Religion und Moral, Tiere und ein Krakenversteher namens Precht

Anlässlich der Lektüre von "Tiere denken" mag manchem bewusst werden, wie notwendig die Urkunden der Menschheit sind, seien es die Ägyptischen Totenbücher, der Hymnus Echnatons oder die Zehn Gebote, und wie sehr die Degeneration der Werte in unserem Alltag mit einem Niedergang der Kultur des Religiösen zusammenhängt, einer Ebene, zu der Richard David Precht keinen Zugang hat. Für seine Haltung macht er sich und die Menschheit lieber zum Affen.

Veröffentlicht: | Kategorien: Blogs, Blogs - Empfohlen, Blogs - Lebenswelt, Blogs - Lebenswelt - Empfohlen | Schlagworte: Richard David Precht, Tiere, Moral, Religion, Christentum
von
Dieser Post setzt die Beitrage zum Thema des Verhältnisses von Tier und Mensch fort, wie sie hier begannen

Natürlich stellt sich die Frage, warum es Precht solch ein Herzensanliegen ist, dass, wie er schreibt, der Mensch, „ein besonderes Tier unter vielen auf andere Weise besonderen Tieren“ ist. Immerhin lässt er den Menschen sogar das „optimalste aller Tiere“ sein, ein „Allesfresser mit einer großen Nahrungsbandbreite“, wobei „Nüchtern betrachtet (..) sich aber sowohl ´Tier´ als auch ´Mensch´ nicht eindeutig definieren“ lassen und zudem die Molekulargenetik zeige, dass Menschen biologisch Schimpansen seien.

Es fällt in diesem Zusammenhang - übrigens nicht nur bei Precht, sondern auch bei Bräuer, Wohlleben (siehe vorausgegangene Beiträge) und anderen - auf, wie sehr immer wieder betont wird, dass etwas biologisch so sei, z.B. eben der Mensch ein Affe.

Biologie ist in ihrem Ursprung die Lehre vom Leben (griechisch bíos = Leben) und man kommt nicht umhin wahrzunehmen, wie sehr ein ganz und gar reduzierter Begriff von Leben erwünscht ist.

Wenn man Leben, biologisch gesehen, von Leben, wie auch immer gesehen, trennt, lässt sich beides bestens entzaubern. Das ist die Strategie derer, die den Menschen - ob bewusst oder unbewusst - seines wahren Wesens berauben wollen, was leider zunehmend zu gelingen scheint.

Solche Reduktionen sollen den Menschen von religiösen Wahnvorstellungen trennen, wie der, er sei die Krone der Schöpfung. Zwar gesteht Precht zu, dass der Prozess, die Natur unserer Natur zu erkennen, noch lange nicht abgeschlossen sei, zugleich aber weiß er trotz aller selbst eingestandener Unklarheiten im Hinblick auf die Ergebnisse der Evolutionsforschung mit größter Selbstverständlichkeit, dass man den aufrechten Gang und damit auch den Menschen im Grunde nur als Zufallsprodukt der Evolution sehen kann.

Keine Grenze sei zu erkennen zwischen Mensch und Tier, Evolution sei Zweckmäßigkeit ohne Zweck und es würde auch ausreichen zu sagen, „dass alles in der Natur überleben kann, das für eine Art keinen tödlichen Nachteil hatte. Vermutlich überlebt in der Evolution nicht nur Zweckmäßiges, sondern jede Veränderung, die zumindest nicht zum Aussterben führt, und möglicherweise liegt gerade hierin der Grund für eine große Artenvielfalt.“

Trivialer und reduzierter kann man den kleinsten gemeinsamen Teiler alles Lebens auch des menschlichen, kaum formulieren und den Menschen zum Affen des Zufalls machen.
Keine Rede also von einer Weltenvernunft oder einem Geist, der allem zugrunde liegt. Stattdessen gibt Precht lieber die, welche einen Sinn sehen in all dem heterogenen Geschehen des Schöpfungsprozesses in einer für ihn typischen Formulierung der Lächerlichkeit preis: „Am Anfang steht ein Plattenbau, eilig hochgezogen in sechs Tagen für einen einzigen Bewohner - den Menschen.“

Precht setzt dem Menschen sein „vollendetste(s) Lebewesen der Natur“, wie er formuliert, entgegen und das ist die Krake, die neben vielen anderen von ihm aufgezählten herausragenden Fähigkeiten vor allem dadurch beeindruckt, dass ihr „Liebesspiel (..) alles in den Schatten (stellt), was die Evolution ansonsten hervorgebracht hat. Mit drei Penissen stimuliert und massiert das Männchen die drei Klitoris des Weibchens und begattet es in kunstvollster Weise. Die Paarung ist ein nicht endendes Spiel aus Taumeln und Tanzen, schillerndsten Verfärbungen und zärtlichsten Ritualen. Und sie erstreckt sich uferlos in die Zeit, so lange, bis die Jungen geboren und vom Vater liebevoll betreut werden. Ein halbes Leben verbringt dieses bezaubernde Wesen ausschließlich mit Sex.“

Nirgendwo im Rahmen der 500 Buchseiten wird der Mensch auch nur annähernd so euphorisch dargestellt. Dafür krakeelt Precht mit bemüht aufsehenerregenden Formulierungen:

Wer hat uns auf die Hinterläufe gestellt?

Der Leser versteht, warum Precht so gern Tiere, bevorzugt Kraken denkt, eine Herangehensweise, die im Buchtitel - Tiere denken - angesprochen ist und man mag durchaus ahnen, welches Opfer es für den Autor bedeutet, statt Krakensex zu betreiben oder zumindest diesen zu denken, Bücher über Tiere zu schreiben und das, obwohl er als Mensch, verglichen mit der „größtmögliche(n) Komplexität“ einer Krake, evolutionär einen vergleichsweise „einfachen und simplen Weg“ ging. „Im Wesentlichen unverändert, ist er gefangen in dem Bauplan jener spitzmausähnlichen Wesen aus der Zeit der Dinosaurier, die zweiäugig, zweiohrig und vierbeinig durchs Dickicht huschten (…) In ihren kleinen, schwachen Körpern schlummerten ungenutzt die potenziellen genetischen Voraussetzungen zur Weltherrschaft.“

Wie hart muss das für einen ausgewiesener Philosophen sein, der Spitzmaus viel näher zu sein als einer Krake.

Mit dem aufrechten Gang ist es auch so eine Sache, denn ganz und gar unklar ist, ob „eine weise Voraussicht der Natur - oder etwas anderes - den Menschen auf die Hinterläufe gestellt“ hat.

„Aus Sicht der Wissenschaft“, so lässt uns Precht wissen, „war es weniger eine Sache der Seele als eine der Anpassung an die veränderte Umwelt“, zumal es sein könne, „dass die anatomische Fähigkeit zum aufrechten Gang nicht zweckhaft durch einen evolutionären Druck entstand. Vielleicht war sie nur eine Möglichkeit, von der sich allenfalls sagen lässt, dass sie nicht tödlich war und zum Aussterben führte. Gut denkbar, dass das Aufrechtgehen gar nicht dem Überleben diente“, zumal, so lesen wir, der aufrechte Gang den Menschen deutlich langsamer und nicht schneller machte und man nun auch noch die Ansicht mancher Paläoanthropologen, dass der aufrechte Gang wenigstens das Gehirn vor Überhitzung geschützt habe, nach neueren Erkenntnissen zu den Akten legen muss.

Letztendlich wissen wir bis heute nicht, „aus welchen Wurzeln und über welchen Weg der heutige Mensch entstand. Der entscheidende Zeitraum der Trennung von Menschenaffen und Urmenschen soll vor etwa sechs bis sieben Millionen Jahren gewesen sein.“

Danke jedenfalls, Richard David Precht, für die hundert Seiten umfassenden Ausführungen zum aufrechten Affen, die in der Erkenntnis gipfeln, dass unser Gang womöglich nicht einmal dem Überleben diente (geschweige denn dem Leben), danke für Krake, Spitzmaus, Gregoryspalten-Vulva, Homo rudolfensis, Homo ergaster oder auch Homo naledi, dessen Gehirn leider nur unwesentlich größer war als das der Australopithecinen - oder über was auch immer Sie geschrieben haben.

Kultur des Religiösen: endlich ist das Bashing erfolgreich

So wird auch dem letzten Leser klar: Wir wissen eigentlich nicht, warum wir so existieren, wie wir existieren. Es hätte im Grunde auch sein können, dass wir 2017 noch auf vier Extremitäten laufen. Und dass sogenannte Menschen sich heute per Handschlag zu begrüßen vermögen, ist eher Zufall und Laune der Evolution.

Wer Prechts Ausführungen zu dem Tier bei den Ägyptern, im Judentum, im Islam und im Christentum liest, dem wird schnell klar, dass diese Sicht Mittel zum Zweck ist, denn ich habe kaum ein Buch gelesen, dass so spitzzüngig, ohne wirklich die eigene Postion offen und ehrlich freizulegen, alles Religiöse lächerlich zu machen versucht, und zwar auf eine meist versteckt diskriminierende Weise; immer wieder finden sich mal offen, mal sublim diffamierende Formulierungen.

Precht fehlt die menschliche Größe, eine andere Position als vollwertig anzuerkennen.

Damit liegt er im Trend, denn das Religions-Bashing ist in.

Und das, obwohl auch dem Letzten heute langsam klar werden könnte, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Niedergang der Moral, dem Niedergang der Werte und dem Untergang der Kultur des Religiösen, wobei man sich im einstmals Christlichen Abendland dem Islam das noch nicht so recht traut, ins Gesicht zu sagen - zu vielen Islamisten sitzen die Bomben noch zu locker. Dafür kriegt das Christentum zusätzlich sein Fett ab. – So wird man Unbehagen los.

