"SOLL" und "HABEN" beim "Kampf gegen rechts" der Süddeutschen Zeitung (SZ)

»AfD SOLL mit Rechtsextremen paktieren«, raunt eine Nachwuchsjournalisten der Süddeutschen Zeitung. »Prantls Alpenprawda« macht ihrem Namen wieder alle Ehre.

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Es klingt in den Ohren altgedienter SZ-Leser nach böser Verleumdung, wenn ihre Zeitung heute oft als "Prantls Alpenprawda" bezeichnet wird. Aber inzwischen scheint sich dort der Grundsatz aller Propagandaorgane durchzusetzten: Wenn es keine Fakten gibt, genügt der Vorsatz, zu berichten. Das macht für die beteiligten "Journalisten" die Sache leichter. Wenn dann jemand in der Chefredaktion mal wieder eine Idee hat, also etwa sagt, wie haben lange nichts mehr über den Rechtspopulismus der AfD gebracht, dürfen fehlende Fakten kein Hindernis sein. Ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie einfach das geht, liefert die SZ-Autorin Katrin Haimerl in ihrem jüngsten Artikel. Er könnte in jedem Journalismusseminar von Heinrich Böll Stiftung oder FRIEDRICH EBERT STIFTUNG als beispielgebendes Lehrmaterial Karriere machen. Es geht um die Verwendung der Allzweckwaffe "SOLL" ohne eigene Rechercheergenisse zu "HABEN".

Die "studierte" Kulturwissenschaftlerin Katrin Haimerl hatte also den Auftrag, mal wieder über die AfD her zu ziehen. Schon in ihrer Überschrift erweist sich das S-Wort als unentbehrlich: "AfD SOLL mit Rechtsextremen paktieren"

ber Katrin Haimerl kennt noch ein paar andere "Hilfsworte", die wunderbar von den mangelnden Fakten ablenken. Offenbar, scheinen und heißt es zum Beispiel. Hier nun also das Lehrstück für Kampfjournalisten gegen rechts. Leicht gekürzt:

SZ: "Bernd Lucke distanziert sich immer wieder von rechts. Doch in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen setzt seine Alternative für Deutschland offenbar auf extrem rechte Unterstützer - und soll umgekehrt Pro NRW in Aufsichtsräte gewählt haben..."

Merke: "Offenbar" ist was man nicht weiß...

SZ: "Immer wieder erklärt Bernd Lucke, die AfD sei keine rechte Partei...Doch die Basis in Nordrhein-Westfalen hat da offenbar weniger Berührungsängste: In manchen Städten sollen sich AfD-Mitglieder und Rechtsextremisten gegenseitig Posten zuschieben..."

Merke: In der Kombi "offenbar-manchen-sollen" lässt sich alles behaupten.

SZ: "In Duisburg sollen die AfD und die Rechtsextremisten von Pro NRW und NPD in einer geheimen Abstimmung...Eine Sprecherin der Stadt Duisburg sagt: 'Sie scheinen auf einer Wellenlänge zu sein...'

In Gelsenkirchen soll die AfD in einer geheimen Abstimmung Pro NRW in den Aufsichtsrat der Sparkasse verholfen haben, heißt es...Umgekehrt soll Pro NRW der AfD Sitz und Stimme jeweils im Polizeibeirat und im Integrationsbeirat verschafft haben.

Merke: Selbst die zitierten Interviewparter sprechen nur von Menschen, die "scheinen" auf einer Wellenlänge zu sein. Und wenn man gar keine Quelle hat, kann mann immer noch "heißt es" schreiben.SZ: "Sven Tritschler...im Landesvorstand von Nordrhein-Westfalen...Dort soll er nicht der Einzige mit Hang zum Rechtspopulismus sein."

Merke: Wenn dem Autor keine weiteren Namen einfallen, keine weiteren "Verdächtigen" bekannt sind, wird daraus ein "soll nicht der Einzige sein".

