Vorlesen ist der erfolgreichste Bildungsfaktor

Mit Nachdruck untermauert eine umfängliche Vergleichsstudie eine in der pädagogischen Praxis wirksame Intelligenzförderung von Kindern. Diese Studie der Wochenzeitung DIE ZEIT, der Deutschen Bahn und der Stiftung lesen fand heraus:

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"Regelmäßiges, möglichst tägliches Vorlesen ist nachhaltig bedeutsam für:...Lesemotivation, Lesehäufigkeit und Leseintensität,...schulische Leistungen, und...eine gute ganzheitliche Entwicklung."

Kinder, denen vorgelesen wird, entwickeln sich in vielen Bereichen anders als Kinder, denen nicht vorgelesen wird. Die Studie belegt, dass sogar die soziale Kompetenz und die Fähigkeit zu aktiver Freizeitgestaltung positiv beeinflusst werden. 
Und nicht zuletzt wird als Fazit u. a. festgehalten: 

"Vorlesen stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kindern und zahlt auf die Qualität der Beziehung zwischen Eltern und Kind ein.

https://www.stiftunglesen.de/download.php?type=documentpdf&id=1357

Die hier in dieser Weise festgeschriebenen Fakten können gar nicht weit genug verbreitet werden, denn es bestätigt sich nun auf breiter Basis eine im Einzelnen längst gemachte Erfahrung: Je früher bereits mit einer Vorlesestunde begonnen wird, um so nachhaltiger stanzt sich die Liebe zum Buch bei den Kindern ins Gehirn ein. Sogar der intellektuelle Lebenserfolg wird dadurch später begünstigt. Und das noch nicht einmal allein: Der Bildungsgrad und damit die Kultiviertheit des Menschen pflegt auf diese Weise nachhaltig gefördert zu werden. Sogar gegen die Gefahr eines ADHS, besonders bei den motorisch lebhafteren Jungen lässt sich in den Vor- und Grundschuljahren tägliches Vorlesen als ein Gegenmittel anwenden und belohnt mit anhaltender Lernlust, die bei den Buben in der Grundschulzeit sonst keineswegs selbstverständlich ist.
So weit so erfreulich und beachtenswert sind diese Forschungsergebnisse! Aber es bedarf gewiss einer gekonnten altersentsprechenden Auswahl des Lese­materials. So gibt es hierzulande z. B. eine vorzügliche Auswahl altersgerechter Kinderbibeln.

Von großer Bedeutung erwies sich darüber hinaus in den Studien berechtigterweise die Konstellation: Am besten ist es, wenn der Vorleser die Kinder rechts und links in engem Verbund neben sich platziert, so dass das Kind die Bilder des Buches mit in Augenschein nehmen kann. Es zeichnet sich nämlich ab, dass ein Vorlesen mit dem persönlichen Einsatz des Vorlesers - und mit nur einem oder zwei Kindern in ähnlicher Altersstufe - besonders erfolgreich ist.

Es ist ein so einfaches Rezept und im Hinblick auf unsere vorzügliche Kinderbuchliteratur mithilfe der städtischen Büchereien so leicht erreichbar!
In wachen Familien ist dieses deshalb bereits aufgrund von Wissen über diesen Sachverhalt und gezielter durchhaltender Bemühungen zustande gebracht worden, indem ab dem 2. Lebensjahr einer der Familienangehörigen dem Kind regelmäßig immer einmal wieder vorgelesen hat. (Nicht etwas nur zur Nacht, wenn es bereits müde ist!) Dann lässt sich die Erfahrung machen, dass das Kind bald von sich aus mit einem Buch angelaufen kommt, wenn einer der vertrauten Personen den Raum betritt.

