Interview mit Konrad Adam

»Das Kindeswohl muss Priorität haben«

Homosexuelle Partnerschaften sollten nicht wie eine Ehe behandelt werden, meint der Publizist Konrad Adam. Er fordert die Einlösung des Schutzversprechens des Grundgesetzes für Ehe und Familie.

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Veröffentlicht: | Kategorien: Interviews, Teaser - Interviews, Interviews - Empfohlen | Schlagworte: Anerkennung, Bundesverfassungsgericht, CDU, Familienpolitik, Förderung, Geld, Grundgesetz, Homo-Ehe, Kinder, Mütter, Partnerschaften, homosexuell
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FreieWelt.net: Ich habe den Eindruck, dass es in Deutschland einen breiten Konsens darüber gibt, dass Homosexuelle eine Ehe eingehen können sollen. Wenn Sie das auch so sehen, haben Sie dafür eine Erklärung?

Konrad Adam: Zeitgeist und Mode. Aber der Zeitgeist ist meistens schlecht beraten. Außerdem gibt es verschiedene Propagandainstitutionen, die das Thema hochspielen, die »Tagesschau« an allererster Stelle.

FreieWelt.net: Journalisten spielen also eine besondere Rolle. Das heißt, dass die Stimmung in der Bevölkerung auch anders sein kann ...

Konrad Adam: Selbstverständlich. Ich bin doch nicht so naiv zu glauben, dass das, was uns die »Tagesschau« und andere Medien zuraunen, die wahre Stimmung der Bevölkerung ist. Zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung gibt es bekanntermaßen einen Unterschied.

FreieWelt.net: Sie sind also der Meinung, dass man eine Volksabstimmung durchführen kann, und dann würde die Homo-Ehe in Deutschland abgelehnt werden?

Konrad Adam: Das weiß ich nicht. Solche Volksabstimmungen sind meiner Ansicht nach nicht sehr vernünftig. Und ich halte das Beispiel der Iren auch nicht für maßgeblich. Wollen Sie eine Volksabstimmung über die Todesstrafe in Deutschland durchführen? Herr Spahn von der CDU sagte: Was die Iren können, können wir auch. Soll es dann bei der Abstimmung über die Todesstrafe genauso gehen: Was die Amerikaner können, können wir auch?

FreieWelt.net: Was spricht eigentlich gegen die Homo-Ehe? Das Bundesverfassungsgericht hat ihr doch fast schon seinen Segen gegeben.

Konrad Adam: Die Gründe, die dafür sprechen, sind schlecht, und das Bundesverfassungsgericht ist mit schlechtem Beispiel vorangegangen. Es hat in seinem maßgeblichen Urteil, das letztlich auf eine Gleichstellung hinauslief, einen logischen Fehler begangen, den es bis heute nicht erklärt hat. Mir hat noch niemand sagen können, wie man den Artikel 6 des Grundgesetzes, das Ehe und Familie aus guten Gründen den besonderen Schutz zusagt, gleichzeitig auf andere Institutionen übertragen kann.

Ehe und Familie werden von der Verfassung in einem Atemzug genannt – und das aus guten Gründen, denn nur die Ehe hat die Möglichkeit, sich zur Familie zu erweitern. Mögen auch zwei Partner gleichen Geschlechts heiraten können, so können sie dennoch nicht, was ein gegengeschlechtliches Paar kann: nämlich Nachwuchs in die Welt setzen. Mit der Ehe verbunden ist eben nicht nur ein Status, die Fähigkeit und die Bereitschaft, füreinander einzustehen, sondern auch eine höchst natürliche Funktion. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Funktion überhaupt nicht anerkannt, und das mache ich ihm zum Vorwurf.

FreieWelt.net: Aber eigentlich ist der Zusammenhang zwischen Ehe und Familie aufgelöst. Man muss nicht verheiratet sein, um Nachwuchs in die Welt zu setzen.

Konrad Adam: Nein, selbstverständlich nicht. Der Begriff der Ehe kann ja auch erweitert werden. Dann sagen wir eben: heterosexuelle Partnerschaft.

