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Ein etwas anderer Blick auf die Finanzkrise; Teil II

04. November 2009, 04:35 | Kategorien: Wirtschaft | Schlagworte: ,

Geldpolitik des Federal Reserve System


Bei der Berichterstattung wird oft von der FED gesprochen. Dies ist im Grunde genommen falsch, da es keine einzelne Notenbank in den USA gibt. Es existiert ein System von Notenbanken, welches aus zwölf regionalen Notenbanken besteht, wobei das wichtigste Gremium das Board of Governors ist. Sieben von 14 Mitgliedern werden vom amerikanischen Präsidenten bestimmt und vom Kongress auf 14 Jahre ernannt. Die restlichen sechs Direktoren werden von den Mitgliedsbanken ernannt. Die Entscheidungsfindungsprozesse des FED finden in geheimen Sitzungen statt. Diese Intransparenz und fehlende Kontrolle über das FED wird von manchen Ökonomen und auch Kongressabgeordneten, wie dem Präsidentschaftskandiaten Dr. Ron Paul, beklagt.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September und dem Platzen der dotcom Blase im Jahre 2001 senkte das FED den US-Leitzins auf 1%. Dies sollte den drohenden Rückgang der Wirtschaftskraft abwenden und jene mit neuer Liquidität stützen. Solche Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft liegen im Kompetenzbereich des FED. Neben dem Ziel der Preisstabilität, welches im Gegensatz zur FED das Hauptziel der Europäischen Zentralbank ist, soll das FED auch für Vollbeschäftigung und für ein moderates Zinsniveau sorgen.

Die Reduzierung des Leitzins auf 1% über einen Zeitraum von 2003 bis 2004 ließ Kredite sehr viel günstiger werden. Das allgemeine Zinsniveau sank und daraus ergaben sich mehrere Folgerscheinungen: Zunächst konnten die Konsumenten sehr günstig an Kredite und somit auch an Hypotheken kommen, was die Hausse auf dem Immobilienmarkt weiter antrieb. Das Sinken des allgemeinen Zinsniveaus führte auch zu einem Rückgang der Erträge von etablierten Finanzprodukten. Die sichersten und zugleich ertragreichsten Anlagen, mit zumeist mit einem Triple A Rating versehenen waren, waren Staatsanleihen. Diese sanken im Wert und die Investoren suchten sich neue Investitionsmöglichkeiten, die eine ähnlich hohe Sicherheitsertragsrelation aufweisen wie Staatsanleihen. Diese Investitionsmöglichkeiten waren schnell gefunden: Immobilien. Nach dem Platzen der dotcom Blase war das Vertrauen in Aktien gesunken, so dass man eher auf materielle Vermögenswerte zurückgriff und stark in Papiere investierte, die als Grundlage solche Vermögenswerte (zum Beispiel Mortgage Backed Securities) hatten. Somit wurde durch das Senken des Zinses auf ein solch niedriges Niveau zweifach die Immobilienblase befeuert. Diese überaus lockere Geldpolitik hat die weltweite Geldmenge seit Ende der 80er Jahren verzehnfacht, das weltweite Wirtschaftswachstum, im gleichen Zeitraum aber nur etwa versechsfacht. Dass das überschüssige Geld zu Verzerrungen führt und dabei Blasen, wie die auf dem Immobilienmarkt, erzeugt ist naheliegend.

Durch den lange niedrig gehaltenen Leitzins nährte sich die Furcht vor Inflation. Das FED erhöhte ab Mitte 2004 daraufhin in schnellen Schritten die Funds-Rate, um einer Inflation entgegen zu wirken. Dies führte jedoch zu dem Platzen der Blase, weil die niedrigen Zinsen der Kreditgeber nicht länger aufrecht erhalten werden konnten und die Immobilienbesitzer mit hohen Schuldzahlungen konfrontiert wurden. Darauf folgte ein Nachfragerückgang nach Immobilien und einem Preisverfall derselben. Der daraus resultierende nächste Vorgang war, dass immer mehr Eigenheimbesitzer die Immobilie aufgaben und es zu mehr und mehr Zahlungsausfällen auf dem Immobilienmarkt kam. Mit der schnellen Erhöhung des Zinsniveaus wurde der Dominoeffekt ausgelöst und die Krise nahm ihren Lauf.

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