Großeltern sind für solche Aufgaben gut geeignet - spätestens vom Vor­schulalter ab dann auch besonders die Großväter, denen lärmende Motorik der Enkel meist lästig ist. Sie stellen sich oft interessanterweise geradezu mit Hingabe der Vorlese-Aufgabe; denn sie genießen meist die aufmerksamen Fragen, die die Kinder regelmäßig zu entwickeln pflegen und tragen so zur Ausgestaltung der Persönlichkeit, besonders der kleinen Enkelsöhne, bei.

Es sollte also neu gelernt werden: Hochform des Geistes im Erwachsenenalter braucht beständige Anregung in Liebe und Zuwendung von den vertrauten Angehörigen, besonders in den ersten sieben Lebensjahren. 

Das Vorlesen, das gleichzeitig anhaltende liebevolle Zuwendung zu dem Kind bedeutet, ist also - das ließ sich längst erfahren - ein beträchtlicher Bildungs­faktor. Es ist dem Dauerfernsehen mit seiner Reizüberflutung weit überlegen. Es entfaltet seine Wirksamkeit nicht beim Vorlesen einer größeren Menge von Kindern. Nicht einmal die Hörspielpraxis erzielt solch ein optimales Ergebnis. Die Anregung zum Buch ist deshalb auch das entscheidende Gegenmittel gegen jegliche digitale Faszinationen, vor der die Hirnforscher a´la Prof. Manfred Spitzer sogar als Verführung zur "digitalen Demenz" warnen. 

Was für eine Freude, dass selbst nüchterne, exakte Forschung bestätigt: Duale Anregung in liebevollem Miteinander von früher Kindheit an ist der erfolg­reichste Bildungsfaktor! 

Beitrag zuerst erschienen auf christa-meves.eu

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Freigeist

Richtig, Kindern atheistische Texte vorzulesen ist starke Intelligenzförderung.

Gravatar: H.Roth

Einem solchen Artikel kann ich nur zustimmen.
Noch ein Aspekt wäre die Qualität des Vorlesestoffes, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Wie gut, dass Sie da die Kinderbibeln erwähnen. Aber auch da sollte man vorsichtig bei der Auswahl sein. Die von Frau Margot Käßmann geschriebene Kinderbibel würde ich nicht anrühren. Mit den Kinderbibeln von Anne de Vries kann man dagegen nichts falsch machen.

Und auch bei säkularer Literatur macht es meiner Ansicht nach einen großen Unterschied, ob man ein inhaltlich und sprachlilch sehr armseliges Buch wie "Harry Potter", oder einen älteren Kinderbuchklassiker vorliest.
Uns gefällt die ältere Literatur weit besser, weil sie ein sprachlich noch hohes Niveau hat und zudem nicht so ideologisch verdorben ist. Auch die Werte darin, z..B. Respekt vor Erwachsenen und Bestrafung, weichen sehr positiv von der aktuellen Kinderbuchliteratur ("du bist toll, mach was dir gefällt") ab.

Gravatar: H.Roth

@ Freigeist

Das haben Ihre Erzieher wohl offensichtlich bei Ihnen versäumt. :-)

Gravatar: H.Roth

@ Freigeist

Nach längerem Überlegen, muss ich Ihnen bezüglich dieser Behauptung sogar recht geben. Die zahlreiche atheistische Literatur, die ich während meiner Kindheit zu hören bekam, hat mich so klug gemacht, dass ich sie meinen Kindern nicht vorlesen werde.

Gravatar: Klaus Kolbe

So ist es, verehrte Frau Meves – und so haben wir es mit unseren Kindern auch gehalten.
Bei vielen aus den jüngeren Elterngenerationen aber ist das Lesen (hier ist das Lesen für sich selbst, also nicht das Vorlesen für andere, gemeint) nicht gerade sehr beliebt – leider!
Gibt man ihnen eine oder zwei DIN-A4-Seiten (z. B. aktuelles politisches oder auch anderes Geschehen aus dem Internet ausgedruckt, quasi „mundgerecht“ serviert) zum Lesen, geht es gerade noch, sobald es aber mehr Seiten werden, merkt man schon den Unmut.

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