Mir geht es um die natürlichen Gegebenheiten. Mann und Mann oder Frau und Frau können keine Kinder in die Welt setzen. Mann und Frau dagegen sehr wohl. Um im Interesse des Kindeswohles zu agieren, ist es geboten, diese Partnerschaft auf Dauer anzulegen. Früher nannte man das Ehe, jetzt gibt es auch andere Formen, gegen die ich wenig einzuwenden habe – unter der Voraussetzung, dass dann, wenn Kinder da sind, diese Kinder an allererste Stelle gerückt werden. Das Kindeswohl hat Priorität vor anderen Wünschen und Aktivitäten, einfach deswegen, weil das Kind das schwächste Glied der Gesellschaft ist.

FreieWelt.net: Es gibt aber auch Kinder, die bei homosexuellen Erwachsenen aufwachsen, weil sie adoptiert worden sind. Ist das für Sie akzeptabel?

Konrad Adam: Nein, weil der Beweis, dass das genauso gut funktioniert wie in gegengeschlechtlichen Partnerschaften, längst noch nicht erbracht worden ist. Das Bundesverfassungsgericht hat sich auch hier gedrückt, indem es die Beweislast denen zugeschoben hat, die ganz zurecht sagen: Das wissen wir noch nicht. Es hat so getan, als wüsste man es genau, und unterstellt, dass in homosexuellen Partnerschaften die Kinder genauso gut gedeihen könnten wie in heterosexuellen. Die Natur hat es allerdings etwas anders eingerichtet, und ich bin dafür, die Natur in diesen Dingen als maßgebliche Instanz zu betrachten.

Mich interessiert, was mit den Kindern passiert. Was passiert denn, wenn Kinder von klein auf vorgeführt bekommen, dass bei ihnen irgendetwas anders ist als bei den meisten anderen, dass sie nicht Vater und Mutter, sondern Vater und Vater oder Mutter und Mutter haben? Ich weiß nicht, wie sich das auf das Selbstbewusstsein der Kinder auswirkt. Das kann mir auch kein Verfassungsrechtler sagen. Das ist ein Spiel mit Unbekannten, und solche Spiele sollte man nicht machen.

FreieWelt.net: Müssen wir, wenn wir über die Homo-Ehe reden, auch über Familienpolitik reden?

Konrad Adam: Familienpolitik gibt es in Deutschland gar nicht. Die Familie wird systematisch ausgebeutet. Die Milliarden, die angeblich den Familien zufliegen, stehen doch nur auf dem Papier. Allein die Tatsache, dass das Ehegattensplitting – immerhin ein Milliardenbetrag – mühelos der Familienförderung zugerechnet wird, zeigt doch, dass die Rechnung gar nicht stimmt.

Außerdem müsste man natürlich bei solchen Fördermaßnahmen nicht nur danach fragen, wem das Geld zufließt, sondern wer es aufbringt. Und wenn man diese Frage stellt, wird man sehr schnell zu der Erfahrung kommen, dass die Masse von dem, was der Familie zufließt, von der Familie selbst aufgebracht wird. Das ist eine In-sich-Förderung.

FreieWelt.net: Geht es denn nur ums Geld?

Konrad Adam: Der finanzielle Aspekt ist in einer materialistischen Gesellschaft wie der unseren doch nur der äußere Ausdruck einer immateriellen Anerkennung. Wie will der Staat denn Anerkennung aussprechen wenn nicht über Förder- oder Strafmaßnahmen? In Artikel 6 des Grundgesetzes steht: »Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft« – wie soll das denn konkret aussehen, wenn nicht dadurch, dass ihr der Staat finanziell unter die Arme greift?

FreieWelt.net: Die CDU begreift sich als Partei des christlichen Menschenbildes. Die Homo-Ehe entspricht dem überhaupt nicht, und auch bei anderen Themen habe ich das Gefühl, dass das christliche Menschenbild keine Richtschnur ist. Was für eine Zukunft hat die Partei?

Konrad Adam: Als christliche Partei hat die CDU deswegen keine Zukunft, weil sie die schon vor zwanzig, dreißig Jahren abgelegt hat. Ich erinnere mich an eine Szene, als das erste Kabinett Kohl an die Macht gekommen war. Ich traf Heiner Geißler, der für die Familien- und Sozialpolitik zuständig war, und fragte ihn, wann denn die CDU gedenke, die massive finanzielle Benachteiligung von kinderreichen Familien zu beenden. Der Familienlastenausgleich stünde doch nur noch auf dem Papier und wäre also wohl verfassungswidrig. Daraufhin sagte er: Das ist richtig, aber er ist nicht unter einer CDU-Regierung verfassungswidrig geworden. Als ich ihm vorhielt, dass er gewählt worden sei, um diese Verfassungswidrigkeit zu beenden, hat er mir nichts mehr geantwortet.

