“Die CDU wurde unter Merkel ihrer konservativen Wurzel beraubt” – Interview mit Michael Nickel von “Linkstrend stoppen”

09. Mai 2011, 09:14 | Kategorien: Politik | Schlagworte: , | von
Bild: Michael Nickel/ZDF
Redaktion

Die Aktion "Linkstrend stoppen", die von CDU-Mitgliedern und parteiunabhängigen Konservativen initiiert wurde, vertritt die Ansicht, dass die CDU unter ihrer Vorsitzenden Angela Merkel ihrer konservativen Wurzel beraubt wurde. Immer mehr Mitglieder würden deshalb die Partei verlassen. FreieWelt.net sprach mit Pressesprecher Michael Nickel über die Vorstellungen und Ziele der Aktion und darüber, wie diese erreicht werden sollen.

In Baden-Württemberg regiert ein grüner Ministerpräsident, in Berlin findet die Wahl demnächst in erster Linie zwischen SPD und Grünen statt und selbst Die Linke hat es geschafft, sich als politische Kraft auch im Westen Deutschlands zu etablieren. Offensichtlich will die Mehrheit der Wähler einen Linkstrend. Warum wollen sie diesen stoppen?

Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sehnen sich eher nach Ruhe und der Möglichkeit, für sich und ihre Familie das Fortkommen zu ermöglichen. Da fällt man(n) und Frau schnell auf die politischen Kräfte rein, die das Blaue vom Himmel versprechen. Oder das Grüne. Dazu gibt es eine deutsche Medienlandschaft die selbst zugibt, dass sie zu mehr als zwei Dritteln „links“ oder „linksliberal“ ist – diese Art von Symbiose sehen wir jeden Tag in den Nachrichten.

Dagegen hielt bisher immer die CDU. Nachdem man früher von Linksaußen als Aktivist für CDU, JU oder RCDS schon mal als „Fascho“ beschimpft worden ist, ist dies ja nun mehr kaum möglich. Die CDU wurde unter ihrer Vorsitzenden Merkel ihrer konservativen Wurzel beraubt. Da ist eine solche Beschimpfung schon fast nicht mehr möglich.

Wenn Sie glauben, dass Sie es besser können als die aktuelle Politik, müssen Sie bessere Konzepte haben. Auf welche Fragen der Politik haben Sie andere Antworten, als die derzeit üblichen?

Zunächst einmal geht es uns darum, der Parteibasis wieder Gehör zu verschaffen. Das Delegiertensystem, dass bis zu dreimal siebt, bevor es auf dem Bundesparteitag zu richtungsweisenden Entscheidungen oder Wahlen geht, ermöglicht kaum mehr ein realistisches Abbild der Meinung an der Basis. Funktionäre und Funktionsträger beweihräuchern sich selbst: „Es ist ja alles in Ordnung!“ Und das stimmt nicht. Im letzten Herbst wünschten sich – noch vor Sarrazin – 31 Prozent eine wieder mehr Betonung auf das Konservative legende CDU. Das wären immerhin 150.000 Parteifreunde.

In meinem persönlichen Umfeld in der Partei lichten sich die Reihen, wenn es darum geht, dass konservative Inhalte in der CDU fehlen, nicht nur junge Mitglieder gehen da. Sondern vor allem die, die 20, 30 ja 40 Jahre Mitglied waren, verlassen die Partei, wegen Günstlingssystemen und der Verleugnung der eigenen Herkunft.

Wir brauchen eben keine zweite SPD in Deutschland. Denn eine (schlechte) Kopie von (schlechter) Politik kann nicht besser werden. Und ist auch nicht glaubwürdig.

Warum gründen Sie nicht einfach eine eigene Partei?

Wofür? Prof. Werner Münch hat es neulich im Interview klipp und klar gesagt: Es braucht kein weiteres, bedeutungsloses Parteiprojekt. Es muss die (kritische) Stimme von innen sein, welche die Partei wieder auf den rechten Weg bringt. Wir glauben auch nicht, dass die CDU nur noch konservativ sein soll. Aber wenn man sich selbst als „letzte Volkspartei Deutschlands“ versteht, sollte man zu mindestens das ganze demokratische Spektrum abdecken. Wie rief es Angela Merkel mir bei der CDU-Regionalkonferenz in Essen vor 2.500 Mitgliedern zu? „Herr Nickel, wir sind, das wissen Sie, unterschiedlicher Meinung ob eines Linkstrends unserer Partei. Aber wir müssen doch zusammen kämpfen, von Nickel bis Merkel!“ Meine Antwort: „Wie, von rechts bis links?“ Es gab viel Applaus.
Bei der Regionalkonferenz für Bremen und Niedersachsen in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel war nicht nur die Luft stickig, es war richtig dicke Luft. Hier machte man keinen Hehl daraus, dass der Kurs abseits vom „C“ und von jeglichen Werten der falsche ist. Solange es noch solche Reaktionen gibt – muss man die Hoffnung nicht verlieren.

Konservativen wird oft eine gewisse Rückwärtsgewandheit unterstellt. Welche Vorstellungen haben Sie für Deutschlands Zukunft?

Ein friedliches Zusammenleben von allen Menschen in Deutschland, die das Grundgesetz achten und hochhalten. Ein Zusammenleben, das wegkommt von die Stimmung vergiftenden Neiddebatten um Besitz und Ansehen. Ein Zusammenleben, das traditionelle – in unserem Bewusstsein tief verwurzelte – Werte, wie Treue, Liebe und Nächstenliebe nicht verneint. Was sicher auch mit Neuem befruchtet werden kann, doch aber nicht um des Neuen willens, sondern wenn es alle oder zumindest die Mehrheit voranbringt. Wie sagte der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, dessen Todestag sich heute zum 44. Mal jährt? „Keine Experimente!“ Denn die muss immer die kleinen Leute ausbaden. Ob bei Bildung, Sozialen Strukturen oder in der Familie.

Herr Nickel, herzlichen Dank für dieses Interview

Das Interview führte Fabian Heinzel

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