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Griechische Gangster

19. Juni 2012, 03:15 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte:

Amerika gilt oft als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ja als eine Art Paradies für Auswanderer. Dass diese Behauptung nicht immer der Realität standhält, belegen die Bücher des US-Autors George P. Pelecanos, der 1957 als Sohn griechischer Einwanderer in eine Washingtoner Arbeiterfamilie hineingeboren wurde.

Amerika gilt oft als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ja als eine Art Paradies für Auswanderer. Dass diese Behauptung nicht immer der Realität standhält, belegen die Bücher des US-Autors George P. Pelecanos, der 1957 als Sohn griechischer Einwanderer in eine Washingtoner Arbeiterfamilie hineingeboren wurde. Der Autor, der heute auch als Produzent und Drehbuchautor für das Fernsehen tätig ist, fing ganz unten an. Bis zu seinem 32. Lebensjahr schlug er sich als Bauarbeiter, Barmann und Schuhverkäufer durch. Die Sympathie für die „kleinen Leute“ und ihre Sorgen und Nöte spricht aus jeder Zeile seines meisterhaften Krimis „Big Blowdown“ („Das große Umlegen“). 

Pelecanos gilt in Deutschland immer noch als Geheimtipp, was auch einer etwas unglücklichen Veröffentlichungsstrategie seiner Bücher hierzulande geschuldet ist. Der Thrillerautor Michael Connelly nennt ihn „das bestgehütete Geheimnis der amerikanischen Kriminalliteratur – vielleicht der gesamten Literatur“. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Geheimnis zu entdecken. Für Fans der sogenannten „Schwarzen Serie“ ist das Buch um den griechischen Immigranten Peter Karras und seine Freunde im Washington der 1940er und 1950er Jahre ein Muss. Man fühlt sich geradezu in diese Zeit hineinversetzt. Ein gutes Gefühl, das man auch beim Schauen von Kinofilmen aus dieser Zeit hat, die sich mit der Gangsterwelt in Nordamerika auseinandersetzen.

Der Protagonist träumt den amerikanischen Traum. Peter Karras, gut aussehend und ein Kriegsheld, will es einmal besser haben als sein trunksüchtiger Vater Dimitri, der seine Mutter schlägt, trinkt und einen Obst- und Gemüsestand betreibt. Mit der Welt seiner Eltern, den Werten aus dem alten Europa kann Peter nichts mehr anfangen.

Doch Karras’ Karriere endet, bevor sie überhaupt angefangen hat. Er arbeitet als Geldeintreiber für einen der Unterweltbosse seines Viertels. Doch da er in seinem Job zu „viel Milde“ zeigt und sich bei anderen Mitgliedern der Gang nicht unbedingt beliebt gemacht hat, bekommt er eine Abreibung mit Folgen. Er wird so malträtiert, dass sein Knie für immer zerschunden ist und er schließlich als Krüppel einen Job als Koch in einem Diner suchen muss.

Karras hat sich in seinem Leben eingerichtet. Er hat Familie und eine attraktive Geliebte, die wie ein Filmstar aussieht. Doch alle Figuren dieses Romans sind gebrochen. Sie sind nur vermeintlich stark und erfolgreich. Karras holt schließlich die eigene kriminelle Vergangenheit ein. Wie dies alles in einem „großen Umlegen“ endet, ist spannend zu lesen. Schade, dass  es in Deutschland nur ein Nischenpublikum für diese Art von Noir-Literatur gibt.

George P. Pelecanos: Big Blowdown. Dumont Buchverlag: Köln 2011. 368 Seiten. 9,99 Euro. ISBN 9 783832  161750.

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