Eckhard Kuhla zu Person und Archiv - Website - E-Mail schicken

Die Hauptverdienerin

29. November 2012, 07:38 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte:

Die große Familiendebatte liegt noch vor uns. Hinter den Gegnern des Betreuungsgeldes steht eine überwiegend gleichgeschaltete Medienwelt. Es wird diffamiert, “Zickenkriege” zwischen Müttern geführt, ohne dass man weiß, ob das eine breite Mehrheit unterstützt. Und kaum hörbar: die Stimme für die oder von den Kindern…

Das Betreuungsgeld ist durch, aber die ideologische Debatte über die Familie wird an Stärke zunehmen. Warum? Irritierend fragt der Bundesbürger nach dem Grund für die jahrelangen, unsäglichen Grabenkämpfe um das Betreuungsgeld. Als ob es um die Zukunft des Landes geht….Es geht.

Es ging nicht nur um die Verabschiedung eines Gesetzes oder um das innerparteiliche Vorgeplänkel, sondern um die Rolle der Frau als  Mutter und um unsere kommende Generation und damit in der Tat um die Zukunft unseres Landes. Es geht auch um den Staatsfeminismus,  der bisher mit seinen unterschwelligen Agitationen die Öffentlichkeit bewusst gemieden hat.  Wir wurden mit der Bundestagsdebatte  erstmalig  Zeuge des  jetzt offen ausgetragenen Kampfes um die Deutungshoheit in der Familienpolitik. Für Ministerin Schröder ist das der Kampf zweier Rollenleitbilder:  auf der einen Seite das feministische, einer selbsternannten  Quasi -” Frauenelite“ und auf der anderen Seite das “klassische”  Familien-Leitbild.

Ob das knappe Abstimmungsergebnis für das Betreuungsgeld  im Bundestag das Stimmungsbild im Lande wiedergibt war,  sei dahingestellt. Es zeigt aber, dass der Staatsfeminismus nicht unbedingt so fest in der Politik -  geschweige denn in der Bevölkerung – verankert ist, wie es bisher den Anschein hatte.  Denn  Frauenförderprojekte wurden bisher (mehrheitlich von Männern) im Bundestag durchgewunken. Einesteils wohl aus Unwissen, andernteils aus Desinteresse („Gedöns“).  Auf diese Weise gelang dem Staatsfeminismus ein erfolgreicher Marsch durch die Institutionen – und das nur in gut 10 Jahren. Größter, kaum bekannter “Erfolg”:  eine bis zu 40% erreichte Frauenquote im öffentlichen Dienst mit Einflußnahme auf Beförderungen , Bewerbungen und Haushaltsabstimmungen.

Die Abstimmungsniederlage für den Staatsfeminismus bedeutet somit  keineswegs Verlust an politischem Einfluss, dazu ist die Infrastruktur der Unterstützer-Kohorten des Staatsfeminismus viel zu einflussreich und durch Pfründe abgesichert.

Die Theorie des Staatsfeminismus  besteht aus Hypothesen zur Geschlechtsentwicklung des Menschen,  der hypothetischen Gendertheorie nach Judith Butler. Allerdings gibt es keine geschlossene Darstellung des politischen Programms des Staatsfeminismus. Darum folgt hier der Versuch einer kurzen und und verschwörungsfreien(!) Darstellung, die  erkennbaren  Mosaiksteine der feministischen Familienpolitik zu einem verständlichen Ganzen  zusammenzufügen. Das ist notwendig, um die noch immer zu erwartende Endlosdebatte über das Betreuungsgeld in seiner strategischen Bedeutung besser einordnen zu können:

Die Ikone “Haupternährerin”

Das allem voranstehende Modell, quasi die Ikone des Staatsfeminismus auf dem weiteren Weg zur Macht, ist ein zukünftiges Rollenbild für die Frau,  wir nennen es hier das „Hauptverdienerin“-Modell. Es beschreibt die Befreiung der Frau von der klassischen Ernährerrolle des Mannes.  Die daruf folgende viel stärkere Abhängigkeit von  ihrem „Arbeit-Geber“ wird dabei von Medien und Politik  geflissentlich übergangen (nannte man das nicht früher “Ausbeutung”?!).  Selbstredend wird dieses Modell  neben dem DGB auch vom Frauenministerium gefördert: www.familienernaehrerin.de

