Die frohe Botschaft an den Kiosken – Interview mit Paul Badde

19. Oktober 2009, 09:46 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von
Redaktion

Der Journalist und Autor Paul Badde berichtet für die Tageszeitung "Die Welt" direkt aus Rom.  Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift "Vatican Magazin", die monatlich über "Schönheit und Drama der Weltkirche" berichtet.  FreieWelt.net sprach im Exklusiv-Interview mit Paul Badde über seine aktuelle und zukünftige Arbeit.

FreieWelt.net:  Was ist das wichtigste Anliegen des Vatican Magazins?

Paul Badde: Die unerzählten Geschichten und Wunder der katholischen Kirche– von Rom her -  wieder selbst neu zu erzählen und  zu verbreiten, aus denen sich in letzter Zeit so viele Grabräuber und Falschmünzer bedient und bereichert haben. Es ist ein liegen gelassener Schatz, der schon lange darauf wartet, wieder gehoben und großzügig verteilt zu werden. Weil wir aber leider nicht alle Menschen, die das sehr interessiert, in den deutschsprachigen Ländern  erreichen können, wollen wir doch zumindest unseren Kollegen davon erzählen, damit sie es weiter sagen.

Denn  wir sind ja mit Haut und Haaren Journalisten, keine Theologen. Unser Magazin ist eine Zeitschrift, keine Ewigkeitsschrift. Irgendwann wird sich dieses Fenster auch wieder schließen. Das wichtigste Anliegen bis dahin ist also, mit einem Wort,, auch wenn wir schon lange keine Ministranten mehr sind: Mission! Das heißt, weiter sagen,  welche unglaublichen Heilstaten Gottes und all seiner Heiligen wir in der Geschichte erlebt, gesehen und erfahren haben – um in dieser deutschen Stunde der Weltkirche unter Benedikt XVI.  noch einmal auf das enorme Privileg aufmerksam zu machen, das den Menschen Europas durch das christliche Erbe zugewachsen ist.
 
FreieWelt.net:  Was sind für Sie die wichtigsten Verdienste der katholischen Kirche?
 
Paul Badde: Die ständige Generation, das heißt: Hervorbringung neuer Heiliger durch alle Zeiten. Doch zuerst: die phantastische und so ungeheuer trostreiche Nachricht von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und seinem Tod und seiner Auferstehung durch alle Zeiten hindurch getragen und gegen jede Lüge und Irrlehre verteidigt zu haben. Und zuallererst: die andauernde Anbetung des eucharistischen Wunders in der Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi bis zum Tag seiner Wiederkunft.
 
FreieWelt.net:  Wie hat die Arbeit von Papst Benedikt XVI. und die seines Vorgängers, Johannes Paul II., die öffentliche Wahrnehmung der Kirche verändert?
 
Paul Badde: Johannes Paul II. hat die Kirche über dem  Felsen Petri mit seinen vielen Reisen  in gewisser Weise wieder paulinischer gemacht. Das heißt, er hat sie ungeheuer präsent und sichtbar werden lassen in allen Medien der Welt. Er hat damit die Dogmen der Kirche – etwa über die Unantastbarkeit des Lebens in jedem Stadium – wieder in die Schlagzeilen katapultiert wie in den Tagen von Ephesus, als dort auf den Marktplätzen über das Dogma der Gottesgebärerin debattiert und gestritten wurde. Der Höhepunkt dieses Pontifikats war zweifellos sein öffentliches Verstummen und Sterben vor den Augen der ganzen Welt, wo er weltweit mit seinem Tod ebenso wie vorher mit seinem Leben die Grundfrage unserer Zivilisation beantwortete: Was ist der Mensch? – All dies hat Benedikt XVI. auf eine Weise geerbt, dass man hier fast von einem polnisch-deutschen Doppelpontifikat reden kann.