Für unseren Kulturbereich wird der angesprochene Niedergang an solch scheinbaren Nebensächlichkeiten deutlich, wie, dass eine zunehmend früher selbstverständliche Hilfsbereitschaft abnimmt und beispielsweise auf unseren Autobahnen keine Rettungsgassen mehr freigelassen werden, Jugendliche, aber auch Erwachsene sich zunehmend zu pöbelnden Scharen zusammenrotten, dreiste Verlogenheit binnen kürzester Zeit eine akzeptierte Kulturerrungenschaft geworden ist und wer einen Ladendiebstahl begeht, wie ein Krimineller behandelt wird, aber Hass-Postings kaum geahndet werden (wie lange hat es gedauert, wieviele Menschen sind geschmäht worden, bis nun endlich ein Gesetzgebungsverfahren anläuft) oder auch, dass den Fußball-Landesverbänden die Schiedsrichter ausgehen, weil zunehmend weniger eigentlich Sportengagierte sich den Aggressionen der Zuschauer auszusetzen bereit sind. Viele angehende Schiedsrichter kapitulieren bereits nach einem Jahr und berichtet wurde von einer 15-Jährigen Schiedsrichterin, die ein Spiel zweier Mädchenmannschaften pfiff und sich nach Spielschluss heftigsten Attacken von Eltern der Spielerinnen ausgesetzt sah, u.a. zwei Vätern, die sich vor ihr aufbauten und sie beschimpften - kein Einzelfall mehr, wie ich im Rahmen einer Reportage des Hessischen Rundfunks unlängst hörte.

Das gehört sich nicht!

Viele Kinder haben schon lange kein Verhältnis mehr zu fremdem Eigentum, und es sind deren Eltern, die die richtige Einstellung nicht vermitteln. Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir nach zwei Stunden das Kicken auf der Straße untersagte mit dem Hinweis: Jetzt ist Schluss, ihr habt genug gelärmt!

Welche Eltern unterbinden heute nach vier oder fünf Stunden Kindergeschrei im Garten, das in vielen Dutzend Wohnungen zu hören ist, selbiges mit diesem schrecklich kinderunfreundlichen Hinweis, dass Anwohner auch mal Ruhe wollen? Heute treffen viele Lehrer, die sich noch der Aufgabe unterziehen, Kinder zu erziehen, auf das Phänomen, dass Letztere sie gar nicht verstehen, wenn sie Selbstverständliches anmahnen.

Das muss man sich einfach klarmachen: zu viele Kinder verstehen die Anforderungen von Lehrern nicht mehr, weil ihnen zu Hause der Unterschied zwischen Erwachsenen und ihnen selbst nicht mehr klargemacht wird - kein Wunder haben Lehrerinnen und Lehrer schlechte Karten -, wobei Letztere sich dennoch weiter bemühen und das tun, obwohl Precht via Fernsehen die Bürger dieses Land wissen ließ, dass an unseren Schulen die Kinder von den falschen Leuten nach den falschen Methoden in den falschen Dingen unterrichtet werden. - Gut, möchte ich sagen, dass es noch einige falsche Leute gibt, die mit falschen Methoden ihren Beruf betreiben. Ich finde im Übrigen - gerade auch in dieser pauschalen Verunglimpfung - Prechts Aussage eine der dümmsten und arrogantesten, die je im Deutschen Fernsehen gesprochen worden sind. Einmal ganz abgesehen davon, wie verantwortungslos es ist, wenn der Vater eines schulpflichtigen Sohnes dessen Verhältnis zu seinen Lehrern mit solch einer Hypothek belastet.

Klar dienten - und das wahrlich nicht zu knapp - moralische Forderungen auch der Gängelung und es wurden mit ihrer Hilfe Normen durchgesetzt, die heute ernsthaft niemand mehr möchte. Wer meiner Generation hat nicht mit dem Zeigefinger Lehrer Lämpels unliebsame Erfahrungen gemacht?

Aber eben nicht nur: Moral und moralische Forderungen standen auch für die Forderung nach Ehrlichkeit, nach Respekt vor dem Eigentum der Anderen, der Fähigkeit, Vater und Mutter zu ehren und für ältere Menschen in der Straßenbahn aufzustehen.

Es ist nicht nur die Zunahme der großen Konflikte auf der Erde, sondern betrifft auch die Tatsache, dass sich die Werte, die das Zusammenleben in einer Gesellschaft garantieren, zersetzen, und zwar so offensichtlich und unaufhaltsam, dass zunehmend mehr Menschen beunruhigt sind.

Was, wenn sich elementare Tugenden weiter so rasant abbauen?

Wie sehr haben wir alle unter dem Missbrauch eines Satzes gelitten, der da lautete: Das gehört sich nicht!
Und dennoch sehnen sich zunehmend Menschen wieder nach der Selbstverständlichkeit moralischer Anforderungen.

Es wird allerhöchste Zeit, dass sich diese Kultur wieder auf einen Moralbegriff besinnt, der - bei aller berechtigten Kritik und unheilvollen Entwicklungen - insgesamt von seinen Ursprüngen her ein Segen für die Menschheit war, den Bestand der menschlichen Kultur ermöglichte und in engster Verbindung mit dem Religiösen stand und steht. Dieses Religiöse verlieh der Moral ihr Herz. Mittlerweile ist sie nur noch ein vertrockneter Strohsack.

Ich halte es für eine ganz faule Ausrede, Moral und Religiöses mit dem Verweis auf Exzesse oder dem Hinweis auf Inquisition und Co. beiseitezuschieben, weil jeder einigermaßen denkfähige Mensch im Grunde genau weiß, dass Religion und Moral Entwicklungsprozessen der menschlichen Seele unterworfen sind und immer nur die inneren Fähigkeiten der Menschen spiegeln können - bestes Beispiel ist nun einmal die katholische Kirche, die schon wenige Jahrhunderte nach Christi Geburt zu einem Machtinstrument degenerierte (das ist allerdings nur eine Seite ihrer Existenz!).

Doch der natürlichen Religiosität der menschlichen Seele und ihrer Moral ist es zu zu verdanken, dass trotz aller negativen Verformungen Menschen noch unterwegs zum siebten Schöpfungstag und der Krone der Entwicklung sind. Gerade in unserer Zeit sollten wir die Dokumente wieder ernst nehmen, die mit zu den ersten Ausgangspunkten moralischen Denkens, die uns überliefert sind, gehören. Auch deshalb ist es mir ein Anliegen, im Rahmen der Besprechung des Precht-Buches auf sie einzugehen:

Ägyyptische Totenbücher - Dokumente der Moral

Precht hat in seine Ausführungen zum Tier in Ägypten seltsamerweise die Ägyptischen Totenbücher, die den Toten Ägyptens als Wegweiser für das Leben nach dem Leben mit ins Grab gegeben wurden und von denen bisher mehr als 2000 gefunden worden sind, nicht einbezogen, nur an einer Stelle geht er kurz auf Pyramideninschriften ein. Das ist angesichts von deren Bedeutung Dilettantismus pur, zumal sie über das Verhältnis der Ägypter zur Natur und zum Tier auf fundamentale Weise Aufschluss geben. Die ägyptische Religiosität ist ohne sie in ihrer Tiefe gar nicht verstehbar.
Sie lassen offensichtlich werden, wie sehr den Ägyptern Moral wichtig war, gerade auch in Bezug auf Tiere.

Wenn Precht nicht so fürchterlich voreingenommen gegenüber allem Religiösen wäre, vor allem, wenn es auch nur den leisesten Ansatz von Anthropozentrismus, also dass nicht das Tier gleichwertig ist, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht, hätte er vielleicht die drei wesentlichsten Aspekte ägyptischer Religiosität nicht außer acht gelassen: die Bedeutung der Isis als Großer Mutter, Mutter Natur, die ägyptischen Totenbücher und die überragende Bedeutung der Mysterien, eben der Isis-Mysterien für die ägyptische Religiosität.

Gewiss war - und darauf verweist Precht - die gelebte Religiosität (wie es heute nicht anders ist) von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit verschieden und nicht nur in Ägypten z. B. abhängig von den Interessen einer immer wieder auch korrupten Priesterschaft.
Und gewiss spricht Precht eine Fülle von Fakten an, aber er kommt dem eigentlichen Wesen nicht auf die Spur. Er summiert Quellen, erwähnt die Uräusschlange, die die Stirn eines Pharaos zierte, aber erläutert nicht, warum sie so wichtig ist.

Gleich zu Beginn weist er darauf hin, dass uns überall Tiere begegnen, in Inschriften, auf Reliefs, als Statuen und als Mumien. „Sie sind Götter, Vermittler zwischen den Sphären, oder Götterboten“. Von den heiligen Tieren der Ägypter spricht er als „Dolmetscher und Herold göttlicher Energien. Symbolisch transportiert es {das heilige Tier} das Wissen von der Evolution, die naturwissenschaftlich zwar nicht bekannt, aber religiös geahnt ist: als Erinnerung an den gemeinsamen transzendenten, das heißt: der menschlichen Erfahrung entzogenen Ursprung der Natur.“

Wenig später fragt er, nachdem er über heilige Tiere geschrieben hat, was überhaupt ein „heiliges“ Tier sei, ein Gott oder nur ein Symbol. Seine Antwort: „Zumeist dienen die Tiere im oben genannten Sinne als Medien, Manchmal aber sind sie zwischenzeitlicher Sitz eines göttlichen Prinzips.“ -

Symbolischer Transport des heiligen Wissens? - Tiere als Medien? - Zwischenzeitlich Sitz eines göttlichen Prinzips?

Alles klar?

Mich erinnern die Prechtschen Worthülsen an manche Kant-Stellen aus Grundlegung zur Metaphysik der Sitten oder auch Sartre-Stellen aus Das Sein und das Nichts, die keiner wirklich versteht, aber alles klingt so gelehrt. - Tiere als Medien? - Ja klar! - Tiere als Sitz eines göttlichen Prinzips? - Ja klar! - Zwischenzeitlich? - Wie denn sonst!

