Interview mit Giselher Suhr

AfD-Parteitag: »Mehr Drama geht nicht«

Im Interview mit FreieWelt.net schildert der Publizist Giselher Suhr seine Eindrücke vom Parteitag der AfD in Essen. Das »reinigende Gewitter« vom Wochenende böte der Partei eine »Riesenchance, glaubt er.«

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FreieWelt: Wie haben Sie den Bundesparteitag der AfD in Essen erlebt?

Suhr: “Mehr Drama Baby, Drama” forderte dieser Bruce Darnell bei Germany’s Next Topmodel von den Kandidatinnen. Mehr “Drama” als bei der Vorsitzendenkür in Essen kann man sich nicht vorstellen.  Schließlich kam fast jeder in die Grugahalle, um bei einem (partei)-historischen Ereignis nicht nur dabei zu sein, sondern den Kurs für die Zukunft zu bestimmen. Lassen Sie es mich so sagen: Auf der Fahrt zurück nach Berlin fuhren wir nahezu ununterbrochen durch nie erlebte Unwetterfronten und sind doch heil angekommen. Und nach den Tagen der schwülen Hitze war dieses “reinigender Gewitter” ein Segen. Der Parteitag war dieses “reinigende Gewitter” für die AfD.

FreieWelt: Wie wird sich diese neue Eigensicht auf die Seele der Partei auswirken?

Suhr: Die Seele der Partei sind jene Worte, die auf den Plakaten zur Bundestagswahl 2013 standen: “Mut zur Wahrheit” und “Mut zu Deutschland”. Wer diese Ziele “unter Lucke” auf nicht 100% mainstream-konforme Weise ausbuchstabierte, geriet sofort unter Generalverdacht und musste mit Schlimmem rechnen. Schließlich wollte Hans Olaf Henkel die “Partei von diesen Elementen säubern”. Solche Worte haben die Seele der Partei vergiftet. Das Schlimmste war: In AfD-Kreisen, -Vorständen und -Fraktionen fanden sich überall selbsternannte Wortpolizisten, die Andersdenkende denunzierten und unter Rechtsverdacht stellten. Diese Zeiten scheinen in der AfD nach Essen erst mal vorbei zu sein. 

FreieWelt: Was waren die Luckes Fehler, die ihn am Ende zum Scheitern brachten?

Suhr: Das ist eine Frage, die letztlich nur Psychologen oder Sozialtherapeuten beantworten sollten. Aber auch die irren meist. Meine politische Deutung: Er hatte seiner AfD auf dem Parteitag in Bremen eine Satzung abgepresst, die ganz auf ihn zugeschnitten war - ein auch mit Rücktrittsdrohung erpresster Sieg. Damals ging es um die Wahl in Hamburg. Da wollte die Zweidrittelmehrheit und keinen Bruch mit dem großen Vorsitzenden riskieren. Sein Fehler: Nach diesem erkämpften Sieg hätte er auf die Verlierer zugehen müssen. Wie nach 1866 “der Sieger von Königsgrätz”, Preußen, auf Österreich. Aber Lucke hatte, anders als König Wilhelm I, keinen Bismarck, der ihn bremste, den Sieg voll auszukosten. Ich sag mal so: Für mich war die Götz Kubitschek vom Bundesvorstand verweigerte Parteimitgliedschaft so etwas wie eine standrechtliche Erschießung eines Kriegsgegners NACH dem Sieg.

FreieWelt: Lucke hat großen Schaden der AfD durch seinen Führungsstreit und den Weckruf zugefügt. Kann er ihr noch weiteren Schaden zufügen?

Suhr: Der Führungsstreit und die Weckrufaktivitäten sind Vergangenheit. Sie haben jedermann die Wegscheide sichtbar gemacht, wo es gilt sich zu entscheiden (Hilfe, was sag’ ich, aber ich schaff es nicht “jeder Fraumann” oder sowas zu sagen). Die Würfel sind nun gefallen. Und das ist gut so.