Also, liebe SZ, Ihre Leser werden es Ihnen danken. Ihr Kampf gegen jeder alternative Sicht auf die bestehenden politischen Frontlinien, vor allem natürlich Ihr "Kampf gegen Rechts" ist unschlagbar und rechtfertigt somit Ihren Verrat an journalistischen Grundsätzen. Und ihre ehemaligen Leser können sich bestätigt fühlen. Sie haben ihnen wieder einmal ein schönes Beispiel geliefert. Für Ihren Erst-kommt-unser-politischer-Kurs-egal-ob-die-Fakten-stimmen-Journalismus.

Naja, MfG.

Zuerst erschienen auf lyrikheute.com

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Ich glaube nur das, was tatsächlich ist. Die Müllstream-Medien schreiben viel und fast 90% ohne jeglichen substantiierten Beleg. Die Bürger sollten sich aber an der Tatsächlichkeit eines Vorganges orientieren. Danach kann man das bewerten.

Aus deutschen Müllstream-Medien erfährt man keinerlei Informationen mehr, nur Propaganda. Eines Tages sind diese ganzen Wurstblätter auf dem Niveau des "Neuen Deutschland" der Ex-SED. Noch sind solche Lügenmedien nicht per GEZ zwangsabgabenfinanziert, also müssen die Schwindel-Journalisten wahrhaftig um ihren Arbeitsplatz bangen. Man bedenke dabei auch, dass das in die Medien verloren gegangene Vertrauen der Bürger noch Jahre nachwirken wird.

Gravatar: Patriot

Frage: Was ist eigentlich eine "Kulturwissenschaftlerin"? Hört sich irgendwie frustriert, orientierungslos und IQ-abstinent an. Frau Haimerl, "außenblond"? Wenn es so sein sollte..- dafür können Sie nichts.. Oder doch "innenblond"? Das allerdings ist nicht heilbar und daher ein guter Grund für Suizid.

Gravatar: Andreas Schneider

Richtig festgestellt, Herr Suhr!

Aber ist es nicht auch gerade diese Klientel, die bei Kritik an selbst erzeugten Missständen prompt auf "Konkretisierung" und klaren Beweisen besteht (nicht, ohne zugleich dem Kritiker gängige Pauschalvorwürfe wie von Ihnen konstatiert vom Stapel zukommen zu lassen)?

Gravatar: Thomas Rießler

Herr Suhr, ich habe mir den Artikel von Frau Haimerl in der SZ durchgelesen und kann Ihre Kritik daran nicht nachvollziehen. Aus meiner Sicht ist es journalistisch vollkommen korrekt, wenn über umstrittene Sachverhalte in dieser Form berichtet wird. Es ist ja nicht so, dass Frau Haimerl überhaupt keine Fakten zur Stützung ihrer Aussagen vorlegen könnte. Sie tut dies in ihrem Artikel durchaus, lediglich in Ihrem Blog, Herr Suhr, ist davon nichts zu lesen. So ist das.
So berichtet Frau Haimerl beispielsweise über die Aussagen einer Sprecherin der Stadt Duisburg, die Anzeichen für sieht, dass die AfD bei einer Stadtratssitzung gemeinsame Sache mit Pro NRW und der NPD gemacht hat und von einer „gelebten Zusammenarbeit“ dieser Parteien spricht: „In Duisburg sollen die AfD und die Rechtsextremisten von Pro NRW und NPD in einer geheimen Abstimmung in der konstituierenden Stadtratssitzung füreinander gestimmt haben. Pro NRW hatte nach Angaben der Stadt Duisburg die geheime Wahl beantragt. Die Folge: Die Parteien sind in fast allen Aufsichtsräten städtischer Gesellschaften und weiteren Sondergremien vertreten. Eine Sprecherin der Stadt Duisburg sagt: "Sie scheinen auf einer Wellenlänge zu sein. Die gelebte Zusammenarbeit zeigt das." Die Linke schreibt in einer Mitteilung: "Die Absprache verlief reibungslos, konkurrierend traten sie nicht auf."“

Gravatar: Giselher Suhr

Lieber Herr Rießler,

es ist sicher ehrenvoll, für eine junge Dame einzutreten. Aber allein in dem von Ihnen zitierten Absatz finde ich folgende Worte, die an Stelle von belegbaren Tatsachen stehen:
-" ...ANZEICHEN dafür sieht..." (die Römer sahen Anzeichen für Sieg/Niederlage im Vogelflug)
-"...in Duisburg SOLLEN..."
-"...SCHEINEN auf einer Wellenlänge zu sein..."
Einzig die Linke stellt "in einer Mitteilung" unbelegt eine Tatsachenbehauptung auf: "Die Absprache verlief reibungslos". Die Linken müssen es ja wohl wissen. Meinen Sie DAS sei ein "Beweis" ?