Dass durch diese revolutionäre Rollenumkehr die klassischen Mann/Frau-Rollen allmählich aus der Balance geraten, ist Programm. Letzteres  nennt sich „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Norbert Bolz dazu:  „Die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie ist die Lebenslüge der Gleichstellungspolitik“.  Zwei Projekte, zwei Modelle sollen die Vereinbarkeit politisch untermauern:

-  Modell „Krippe“

Die zukünftige Hauptverdienerin ist DAS politische Projekt einer feministischen Familienpolitik.  Kinder sind dabei quasi eine Art “Störgröße” in ihrem Lebensentwurf.  Folgerichtig muss die Politik für die Fremdbetreuung der Kleinstkinder       (1 bis 3 Jahre)  in Krippen sorgen. Das hat überdies den Vorteil, die Kleinstkinder in den Krippen mit feministischen Rollenbildern „umzuerziehen“ (Spiegel 01/2007).  Erinnert dieses Phänomen nicht  an all die vielen menschenverachtenden  Versuche von Staatsideologien, die Kinder in staatlichen Einrichtungen  zu indoktrinieren ? Deswegen wird dieser historische Hintergrund in der öffentlichen Debatte ausgeklammert. Vielmehr sollen Propagandagesichter glücklicher Krippenkinder mögliche psychosoziale Langfristfolgen überdecken. Dass die Krippenbetreuung für viele familiäre Situationen die einzige Alternative sein kann, braucht nicht weiter vertieft zu werden.
Das zweite Instrument für die Sicherstellung der Vereinbarkeit ist das

-      Modell „Rollentausch

Für die Ikone “Haupternährerin” hat die Frauenlobby in den letzten Jahren zunächst das Rollenbild “Mann” zerstört,  mit der Begründung, es sei ein zu überwindendes, stereotypes Rollenbild (SPD Leitlinie).  Dann nahm man sich das Rollenleitbild für die Familie vor:  Wer übernimmt im Falle der Vollzeitfrau den Haushalt und die Kinder? Für die neue Balance zwischen Mann und Frau geht Frau davon aus, dass Mann bzw. Vater  sich an den häuslichen Arbeiten beteiligt . Wenn das nicht möglich ist, muss der Über – Vater, der Vater “Staat”,  eingreifen. Seine Instrumente sind: das Elterngeld, welches logischerweise die Doppelverdiener bevorzugt, und die Krippenbetreuung, s. oben.
Im beruflichen Bereich hat die  “Vollzeitfrau  zwangsläufig einen Verdrängungswettbewerb für die bisher männlichen Vollzeitstellen zur Folge. Was liegt näher, als mit  Programmen wie „Männer in die Pflegeberufe“, „Männer in Teilzeit“ oder mit dem  Elterngeld das (freiwillige!) Platzmachen der Männer für die Vollzeitfrauen  und das Platzeinnehmen der Männer in Haus und Familie  zu erleichtern? Damit schließt sich der Kreis. Süffisant könnte man das letzten Endes als  “Win/Win Situation”  für alle Beteiligten beschreiben…. Interessanterweise wird die “Hauptverdienerin” im Schulterschluss mit dem Frauenministerium zunehmend von der Wirtschaft  unterstützt, mit der argumentation des  sogenannten “Fachkräftemangels”.
Begleitet wird die aktive Veränderung der Rollenbilder seit Jahren mit einer z.T. staaatlich finanzierten Medienkampagne (Stichwort: „Frauenpower“) . Beispielsweise  auf der

  • semantischen Ebene durch demonstrativ-bestärkende  Verallgemeinerungen wie  “Frau kann alles“ (vor allem besser als Männer….);  „Frauen vor“,  “DIE modernen Frauen…….”, oder  ” DIE modernen Männer….” etc.  Auf der
  • visuellen Ebene durch überdurchschnittliche Frauenpräsenz auf Presse- und Werbefotos oder in Tatortserien mit einem 5-mal so großen Anteil von Kommissarinnen als in der Realität und auf der
  • Ebene der Rollenbilder: “Männer, die liebenswerten Trottel, Frauen die Multitasking Powerfrauen”, so der 7. Familienbericht. Das „Lächerlichmachen“ (Mysandrie) von Männern, beispielsweise in TV-Filmen, gehört auch zu diesem ungeschriebenen Programm.

Männer werden weiblicher,  Frauen männlicher,  Schaufensterpuppen werden androgyner. Sind das schon Folgen der jahrelangen Medienkampagne?  Worin die wirklichen Ursachen dieser Phänomene liegen, ist wissenschaftlich bisher kaum untersucht.