Wenn man weiß, wie Precht ansonsten mit spirituellen Zeugnissen von Völkern umgeht, wenn er z.B. von den extra für den Leser inszenierten Showdowns der Thora spricht, mit denen er vor allem das Judentum diskreditiert, und man um seine elternhäuslichen atheistischen Infusionen weiß, die dieser Mann, so entnehme ich all dem, was er schreibt, nie wirklich verarbeitet hat, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er auch nicht die Spur einer Ahnung hat, was Religion bedeutet, wie sie für die Griechen z.B. in den samothrakischen Mysterien ihren Ausdruck fanden (über die Schelling recht ausführlich geschrieben hat und auf die Goethe in den Gestalten der Kabiren im Faust II Bezug genommen hat) und für die Ägypter in den Isis-Mysterien.

Nicht von ungefähr war es noch Pythagoras so ein großes Anliegen, nicht nur in die griechischen Mysterien, sondern in die ägyptischen eingeweiht zu werden, und das zu einer Zeit, als deren Hochblüte doch eigentlich schon lange vorbei war; so wichtig waren sie ihm dennoch.

Tiere waren für die Ägypter Kräfte der Natur, waren Gestaltungen der Großen Mutter, von Isis; nur nach dem Tod oder im Rahmen der Mysterien waren sie dem Menschen bzw. dem Eingeweihten zugänglich.

Auf seinem Weg zu Osiris, dem Gemahl der Isis, der die Unterwelt regierte, begegnete Ka, die Seele des Menschen, allen Schattierungen des Tierischen, so, wenn wir lesen:

Weiche von dannen, krokodilfratziger Dämon Suil
Wahrlich, du hast keine Macht über mich!

Auch Schlangendämonen und Haidämonen muss die Seele überwinden - Hieronymus Bosch und jene Untiere, die der Taucher in Schillers gleichnamiger Ballade in den Untiefen der Wasser, die für die Untiefen der Seele stehen, erblickt, lassen grüßen.

Auf ihrem durchaus beschwerlichen Weg zum lichtvollen Raum wird schlussendlich die Seele zum Phönix, zu jenem königlichen Vogel, der schon immer die Menschen in und außerhalb dieser Kultur faszinierte. Dabei spielt übrigens auch ein anderes Tier, der Mistkäfer, der Scarabäus, eine bedeutsame Rolle. Seltsam, dass von all dem Precht nichts schreibt.

Die alte ägyptische Seele versteht man nur, wenn man weiß, dass sie dem Leben solch eine eminente Bedeutung zumaß, weil sie dem Tod eine so große Bedeutung gab. Denn im Leben wollte sie auf den Spuren wandeln, die es im Reich des Todes fortzusetzen galt. Davon hatten die Menschen Ägyptens ein tiefes Bewusstsein.

Leben war nicht deshalb Gefängnis, weil es keine Schönheiten ermöglichte, sondern weil erst der Tod die Sicht auf das eigentliche Sein eröffnete. Wer diese Sicht im realen Leben haben wollte, musste den Weg der Mysterien gehen; dieser Weg stand - von den Pharaonen abgesehen, die vermutlich allesamt initiiert waren - nur wenigen Auserwählten, sogenannten Eingeweihten offen, die im Rahmen ihrer Ausbildung immer auch scheitern konnten, wenn sie nicht charakterstark genug waren. Schiller hat genau diese Thematik in den Rahmen der Isis-Mysterien gestellt und in seiner Ballade Das verschleierte Bildnis zu Sais gestaltet.

Precht dagegen hat nicht verstanden und nicht einmal erwähnt, dass das Verhältnis der Ägypter zu den Tieren überhaupt nicht nachvollziehbar ist, wenn man nicht um deren Verhältnis zu Isis weiß (die er nicht ein einziges Mal erwähnt), der Großen Mutter, der Mutter Natur. Sein Naturbegriff bleibt ganz und gar abstrakt.

Man kann eigentlich nicht über Tiere schreiben, wenn man nicht versteht, dass Völker in ihrer Entwicklung dieser Mutter höchst unterschiedlich entgegentraten, weshalb es falsch ist, Isis mit der griechischen Gaia in einem Topf werfen zu wollen oder nur deshalb, weil das Judentum nur scheinbar einen männlichen Gott, nämlich Jahwe kennt, zu vermuten, dass das Weibliche dieser Religion fehle; schließlich wird auch im Judentum der Mensch erst zum Menschen mittels des mütterlichen Lehmbodens.

Jedes Volk wählt einen anderen Zugang zum Jenseits, abhängig von den geographischen Breiten und Gegebenheiten und somit dem Einfluss der Sonne.

Dem Judentum ging es in seiner geistigen Ausrichtung primär um die Entwicklung zum bewussten Ich Bin - zum seiner selbst bewussten Sein des Menschen; ich habe darauf in einem der vorangegangenen Posts ausführlicher hingewiesen.

Übrigens deutet sich die Entwicklung der Menschheit zu diesem die Mission des geistigen Judentums kennzeichnenden Ich bin - eine Entwicklung, die man mit dem Begriff des Monotheismus zu erfassen sucht und bis heute nicht wirklich verstanden hat - schon in Ägypten an, wie wir den Zeilen eines Totenbuches entnehmen:

Fortsetzend mein irdisches Dasein lebe ich.
Ich bin. Ich lebe. Ich nehme wieder den Faden
meines unterbrochenen Daseins auf.

Hier finden sich erste Anklänge hin zu einer ihrer selbst bewusst werdenden  Seele, einen Schritt, den erst das geistige Judentum vollzieht und der gar nicht möglich ist, ohne diesen sogenannten Monotheismus Jahvescher Ausprägung, der nicht von ungefähr darauf pocht, dass nur er existiere und dass er keine anderen Götter neben sich haben wolle:

Die Existenz des Ich Bin, den Weg, als individuelle Seele seiner selbst bewusst zu werden und zu sein, ist nur möglich, wenn man kompromisslos diesen Weg zu sich geht. Andere Götter destabilisieren den Weg zum Ich-Bin-Bewusstsein, das hinauswachsen will über ein pures Eingebundensein in Großfamilie und Stamm.

Deshalb die Rigidität des Ersten Gebots: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Der Schritt zu einer ihrer selbst werdenden bewussten Seele ist nur in großer Konsequenz möglich. Als Menschheit haben wir zumeist diesen Schritt vollzogen und die Tatsache, dass viele ihn in atheistischer Manier ignorieren oder gar Jahwe als Despoten ansehen, der andere angeblich meint ausgrenzen zu müssen, zeigt, wie wenig verstanden worden ist, wie sich Entwicklung der Menschheit ereignet.

Entsprechend ist auch das ganze Monotheismus-Bashing einzuordnen, wobei das trinitarische Bewusstsein des Christentums eine entscheidende Bewusstseinserweiterung erst ermöglicht und, den spirituellen Gegebenheiten der Erde entsprechend, nicht von ungefähr eine manifeste Gegenbewegung gezeitigt hat: den Islam, das sich verabsolutierende Vater-Prinzip.

Übrigens zeigen sich auch im alten Ägypten erste Hinweise auf das heraufdämmernde Ich-Bin-Bewusstsein in dem Versuch Echnatons - er wird allerdings mit diesem Versuch noch scheitern -, mittels der Verehrung von Aton dieses sogenannte monotheistische Bewusstsein zu installieren, nachzulesen im Hymnus des Echnaton an den einen, den einzigen Gott, in seiner lyrischen Diktion wunderschön (ich zitiere im Folgenden nach Paul Frischauer, Es steht geschrieben):

Wenn es tagt und du aufgehst im Horizonte und leuchtest als Sonne am Tage, so vertreibst du das Dunkel und schenkst deine Strahlen (…)
Alles Vieh ist zufrieden mit seinem Kraute, die Bäume und Kräuter grünen.
Die Vögel fliegen aus ihren Nestern, und ihre Flügel preisen deinen Ka.
Alles Wild springt auf den Füßen. Alles, was fliegt und flattert, lebt, wenn du für sie aufgehst.
Die Schiffe fahren herab und fahren wieder hinauf, und jeder Weg ist offen, weil du aufgehst. Die Fische im Strom springen vor deinem Antlitz, deine Strahlen sind innen im Meere (…)
Wieviel gibt es (noch), was du machtest und was vor (mir) verborgen ist, du einziger Gott, dem keiner gleichkommt.
Du hast die Erde nach deinem Wunsche geschaffen, du allein, mit Menschen, Herden und allem Wild, alles, was auf Erden ist und auf den Füßen geht und alles, was oben schwebt und mit seinen Flügeln fliegt (…)

Schachspielen als Erkenntnishilfe

Interessant und wichtig wäre es gewesen, dass Precht Religion nicht wie Geschichte abhandelt, und zwar auch noch auf solch oberflächliche Weise. Warum ich so ausführlich darauf verweise, wiewohl Precht „nur“ von ca. 500 Seiten auf ca 52 Seiten das Tier im Rahmen der unterschiedlichen Religionen thematisiert - nicht einberechnet ist der vorausgehende Teil, der sich mit der menschlichen Phylogenese beschäftigt -, geschieht deshalb, weil, wer so blutleer und verständnislos Religionen betrachtet, nicht die Entwicklung der Menschen versteht, nicht das Wesen und die Bedeutung von Tieren begreifen und auch damit nicht verstehen kann, wie der augenblickliche Bewusstseinszustand der Menschheit einzuordnen ist, so grausam der nicht nur im Umgang der Menschen mit den Tieren, sondern - und das hängt eng damit zusammen - der Menschen untereinander viel zu oft noch ist.

