“Der Künstler muss die Prozesse verstehen”

11. Juni 2010, 09:49 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von
Redaktion

Der Maler und Bildhauer Norman Gebauer hat soeben für den Italienischen Militärfriedhof in Berlin-Zehlendorf ein imposantes Mahnmal in Bronze geschaffen, das am 14. Juni 2010 eingeweiht wird.  FreieWelt.net sprach mit Gebauer anlässlich der bevorstehenden Einweihung über Kunst, Spiritualität, die unterschiedliche Atmosphäre von Metropolen und darüber, warum ein Künstler nicht unbedingt leiden muss.

FreieWelt.net:  Was inspiriert Sie zu Ihren Kunstwerken?

Norman Gebauer: Als ganz wichtiges Merkmal würde ich meine Umgebung ansehen. Das auf und ab des Lebens, die Spiritualität, das pulsierende Leben oft gepaart mit einem Schuss Ironie.

FreieWelt.net:  Muss ein Künstler leiden?

Norman Gebauer: Leiden hört sich theatralisch an. Aus großem Leid entsteht große Kunst. Nein, ich glaube, der Künstler muss die Prozesse verstehen, die in ihm und seiner Umgebung ablaufen und versuchen sich zu behaupten. Erhohlungsphasen, Wiederhohlungsphasen, Aneignung von Wissen gepaart mit einer relativ langsamen spirituellen Entwicklung, ständige Aufmerksamkeit, Arbeitsethos, Koordination mit der Familie und natürlich muss er auch noch Geld verdienen, das sind viele Punkte die man unter einem Hut bekommen muss. Kein Wunder, das es da mal zwickt.

FreieWelt.net:  Sie sind als Maler und Bildhauer ein sehr vielseitiger Künstler. Was ist der Schwerpunkt Ihrer aktuellen Arbeit?

Norman Gebauer: Ich bin jetzt 15 Jahre in Berlin. Am Anfang lag der Akzent auf der zweidimensionalen Arbeit, der Grafik und der Malerei. Ab 2000 habe ich mit keramischen Skulpturen begonnen. Mittlerweile entwickle ich im Bildhauerbereich filigrane Bronzearbeiten weiter. Die Modelle werden aus Holzstäbchen zusammengeklebt und die Oberfläche mit Wachs überzogen. Nach dem Bronzeguss werden sie ziseliert und patiniert.
So sind zwei Schwerpunkte entstanden. Von Frühling bis Herbst wird gemalt, in den Wintermonaten modellliert.

FreieWelt.net:  Ist die Atmosphäre der Stadt, in der Sie leben, wichtig für Ihre Arbeit?

Norman Gebauer: Nach Stationen in Bielefeld, Soest, Münster, Florenz, Düsseldorf, Mailand und München freue ich mich endlich in Berlin eine Stadt gefunden zu haben, die mir viel „Futter“ liefert.

Ich habe nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Als gebürtiger Ostwestfale, habe ich eine gewisse Bodenständigkeit mit bekommen. Die Eskapaden habe ich als Heranwachsender gemacht und so kann ich mich auf den Kern der Dinge konzentrieren. Das gibt mir auch die Sicherheit, nicht hinter jedem Trend hinterherzulaufen, sondern auch missionarisch den eigenen Weg weiter zu gehen und auch mal ordentlichen Gegenwind einzustecken ohne gleich den Pfad zu verlassen. Die Umgebung, in der der Kunstschaffende lebt, hat großen Einfluss auf das Schaffen des Künstlers. Auch wenn einiges in der Hauptstadt schwierig ist, wir in Berlin genießen ein großes Privileg in so einer pulsierenden Metropole zu leben, die jeden Tag diese inspirierende Atmosphäre verströmt.

FreieWelt.net:  Was dürfen Besucher von Ihrer aktuellen Ausstellung erwarten?

Norman Gebauer: Montag den 14 Juno wird der Italienische Botschafter Michele Valensise um 17 Uhr den neugestalteten Italienischen Militärfriedhof in Zehlendorf einweihen. Der mailändische Architekt Maurizio Nieri hat die Umbauarbeiten organisiert und ich habe die Gelegenheit gehabt, ein großes  beeindruckendes Mahnmal in Bronze zu schaffen.  Die Berliner werden viele Jahre Gelegenheit haben diese imposante Skulptur zu betrachten.

www.norman-gebauer.de

Das Interview führte Fabian Heinzel

(Foto: N. Gebauer)

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