Erziehungsprimat der Eltern – Interview Prof. Johannes Schroeter

21. September 2009, 05:29 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: , , , | von
Redaktion FreieWelt.Net

Prof. Dr. Johannes Schroeter lehrt Ingenieurwissenschaften an der FH Rosenheim. Er ist Landesvorsitzender des Familienbundes der Katholiken in Bayern und Vater von vier Söhnen zwischen 13 und 23 Jahren.

FreieWelt.Net sprach mit Prof. Schroeter über Familienpolitik und Kindergartenpflicht.

FreieWelt.net: Prof. Schroeter, Sie sind Vorsitzender des Landesverbands Bayern des Familienbundes der Katholiken. Was spricht aus katholischer Sicht gegen die Einführung einer staatlichen Kindergartenpflicht?

Prof. Johannes Schroeter: Der Erziehungsprimat der Eltern gemäß der katholischen Soziallehre. Es sind die Eltern, die festlegen, wie ihr Kind gebildet, betreut und erzogen wird. Nach der katholischen Soziallehre sind alle anderen Erziehenden subsidiär und eigentlich nur im Auftrag der Eltern tätig. Von daher ist es vermessen, wenn irgendwer beansprucht, sich die Kinder verfügbar zu machen und sie mit eigenen Ansätzen erziehen, bilden und betreuen zu wollen. Die meisten europäischen Länder haben nicht einmal ein Schulpflicht, zum Beispiel Dänemark, Frankreich und der PISA-Sieger Finnland. Auch der Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gibt den Eltern ausdrücklich den Vorrang bei der Wahl der kindlichen Bildung.

FreieWelt.net: Die lautesten Rufe nach dem Pflichtkindergarten kamen in jüngster Zeit aus den Reihen einer C-Partei, nämlich der CDU. Wie erklären Sie sich das?

Prof. Johannes Schroeter: Das ist mir aus dem „C“ heraus eigentlich nicht erklärbar. Ich kann hier nur spekulieren und sehe Motive, die nicht unbedingt mit dem Wohl der Kinder zu tun haben. Da ist einmal die Sorge um die ausreichende Verfügbarkeit von Arbeitskräften im demographischen Wandel. Als Lösung dieses Problems wird der Ausbau der außerfamiliären Kinderbetreuung forciert – im Extremfall möglicherweise sogar mittels eines Zwanges gegen die Eltern, ihre Kinder abzugeben.

Ein anderer Umstand, den ich mit Verblüffung wahrnehme, ist der Eindruck, daß bei einzelnen pädagogischen oder sozialpädagogischen Experten eine gewisse Überheblichkeit entstanden ist. Sie beanspruchen, sich über die normalen Menschen erheben zu dürfen, weil sie sich als Experten für menschliches Sein, für menschliche Entwicklung wähnen. Manche von ihnen sind in einen Dienstleistungsberuf eingestiegen, ohne dienen zu wollen; tatsächlich versuchen sie Herrschaft auszuüben, indem sie andere Menschen und deren Kinder ihren Vorstellungen zu unterwerfen versuchen und beanspruchen, Menschenleben nach ihrem Gutdünken prägen zu dürfen.

FreieWelt.net: Der Familienbund der Katholiken kritisiert schon seit langem die allgemeine Familienblindheit in der Politik. Wie müßte Ihrer Meinung nach eine gute Familienpolitik aussehen?

Prof. Johannes Schroeter: Im Grundsatz müßte sie vom Bild der souveränen Familie ausgehen, die im Mittelpunkt der Gesellschaft steht und der andere Bereiche der Gesellschaft zuzuarbeiten haben. D.h., man müßte die Wichtigkeit der Familie für die gesellschaftliche Entwicklung erkennen und beherzigen und dann dementsprechend die Leistung der Familie anerkennen, sowohl ideell als auch materiell.

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Das Interview führte Christoph Kramer

Foto: J. Schroeter

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