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Erstaunliches in Jobs Biografie

31. Oktober 2011, 10:46 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: ,

Weil gestern der Tatort Pause machte, habe ich mich frühzeitig ins Bett verdrückt und die Jobs-Biografie auf mein iPad runtergeladen. Ich bin dann bis kurz nach zwölf hängen geblieben.

Inzwischen sind ja schon viele Stellen aus dem Buch zitiert und kommentiert worden. Zumeist sind es Zitate aus dem späteren Leben von Jobs, über die Entwicklung von iProdukten und Auseinandersetzungen mit Weggefährten. Sind ja alles jüngere Leute, die da zitieren.

Ich bin auf ganz etwas anderes gestossen, auf Erstaunliches. Die Lebenswege von Jobs und mir haben sich in den frühen 70er Jahre gekreuzt.

Denn da tauchen zu meiner Überraschung zwei Namen auf, die mir schon seit vielen Jahren nicht mehr begegnet sind: Haridwar und  Maharaji-ji.

Im College, so lese ich, verkehrte Jobs in einer Gruppe, welche dem Guru anhing. Zu der Zeit war ich zum zweiten Mal in Indien.

Ich hörte erstmals diesen Namen, als ich in Rishikesh (Beatles!) Station machte. Ich wohnte mit anderen bei einem Sannyasin, dem eine Schweizerin ihr kleines Haus samt Garten und Nebengebäuden überlassen hatte. Die hatte dort mehrere Jahre gelebt und war wieder in die Schweiz zurückgekehrt.

Der Platz hatte den Ruf, immer sehr sauber zu sein.

Wie Jobs und Millionen andere war auch ich auf der Suche “nach meinem Guru”.  Nach ein paar Tagen bin ich dann mit dem Bus nach Haridwar gefahren und haben drei, vier Tage im Ashram des Gurus gelebt. Tagsüber mussten wir Kompost auf ein Feld austragen, den wir in Metallschalen heranschleppten, auf dem Kopf, wie dies in Indien üblich ist. Ich fand das ziemlich ineffizient, aber die hatten weder einen Karren noch Zugtiere dort.

Der Maharaji-ji, ein damals vierzehnjähriger Knabe, war nicht da. Er sei in den USA, hiess es. Deshalb wurden wir abends auf dem flachen Dach des grössten Gebäudes von einem Vertreter in das Geheimnis des “Knowledge” eingeweiht. Dazu mussten wir die Augen schliessen und mit unserem inneren Auge das Licht suchen.

Na ja, der Sonnenuntergang war weitaus spektakulärer.

Am dritten Abend habe ich nach der Meditation eine unsinnige Diskussion über den Sinn dieser Übungen gestartet. Am anderen Tag haben sie mir nahegelegt, den Ashram zu verlassen. Als ich zum Sannyasin der Schweizerin zurückkehrte, meinte dieser ich solle aufpassen, die hätten viel Macht.

Steve Job traf ein paar Monate später in Haridwar ein.

Meine These war schon immer, dass man die Apple-Produkte als Ausdruck des Lebensstils der Babyboomer begreifen muss. Ich kann jetzt ergänzen: unter Berücksichtigung der besonderen Erfahrungen der Indien- und Acidfahrer. Nach Indien zu reisen, ohne “unsere” Musik, Mann, das war eine echte Herausforderung.

Hätte es schon damals den iPod gegeben – heiliger Vishnu, wäre das ein Flash gewesen.

PS: Noch ein anderes Wort steht in Jobs Biografie, das zu der Zeit zu meinem Alltagswortschaft gehört hat: Disentery.

arlesheimreloaded.ch

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