Wer im Übrigen - und diese Fraktion gibt es ja auch - dabei Gott für Exzesse der Menschen verantwortlich machen will, hängt in einem logisch eindimensionalen Weltbild fest, das nie der Realität entsprach. Es ist immer eine dumme Ausrede und es hilft, Schach zu spielen, um zu erkennen, dass Weiß und Schwarz immer abwechselnd ziehen.

Man darf nicht glauben, dass nicht Schwarz eine ungeheure Macht besitze.

Schließlich tragen ihr tagtäglich Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen Energien zu (man muss nur das Ägyptische Totenbuch lesen, um zu verstehen, wie hoch die Gefährdung einzuschätzen ist)!

Es waren in der Vergangenheit Menschen wie Rene Descartes, der mit seinem Gebt mir Materie und ich werde das Universum erschaffen! eine cartesianisch-materialistische Sicht auf das Leben einläutete, die in geistlosen Rattenfängern wie Precht heute einen Höhepunkt findet, der mit intellektuellen Pfauenrädern nur die blenden kann, die nicht hören, wie hässlich der Pfau in Wahrheit schreit.

Dieser Rattenfängerei dienen auch all jene, die Bücher über Tiere schreiben, was an sich wertvoll ist, aber in dem Dienste jener geistigen Macht stehen, die dem Menschen die Krone nehmen will und damit zugleich den Tieren schadet. Denn auf diese prechtige Weise Tiere denken kann man nur, wenn man ignoriert, dass sie Bausteine eines zusammenhängenden schöpferischen Seins sind und ihren wahren Wert im Rahmen der Genesis einzuordnen weiß.

Mit einer offenen Sicht auf das Christentum hätte Precht erkennen können, dass die christliche Praxis bisher den eigenen Anforderungen nicht gerecht werden konnte, weil sie u.a. nicht verstanden hat, warum ein Evangelist wie Markus die Versuchung Jesu durch den Teufel so zutreffend mit einem Satz markiert, der unendlich viel über die Bedeutung der Tiere und die Entwicklung des Menschen aussagt. Dort heißt es anlässlich der Versuchung Jesu in der Wüste durch den Satan: Und er war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

Diese wenigen Worte enthalten in nuce eine Weisheit, wie sie Precht, der naturgemäß kein gutes Haar am Christentum lässt - Franz von Assisi und Albert Schweizer muss er notgedrungen ausnehmen -, nicht erfassen könnte, würde er auch 5000 Seiten schreiben. Zu den Markus-Worten ein andermal mehr.

Precht verlässt sich auf eine Wissenschaft, die sich eigentlich dessen bewusst ist, dass sie fünf Prozent der materiellen Wirklichkeit des Kosmos kennt. Vom Umfang des seelischen und geistigen Bewusstseins ganz zu schweigen.

Ich schließe diesen Beitrag mit Worten aus dem Totenbuch des Nu, des Oberaufsehers über die Oberaufseher des Siegelbewahrungshauses, ab. Trotz seines hochtrabenden Namens war Nu kein bedeutender Mann und sein Papyrus gilt als die allgemeingültige Fassung des ägyptischen Totenbuchs. Dort heißt es u.a.:

Siehe, ich bringe in meinem Herzen Wahrheit-Gerechtigkeit,
Denn ausgerissen habe ich daraus das Böse (…)
Nicht habe ich das Unrecht an die Stelle des Rechts gesetzt
noch Verkehr gepflegt mit den Bösen.
Ich habe kein Verbrechen begangen,
ließ nicht die anderen sich abmühen über Gebühr.
Nicht habe ich Ränke aus Ehrgeiz geschmiedet.
Meine Diener habe ich nicht misshandelt (…)
Dem Bedürftigen habe ich nicht Nahrung entzogen (…)
Durch den Gebrauch verwerflicher Mittel
habe ich nicht versucht, mein Eigentum zu vergrößern (…)
Weder habe ich die Gewichte der Waage gefälscht
noch den Waagebalken verschoben (…)
Nicht habe ich Fallen gestellt noch Schlingen gelegt für das den Göttern bestimmte Geflügel.
Mit Fischleichnamen habe ich nicht die Fische gefangen
und die Gewässer habe ich nicht versperrt zur Zeit ihres Fließens (…)
Die Eingeweihten versorg ich mit dem Leben
an den Tagen der Feier, da vor dem göttlichen Herrn dieser Erde
über Heliopolis kulminiert das göttliche Auge des Horus (…)

.Massenhafte Steuerhinterziehung, Säen von Hass oder auch das politisch gebilligte Zuschauen, wie bei uns Rentner buchstäblich vor die Hunde gehen (ich denke an jene Frau, die ich im Fernsehen kürzlich sah, die ein Leben lang gearbeitet hat und der nun zwischen vier und fünf Euro pro Tag  als Lebensunterhalt zur Verfügung stehen und die anlässlich einer Nebenkostennachzahlung nur noch weinen konnte):

Es wäre gut, wenn Menschen - gerade auch unsere Politiker - wieder Totenbücher im Voraus schreiben müssten!

Unter anderem Sätze wie: Dem Bedürftigen habe ich nicht Nahrung entzogen!

Das ehrlich zu schreiben, würde allerdings voraussetzen, dass man an eine Instanz glaubt, die es gibt, weil man, um Worte Michael Endes aufzugreifen, sie nicht beweisen kann.

Ein Tier namens Mensch muss das allerdings nicht verstehen . . . deshalb ist diese Ebene von Leuten wie Precht so erwünscht!

Bedauerlich, dass so vielen Menschen Rattenfänger dieser Art so imponieren.

Ohne Kether, ohne Krone, lebt sich´s einfach halt gut, tierisch gut!

Nicht wenige Menschen dieses Planeten laufen auf allen Vieren - nur leider sieht man die seelische Verfassung nicht. - Vielleicht ist es auch gut so.

.

PS: Bitte beteiligen Sie sich an ÄRZTE GEGEN TIERVERSUCHE

17807674_10155638473909796_5219708986892310583_o.jpeg

epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2017/_01/_09//epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2017/_01/_09/Petition_69364.htmlion_69364.html.

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Emmanuel Precht

Wer den Kopf hebt sieht den Feind und die Beute eher. Hat größere Überlebenschancen und setzt sich durch Vererbung und Sozialisation durch.

Wer sich aufgerichtet (den Kopf hoch) hat kann die vorderen Gliedmaßen anders einsetzen und schult damit (über x Generationen hiweg) das Gehirn, welches (über x Generationen hiweg) wachsen muss, um die Steuerung der "Hände" zu gewährleisten, das Hirn wächst (...) und gibt Raum für Neues, das Bewusstsein.

Über das Bewusstsein kommt eine neue Fähigkeit hinzu, das sich in Bezug auf etwas zu erkennen, zu den natürlich/ wahrnehmbaren Richtungen, Oben/ Unten (gefühlte Schwerkraft), Vorne/ Hinten (Augen) usw. kommt Links und Rechts, die erste intellektuelle Leistung des aus dem Paradies gefallenen, wahrnehmenden Bewusstseins. So entsteht nun die Sprache. Biebel: Am Anfang war das Wort...,oder in chinesischen "Dschou I": Zeichen Nummer 3 - die Anfangsschwierigkeit.

Wohlan...

Gravatar: ewald

ist es rassistisch, wenn ich behaupte:
ein tier namens precht,ein mensch namens klinkmüller !!

Gravatar: Joachim Datko

Zitat: "[...] Krake, die neben vielen anderen von ihm aufgezählten herausragenden Fähigkeiten vor allem dadurch beeindruckt, dass ihr „Liebesspiel (..) alles in den Schatten (stellt), was die Evolution ansonsten hervorgebracht hat."

Auch dahinter steckt sicherlich nur Biochemie, also nichts Besonderes.

Gravatar: karlheinz gampe

Dreifaltigkeit hat das Christentum von den Heiden übernommen. Das Tier ist durchaus auch als Medium zu sehen. Bsp. Anderwelthirsch Cernunnos, der die Menschen in die Anderwelt ( Totenwelt führt), Auf dem Kessel von Gundestrup ist ein Druide mit aufgesetzten Hirschgeweih auf der Jenseitsreise dargestellt. Ich selbst habe eine 2000 jährige Druidenfibel in Form eines rennenden Hirschen, der jedoch einen Geweihhelm trägt. Hier zeigt sich der Druide (als Hirsch) mit aufgesetztem Geweihhelm schon auf der Reise im Jenseits.

Gravatar: Johannes Klinkmüller

@karlheinz gampe

Natürlich gibt es Dreifaltigkeit schon vor dem Christentum (Isis, Osiris, Horus); aber bei den Ägyptern zum Beispiel muss Osiris in der Unterwelt bleiben; Jesus aber kommt aus dem Totenreich zurück. Das ist ein entscheidender Unterschied für unser Bewusstsein und das der Menschheit.
Die großen Wissenden aller Zeiten haben gesehen, welche Stufe sich da vor 2000 Jahren zünden würde; deshalb mag ich es nicht, wenn man mit einer abwertenden Konnotation von Heiden spricht (wie ich es selbst bei C.G.Jung empfinde). Der entscheidende Schritt war nur, dass dieses spirituelle Geschehen auf Golgatha vor aller Augen geschah und für ALLE Menschen zu einer lebbaren Wirklichkeit wurde.
Was früher Geheimnis der Mysterien war - wer entsprechende Geheimnisse verriet, wurde mit dem Tode bestraft, noch der große Tragödiendichter Aischylos entging nur knapp einer entsprechenden Verurteilung - trat nun für alle ans Licht.