FreieWelt: Was sind im Moment die Stärken und Schwächen der AfD und welche Aufgaben ergeben sich daraus für die neue Parteiführung?

Suhr: Ich sehe, und das gilt nicht nur für diesen Moment, eine Riesenchance und Aufgabe für die AfD. Als sie 2013 antrat, war die Welt für die meisten Zeitgenossen noch einigermaßen in Ordnung. Ja, es gab da diese Eurorettung, die wohl einen Rechtsbruch und irgendwie Milliarden Belastungen bedeutete. Und es gab beunruhigende Entwicklungen bei der Zuwanderung. Und kurz bewegte ein Sarrazin die Republik. Und es gab eine Islamdiskussion. Heute sieht das ganz anders aus. Die Fundamente, auf denen dieses EU-Europa errichtet wurde, werden brüchig. Überall müsste man Schilder aufstellen “Vorsicht Einsturzgefahr”. Keiner spricht mehr über ESM, EFSM und EFSF. Es herrscht eine “Rette sich wer kann” Simmung. Das Thema Zuwanderung erleben die Bürger als drohenden Tsunami, der möglicherweise Millionen Armen dieser Welt. Und so wie die Einschläge des IS uns immer näher kommen, wollen immer mehr das Thema Islam nicht nur auf evangelischen Kirchentagen diskutiert wissen. Sie fühlen sich bedroht. 1989 gab es eine breite Stimmung für die Wiedervereinigung. Das Wort vom politischen Momentum machte die Runde. Helmut Kohl nutzte diese Kraft und bewegte viel. Heute gerät vieles mit ähnlicher Dynamik in Bewegung. Denken sie nur an die jüngsten Wahlerfolge europaskeptischer Parteien! Und genau in diesem Zeitfenster betritt eine AfD die Arena mit einem zumeist gleichgesinnten Team und einer Trainerin, der zuzutrauen ist, dass sie insgesamt für Fairplay sorgen kann.

FreieWelt: Welche Reaktion erwarten Sie angesichts der jetzt erfolgten Klärung von den Mainstream-Medien? Wie werden sie mit der AfD umgehen?



Suhr: Natürlich werden die MSM versuchen, weiter nach der alten Gefahr-Von-Rechts-Melodie neue Lieder zu singen. Aber das hat der AfD noch nie geschadet. Nur so wurden ihre politischen Ziele, drastisch verkürzt, den Wählern bekannt. Abschreckend war der ewige Streit der führenden Protagonisten. Aber der ist ja wohl erst mal gegessen. Dazu kommt: Auch wenn es dem einen oder anderen selbsternannten Praeceptor Germaniae schwerfällt es einzusehen: Immer das Gleiche aufzutischen schadet dem Geschäft, der Auflage. Da wird mancher dann wohl an sein Lohn und Brot denken müssen.

FreieWelt: Welche sind die Schwerpunkte, die die AfD inhaltlich-programmatisch, organisatorisch und personell jetzt anpacken sollte?

Suhr: Viele, die - selbst mit besten Absichten - als Sand im Getriebe wirkten, sind raus, treten aus. Aber jetzt sollten die “Sieger von Essen” wie Bismarck nicht triumphieren, sondern, so schnell und glaubwürdig wie möglich die Hand ausstrecken. Der Vorrat an gemeinsamen Grundüberzeugungen scheint mir groß. Wie wär’s, sich an den Rütlischwur zu erinnern? Ja, Schiller und Tell lernte ich in der Schule noch!

 

“Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,

in keiner Not uns trennen und Gefahr.

Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,

eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

Wir wollen trauen auf den höchsten Gott

und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen”.