-   Modell „Umerziehung

Wie in Staatsideologien üblich, beginnt die Indoktrinierung der Bevölkerung bei der jungen Generation in den staatlichen Bildungsanstalten. Mit überwiegend weiblichem Lehrpersonal erfolgt besonders die Feminisierung der Jungen (Slogan: “Doing Gender“). Jungen werden eingegrenzt in ihrer natürlichen Wildheit und kaum gefördert durch männliche Vorbilder. Im Gegenteil: das Wort “männlich” wird mit den Jungen (und Mädchen) im Unterricht in Frage gestellt und die freie  Geschlechtswahl propagiert,  Stichwort  “Gender Diversity”.  So werden die Jungen auf ihre neue Rolle in der Familie und  in den  Pflegeberufen vorbereitet. Diese Art von Umerziehung wird erleichtert durch fehlende  Vätervorbilder in Familie, Gesellschaft  und in den Medien…

-  Modell „Frauenquote“

Nach über 10 Jahren erfolgreicher Quotenpraxis im öffentlichen Dienst, nach Aufweichung klassischer Rollenbilder für Mann und Frau in Politik und Medien, nach einer Integration der Genderpädagogik in den Schulen, rüstet sich die Frauenlobby derzeit für die letzte Bastion bei ihrem Marsch durch die Institutionen. Es ist der Einstieg in die Privatwirtschaft über die Frauenquote,  dem Königsweg auf  dem Wege zur Macht. Das Hin und Her der Quote in der Politik ist mittlerweile nur noch eine idelogisch geprägte Polit-Show, kein ernstzunehmender, geschweige denn wissenschaftlicher  Diskurs. Im Personalmanagement hat die Quote auch ohne Gesetz schon längst Einzug gehalten. Man richtet sich ein. In einer Art vorauseilendem Gehorsam werden zunehmend in den   Personalentwicklungsplänen für  Führungskräfte bereits jetzt schon Stellen für die zu erwartenden Seiteneinsteigerinnen freigehalten. Völlig unverständlich ist in diesem Falle der Mangel an Protest der Unternehmens-”Führer” gegen die Einflussnahme des Staates auf die Unternehmenspolitik.

Das Feld ist bestellt….

Der Staatsfeminismus kann sich auf eine breite Hausmacht in der Politik , Bildung und in den Medien verlassen. Hohepriesterinnen sitzen auf den fast 200 Gender-Lehrstühlen, fast 2000 Gleichstellungsbeauftragte sichern die Frauenförderung bundesweit. Kurzum: es hat sich eine breit aufgestellte Genderindustie, kaum bemerkt von der Öffentlichkeit (!); entwickelt. Diese Industrie wird im dreistelligen Millionenbereich gefördert. Jährlich.  Eine solche  Fördermentalität sichert selbstverständlich auch Pfründe für das  Weitermachen der Beteiligten.  Jedes Jahr – und das fast unkontrolliert durch demokratische Gremien.
Das macht selbstsicher. Aber das Risiko, mit politischen Aktionen zu überziehen bzw. Widerstand zu erzeugen, nimmt zu.

Staatsideologien müssen häufig mit dem Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit kämpfen. Der Anspruch des Modells “Hauptverdienerin” besteht in allgemeiner Gültigkeit und bundesweiter Umsetzung. Dafür brachte zunächst die mediale Kampagne gegen das Betreuungsgeld im Bundestag nicht den gewünschten Erfolg. Und das Modell  “Krippe”,   die andere Voraussetzung für die Hauptverdienerin?  Die hohe Zahl von nicht realisierten Krippenplätzen und die nicht ausreichende Zahl von Erziehern ist ein Skandal und ein Beispiel dafür, wie Politik scheitert, wenn sie vor lauter Erfolgen blind für das Machbare wird. Es ist auch ein Skandal, wie wir mit der Zukunft unserer Kinder umgehen.
Immer mehr drängt sich die Frage auf:  Wo bleibt die parlamentarische Opposition, die beispielsweise die Durchführbarkeit des Krippenprogramms zur Debatte stellt? Die Situation wäre da:

Die “Vereinbarkeit” und die “Hauptverdienerin” als politisches Versprechen beginnen  zu wackeln…….

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.agensev.de.

Schlagworte:
Anzeige

3 Kommentare auf "Die Hauptverdienerin"

Anzeige