Klar sind Tiere auch Medien. Ich sehe das auch so. Ich hatte einfach nicht den Raum, ausführlicher zu schreiben, was mich bei Precht gestört hat: dass er davon schreibt, aber mir den Eindruck vermittelt, gar nicht zu verstehen, was er schreibt. Wie ich es überhaupt widersinnig finde, wie er über die Religiosität der Ägypter berichtet, wo er doch an diesen ganzen transzendenten Krampf nicht glaubt. Nur bei den Ägyptern, im Gegensatz zu den Juden und Christen, toleriert er das spirituelle Tierwesen aus Gründen, die hier zu weit führen.

In der Genesis werden Tiere ja geschaffen, ein jedes "nach seiner Art", wie es heißt. Das verweist darauf, dass Tiere nie ein Ich-Bin-Bewusstsein entwickeln können wie jeder einzelne Mensch; sie haben es nur als Art; in diesem Rahmen haben sie es allerdings; und in diesem Rahmen sind sie auch sehr machtvolle Wesen, wenn eben die Ägypter von dem Krokodil sprechen, dem Ibis, dem Falken . . .
Diesen Unterschied zu sehen halte ich für wichtig. So wie Precht aber mit solchen Dokumenten wie der Bibel umgeht, kann er das nicht sehen; er ist weit davon entfernt, solche Feinheiten zu erkennen. Deshalb ist für mich alles, was er diesbezüglich schreibt, so blutleer, angelesen, aus Quellen zusammengeschrieben.

Gravatar: Thomas Rießler

Wie üblich haben die von Ihnen vorgetragenen Ideen eher Bezüge zu den Büchern von Rudolph Steiner als zur Bibel. Von daher sollte man den Begriff Christentum in ihrem Aufsatz eigentlich besser durch den Begriff Anthroposophie ersetzen. Dass die gegenwärtige Phase des Christentums im Land der Barbaren keine dauerhafte Erscheinung, sondern zeitlich begrenzt ist, lässt sich dagegen gut mit der Bibel vereinbaren. Dies rufe ich mir immer wieder in Erinnerung, wenn ich feststellen muss, dass Landsleute eine Affinität zu heidnisch-mystischen oder babylonischen Vorstellungen (Wissenschaft) haben und mit dem Christentum nichts anfangen können.

Gravatar: Johannes Klinkmüller

@ Thomas Rießler

"Wie üblich ..." schreiben Sie. Aber bei den Anthroposophen haben Sie mich noch nie einsortiert.
Sie sind ja einer!
Wo haben Sie denn die jetzt hergezaubert? - Sie scheinen ja wirklich mit allen Wassern gewaschen.
Bin gespannt, welche Schubladen Sie bei Bedarf noch für mich finden, im Angebot sind noch die Zeugen Jehovas, Scientologen, Adventisten, nicht zu vergessen, Ihre Lieblingsfeinde, die Neomarxisten . . .

Manche brauchen das, Etikette. Um die geht es, dann hat die eigene Seele vor der Auseinandersetzung mit Inhalten Ruhe.

Gravatar: Clara West

Ich finde, es ist ein großer Fehler, den Menschen als Krönung der Schöpfung anzusehen. Wenn es je die Absicht war, dieses Ziel zu erreichen, dann kann muss mein wohl eingestehen, dass es nicht nur verfehlt wurde, sondern nie erreichbar sein wird.

Biologisch gesehen erfüllt der Mensch eher alle Bedingungen des Parasiten. Der Duden schreibt dazu folgendes:

http://www.duden.de/rechtschreibung/Parasit

(Biologie) tierischer oder pflanzlicher Schmarotzer; Lebewesen, das aus dem Zusammenleben mit anderen Lebewesen einseitig Nutzen zieht, die es oft auch schädigt und bei denen es Krankheiten hervorrufen kann.

Wir neigen dazu, die Vergangenheit zu verklären, jedoch war früher gar nichts besser. Kinder kamen, weil niemand wusste, wie man sie verhindern konnte. Gewalt als Liebesbeweis ist sogar in der Bibel zu finden und selbst heute noch werden ungefähr die Hälfte aller Kinder im Laufe der Erziehung teilweise regelmässig geschlagen. Der aktuelle Papst spricht sogar vom „liebevollen Schlagen“ als sinnvolle Methode. Ein nettes Oxymoron ähnlich wie Liebestöter, Hassliebe oder stummer Schrei. Hat aber mit Moral oder Glaube nichts zu tun. Eher mit Macht, Unterdrückung und Unterwerfung.

Meine Großeltern haben übrigens genauso empört auf die „neumodischen“ Erziehungsmethoden ihrer Kinder reagiert. War es im Elternhaus meiner Eltern noch verpönt, dass Kinder bei Tisch sprechen, so war bei uns zu Hause der Küchentisch die Plauderecke und das gemeinsame Essen immer mit Diskussionen über Tageserlebnisse verbunden. Das anerzogene Schweigen der Kinder wurde übrigens gern und reichlich von denjenigen ausgenutzt, die sich an ihren Schutzbefohlenen vergriffen hatten. Man denke an die Missbrauchsskandale in der rk Kirche. Wer hätte damals schon Kindern geglaubt?

Die Menschheit hat eine blutige Spur durch die Erdgeschichte gezogen und ein Ende ist nicht in Sicht. Sie fand immer Begründungen dafür, gern in Religion und Glaube. Die Christen machen da übrigens keinen Unterschied. Die Vergangenheit war eben nicht besser als die Jetztzeit. Ich habe diesbezüglich übrigens schon sehr interessante Beobachtungen bei meinen Mitmenschen gemacht: Wenn Menschen zu sehr die gute alte Zeit betonen, dann versuchen sie damit zu kompensieren, dass ihnen die Zukunft nicht mehr gehört.

Ich kann in Precht’s Gedankengängen zu „Tiere denken“ nichts Negatives finden. Ich finde zwar den Octopus weniger hübsch, trotzdem aber die Ausführungen dazu sehr interessant. Meine eigene Sinnsuche hat mich jedenfalls immer weiter weggeführt vom Menschen als Krone der Schöpfung. Ich denke vielmehr, dass die Erde es schaffen wird, uns zu überleben, damit auf ihr wieder ein Gleichgewicht in der Natur herrschen wird.

Egal welche Könige, „Weisen“, Propheten oder wer auch immer irgendwelche Dokumente zur Erhabenheit der Menschheit verfasst hat, sie taten dies zum eigenen Nutzen. Es tut einfach gut, sich groß zu fühlen und sich selbst darin zu bestätigen. Aber man wird einfach nicht größer, wenn man andere kleiner macht. Wer möchte also nicht Krone der Schöpfung sein und so mag es seltsam anmuten, dass wir wahrscheinlich von den kleinsten Wesen, den Viren, irgendwann den Garaus gemacht bekommen werden. Wenn nicht vorher eine Eiszeit kommt oder uns ein Meteorit auf den Kopf fällt.

Gravatar: Joachim Datko

Zitat Klinkmüller 06.04.2017 - 12:05: "Natürlich gibt es Dreifaltigkeit schon vor dem Christentum (Isis, Osiris, Horus); aber bei den Ägyptern zum Beispiel muss Osiris in der Unterwelt bleiben; Jesus aber kommt aus dem Totenreich zurück. Das ist ein entscheidender Unterschied für unser Bewusstsein und das der Menschheit."

Religiöse Geschichten von Göttern sind irreal, sie sind nicht wahr. Egal, wie die Götter und Halbgötter heißen, es gibt sie nicht.

Gravatar: freerob

"Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden"

Römerbrief 1,22

Gravatar: Adorján Kovács

Lieber Herr Klinkmüller,
was den unseligen Herr Precht angeht, den Herr Sloterdijk einmal als den Philosophen verhöhnt hat, der “nicht weiß, wer er ist und wenn ja, wieviele“, sind wir uns einig. Mit Ihrer religionshistorischen Genealogie habe ich aber meine Schwierigkeiten. Als Kenner von Goldammers „Formenwelt des Religiösen“ und von Eliades Schriften, aber auch als historisch-kritisch erzogener Mensch sind mir derlei Gedanken gut bekannt, und sie sind auf der Oberfläche ja auch richtig. Doch birgt das natürlich relativistische Gefahren. Ich möchte hier auf einen noch lebenden zukünftigen Kirchenlehrer verweisen, der schrieb, dass es mit Jesus Christus zu einer Umkehrung der Opferbewegung (also nicht der Mensch opfert Gott, sondern Gott opfert sich den Menschen) gekommen ist. Daraus erhellt sich einmal der Rang des Menschen ganz von alleine und zweitens sind alle anderen Religionen obsolet geworden (auch der Islam, der bekanntlich Tieropfer kennt und auf eine Art Pflichtenkatalog setzt, bei dessen Erfüllung Gott „automatisch“ zur Erlösung verpflichtet ist). Darauf muss man, denke ich, als Christ schon bestehen.
Natürlich sehen dies Atheisten anders, mit den bekannten Folgen von Menschenzüchtung, Infantozid, Mensch-Chip-Hybrid etc.
Herzliche Grüße!

Gravatar: Hans-Peter Klein

Die naturalistische Sichtweise wird dann "krank" wenn sie den Anspruch einer allumfassenden Weltanschauung erhebt.
Die naturalistische Betrachtung ist einerseits unser bestes geistiges Werkzeug was wir haben, hervorgegangen aus Aufklärung und Ratioanalität, so funktioniert nunmal Naturwissenschaft.

Andererseits, wie jedes Werkzeug, ist sie begrenzt in ihren Anwendungs- und Erkenntnismöglichkeiten durch die Begrenztheit des menschlichen Erkenntnisapparates.

Das Ausdehnen, Überhöhen, Verabsolutieren des naturalistischen Werkzeugkastens führt philosophisch betrachtet jedoch in einen folgenreichen Kategorienfehler.

Diese Verabsolutierung war, von Marx/Engels ausgehend, durchaus beabsichtigt und politisch motiviert um eine "wissenschaftliche" Begründung für die Durchsetzung ihrer gesellschaftlichen Ideologie zu bekommen.

