Unwort des Jahres 2017: „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“

„Der Begriff ‚Netzwerkdurchsetzungsgesetz‘ ist aus 1.530.297.684 Vorschlägen ausgewählt worden. ‚Geschlechterdiversität‘ und ‚Seenotrettung‘ fanden besondere Erwähnung bei der Jury“, berichtet die ZEIT. [1] Damit hat das Gremium erstmals seit seiner personellen Neubesetzung überraschend kein „Unwort“ gewählt, das bei notorischen Gutmenschen spontan Fußkrebs auslöst.

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Unsinn. Das sind natürlich „alternative Fakten“! Ein Begriff, der, wenn er nicht aus zwei Worten bestehen würde, eigentlich auch einen schönen Sieger abgegeben hätte. Warte mal, aber das hat er… „Der Begriff ‚Alternative Fakten‘ ist aus 684 Vorschlägen ausgewählt worden. ‚Genderwahn‘ und ‚Shuttle Service‘ fanden besondere Erwähnung bei der Jury.“

Na, da dürfte aber im Schloss Bellevue jemand eine Nachtschicht eingelegt haben bei dem Versuch, mindestens so viele Vorschläge einzureichen wie es Menschen gibt, die ihn gewählt haben. Hat nicht ganz gereicht. Macht aber nichts. Eine zum Äußersten entschlossene Clique rückgratloser Gehirnakrobaten hat das noch nie davon abgehalten, trotzdem einen würdigen Gewinner auszuwürfeln.

„Der Begriff ‚Alternative Fakten‘ ist zum Unwort des Jahres 2017 gekürt worden. Das entschied eine unabhängige und ehrenamtliche Jury um Linguistikprofessorin Nina Janich. Die Bezeichnung, die demnach 65 Mal vorgeschlagen worden war, sei ‚der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen‘.“

Verdammte Axt. Hätte ich mal 66 Vorschläge für „ARD-Faktenfinder“ eingereicht! Oder „Qualitätsjournalismus“. Oder „Neutrale Berichterstattung“. Oder „Flüchtende“. Egal, hinterher ist man immer schlauer… Wobei schon auffällig ist, dass offenbar kein einziger meiner Kandidaten in die engere Auswahl gekommen ist. Sonst wäre „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“ mit wehendem Bart nackig über die Ziellinie gerannt. Sind sogar drei Worte.

Der Ausdruck sei “ ‚in Deutschland zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden‘, sagte die Sprecherin der Jury, Janich. Er stehe ‚für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen‘.“

Und damit ist er kein „Einzelfall“. Darüber würden sogar „neue Bürger“ lachen, wenn sie unsere Sprache verstünden. Offenbar haben die „Fachkräfte“ dieser Jury das Potential an relevanten Begriffen deutlich unterschätzt, um nicht zu sagen: den „Schulzzug“ verpasst. Eigentlich neben „Köterrasse“ mein heimlicher Favorit für 2017. Generell fällt auf, dass die in die engere Auswahl gekommenen Worte auch mühelos bei der George-Orwell-Meisterschaft im Bodenlosturnen antreten könnten. Beispielsweise:

„In einem weiteren Fall rügten die Juroren zudem den Begriff ‚Shuttle Service‘ im Zusammenhang mit Seenotrettungseinsätzen von Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer.“ Ein Begriff, der nach Auffassung der „Sprachkritiker“ stellvertretend für „Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch steht, die Grenzen des Sagbaren in eine menschenverachtende, polemisch-zynische Richtung zu verschieben“. Bei dieser Begründung hätte fairerweise eigentlich die als „Seenotrettungseinsätze“ verniedlichte Schlepperei im Mittelmeer gerügt werden müssen.

Oder, kennste den schon: „Außerdem prangerten die Sprachwissenschaftler die Formulierung ‚Genderwahn‘ an. Mit diesem Ausdruck würden in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit in undifferenzierter Weise diffamiert.“ Warum hier nicht die diffamierenden bzw. irreführenden Begriffe „rechtspopulistisch“ oder gar „Geschlechtergerechtigkeit“ (für alle 63!) gerügt wurden, bleibt mir eine absolute Rätsel_in.

„Zum Unwort des Jahres wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das Prinzip der Menschenwürde oder gegen Prinzipien der Demokratie verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder ‚euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend‘ sei“, berichtet die ZEIT weiter begeistert und hat dabei die Liste des aktuellen und der Vohrjahressieger offenbar überhaupt nicht mit etwas in Verbindung bringen können, das ich gerade sehr anschaulich vor mir sehe:

„Alternative Fakten“, „Volksverräter“, „Gutmensch“, „Lügenpresse“…

[1] www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-01/alternative-fakten-unwort-des-jahres-2017-sprache

Zuerst hier erschienen: https://dunkeldeutschland.blog-net.ch/2018/01/16/unwort-des-jahres-2017-netzwerkdurchsetzungsgesetz/#more-688

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gerd Müller

Eigentlich bin ich gegen diesen ganzen Unwortkäse, so wie auch gegen sonstige "Regelwerke" dieser Art.

Hier aber muß selbst ich zustimmen und würde sogar noch den Vorsatz "unwürdig" davorsetzen !!

Gravatar: Lutz Schnelle

Mit die schlimmsten - und verbreitetsten - Unworte sind "Betreuer", "Betreute", Betreuung". Ihre Wurzel ist die "Treue". Die Treue ist mit der Betreuung ins gerade Gegenteil verdreht, denn die Betreuung spricht dem Menschen einen eigenen Willen ab und degradiert ihn zum bloßen Objekt. Erfunden haben das Wort die Nazis, welche von der Betreuung der Juden gesprochen haben, um zu verschleiern, was mit ihnen geschieht.
Unter dieser Ägide läßt sich auch der Leitsatz der Europa-Politik verstehen: Wir müssen den Bürger mitnehmen. Ob wir wollen oder nicht, denn das ist eine klare Ansage, wie wir gesehen werden.

Die Unwort-Jury jedoch legt sich halsstarrig auf Wörter fest, nicht, weil die Wörter ins Wörterbuch des Unmenschen gehören, sondern um den Sinn von Aussagen zu zerstören. Damit will sie in unser Denken eingreifen.
"Alternative Fakten" ist natürlich kein Unwort. man kann sich damit abgrenzen von der Propaganda oder es auf die Propaganda münzen. Näheres ergibt der Textzusammenhang. Klar, daß die Propaganda widerborstig wird und nun als Jury nach dem Hilfsmittel des politischen Brunnenvergifters greift: wenn die Argumente des Gegners gut sind und du sie nicht widerlegen kannst, gehe unter die Gürtellinie, werde persönlich. So zerstört man am besten den Sinnzusammenhang von Aussagen.

Gravatar: Andreas Berlin

Die Wertlosigkeit der Jury-Arbeit wird allein schon durch die Nutzung des Wortes "rechtspopulistisch" im Zusammenhang mit dem Wort Genderwahn deutlich. Aktuell ist jeder, der sich den politischen Vorgaben aus Brüssel und Berlin nicht widerspruchslos beugen will, also jeder, der eine eigene Meinung vertritt, ein Rechtspopulist. So einfach ist das, wenn man keine sachlichen Argumente hat. Ich kenne das noch aus meinen alten DDR-Zeiten: wenn Du da etwas angesprochen hast, was nicht unbedingt im Parteiprogramm stand, dann schaute man Dich an und fragte: Du bist wohl gegen den Frieden? Heute sagt man: Du bist wohl Nazi?

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