“Den Christen im Irak schwindet die Hoffnung” – Interview mit Matthias Kopp

16. Dezember 2010, 12:16 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , | von
Bild: Hans Langendoerfer, Robert Zollitsch, Matthias Kopp (Bild: Roland Magunia/ddp)
Redaktion

Die Lage der Christen im Nahen Osten, insbesondere im Irak, ist ernst.  Die Gewalt gegen sie nimmt ständig zu, sie sind ihres Lebens nicht mehr sicher, mehr als die Hälfte haben den Irak bereits verlassen.  Die seit dem 1. Jahrhundert bestehenden christlichen Gemeinden im Irak könnte schon bald verschwunden sein.  Haben die Christen in Europa genug zum Schutz ihrer Glaubensbrüder getan?  Matthias Kopp, der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz hat FreieWelt.net einige drängende Fragen zu den bisherigen Maßnahmen der Bischofskonferenz und zur Einschätzung der Lage beantwortet.

FreieWelt.net: Was hat die Deutsche Bischofskonferenz bisher konkret zum Schutz der Christen im Nahen Osten getan?

Matthias Kopp: Die Deutsche Bischofskonferenz arbeitet eng mit der katholischen Kirche in den Ländern des Nahen Ostens zusammen und pflegt darüber hinaus regelmäßige ökumenische Kontakte. Auf dieser Grundlage haben die deutschen Bischöfe über die kirchlichen Hilfsorganisationen eine Vielzahl von konkreten Projekten und Fördermaßnahmen auf den Weg gebracht oder unterstützt, die von den Kirchen vor Ort gewünscht werden. Generell geht es dabei vor allem um die Infrastruktur und die materiellen Voraussetzungen für den Erhalt lebensfähiger christlicher Gemeinden und Kirchen in der Region. Im übrigen hat die Deutsche Bischofskonferenz vor mehreren Jahren die „Initiative Verfolgte Christen“ ins Leben gerufen, die sich bereits ausführlich mit den Christen im Nahen Osten beschäftigt. Erst vor wenigen Wochen hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz unmissverständlich zur Lage der Christen im Irak geäußert (beides s. www.dbk.de)
 
FreieWelt.net: Welche Maßnahmen plant die Deutsche Bischofskonferenz, um die Christen im Nahen Osten in Zukunft zu schützen?

Matthias Kopp: Die Bischofskonferenz und die katholischen Werke sind bereits seit Jahren darum bemüht, die Öffentlichkeit in Deutschland auf die gravierenden Probleme der mittelöstlichen Christen aufmerksam zu machen und sie auf die Agenda der Politik zu bringen. Bei diesen Bemühungen waren die Bischöfe erkennbar auch nicht erfolglos. In Zukunft kommt es noch stärker darauf an, dass die kirchliche Informations- und Lobbyarbeit international vernetzt wird. Darüber hinaus wird natürlich die materielle Unterstützung unserer Partner im Nahen Osten fortgesetzt.

FreieWelt.net: Wie schätzt die Deutsche Bischofskonferenz die Lage der Christen im Irak ein?

Matthias Kopp: Die Lage der Christen im Irak ist bedrängend. Bei vielen schwindet die Hoffnung, weiterhin in ihrer Heimat leben zu können, ohne Leib und Leben aufs Spiel zu setzen. Die deutschen Bischöfe fördern deshalb mit großem Aufwand die Anstrengungen der Ortskirchen, die den Weiterbestand des dortigen kirchlichen Lebens sichern sollen. Daneben wirbt die Bischofskonferenz in Deutschland und in der Europäischen Union aber auch für eine großzügigere Aufnahme von Christen und Angehörigen anderer Minderheiten, die den Irak verlassen mussten und keine Chance zur Rückkehr haben. Deutschland hat sich hier in der Vergangenheit konstruktiv verhalten. Das gilt nicht in gleicher Weise für andere Länder.

Das Interview führte Fabian Heinzel

www.dbk.de

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