Daran "krankt" die ganze politische Diskussion bis heute,
eine Nachgeben von Linker Seite ist nicht zu erwarten, da damit das ganze Ideologiegebäude Gefahr läuft einzustürzen, inkl. darwinscher Evolutionstheorie, inkl. der ganze Alt-68er Zeitgeist, inkl. der Rot-Rot-Grüne Gegenwarts-Zeitgeist.

MfG, HPK

Gravatar: Hans-Peter Klein

@ Joachim Datko

Wen wollen Sie mit Ihrer Methode á la
"Nürnberger Trichter"
eigentlich versuchen zu erreichen ?

Was hat man Ihnen eingehämmert, dass Sie nicht anders können als relexartig und penetrant entgegen zu hämmern ?

MfG, HPK

Gravatar: Reichshof

Von welchem Niedergang "der" Werte und dem Untergang "der" Werte sprechen Sie hier Herr Klimkmüller? Sie missachten grundsätzlich und massiv jenen Weitblick, den Sie gerade Herrn Precht absprechen.
Es gibt nicht "die" Moral oder "die" Werte, es sei denn, Sie spezifizieren hier ihre Anmaßung. Ich vermute aber, dass sie von der westlichen, bzw. westeuropäischen Moralvorstellungen und Werten sprechen, die sie unweigerlich auch mit der "Kultur des Religiösen" verschmelzen.
Ich nehme nur ein Beispiel (der Sexualmoral, da ein wesentlicher Aspekt der heutigen westlichen Moralvorstellung), um Ihre Engstirnigkeit und Religiosität in Bezug auf ihre argumentationsweise anschaulich zu machen und sie als kulturpessimistische Angst zu entlarven:
Die Problematisierung der Sexualität erfolgte erst im erheblichen Maße durch die Christianisierung ab der Spätantike und Heterosexualität, Monogamie etc. sind keine Eigenschaft, die an und für sich "wertvoller" sind als andere Praktiken und Handlungen. Die dogmatische Engstirnigkeit hinter den Fragen der erlaubten Partnerwahl, des Geschlechts, der Sorge um sexuellen Handlungen wird in der heutigen Zeit immer stärker hinterfragt.
Das Christentum entwickelte einen strengen Moralkatalog, um den sich ein noch strafferer Sanktionskatalog legte und bis heute den Menschen das Denken aufzwingt.
Gleichgeschlechtliche Ehe, Transgender, offene Beziehungen, offene Diskussionen über Sexpraktiken und Sexualität an sich: Das sind für religiöse Menschen Kampfbegriffe, mit denen sie um ihren moralischen Wertekatalog kämpfen.
Es ist aber nicht "der" Moralkatalog, hier befindet sich keine Universalität, wenn, dann sprechen Sie nur für sich und nur für einen gewissen religiösen Kreis, wie Sie sie verteidigen möchten – ohne einen kritischen Standpunkt, der durch eine eigene Meinungsbildung und Reflexion aufkommt.
Offenheit und sexuelle Aufklärung wird als Mode, als In diffamiert ungeachtet der Tatsache, dass hier möglicherweise eine jahrhundertealte christliche Dogmatik hinterfragt wird.
Ich spüre in Ihrem Kommentar lediglich die Angst, sich mit Neuem auseinanderzusetzen, weshalb der Austausch ideologiebehaftet ist. Selbst der Papst spricht sich für einen offeneren Dialog aus, als sie es tun. Menschen, die sich vor solchen Entwicklungen fürchten und einen "Untergang der religiösen Kultur" mit abstrusen moralischen Argumenten untermauern, leiden an Kulturpessimismus. Kulturen entwickeln sich permanent, keine "geht unter" oder "stirbt ab", das hängt immer nur von einem Standpunkt ab, wer aber nicht differenziert denkt und die Modalitäten berücksichtigt, die eine Kultur verändern, ja klar, für den sieht es nach Untergang aus.
Sie sagen, dass jeder einigermaßen denkfähige Mensch im Grunde weiß, dass Religion und Moral Entwicklungsprozesse der menschlichen Seele unterworfen sind? Also bitte Herr Klinkmüller, was um alles in der Welt lässt Ihnen die absolute Gewissheit geben, dass das die Wahrheit ist?
Auf welche Ursachen können Sie die Moral stützen, die sich Ihrer absolut sicheren Auffassung nach auf "Entwicklungsprozesse" der menschlichen Seele begründen lassen. Sie scheinen hier eine Wahrheit gefunden zu haben, die sich mir völlig verschließt – sogar jedem "einigermaßen denkenden Menschen –, die nicht einmal ein Metaphysiker besitzt. Also um einen Bogen zu meinem Beispiel der Problematisierung der Sexualität zu schlagen, schlage ich vor sie lesen das Buch "Sexualität und Wahrheit II" von Michel Foucault, dann können Sie etwas über die Entstehung der (Sexual-)Moral der westlichen Kultur erfahren.

Sie sprechen von Disziplin für die Kinder, Ihr Mutter-Beispiel ist altbacken: Einschränkung kindlicher Entfaltung und Entwicklung mit dem Hinweis auf Selbstverständlichkeit (Erwachsene wissen was gut ist, sie definieren die Grenzen, basta). Ich bedaure sehr, dass Ihre Mutter sie nicht einfach hat draufspielen lassen, vielleicht wären Sie heute toleranter und offener gegenüber anderen Ansichten. Ihre soziologischen und pädagogischen Erklärungsmodelle sind allarmierend. Ich finde es furchtbar, wie sich in Zeiten der digitalen Infromations(-verblendung)zugänglichekeit Menschen im Internet als Experten auf nahezu jedem Feld bewegen.
Außerdem: In einer Arbeit, die wissenschaftlichen Anspruch erheben möchte, muss die Religion eben nicht berücksichtig werden, wie Sie es beklagen. Das von Ihnen vermisste Konstrukt des Geistes als eine den Menschen mitbeeinflussende / -konstituierende Kraft genießt keinen wissenschaftlichen Anspruch. Solche Argumente sind Glaubensfragen und gehören in einen solchen Kontext. Meiner Meinung nach impliziert ein soziologisch-anthropologisches Verständnis des Menschen keine Idee einer Seele oder eines Geistes. Ich muss jedoch zugeben, dass Herr Precht den Begriff des Zufalls eher mystisch verwendet.

Gravatar: PD Dr. Jörg Gerke

Sehr geehrter Herr Klinkmüller,
was Herrn R.D. Precht wohl unter anderem auszeichnet,
ist seine biologistische Vorurteilsstruktur im Denken. Was den "Philosophen" Precht insgesamt auszeichnet, hat ein Philosoph der HU Berlin 2012 (Sonderheft Merkur: Macht und Ohnmacht der Experten, S. 880) so formuliert:"... Die lebensphilosophische Sprechblasenfigur Richard David Precht."

Gravatar: Werner N.

„Precht macht dumm“ schrieb ZEIT-Online bereits am 03.09.2012. Andere sprachen von einer „Philosophie des Mittelmaßes“ und selbst das ZDF lässt den Bestseller–Autor wegen der mickrigen Einschaltquoten nur noch selten zu Wort kommen und das nur zur „Geisterstunde“. Anstelle von Sloterdijk und Safranski sollte er die Massen ansprechen und dafür wurde geistig der Rückwärtsgang eingelegt und verflacht. Precht`s Argumente–„Bauchladen“ basiert auf Marx, Engels und Darwin. Auch deshalb seine Anti–Religiosität. Fast wörtlich übernimmt er Marxens „Der Mensch ist ein Tier besonderer Art“, ein „animal rationale“. In seinem auflagenstarken Buch „Wer bin ich?“ setzt er Kinder mit Primaten in Beziehung, um den „Wert des Lebens“ zu erklären. Ebenso hält er an Marxens Reduktion von (menschlicher) Kunst auf (tierische) Ästhetik fest. Ihm galt die Ästhetik von Spinnweben als exemplarisch, für "Basis" und "Überbau" als ausreichend.

Wie viele Linksintellektuelle spricht Precht zwar vage von einem „Postkommunismus“, weil es nach 1989 nicht mehr anders ging, will aber von der Droge Marxismus oder einem kulturellen KommUNISmus nicht lassen. Gleichermaßen kleben rechte Intellektuelle an nicht mehr zeitgemäßen Paradigmen. Leider wird dieses verbreitete Phänomen wenig thematisiert; warum der angeblich „mündige“ Verstand (I. Kant) außerhalb seiner eingetrichterten Programme so a-kausal, realitätsfremd und schwerfällig arbeitet.

Gravatar: Max Moritz

@ Reichshof 07.04.2017 - 11:39

Das Homosexualität, speziell Sex zwischen Männern, nicht "normal" ist, diese Einsicht ist uns, der heterosexuellen Mehrheit, doch eingeboren.

Das Wort "unnatürlich" will ich hier nicht benutzen, denn immerhin wird auch in den ältesten Menschheitszeugnissen von diesem Phänomen berichtet, es gehört somit nicht zu den neuzeitlichen, vermeintlich "modernen" Kopfgeburten.

Vom normalen Empfinden ausgehend, empfindet der heterosexuell-normale Mensch Sex zwischen Männern als abstoßend, widerlich, dekadent und zwar ganz unabhängig von seiner Religion und Kultur.

Ich kann gerade noch akzeptieren, dass dem einzelnen Individuum diese Veranlagung angeboren sein mag, er somit nicht dafür verantwortlich ist und die Gesellschaft ihm als Minderheit gewisse Rechte zugestehen sollte.
Dies bedeutet aber keineswegs, dass die Gesellschaft entsprechendes Verhalten im öffentlichen Raum zu akzeptieren hat.

