungen für den Empfang der Priesterweihe geändert werden?

Pere Delfieux: Ich denke, die großen Kriterien, auf die wir immer wieder zurückkommen müssen, sind für alle Zeiten festgehalten in den Worten Jesu Christi, und vor allem, wie sollte man das verschweigen, in dem, was man die evangelischen Räte genannt hat. Sie sind klar und deutlich und ungeteilt. Sie sind wie eine Quelle, deren apostolische Fruchtbarkeit sicher ist. Und ich glaube auch, dass die jüngsten Richtlinien, die Papst Benedikt XVI. veröffentlicht hat, sehr genau und treffend präzisieren, auf welche Kriterien wir heute Bezug nehmen müssen.

FreieWelt.net: Inwieweit kann der insbesondere in den Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem vorgelebte Lebensentwurf – Ausübung eines weltlichen Berufs einerseits sowie geistlicher Berufung, Feier der Liturgie sowie Kontemplation und Gemeinschaft andererseits – ein Modell für die Zukunftsfähigkeit des Priesterberufs sein?

Pere Delfieux: Wir würden nicht für uns in Anspruch nehmen, ein priesterliches Zukunftsmodell vorzustellen, da unsere Berufung zuerst eine monastische und dann erst eine priesterliche ist – und dies auch nur für einige von uns -; schließlich würden wir es auch nicht wagen, unser eigenes Leben als exemplarisch anzupreisen! Abgesehen davon habe ich selbst und mit viel Freude das Leben eines Diözesanpriesters über mehrere Jahre hindurch kennengelernt, zunächst als Domvikar in einer ländlichen Diözese, dann als Studentenseelsorger in Paris. Ich habe diese Lebensform aufgegeben zugunsten einer anderen, die von einer Lebensregel getragen und noch betender und gemeinschaftlicher ausgerichtet ist -radikales Teilen von Gütern, Zeit und Geld, von gegenseitigem Zuhören, in der gleichen Lebensform. Ich wage also zu behaupten, dass vor allem zwei Dinge heute ganz wesentlich sind, um ein Priester- oder Ordensleben fruchtbar, glaubwürdig und auch glücklich zu machen: zunächst ein wirklich gelebtes gemeinschaftliches Leben, und dann ein effektiv gelebtes, persönlich und liturgisch gefeiertes Gebetsleben. Gott ist Liebe, und nur durch die geteilte Liebe kann man ihn authentisch verkündigen. Gott ist Licht, und nur durch ein regelmäßiges und unermüdliches Gebet, durch eine zugängliche und schön gefeierte Liturgie können wir unseren Glauben an ihn bezeugen und zu diesem Glauben diejenigen führen, die auf der Suche sind.

FreieWelt.net: Wie verstehen und leben Sie als Gemeinschaft den Auftrag Jesu?

Pere Delfieux: In unseren Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem haben wir nichts neu erfunden! Wir bemühen uns nur, immer wieder zur Quelle zurückzugehen. Zu diesem Modell, das Christus selbst in Person ist; er, der Erste, der uns die Frohe Botschaft gebracht hat, obwohl er Sohn Gottes war, wollte dies nicht alleine tun, sondern gemeinsam mit den Brüdern, den Schwestern, den Jüngern. Dabei hat er sich nicht damit zufrieden gegeben, seine großen Werke, Zeichen, Worte, Vorhaben zu vervielfachen. Er ist immer wieder zur Synagoge, jeden Sabbat, und zum Tempel, an jedem Tag, an dem er in Jerusalem weilte, gegangen. Mit anderen Worten: Jesus war als erster ein Liturge und ein Gemeinschaftsmensch. Darum wollen wir es ihm gleichtun! Er hat uns ganz klar gesagt: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt (Joh 13,35). Das ist ein endgültiges Wort! Wir sollen allezeit beten und darin nicht nachlassen (Lk 18,1). Das ist ein eindeutiger Imperativ. In der Kirche war das priesterliche Leben nie so sehr in Gefahr wie zu den Zeiten, als es individualistisch, autonom, unabhängig sein wollte, ohne dem stillen Gebet, der Anbetung, dem Stundengebet und der Göttlichen Liturgie den Vorrang zu geben. Und dieses gleiche priesterliche Leben hatte nie eine solche Ausstrahlung und war nie so sehr fruchtbar wie zu den Zeiten, als es sich mit Leidenschaft im gemeinsamen Gebet und in der geteilten Liebe verankerte. So, wie dies schon begonnen hatte, als Jesus noch auf der Erde lebte, und auch in den ersten christlichen Gemeinden in Jerusalem vorgelebt wurde (Apg 2,42-44 und 4,35-36).