FreieWelt.net: Was sind die vordringlichsten Aufgaben im Bereich von Ehe und Familie?

Konrad Adam: Ich will, dass das grundgesetzliche Versprechen auf Schutz von Ehe und Familie endlich mit Inhalt gefüllt wird. Das fordert nicht nur den Staat – also die Steuer- und Abgabenpolitik –, sondern auch und vor allem die Wirtschaft. Die Unternehmen müssen einen Beitrag dazu leisten, dass die Familie ihre Aufgabe erfüllen kann. Nicht die Familie muss sich nach der Wirtschaft richten, sondern die Wirtschaft nach den Bedürfnissen der Familie. Das tut sie nicht, und das ist ein empörender Missstand.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Interview.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Herr Adam bringt es genau auf den Punkt!, Recht hat er, 100%! Da kann man jedes Wort unterschreiben und dies ist zugleich eine Bankrott-Erklärung der deutschen Regierung.

Ich möchte ergänzend dazu anmerken, dass man den Begriff "Kindeswohl" endlich einmal juristisch exakt und nicht beliebig auslegbar definieren sollte. Dieser Begriff wird regelmäßig verbogen, um z.B. Väter um ihre Rechte/Pflichten zu bringen oder Familien zu zerstören. Ich denke mal, so was das grundsätzlich auch vom Gesetzgeber damals gedacht.

Gravatar: Klartexter

Es ist ein gutes Interview, mit guten Fragen und guten, richtigen Antworten von Konrad Adam. Und gerade die Verweise auf das Grundgesetz und die Verbiegung durch die Politik und das Bundesverfassungsgericht, denn nichts anderes ist es als eine Verbiegung, nehmen mir den vorletzten Glauben an dieses Gesetz und die rechtmäßige Auslegung dieser Notverfassung. Und die Politik wird ggf. nicht davor zurückschrecken das GG ohne das Volk zu fragen, wieder so anzupassen, wie sie es brauchen. Die beabsichtigte Einführung der Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen ist dabei nur ein weiterer Grund die am Volk vorbei gemachte Politik abzulehnen und am zur Hure der Politik und der Rechtsprechung gemachten GG, welches irgendwann noch der Rechtsmaßstab war, noch als Maßstab zu erkennen und anzuerkennen.

Gravatar: rossi

Danke, FREIE WELT, für das Klasse-Interview. Sollte ich doch wieder die AfD wählen?

Gravatar: Frank Heitbrock

Herr Adam ist einer der wenigen Politiker die an dieses Thema mit Augenmaß und Sachverstand herangehen und, im Gegensatz zur Merkel, ihr Fähnchen nicht in den Wind hängen.
Ich gehe allerdings davon aus dass die durchgegenderten Parteien im Bundestag dieser Argumentation nicht folgen werden und auch das Kindeswohl bei der Frage des Adoptionsrechts für homosxuelle Paare keine Rolle spielen wird.

Gravatar: Karin Weber

Ja, das ist nachhaltig und zudem vollkommen alternativlos.

Schauen Sie nur nach Elmau. Dort macht Merkel gerade den Ganztags-Kotau vor Obama. Soll das die Zukunft sein? Soll das deutsche Volk seine eigenen Werte über Bord werfen und in den Reihen dieser Mischpoke (deren Werte erhaltend! ---> Krieg, Hunger, Zerstörung, Mord, Totschlag, Profitgier .... ) mitmarschieren?

Gravatar: P.Feldmann

Ein sehr gutes Interview, das nicht nur zeigt, dass Adam zu Recht in führender Position bei der AfD sitzt, sondern dass Themen wie dieses gesamtgesellschaftliche auch wesentlicher Bestandteil einer Politik sein müssen, die sich als Alternative begreift.
Nur mit ökonom.Themen wie Herr Prof. Lucke das möchte lässt sich ein sinnvoller Haushalt gar nicht begründen.

