“Christenverfolgung hat sich zu einer wahren Katastrophe entwickelt” – Interview mit Helmut Moll

12. November 2010, 08:17 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: | von
Bild: Helmut Moll/Quelle: domradio.de
Redaktion

Christenverfolgung gab es nicht nur vor 2000 Jahren.  Auch im 20. Jahrhundert sind in vielen Teilen der Welt Menschen für ihren Glauben gestorben.  Bereits im Jahr 1994 hatte Papst Johannes Paul II. daher der gesamten Kirche den Auftrag erteilt, die Blutzeugen des vergangenen Jahrhunderts vor dem Vergessen zu bewahren.  In Deutschland wurde diese Aufgabe von dem Priester und Theologieprofessor Helmut Moll wahrgenommen, der soeben die fünfte Auflage des Buches "Zeugen für Christus" vorgestellt hat.  Der CDU-Politiker Martin Lohmann sprach für FreieWelt.net mit Helmut Moll über die Bedeutung der Märtyrer für das Christentum.

FreieWelt.net: Sie haben soeben die fünfte Auflage Ihres Buches über die Märtyrer des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Worum geht es da?

Helmut Moll:  Bereits im Jahre 1994 hatte Papst Johannes Paul II. der gesamten Kirche den Auftrag erteilt, die Blutzeugen des vergangenen Jahrhunderts vor dem Vergessen zu bewahren. In der Folge hatte mich die Deutsche Bischofskonferenz gebeten, diese Aufgabe für Deutschland wahrzunehmen. Nach der Erstauflage 1999
wuchs das Interesse an diesen Vorbildern sprunghaft. Die vierte Auflage 2006 enthält bereits 84 neue Namen aus den Bereichen Nationalsozialismus, Kommunismus, Reinheitsmartyrium und Mission. Die fünfte Auflage 2010
präsentiert 76 bislang unbekannte Lebensbilder aus allen genannten Bereichen. Die Arbeit am deutschen Blutzeugenverzeichnis geht unvermindert weiter.

FreieWelt.net: Es war ein Auftrag von Papst Johannes Paul II., der nicht wollte, dass die Märtyrer der Neuzeit ins Vergessen geraten. Waren Sie selbst überrascht, wie
viele Christen in der eigentlich doch aufgeklärten Neuzeit verfolgt werden?

Helmut Moll:  Die “aufgeklärte Neuzeit” trägt ein ambivalentes Gesicht. An die Stelle von Freiheit und Toleranz sind nicht selten Totalitarismus und Knebelung des Gewissens getreten. Im 20. Jahrhundert sind die Menschenrechte mit Füßen getreten worden.

FreieWelt.net: Würden Sie sagen, dass es auch heute noch Christenverfolgung gibt?

Helmut Moll:  Aber ja! Nach einer Studie von “Kirche in Not” aus dem Jahre 2008 unter dem Titel “Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung”
werden Christen weltweit verfolgt. Die stärkste Verfolgungswelle in Asien betrifft Länder wie Nordkorea, der Irak, Pakistan, Vietnam und Indien.
Erzbischof Basile George Casmoussa aus Mossul (Irak) schreibt: “Die Christenverfolgung in unserer heutigen Zeit hat sich zu einer wahren Katastrophe entwickelt. Die Medien haben diese Katastrophe bislang weitgehend ignoriert”.  In Afrika werden Christen vor allem im Sudan, in Ägypten und in Algerien unterdrückt.

FreieWelt.net: Bei Ihren Reisen und Vorträgen erfahren Sie immer wieder, dass viele Menschen noch gar nichts von diesem Märtyrertum unserer Zeit wissen. Wie kommt das? Sonst wird doch auch viel über Verfolgung berichtet in den Medien.

Helmut Moll:  Angesichts heutiger Informationsflut fehlt vielen Menschen die Unterscheidung der Geister. Was ist wichtig? Was ist richtig? Wer nur auf Wellness setzt, wer den Hedonismus verherrlicht, verliert den Bezug zur
Wirklichkeit.

FreieWelt.net: Sind diese Märtyrer eigentlich alles Heilige? Und: was ist eigentlich ein Heiliger?

Helmut Moll:  Märtyrer, die mit diesem Ehrentitel bezeichnet werden, müssen Christusträger sein, bereit, Verfolgungen zu ertragen, sogar bis zum Vergießen
des Blutes. Heilige dürfen sie erst dann genannt werden, wenn sie auf der Grundlage des Neuen Testamentes authentische Vorbilder für unsere Gegenwart
sind. Eine Botschaft für uns sollen sie enthalten, damit wir die Orientierung nicht verlieren.

FreieWelt.net:  Müssen, sollten Christen immer Flagge zeigen, Mut zum Bekenntnis haben?
 
Helmut Moll:  Diese Frage muss aufgrund der gegenwärtig wachsenden Auseinandersetzung des Christentums vor allem mit dem Islam mit einem uneingeschränkten “Ja”
beantwortet werden.

FreieWelt.net: Herzlichen Dank für dieses Interview!

Das Interview führte Martin Lohmann

Das zweibändige Hauptwerk: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, Ferdinand Schöningh-Verlag, 5., erweiterte und aktualisierte Auflage 2010. 2 Bände, 1632 Seiten, zahlreiche (600) Abbildungen, Leinen mit
Schutzumschlag Euro 88,– / sFr 124,–. ISBN 978-3-506-75778-4.

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