FreieWelt.net: Was gehört aus Ihrer Sicht wesentlich zum Beruf und zur Berufung eines Priesters?

Pere Delfieux: Zusätzlich zu allem, was ich bereits erwähnt habe, liegt meines Erachtens das Wesentliche in der Feier der Eucharistie und damit auch in der Verkündigung des Wortes Gottes (denn der Glaube gründet in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi, Röm 10,17). Dann aber auch im Sakrament der Versöhnung und der Krankensalbung, die beide dem Priester vorbehalten sind. Alles andere ist sicherlich wichtig und darf auch nicht vernachlässigt werden. Aber um zu taufen, zu trauen, zu beerdigen, zu katechisieren, Versammlungen zu leiten oder pastorale Aktivitäten ins Leben zu rufen, ist es nicht unbedingt notwendig, Priester zu sein. Diakone können dies leisten, zum Teil auch Laien. Im Rahmen des Möglichen ist es gut, wenn Priester es tun. Aber ist dies so absolut unabdingbar? Was wäre, wenn die heutigen Herausforderungen und der atemberaubende zahlenmäßige Rückgang der noch aktiven Priester uns wieder neu zum Wesentlichen führten? Vielleicht könnte gerade dieser Weg bei jungen Menschen wieder einen neuen Anreiz bedeuten für das, was immer noch der wunderbarste Beruf der Welt bleibt, was auch behauptet werden mag? Der heiligen Eucharistie und der Liturgie des Volkes Gottes vorstehen, die Seelen und Herzen durch das Wort des Lebens und den Leib und das Blut Christi nähren, die Gewissen durch das reine Wasser der Vergebung reinigen, die Menschenleben durch das Licht des Evangeliums erhellen, die Kranken sowie die Sünder heilen und stärken, wie Jesus selbst es uns aufgetragen hat – das alles war immer die Herzmitte des priesterlichen Lebens. Für alle anderen Aufgaben müssen wir vielleicht lernen, denen zu vertrauen, die dafür die Kompetenz besitzen, ohne selbst Priester zu sein.

FreieWelt.net: Ist der Zölibat eine positive Provokation oder ein Auslaufmodell?

Pere Delfieux: Der Zölibat ist weder eine Provokation noch ein Auslaufmodell. Er ist vor allem ein Gesicht: das Gesicht des Sohnes Gottes, der Mensch geworden ist und der vollkommenste aller Menschen war, der von der Jungfrau Maria geboren war und selbst gewählt hatte, sich nicht zu verheiraten. Dadurch offenbarte er sich auf vollkommene Weise als Bräutigam, als Bruder und als Freund, voller väterlicher Aufmerksamkeit und mütterlicher Zärtlichkeit (denn er wollte die Kinder Jerusalems um sich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt, Mt 23,37). Das heißt: in allen Facetten der Liebe. Und so hat er diejenigen, die ihm nachfolgen wollen, eingeladen, ihrerseits Vater, Mutter, Frau und Kinder zu verlassen und mit ungeteiltem Herzen diese Lebensform um des Himmelreiches willen zu wählen. Dabei hat sich Jesus nicht mit unnötigen Erklärungen aufgehalten. Wer das erfassen kann, der erfasse es (Mt 19,12)! Wenn sich der Zölibat also auf ein derartiges Beispiel und auf solche Worte stützen kann, wie sollte man dann nicht in ihm einen unvergleichlichen Reichtum der Kirche erkennen?

FreieWelt.net: Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch diesen geistlichen Reichtum?