FreieWelt: Wir danken für das Gespräch.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Prof. Lucke & Freunde werden feststellen, dass auch eine neue Partei sofort in die "rechte Ecke" gestellt wird. Insofern war der Versuch, sich von etwas zu distanzieren was überhaupt kein Problem ist, fruchtlos. Wo es "Links" gibt, muss es automatisch auch "Rechts" geben. "Rechts" heißt wertkonservativ und national, daran ist nichts verkehrt. Beides stellt keinen Straftatbestand dar und bei anderen Völkern ist das ein vollkommen normales Verhalten. Für mich erkennbar wird, dass Prof. Lucke hat sich von diesen linken Meinungsmachern hat treiben lassen wie eine Schafsherde. Wer heute politisch "rechts" steht, steht nicht gleichzeitig für Gaskammern und Völkermord. Gerne wird das aber von Linken in Verbindung gebracht, um sich so selbst als wahre Extremisten zu tarnen. Die politische Klasse nutzt dabei die Antifa-Terroristen, um die unliebsame politische Konkurrenz auszuschalten. Ein wahrlich geschickter Schachzug von Merkel und die Masse der Bürger - und die linken Deppen sowieso - fallen darauf auch rein.

Durch die gerade vollzogene Positionierung der AFD wird diese in gewaltigem Umfang profitieren. "Alternative für Deutschland" ist eben auch eine Alternative für Deutschland. Ob mich jemand als "rechts" bezeichnet, ist mir ehrlich gesagt egal. Ich habe ein konservatives Weltbild und lasse mich nicht von Linken bedrängen.

Jedes neue Vorkommnis, macht das konservative Lager nur noch stärker. Das stimmt mich zufrieden.

Gravatar: p.feldmann

Danke für dieses lohnende u. lesenswerte Interview.

Sehe das ähnlich: ein reinigendes Gewitter. Die Nachwetter und Nachtreter in den MSM zeigen deutlich, wie nötig es war.

Gravatar: Klimax

Lucke ist gerade aus der Partei ausgetreten. Und auch wenn es hier keiner wahrhaben will, das wird der AfD sehr schaden.

Gravatar: Reinhard

< < Rechtsruck, Petry Heil und anderes Anglerlatein > >
Nein, auch ich habe in Essen keine rechtsextremen Parolen oder Grüße gehört oder gesehen.
Da war bei einigen Beobachtern wohl der Wunsch Vater des Gedankens.

Ich erinnere mich an einen Prozess Anfang der 90er Jahre, wo in Dortmund eine rechte Partei demonstriert hatte und dabei das streng verbotene "Horst-Wessel-Lied" gesungen haben soll. Zwei Polizisten bezeugten das unter Eid!
Ein WDR-Fernseh-Team hatte das Ganze gefilmt. Und was war auf dieser Dokumentation zu sehen? Die rechten Demonstranten sangen "Brüder zur Sonne zur Freiheit" - das alte Gewerkschaftslied!
Soviel zur objektiven Wahrnehmung...

Allerdings hat mich schon der Stil einiger - und das waren nicht nur Luckegegner! - gestört.
Was bei den Kritiken des Essener Parteitages seltsamer Weise völlig unter den Tisch fällt, ist, dass es ein Mitgliederparteitag war.
Während auf Deligierten-Parteitagen schon in den Kreisverbänden darauf geachtet wird, dass qualifizierte Mitglieder als Repräsentanten der Basis entsandt werden, kann auf Mitgliederparteitage jeder kommen, der Lust, Laune, zuviel Testosteron oder zu wenig Grips hat.
Wenn dann die Malle-Fraktion sich auch noch im Pulk zusammen findet (ich habe mindestens drei solcher Cluster gezählt) dann wird es ungemütlich, zumal sich einer davon zwischen Podium und Fernsehpodest positioniert hatte.
Ich denke:
Etwas mehr Gelassenheit - so wie in diesem Interview hier - täte allen Kommentatoren gut zu Gesicht!

Reinhard "Hardy" Rupsch, Münster/NRW

Gravatar: Daniel Ec

Die Wahrheit über den Rechtsruck der AfD!