Was wir jedoch gegenwärtig erleben ist, das wir, die heterosexuell-normale Mehrheit, jegliches abartige Verhalten als "normal" zu akzeptieren haben, ja sogar wir unter Rechtfertigungsdruck wegen unserer Normalität gesetzt werden.

Diese Umkehrung aller Werte ist ein Zustand der in dem einen Begriff, "Dekadenz", kumuliert zusammengefasst wird und nochmal, dies ist eben unabhängig von Religion und Kultur.

Zur weiblichen Homosexualität habe ich nichts gesagt, aus gutem Grunde, es besteht jedenfalls in jeder Hinsicht ein riesiger, qualitativer Unterschied zwischen weiblichem und männlichem homosexuellem Verhalten.

Gravatar: Watermans

mei der Precht,
wenn er es denn verstünde - ich "fürchte" eher nicht - wäre ihm einmal die eine oder andere lektüre verschiedener aufsätze oder reden von wirklichen geistesgrößen - u.a. Karl-Friedrich von Weizäcker, MaxPlank, Albert Einstein, Erwin Schrödinger u.a. - zu gerade diesem thema an zu empfehlen, die sich mit wahren philosophen auseinandersetzen, nachzulesen in Hans-Peter Dürr's "Physik und Transzendens" ...
einen prechtling wird die evolution bei dessen selbsterkenntnis sicher als auslaufmodell "verkraften", Heisenbergs, Einsteins u.a. wird es unter "Menschen" immer - wenn auch selten - auf dauer und von bestand geben, weniger wahrscheinlich einen Bach oder Mozart ... und was ist dagegen das liebesleben eines kraken ? ja der Freud hätte seine freud gehabt !

Gravatar: HeikoS

Lieber Max Moritz,

bitte erklären Sie mir den Unterschied zwischen den verschiedenen Homosexualitäten - mir war bis dato nicht bewusst, dass es einen gibt.

Dazu Römer 1, 26-27: " Darum hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen." (Schlachter 2000)

Im frohen Gebet
Heiko

Gravatar: Johannes Klinkmüller

@ Kovács/Klein/West

Lieber Herr Kovács,

Ihren Hinweis zum Opfergedanken finde ich sehr wesentlich. Vielleicht ist Opferbereitschaft eine Fähigkeit, die sogar noch über Liebe hinausweist.
Es ist ja kein Zufall, dass der Islam das Sohnesopfer, das göttliche Opfer nicht kennt, nicht kennen kann, weil den Sohn auch nur zu denken, verboten ist, was im Übrigen einmal mehr deutlich macht, wie traurig ist es ist, dass die Kirchenvertreter beider großer Konfessionen nie wirklich in eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Islam eingetreten sind. Sie hätte zu mehr Frieden geführt, denn ehrliche, klare, offene Auseinandersetzung erhöht den Respekt voreinander.

Sie wissen, wie das ist, wenn man solch einen Beitrag schreibt: Am Ende muss man oft gucken, wo man welche Passagen kürzt und man lässt schon beim Schreiben Gedanken unter den Tisch fallen, weil alles einigermaßen überschaubar bleiben muss.

Vor allem aber erhebe ich natürlich nicht den Anspruch, Wahres zu schreiben. Ich schreibe meine Meinung, schreibe, was ich denke. Wenn sich einmal herausstellen sollte, dass ich mich der Wahrheit genähert habe, wäre ich sehr froh.

Lieber Herr Klein,

ich sehe das genauso: Es gilt, Natur und Geist, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften einzubeziehen als zwei Seiten einer Medaille, wie der römische Januskopf, der ins Hausinnere und nach außen schaute: Aber im Inneren des Kopfes waren beide Sichtweisen vereint. Zumindest bot und bietet sich dazu die Möglichkeit. - Man muss es auch üben.

Hallo Frau West

„Biologisch gesehen erfüllt der Mensch eher alle Bedingungen des Parasiten.“ - Genau das meinte ich, als ich über den biologischen Bezug schrieb.
Was heißt das, dass Sie glauben, als Mensch biologisch die Bedingungen eines Parasiten zu erfüllen, also aus dem Zusammenleben mit anderen einseitig Nutzen zu ziehen, sie oft auch schädigen und bei ihnen Krankheiten hervorrufen?

Und weil Sie über das Kinderschlagen sprechen: Haben Sie ein Kind geschlagen? - Ich nicht. Ich habe von Kindern viel gelernt und ich habe in der Schule vieles falsch gemacht, was ich heute gern anders machen würde. Aber die Vergangenheit verkläre ich nicht. Weder meine noch die der Menschheit. Nur schätze ich manches, was Fundament unseres Menschseins ist, seien es die Upanishaden, das Dhammapada, die Bergpredigt, die Grimm-Märchen, die Gralslegende. Für mich sind sie Hilfen auf unserem Weg und sie geben ein Ziel vor, den Gral.

Wenn Sie glauben, diese Dokumente hätten Menschen zu ihrem eigenen Nutzen verfasst, dann gibt das meines Erachtens primär über Ihr Denken Aufschluss. Keine Frage, dass Viren auf Sie warten, wie Sie schreiben. - Ich für meinen Teil bin sicher, es wartet auf Sie auch Anderes.

Gravatar: Johannes Klinkmüller

@ Reichshof

Ich glaube, meine Beispiele haben deutlich werden lassen, auf welche Werte ich mich beziehe und wie relativ sie sind, habe ich mehrfach angesprochen; man kann in solch einem Beitrag nicht alles wiederholen, Lesenkönnen und Mitdenken hilft, falls man nicht nur auf Crashkurs ist.
Meine angeblich kulturpessimistische Sicht sehen Sie falsch. Ich hatte dargestellt, dass ich den Menschen auf dem Weg zu Kether sehe, zum siebten Schöpfungstag, und des Öfteren habe ich in früheren Beiträgen betont, dass ich sehe, dass Kinder heutzutage ein ganz anderes Bewusstsein haben als früher. Das Bewusstsein von heute Zehnjährigen ist einfach nur erstaunlich. Nix Kulturpessimismus.
Das aber ist eine Seite.
Die andere ist, dass Sie vor 30 Jahren mal einer fünften Klasse mit 25 Schülern Sportunterricht hätten geben sollen - und heute. Dann wäre jedes weitere Wort überflüssig. Früher hat man sich als Lehrer auf die unteren Klassen gefreut, heute weiß man, dass die Kleinen viel, viel anstrengender sind als die Großen, weil sie im Sport oft mindestens ein Jahr brauchen, bis eine Klasse ein akzeptables Sozialverhalten zeigt (im Klassenraum ist es anders, hat sich aber auch, abhängig von der Klassenzusammensetzung, zum Teil gewaltig geändert) - und das auf dem Gymnasium. In anderen Schularten ist es noch ganz anders. Woran das liegt, können sie u.a. bei Winterhoff nachlesen, auch wenn ich kein Freund seiner Pädagogik bin.
Ich habe im Übrigen als Klassenlehrer Probleme, die anstanden, gelöst, indem wir als Klasse alle im Kreis saßen. Es ging nicht um Strafen, die habe ich in diesem Rahmen nie ausgesprochen, es ging um Klärung, und es war zum Teil beeindruckend, wie das geschehen konnte und wie sehr manche anschließend verändert waren.

Es geht immer darum, dass man beides kann, sich unterhalten, lachen, Probleme gemeinsam lösen, aber auch klare Kante zeigen. Ich habe gerade in meinem letzten Jahr erleben müssen, dass zwei Mädchen klinikreif gemobbt wurden. Da redet man mit allen, klar, aber man muss vor allem auch handeln (wie sagte ein Mädchen über meinen Vorgänger: Der hat die ganze Zeit mit uns geredet, aber nie was gemacht).

Ihre Worte gut und schön, aber meine angebliche Angst könnte Ihre klammheimlich eigene sein und ich halte es für sinnvoll, Sie üben das Spüren erst mal in Bezug auf sich. Vielleicht finden Sie dann, dass meine, wie Sie schreiben, alarmierenden Erklärungsmodelle Ihren Denkstrukturen, entspringen, wie Sie glauben, Menschen einordnen zu müssen, um damit IHRE Vorurteilsstrukturen zu bedienen.

Gravatar: Clara West

Hallo Herr Klinkmüller,

Ich denke tatsächlich, dass die Menschen auf dieser Erde ein parasitäres Dasein führen. Wir nutzen uns gegenseitig aus und verhalten uns noch viel schlimmer gegenüber der Natur (deren Teil wir ja nicht mehr sein wollen). Im Gegenzug geben wir nichts zurück. Wir sind weit entfernt von einem biologischen Gleichgewicht. Die Natur ist der Wirt an die der Mensch sich angedockt hat, um sie auszusaugen. Deutschland allein schlachtet jedes Jahr 750 Millionen Tiere. Fleisch ist einer der Exportschlager unseres Landes. Die Tiere leben dabei sehr oft unter erbärmlichen Umständen. Vollgespritzt mit Medikamenten fristen sie ein furchtbares Dasein auf engstem Raum und Holzgittern. Ähnliches finden Sie in der Milchwirtschaft. Kranke, abgemagerte Tiere, ausgenutzt und ausgepresst bis zum letzten Atemzug. Hauptsache, alles ist schön billig. Auf den Seiten der ARD finden Sie reichlich Dokumentationen dazu. Und wenn Sie mal die Fleischtheke im Supermarkt eine Weile beobachten, dann werden Sie feststellen, dass der Kunde sich manchmal äußerlich kaum von dem Schwein unterscheidet, das da über die Ladentheke gereicht wird.

Wasser sollte ein Grundrecht für Mensch und Tier sein. Ist es aber nicht. In Afrika ist es ein Verkaufsgut. Großkonzerne, Shareholders und finanzkräftige Konsumenten ziehen ihren Nutzen aus dem "Quellwasser", während die heimische Bevölkerung in Afrika nicht mal Zugang zu ihrem eigenen Wasser hat.