Pere Delfieux: Er erinnert den Menschen an seine grundlegende Berufung, die, noch vor der Tatsache, geschlechtlich differenziert zu sein -was gut und recht ist -, darin besteht zuerst ein Kind Gottes zu sein – Gottes, der in sich nicht geschlechtlich differenziert ist. Ohne große Reden zu halten, verkündet der Zölibat, dass das letzte Ziel dieses Lebens, in dem alles vergeht und der äußere Mensch zugrunde geht, das Himmelreich ist. Natürlich erlaubt der Zölibat eine größere Verfügbarkeit allen anderen gegenüber, da er losgelöst ist von den hohen Anforderungen eines beruflichen oder familiären Lebens. Er ermöglicht eine zuvorkommende Aufmerksamkeit denen gegenüber, die, zahlreicher als man gemeinhin glaubt, an ihrer eigenen Ehelosigkeit leiden, wo wir selbst sie doch frei gewählt haben. So sehr der Zölibat auch heute von einigen verschrien sein mag, aber im Geheimen auch von vielen anderen bewundert oder zumindest respektiert wird – er bedeutet also nicht Einsamkeit, sondern hochzeitliche Liebe, denn nicht umsonst bindet man sich liebend -auf geistlicher Ebene, aber wie reell das doch ist! – an eine Berufung, eine Gemeinschaft, eine pastorale Aufgabe. Der Zölibat bedeutet nicht Sterilität, sondern Fruchtbarkeit, die ebenso ihren geistlichen Reichtum besitzt und Quelle der Erfüllung wird. Ist Jesus nicht selbst, der doch auf vollkommenste Weise seine Keuschheit lebte, Vater und Bräutigam schlechthin? Niemals wird die Kirche einen solchen Schatz aufgeben, der so tief im Evangelium des Herrn verankert ist. Die eigentliche Frage besteht also gar nicht darin, ob Keuschheit und Zölibat in Verruf gebracht werden oder nicht. Seit 2000 Jahren werden sie verunglimpft. Die wesentliche Frage besteht darin, ob beide auf authentische und frohe Weise gelebt werden. Wenn dies der Fall ist, wird die Welt sie auch respektieren und preisen.

FreieWelt.net: Die Kirche und damit ihre Priester stehen derzeit in manchen Ländern, nicht zuletzt auch und gerade in Westeuropa, in der Kritik und leiden unter einem zum Teil auch selbst mit verschuldeten erheblichem Glaubwürdigkeitsverlust. Worauf muss es nach Ihrer Meinung nun ankommen, dass das Erscheinungsbild und die Attraktivität von Kirche und ihren Priestern revitalisiert werden?

Pere Delfieux: In der Tat haben die Verfehlungen und Abirrungen einiger Glieder der Kirche diese in Diskredit gebracht. Es braucht Gerechtigkeit aber auch Umkehr und Reue! Es wäre wünschenswert, dass die Medien, die sich gegen die Kirche richten, jetzt auch den Mut und die Aufrichtigkeit hätten, zu sehen und zu sagen, wo diese unhaltbaren und skandalösen Handlungsweisen ihren Ursprung haben, da sie ja auch durch eine unaufhörliche Anstiftung zu jeder Form von moralischer Zügellosigkeit provoziert wurden. Die ganze Gesellschaft sollte sich wieder neu besinnen und auch vor ihrer eigenen Haustür fegen können! Vor allem aber sollte sich die Kirche Jesu Christi, zu der wir ja alle gehören, mit viel Demut an diesen Imperativ erinnern, den Jesus ohne Umschweife an uns alle richtet: Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist (Mt 5,48). Das ist zum Glück auf die Zukunft hin gesprochen! Es bleibt uns also unser ganzes Leben, um mit seiner Gnade heilig und vollkommen zu werden – dieser Gnade, die ihre Kraft in unserer Schwachheit erweist.

FreieWelt.net: Und was ergibt sich daraus für jeden einzelnen Christen ganz individuell?

Pere Delfieux: Es braucht Mut, uns einzugestehen: angesichts der (Neu)Evangelisierung der Völker liegt die größte Herausforderung der Kirche nicht so sehr in der Feindseligkeit oder der Gleichgültigkeit der Welt, in den fehlenden Mitteln, den unangepassten Strukturen oder der allgemeinen Nachlässigkeit. Ihr Hauptproblem liegt nicht außerhalb ihrer selbst. Es liegt im Innern der Kirche. Im Tiefsten eines jeden unserer Herzen. Der schlimmste Feind des Christentums verbirgt sich in seiner eigenen Lauheit. Nichts hat so sehr die Evangelisierung der Welt verzögert wie unser mangelnder Glaube, unsere ungenügende Hoffnung, die fehlende Aufrichtigkeit, Wahrheit, Reinheit unseres Lebens und, vor allem, die fehlende Liebe. Mit einem Wort: unsere Mittelmäßigkeit. Allein ein heiliges Leben in Tat und Wahrheit kann die Frohe Botschaft bezeugen.

Die Fragen stellte Constantin Graf von Hoensbroech

 

Foto: Templermeister/pixelio.de

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