Etwas was die, die dabei waren, beim heißesten Parteitag (vielleicht) aller Zeiten in Deutschland erlebt haben, ergibt erst Sinn, wenn man bei einer zweiten Informationsquelle zwischen den Zeilen liest. Das dort geschilderte ergibt aber auch erst Sinn, wenn man das vor Ort gesehene daneben hält.
Daher finde ich es wichtig, es allen, die den Kontext nicht haben, einmal aufzuschreiben. Man muss nicht mal 2 und 2 zusammenzählen, es reicht 1 und 1:

Nachdem Bernd Lucke und sein Wegruf auf dem BPT krachend verloren hatten, wurde zur Wahl des zweiten Sprechers geschritten.Trotz heftigem Bitten wollte Herr Starbatty nicht kandidieren, um den liberalen Flügel trotzdem zu repräsentieren wurde schließlich Herr Jörg Meuthen vorgeschlagen. Dabei blieb es aber nicht. Ein Mitglied nach dem anderen trat an eines der Saalmikrofone und schlug jeweils einen neuen Kandidaten vor. Die Versammlungleitung rief dann nach diesen Vorgeschlagenen, ob sie denn kandidieren wollten. Nur - niemand wollte.
Das kommt zwar auch sonst einmal vor, hier ging es aber immer weiter über 20 Minuten. Personen, die bereits dankend abgelehnt hatten, wurden erneut vorgeschlagen. Eine Dame, die gegen Ende DIESES
https://www.youtube.com/watch?v=n3LAmdvhgik
Monitorbeitrages auf einer Weckrufveranstaltung (bei der normale AfD-Mitglieder ausgeschlossen, die Presse aber zugelassen war?!) zu erkennen ist, trat sogar drei mal in dieser Phase an's Mikrofon, was wegen ihrer piepsigen Stimme und ihres auffälligen Retro-T-Shirts im Blumenkinderstil auffiel. Laut einem Teilnehmer neben mir soll sie aus NRW sein. Noch weitere Personen in Essen oder Monitor erkannt?

Wer etwas Parteitagserfahrung auf Landes- oder Bundesebene hat weiß, dass es durchaus vorkommt, dass Fans ihre Helden für Posten vorschlagen, auch wo diese gar nicht interessiert sind. Das hat dann aber höchstens einen Anteil von ~50%, nicht von 100% für fortgesetzte Zeit.
Irgendwann gab es dann den Antrag, dass nur noch Kandidaten, die auch wollen, sich selbst vorschlagen dürfen, das wurde angenommen, und der Spuk hatte ein Ende. DACHTEN wir!

Der folgende Artikel offenbart zwischen den Zeilen unter "Zerstörer-Taktik", was tatsächlich vorging.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/bernd-lucke-frauke-petry-weckruf-afd-essen
Da wird beschrieben, wie Lucke und seine Weckrufer Abends in Anwesenheit der Presse das weitere Vorgehen diskutieren.
"Sie überlegen, in den Bundesvorstand gezielt Nationalisten ... zu wählen... Die Partei werde sich durch ihre Radikalisierung dann selbst zerstören, so das Kalkül.
Lucke... diese Form der Sabotage sei ihm fremd, sagt er."

SAGT er. Aber wir haben Stunden zuvor im Saal gesehen, dass diese Taktik schon angelaufen war, denn die im Artikel genannten Namen und Eigenschaften bezeichnen genau die Personen, die da immer weiter vorgeschlagen wurden. (Von den nur zwei namentlich genannten Beispielen wurde der eine, der am Sonntag kandidierte, in Stichwahl und knapp als Beisitzer gewählt.)

Das geschah nicht durch ein oder zwei übermütige Personen, sondern als konzertierte Aktion. Genauso konzertiert und bis in's Detail vorab eingebrieft, wie die anderen Varianten der Weckruflerischen Parteitagsregie, beschrieben hier von Jens Eckleben:
https://www.facebook.com/JungeAlternativeBW/photos/a.478569162234246.1073741829.477976142293548/846872702070555/?type=1&comment_id=846946035396555&offset=0&total_comments=16&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D

War das Fußvolk so übermütig oder gefrustet, dass sie es mit den Kandidatenvorschlägen übertrieben haben, hatten sie schon aufgegeben, und wollten dies nur noch zum Sabotieren des Parteitags nutzen, oder war die Kommandostruktur (Siehe Link - "50-60 Multiplikatoren, die durch die Halle laufen, per Handzeichen koordiniert" - "Absolute Disziplin wird verlangt und vorgelebt. ALLES wird durchorganisiert".) unterbrochen? Egal, ein entlarvendes Ereignis.