G.S.

Gravatar: Thomas Rießler

Mir persönlich reicht es schon vollkommen aus, wenn eine Sprecherin der Stadt Duisburg von einer gelebten Zusammenarbeit zwischen AfD und NPD spricht, um diese Vorgänge bedeutsam zu finden. Frau Haimerl beachtet lediglich die Grundregeln des journalistischen Anstands, wenn sie diese Dinge in der Möglichkeitsform und nicht als unzweifelhafte Tatsachen darstellt. Wenn die SZ tatsächlich die „Alpenprawda“ wäre, dann würde hier eben gerade nicht in der Möglichkeitsform berichtet, sondern alles im Brustton der Überzeugung vorgetragen. Insofern ist Ihre Kritik in sich widersprüchlich, Herr Suhr.
Ich würde gerne noch mehr solcher investigativen Recherche sehen. Ein weiterer Ansatzpunkt bestünde aus meiner Sicht darin, eine mögliche Moskauhörigkeit führender AfD-Politiker zu beleuchten. Hierbei denke ich insbesondere an das Gauland-Interview in der „Stimme Russlands“. Putin gibt sich ja derzeit besonders nationalistisch und christlich-konservativ. Wie passt dies mit seinem Hintergrund als KGB-Spitzel zusammen? Möglicherweise verfolgt er wie anno dazumal Lenin und Stalin die Strategie, den Nationalismus für die eigenen Zwecke einzusetzen: „Auch Stalin sah im Nationalismus lediglich eine Ideologie, mit deren Hilfe der Klassenkampf überdeckt und die Herrschaft der Bourgeoisie gesichert werden sollte. Doch Lenin folgend, hielt er es für möglich und nützlich, der Bourgeoisie dieses Instrument aus der Hand zu nehmen und für die eigenen Zwecke einzusetzen, in dem die Bolschewiki selbst als Fürsprecher des Nationalismus aufträten. Für Stalin war hierbei die Tatsache entscheidend, dass sich viele Deutsche aufgrund des Versailler Vertrages als „geknechtete Nation“ empfanden. Wie die Bolschewiki an der Peripherie des russischen Imperiums sollten sich die deutschen Kommunisten daher zum Fürsprecher der nationalen Sache machen, um auf diese Weise „Bündnisgenossen“ in anderen Klassen zu finden.“ (Jürgen Zarusky: Stalin und die Deutschen: neue Beiträge der Forschung).

Gravatar: P.Feldmann

Offenbar scheint der Süden Deutschlands nicht zu Unrecht in gewisser Weise rückständig. In BadenWürtemberg wählen präsenile Veganer Leute, die einen Umerziehungsplan 2015 durchtüffteln und in Bayern dröhnt man sich das Hirn mit romantischem links(unten)kleinintellektuell Müll zu (ich meine die Sofavariante: SZ).
Irgendwas scheint dem kritischen Denken dort nicht zuträglich zu sein: Jodmangel?

Gravatar: P.Feldmann

Ich kann Herrn Suhr nur stützen bei der Sprachanalyse der von Ihnen angeführten Zitate, Herr Rießler.
Das ist doch genau das, was er im Artikel kritisiert: die Jungjournalistin spricht von Vermutungen, vom Hörensagen und verwertet alles, was ihr zu pass kommt, tendenziös.
Journalismus( wie von unserem GG speziell geschützt) muss die eigenen Vermutungen durch qualifizierte Recherche mit Gewichtung der Quellen auf Verlässlichkeit und mit kritischer Distanzierung zu den einzelnen Positionen (was nicht heißt, dass man in einer conclusio nicht zu einer eigenen Meinung finden dürfe) durchbuchstabieren. Wer das nicht macht, der schreibt Auftragspropaganda wie wir sie von der SZ gewohnt sind. DIESE Form von Journalismus missbraucht die grundgesetzl.garantierte Sonderschutzzone zur Einwerbung persönlicher Vorteile/ Geld/ Ansehen/ Partizipation an den Fleischtöpfen: schlicht - es ist eine Prostituierung von scheinWahrheit unter dem Mantel eines alsob...