Und leider findet sich so eine Position wie die Adams (und anderer in der AfD) nur noch in der AfD, Parteien wie die CDU dulden konservatives- also nachhaltiges Denken- nur an ihren irrelevanten Rändern oder überhaupt nicht (s.Linke, Grüne, SPD). Daher werden Argumente wie hier von Adam vorgebracht, ja auch gar nicht mehr ausgetauscht und Werteproblematiken gar nicht mehr diskutiert. Man versucht es mit formalen Jurismen und übersieht dabei, dass bspw. Bundesverfassungsrichter hinter ihrem sogen. "fachlichen "Urteil meist ein ideologisches Urteil verstecken,- wie bspw. die Feministin Baer.

Gravatar: Angela Himmler

Herr Adam, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jugendamt#Kritik_an_der_Institution_.E2.80.9EJugendamt.E2.80.9C" rel="nofollow">hier</a> können Sie sehen, wie die deutsche Bundesregierung der vergangenen zehn Jahre das <a href="http://home.arcor.de/menschundrecht/child%20trafficking.pdf" rel="nofollow">Schutzversprechen</a> des Grundgesetzes für Ehe und Familie wirklich einlöst.

Die Zahlen für das Jahr 2014 veröffentlicht das statistische Bundesamt wohl im Juli 2015.

Gravatar: Chris

Ich kann es nur immer und immer wieder schreiben, auch wenn es mir nicht gefällt, so etwas zu schreiben, da ich selbst schwul bin: Viel zu viele schwule Männer haben eine pädophile beziehungsweise pädosexuelle Neigung. Viele schwule Männer im Alter von 30, 40, 50, 60 oder 70 Jahren bevorzugen den Sex mit Kindern unter 10 oder mit Jugendlichen im Alter bis 16 Jahren. Das sind meine erschreckenden Erfahrungstatsachen, an denen man nichts relativieren oder schönfärben kann. Das ist die bittere Realität, eine entsetzliche Wahrheit, der man sich stellen muß.

Ich möchte mir nicht vorstellen, was sein wird, wenn Homosexuelle gänzlich die Rechte bekommen, die Heterosexuelle haben, zumal man Schwule und Lesben, die mit Heterosexuellen einfach nicht gleich sind, schlichtweg nicht gleich machen darf. Es besteht ein großer Unterschied zwischen Heterosexuellen und Homosexuellen. Gleiche Rechte bei etwas, was nicht gleich ist, sind sehr gefährlich und irrsinnig.

Ich will nicht wissen, wievielen Kindern Böses angetan werden wird, wenn Schwule zum Beispiel beim Thema "Adoption" gänzlich mit Heterosexuellen gleichgestellt werden.

Ich als Schwuler kann nur davor warnen, sich vom äußeren Bild homosexuell lebender Männer verführen zu lassen, denn wenn ich eines mit Sicherheit weiß, dann ist es das, daß leider viele schwule Männer janusköpfig sind: Nach außen wird für Arbeitskollegen, Freunde und Familie die "Normalität" gelebt, nach innen zeigt sich dann aber das schlimme Gesicht. Ich weiß, worüber ich schreibe, und ich lasse mir auch nicht den Mund verbieten, nur weil sich politisch korrekte Gutmenschen, träumerische Ignoranten und Gender- und Homoideologen etwas zusammenlügen.

Vielen Dank!

Gravatar: Johannes Klinkmüller

Hallo Chris,

ich habe das Folgende schon einmal an anderer Stelle geschrieben; allerdings war der Beitrag dann schon außer Sicht und Sie haben meine Antwort vielleicht nicht mehr gelesen:

Ich finde es echt gut, dass Sie den Mut haben, so offen anzusprechen, was Sie schreiben, und so ehrlich.
Ein Hetero kann, was Sie thematisieren, ja nicht wirklich wissen; um so wichtiger finde ich Ihre Information.

Ihre Aussage fällt Ihnen ja nicht leicht, aber gewiss ist sie ein wertvoller Beitrag.
Es geht ja nicht um Diskriminierung, sondern um Schutz von Kindern.

Deshalb meinen Dank.

Gravatar: Eberhardt Breitling

Selbstverständlich sollten Sie AfD wählen , es idt die einzige Möglichkeit sich noch an Wahlen zu beteiligen!

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