Natürlich kann Bernd Lucke nicht, wenn die Journalisten daneben stehen, und Weckruf-Fußvolk so blöd ist, sich laut über diese Taktik auszutauschen sagen "Ja, klar, brav dass Ihr gut aufgepasst habt, genau so machen wir es"!
Sondern als inzwischen Profipolitiker lügt er schnell in die Kameras und bindet die Aufmerksamkeit, um das Informationsleck zu überdecken. Eine Aufnahme dieser Momente oder eine noch genauere Schilderung jeder Sekunde dieses Ablaufs durch den Journalisten oder weitere Anwesende dürfte die Sache noch klarer machen.

Zum Vergleich:
"Die Durchführung der Z. ist einheitlich und straff zu leiten, ihre Ergebnisse sind zu dokumentieren.
Die politische Brisanz der Z. stellt hohe Anforderungen hinsichtlich der Wahrung der Konspiration...
Dabei wurden ... Kontakte zu rechtsextremen Kreisen ... als Gerücht in dessen Umfeld gestreut."
https://de.wikipedia.org/wiki/Zersetzung_(Ministerium_f%C3%BCr_Staatssicherheit)#Zersetzung_von_Einzelpersonen

Also:
Nicht weil die "vernünftigen" Weckrufler die Partei verlassen und der "böse Beifang" bleibt, könnte die AfD nach rechts rücken, sondern weil die Weckruf-noch-AfD-Parteimitglieder, von ihrer Führung organisiert und mit den Namen der "Schlimmsten" versorgt, diese aktiv so weit nach vorne wählen, wie es möglich ist! Ein größeres Pharisäertum vor laufenden Kameras habe ich noch nicht erlebt!

Wer bislang sich vielleicht vom Weckruf hat einwickeln lassen und dachte, es geht wirklich darum, die AfD zu retten, möge sich mal fragen, ob ehrliche "Retter" zu solchen Methoden greifen? Oder eher den Euro"rettern" assistieren?
Zeit mit der Tätigkeit als IM-WR2015 und der Z. aufzuhören?

Gravatar: Jürgen Krosche

Hallo lieber und sehr geschätzter Herr Suhr,

mit großem Interesse und auch einem gewissen inneren ¨Schmunzeln¨ meinerseits habe ich Ihr Interview gelesen, auch wenn wir beide nun schon seit einigen Monaten keinen persönlichen Kontakt mehr miteinander hatten, was ja im Prinzip an meinem Austritt aus der AfD liegt und was ich auch bis heute keineswegs bereue - im Gegenteil, aber dazu später mehr.