Gravatar: Klaus Wohlfahrt

Sehr geehrter Herr Rießler,
vielen Dank für Ihren Hinweis! Die von Herrn Suhr inkriminierte "Soll"-Berichterstattung der Presse ist so alt wie die Presse selbst. Als alter Presse-Hase sollte Herr Suhr das auch wissen. Wenn er selbst nie im "Soll" berichtet haben will, dann sagt er sicherlich nicht die Wahrheit. Es ist auch daran nichts auszusetzen, solange es Tatsachen gibt, auf die sich "offenbar" zu schlussfolgernde Konsequenzen gründen. Wenn in einer geheimen Abstimmung eine rechtspopulistische Partei ausreichend Stimmen erhält, dann ist es "offenbar nicht" eine Folge des geheimen Stimmverhaltens von den eher links stehenden Parteien.
Im Übrigen gibt es die "Soll"-Berichterstattung auch über Linke, Grüne, FDP, SPD, CDU und CSU. Herr Suhr geht damit fehl, hierin eine einseitige Herabsetzung der AfD zu sehen. Die Süddeutsche hat im Vorfeld des Europa-Wahlkampfes sehr ausgewogen über Parteiveranstaltungen der AfD berichtet. Das blendet Herr Suhr bei seinem Lamento gegen die "Alpen-Prawda" aus. Feindbilder hat nicht die SZ, Feindbilder hat der liebe Herr Suhr.
Beste Grüße
Klaus Wohlfahrt

Gravatar: Giselher Suhr

Ach, lieber Herr Wohlfahrt,
es ging und geht in meinem beruflichen Leben auch ohne "soll" etc. Zum Beispiel indem man mindestens die QUELLE für jedes "soll" zitiert. Es wird Ihnen schwer fallen, mir irgendeinen Artikel oder TV-Beitrag (nicht nur von mir) zu nennen, der so unbestimmt insinuiert, wie der besprochene in der SZ. So etwas kann man schreiben, wenn man EINEN EINZIGEN Informanten hat, der sich andient und schön unverbindlich erzählt, was der Schreiber - hier die Schreiberin - hören will. Das tut nur keiner/keine außer bei der SZ.

Stichwort: Verdachtsberichterstattung: Die ist natürlich üblich und sinnvoll. Allerdings wird dabei immer ZITIERT. Z.B. die Staatsanwaltschaft.

Tja. G.S.

Gravatar: Werner N.

Natürlich haben Sie Recht, Herr Suhr. Unter dem Dreiviertelssozialisten Dr. Heribert Prantl verlor die „SZ“ ihre frühere, durchaus auch linke journalistische Qualität. „SZ"–Journalisten sind auf die alte Masche getrimmt , alles Rechte und alle Rechten mehr oder weniger in Nazi–Nähe zu rücken. Wer obendrein den Begriff „Linkspopulismus“ ignoriert, „Links“, „Links-außen" und „Linksextrem“ nicht differenziert oder diese verwischt , betreibt einfach schwa-chen, einseitigen Journalismus, der zudem ausgesprochen langatmig daherkommt. Dass ausgerechnet eine solch durchschnittliche Linke „die Rechte“ ständig als dumm hinstellt, ist vorgestriger Klassenkampf.
Ein „SZ“–Zeitungsverkäufer sagte mir auf diesbezügliche Vorbehalte, wenn die „SZ“ einen kritischen Artikel über die SPD bringe, habe sie sofort ein paar Dutzend Abo–Kündigungen.
Da viele Presseorgane nur noch als „Klientelmedium" überleben können, hat der Journalis-mus hierzulande ebenso gelitten wie die Demokratie.

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