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Die Absurdität von Preisverleihungen

28. August 2012, 10:36 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: ,

Der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert gegen die Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler. Das hätte die interessierte Öffentlichkeit - aus anderen Gründen - schon längst tun müssen.

Am 7. Juni habe ich im Magazin CUNCTI die Verleihung des Frankfurter Adorno-Preises an die amerikanische Philosophin Judith Butler kritisiert. Es kam mir spanisch vor, mit welchen Tricks auf Teufel komm raus eine feministische Philosophin ausgezeichnet werden sollte. Butler soll den Preis am 11. September in der Frankfurter Paulskirche entgegennehmen.

Nun hat der Zentralrat der Juden in Deutschland gegen diese Entscheidung protestiert. „Nicht nur der Aufruf der amerikanischen Philosophin zum Boykott Israels empört den Zentralrat“, meldet hr-online. „Es gehe nicht an, dass Butler Organisationen wie Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen bezeichne, erklärte Generalsekretär Stephan J. Kramer am Montag in Berlin.“

Butler wiederum ruderte zurück und erklärte in einem Interview mit der Wochenzeitung „jungle world“, ihre angebliche Unterstützung für Hamas und Hisbollah sei „schrecklich“ missverstanden worden, so hr-online weiter. Sie habe damit auf eine Frage hin die beiden Organisationen lediglich im politischen Spektrum einordnen wollen. Sie lehne jede Form von Gewalt ab.

„Die jüdische Philosophin unterstützt die Boykottbewegung, die gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch Israel protestiert. ,Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als »Halbjude« in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten´, erklärte Kramer. Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen.“

Das Kuratorium ist allem Anschein nach personell so überwiegend aus ProfeministInnen zusammengesetzt worden, dass die offenbar anderswo vorher bereits anvisierte Verleihung des Preises an Butler als Formsache nur noch abzunicken war. Hinter solchen Preisen stecken mehr politische Spielchen als ein genuines Interesse an der Würdigung von Leistungen. Es wäre interessant zu erfahren, wer neben der Förderung einer abstrusen feministischen Philosophie auch noch die antidemokratischen und terroristischen palästinensischen und libanesischen Organisationen in ein besseres Licht rücken möchte.

Jedenfalls trifft der Vorwurf mangelnder moralischer Festigkeit – auch aus diesen Gründen – auf das Kuratorium und mehr noch auf diejenigen zu, die es zusammengestellt haben.

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