Sie beschreiben den außerordentlichen Parteitag in Essen als ein ¨reinigendes Gewitter¨, aber war es das wirklich? Es wurden aus meiner Sicht lediglich nur ein paar Namen an der Führungsspitze ausgetauscht, inhaltlich jedoch hat sich im Prinzip nichts geändert - und Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Auch jetzt setzt die AfD weiterhin auf das Prinzip der ¨herrschenden¨ Klasse der Kapitalistischen Einheitspartei Deutschlands (¨KED¨), die bisher den Namen CDUCSUSPDFDPGRÜNELINKE trägt und jetzt noch (bzw. immer noch) um den Namen AfD erweitert werden muss. Was soll denn das? Auch die AfD setzt nicht auf einen Systemwechsel, sondern weiterhin auf (wenn auch etwas umfangreichere) Änderungen IM System, aber nicht AM System, aber genau das brauchen wir dringend. ¨Sparen¨ und ¨Wachstum¨, wenn auch unter leicht veränderten Vorzeichen, sind noch immer das ¨Credo¨ das AfD... sorry, aber das ist aus meiner Sicht einfach nur lächerlich. Eine echte ¨Alternative¨ sieht für mich jedenfalls deutlich anders aus. Aber - und das wird m. E. auch immer offensichtlicher - anscheinend geht es der AfD nicht um echte Veränderungen, sondern lediglich darum, sich einen ¨Teil vom großen Kuchen¨ zu sichern, auch wenn es nur Krümel sind. Und auch wenn der AfD jetzt seitens der MSM ein ¨Rechtsruck¨ unterstellt wird, so möchte ich diesen Punkt einmal ad absurdum führen: Die AfD fordert ja bekanntlich eine deutliche Begrenzung der Zuwanderung, insbesondere aus islamistischen Staaten, also von Muslimen. Nun sind Muslime bekanntlich ganz offen bekennende Antisemiten, auch wenn sie selbst größtenteils zum Volksstamm der Semiten gehören, aber das ist ein anderes Thema. Damit fordert die AfD also die Begrenzung der Einwanderung von Antisemiten nach Deutschland - und das ist ganz klar ¨links¨ einzuordnen. Also hat die AfD somit doch einen erheblichen ¨Linksruck¨ vollzogen - oder etwa nicht? Und diese ganzen ¨Linken¨, die eine ¨Multi-Kulti-Kultur¨ in Deutschland fordern, also eine weitere Zuwanderung aus dem ¨Morgenland¨, sind damit ganz klar ¨rechts¨ einzuordnen, denn sie wollen damit ja mehr Antisemitismus in Deutschland. Merkt hier an dieser Stelle jemand, wie absurd diese ganze ¨Rechts-Links-Diskussion¨ ist? Und haben wir wirklich ein echtes Problem mit einer angeblich zunehmenden Islamisierung in Deutschland - oder sollten wir nicht vielmehr Angst vor einer deutlich zunehmenden Amerikanisierung haben? Die Zeichen und auch längst geschaffenen Tatsachen dafür sind jedenfalls unübersehbar, aber das wird in den MSM und auch in der AfD weitestgehend ignoriert. Nein, man macht uns Angst vor dem ¨Muselmann¨, wobei ich das an dieser Stelle nicht kleinreden will, aber herrje, wir haben doch wirklich andere Probleme, ober etwa nicht? ¨Divide et impera¨ - dieses Prinzip gehört inzwischen ganz offensichtlich auch immer mehr zur (internen) Grundsubstanz der AfD, aber das ist auch eine völlig normale Entwicklung,denn es geht ja nicht um wirkliche Veränderungen, sondern und Posten, Pöstchen und die damit verbundenen Privilegien. Wie heißt doch ein bekannter Anti-Kriegsfilm? ¨Im Westen nichts Neues.¨ In diesem Sinne werde ich meine Stimme bei einer sogenannten Wahl nicht ¨abgeben¨ (denn danach habe ich keine mehr) und sie anschließend in eine ¨Urne¨ (per Definition ein Gefäß für sterbliche Überreste) werfen, sondern sie behalten, auch um sie zu erheben - und zwar auch gegen die AfD.

Gravatar: hasso

Interessantes Interview. Ich würde Herrn Suhr uneingeschränkt zustimmen. Wichtig ist, daß die AfD die Themen anspricht, die die große Mehrheit der Bevölkerung interessiert:
- 80-90% sind gegen weitere Hilfen für die Eurorettung
an andere Länder
- 70-80% sind für eine schärfere Asylregelung und für
konsequente Abschiebung von Wirtschaftsflüchtlingen
- 60-70% sind gegen weitere Zugeständnisse an
Muslime, d.h. stehen dem Islam ablehnend gegenüber
- eine Mehrheit ist gegen Frühsexualisierung von
Kindern
Wenn es der Partei gelingt, diese Themen überzeugend anzusprechen, dann wird die AfD eine große Zukunft haben und die Union massiv unter Druck setzen. Dann besteht die Möglichkeit, daß sich vieles in Deutschland zum Besseren wendet. Und das geht nur mit einer starken AfD und nicht mehr mit einer weichgespülten, linksgrünen CDU/CSU.

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