Was Johannes Paul II. in die Weite gebracht hat, akzentuiert Benedikt XVI. nun nicht weniger mutig für die Tiefe der kirchlichen Tradition zurück zu ihren wahren Quellen, bis zur Einnistung Christi  im Leib der Gottesmutter. In diesem Sinn haben diese beiden Päpste miteinander das Profil der Neuschöpfung Gottes in Christus und seiner Kirche für unsere Zeit neu gezeichnet und ihre Identität und Kontinuität durch die Versuchungen des Medienzeitalters hindurch bewahrt

FreieWelt.net:  Das Vatican Magazin hat den Anspruch über „Schönheit und Drama“ der Weltkirche zu berichten.  Was wäre für Sie ein Beispiel für ihre Schönheit, was für Ihr Drama?
 
FreieWelt.net: Die – immer gefährdete, immer angegriffene und diffamierte – Schönheit der Weltkirche sind ihre persönlichen Heiligen und ihre heilige Liturgie. Davon wollen wir reden, und das wollen wir zeigen, mit den schönsten Fotos und Bildern, die uns dafür durch den Kopf gehen. – Ihr Drama ist das anhaltende Martyrium seiner besten Zeugen.

Ihr Drama sind die Todsünden der Priester, die zum Himmel schreien. Ihr Drama ist das Böse in der Welt und deshalb natürlich auch in der Weltkirche. Ihr Drama ist der Hass des Teufels auf Jesus Christus. Ihr Drama ist es, der Selbstverschleierung des großen Mordens gegen die hilflosesten Geschöpfe, gegen die ungeborenen Kinder unter uns noch weniger Einhalt bieten zu können, als in den Tagen, als die Kirche Christi sich zu schwach erwies, den Massenmördern des letzten Jahrhunderts in die Hände zu fallen.  Dabei ist vielleicht ihr  einziger Trost: auch von dem Erbarmen im Angesicht Gottes erzählen zu dürfen, das all diese Mütter und Väter mit ihren in dieser Welt nie gesehenen Kindern und das uns alle nach dem Tod erwartet, den Jesus Christus selbst in seiner Grabkammer in Jerusalem überwunden hat.

FreieWelt.net:  Was dürfen wir in Zukunft vom Vatican Magazin erwarten?
 
Paul Badde: In alten amerikanischen Schwarz-Weiß-Filmen ist der Journalist der Figur des Detektivs immer sehr ähnlich. Beide sind „Schnüffler“ und stecken ihre Nase angeblich „in Dinge, die sie nichts angehen.“ Damit können wir uns ganz gut identifizieren. Uns geht alles an. Wir sind auf alles neugierig. Was unsere Leser also weiter erwarten dürfen ist dies:  Dass wir den abfallenden Kabinendruck neuer Katastrophen rechtzeitig erschnüffeln und bei Gefahr wie Kanarienvögel flattern, die zu diesem Zweck tief hinab in Kohleschächte mitgenommen werden. Das wir neue Stürme wittern und davor warnen. Und schließlich: dass wir auch das Aroma neuer Wunder in unserer Zeit vorab schon erschnuppern  und wie Weihrauch in dem Chor aller Nachrichten aller Medien gegen die Himmel steigen lassen.

Dass wir also weiter versuchen, die frohe Botschaft von der Menschwerdung Gottes an den Kiosken, ob gelegen oder ungelegen, so mutig und farbig präsent zu halten wie Paulus das auf dem Markt von Athen versucht hat – solange Gott es will und wir genug Abonnenten und Käufer finden, die uns weiter wie bisher von einer Nummer zur nächsten weiterhelfen. Das ist natürlich alles in einem hohen Ton gesagt. Meistens springen wir natürlich viel kürzer und bibbern, ob es unser schönes Magazin  auch im nächsten Monat noch gibt, das wunderbarer Weise jetzt schon seinen 3. Geburtstag erlebt.

zu “vatican-magazin.com”
   
Das Interview führte Fabian Heinzel
   
(Foto: Paul Badde)

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