Das ist für mich parasitäres Verhalten in Reinstformat und da habe ich noch nicht mal mit der Rüstungsindustrie angefangen.

Wir ziehen deutlich Nutzen aus anderen, schädigen sie und verursachen Krankheiten. STW.: Uranmunition, Pestizide, Roundup (Glyphosat) und noch vieles andere mehr.

Ich habe meine Kinder auch nicht geschlagen und anderer Leute Kinder schon gar nicht. Mir ging es in meinen Ausführungen auch mehr um die Aussage, was man "früher" den Kindern angeblich alles beigebracht hat und heute nicht. Ich halte dagegen, dass früher eben nicht alles besser war. Es war anders und rückblickend betrachtet in meinen Augen eher schlechter. Gewalt in der Erziehung, Kindesmissbrauch, Kinder als Altersversorgung, fehlende Individualförderung, Kinder als Kanonenfutter und noch vieles andere mehr. Unsere Gesellschaft leidet heute vielmehr unter der Kinderlosigkeit. Man ist entwöhnt von Kinderlärm und Spielgeräuschen. Kinder wachsen daher auch viel zu oft nur in Wohnungen und Kindertagesstätten auf, anstatt einfach nur draußen an der frischen Luft zu spielen.

Die Verklärung der Vergangenheit kommt sehr oft von Menschen, die in der Gegenwart nicht mehr zurechtkommen. Ihnen gehört die Zukunft nicht mehr, weil sie sich unter den Bedingungen im Hier und Jetzt nicht mehr zurechtfinden. Sie schaffen es aber auch nicht, den Staffelstab einfach weiterzugeben i.d.S. "eure Zukunft, euer Mandat". Unsere Kinder sind nun fertig mit ihrem Studium und gehen ihren eigenen Weg, aber ich kann mich an Zeiten erinnern, da hab ich auf Sätze wie "Meine Eltern haben mir damals beigebracht, dass..." einfach nur noch allergisch reagiert. Sehr oft kommt nämlich dieser Satz von Leuten, die selber so gar keine Kinder haben und längst vergessen haben, dass auch ihre eigene Erziehung ein 20-jähriger Prozess war.

Eltern von heute machen bestimmt auch nicht alles richtig. Das liegt daran, dass wir Menschen sind und Menschen Fehler machen. Außerdem gibt es für Kinder nichts schlimmeres als wenn Eltern "perfekt" sind und die Messlatte so hoch liegt, dass man darunter herlaufen kann. Aber im großen und ganzen finde ich, dass Eltern heute einen sehr guten Job machen, schon allein weil sie alles richtig machen wollen, ihre Kinder bestmöglich fördern und sie so gut wie möglich auf ihre Zukunft vorzubereiten. Die Tatsache, dass wir so lange in Europa keinen Krieg mehr hatten, führe ich auf die bessere Erziehung zurück. Die Fundamentalisten sterben aus und das ist gut so.

Ich denke tatsächlich, dass die Menschen sich selbst zur Krone der Schöpfung erklärt haben. Egal, welche Dokumente man nimmt - und sei es die Bibel - alles wurde von Menschenhand geschrieben und dankbar von Machtmenschen aufgegriffen, um andere in Gottes Namen zu unterdrücken. Es kann durchaus sein, dass es einen Gott gibt, einen Schöpfer des Universums. Aber wirklich beweisen konnte man bisher weder seine Existenz noch seine Nicht-Existenz. Es bleibt eine Glaubensangelegenheit, was völlig in Ordnung ist, solange man anderen auch ihren Glauben lässt.

Und was die Viren angeht, so braucht man sich nur mal mit Medizinern zu unterhalten. Bakterien und Viren werden zunehmend resistent gegen unsere Medikamente, was bedeutet, dass eben genau diese Kleinstlebewesen zur größten Bedrohung für die Menschheit erwachsen werden, was übrigens auch etwas mit unserem Lebenswandel zu tun hat.

Hier eine interessante ARTE Dokumentation dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=xYb-4ZVrP3o

Gravatar: Johannes Klinkmüller

Hallo Frau West,

zumindest einen Virus haben Sie mit Precht gemeinsam: Der redet nämlich ständig von „wir“. Und zwar mit einer Selbstverständlichkeit und suggestiven Kraft, dass man kaum auf die Idee kommt, ihm zu sagen: Mann, rede doch von Dir und nicht von mir oder anderen. Vielleicht zeige ich das noch an dem ein oder anderen Beispiel in einem der nächsten Posts auf. Wir laufen Gefahr, dass alle zu machen, aber Prechts Vorgehen ist extrem penetrant.
Sie schreiben: „Wir nutzen uns gegenseitig aus und verhalten uns noch viel schlimmer gegenüber der Natur“.
Natürlich bedingt unsere Lebensweise - zum Teil jedenfalls -, dass wir uns entsprechend gegenüber der Natur verhalten. Aber manchen ist das total egal, manche allerdings reduzieren Belastungen auf ein Minimum. Ich weiß nicht, wann ich die letzte Plastiktüte erworben habe, bei Ihnen wird es ähnlich sein. Und wer wirft heute noch Batterien in den normalen Müll. Die Zahl der Menschen, die bewusst auf Fleischkonsum verzichten, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten vervielfacht und ich kenne Menschen, die essen bewusst keine Eier und kein Hühnerfleisch mehr wegen des Schreddern der männlichen Küken und so lassen sich viele Beispiele aufzeigen, dass Menschen immer bewusster leben. Das Wasservermarktungsverhalten von Großkonzernen ist bereits Thema in der Öffentlichkeit und gut ist, dass Konzerne wie Nestle und Monsanto ihr unseliges Treiben früherer Zeiten heute nicht mehr so rücksichtslos vornehmen können, wie sie das taten. Gleichzeitig nehmen die Müllteppiche auf den Weltmeeren zu so wie die Zahl der Konflikte und bewusstes Lügen.

Es ist einfach grottenfalsch, Menschen in einen Topf zu werfen. Menschen befinden sich auf ganz unterschiedlichen Stufen der Entwicklung. Und das ist in der großen Seilschaft namens „Leben“ so. Es gibt nur sehr bedingt eine gemeinsame Entwicklung. Und es gibt immer Gegenbewegungen. Für mich ist im religiösen Bereich ein Beispiel Sohnesbewusstsein. Dass es einen Islam gib, der es canceln will, ist fast normal, wenn auch Exzesse wie der IS schon außergewöhnlich brutal sind.

Ich persönlich glaube, dass es ein grundsätzliches, ein Ur-Bewusstsein gibt, das wir in unseren Begrifflichkeiten „sinnvoll“ nennen oder „weise. Wissen tue ich es nicht. Ich hoffe, dass es das gibt. Die Schönheit der Erde, die Weisheit, die sich in dem menschlichen Körper und im menschlichen Wesen zeigt, die Faszination des Alls, Beispiele, wie Menschen liebevoll miteinander umgehen, wie auch Tiere ein Verhalten zeigen können, das tief bewegt: Das alles lässt mich daran glauben, dass hinter allem Sinn steht. Nur die haben wirklich zu Letzterem Zugang, die nicht (mehr) in Gefahr stehen, diese Weisheit in Besitz nehmen und über sie Macht ausüben zu wollen. 99,9999 der Menschen würden das tun. Deshalb hat diese Weisheit solche Prüfungen vorgesehen, damit die, die Zugang finden, nicht wieder gleich Luzifer und Satan in einem meinen spielen zu müssen.
Die Höhe menschlichen Bewusstseins entspricht der Tiefe, in die das Wesen Mensch sinken kann. Gut, dass wir keinen Einblick in unsere früheren Leben haben! All die Beispiele für schreckliches Verhalten, die Sie aufzählen, können kaum anders sein, als sie sind. Das gehört für mich zum Wesen unseres Seins. Ohne die Tiefe des Meeres ist kein Himalaya möglich.
Auch in dem derzeitigen Äon wird es Menschen geben, die zurückfallen und Menschen, die vorwärtsgehen. Ich fürchte, das gehört zu den Gesetzen, die unserem Sein zugrunde liegen wie Tod und Leben. Dass es ein Sein außerhalb dieser Existenzweise gibt, glaube ich schon, aber ich finde es wenig sinnvoll, darüber zu sprechen, weil man dann vermittelt, man hätte auch nur den Hauch einer Ahnung davon. Das ist aber - für mich jedenfalls - nicht der Fall. Es ist ein Bewusstsein, dass das geistige Judentum als Kether bezeichnet hat. Mose hat es nicht erfunden. Kein Mensch des derzeitigen Bewusstseins kann es erfinden, so glaube ich.

Dass Sie das nicht so sehen, kann ich nachvollziehen. Ich könnte auch nachvollziehen, dass ich diese meine Sicht in den Orkus schicke, zu sehr bin ich manchmal verzweifelt, wenn ich das Elend und Leid auf der Erde sehe. Aber selbst wenn ich es wollte - und der Wille ist ja mit das Höchste, was wir haben: Aus irgendeinem Grund kann ich das nicht.
Ich ordne deshalb all die Negativa, die Sie berechtigterweise aufzählen, in eine Gesamtentwicklung ein. Dass wir in diesem Leben Beweise dafür finden, welche Sicht richtig oder falsch ist, ist allerdings illusorisch. Ich entschließe mich für Hoffnung und Glaube.

Gravatar: Hans-Peter Klein

@ HeikoS

Für den rein theoretischen Fall, das Ihre Frage ernst gemeint ist:

Der Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Homosexualität liegt im grundsätzlich verschiedenen Sexualverhalten bedingt durch die unterschiedliche Anatomie der beiden Geschlechter.

Ein Mann ist keine Frau, macht er sich zur Pseudo-Frau, dann ist er nicht normal, begehrt er eine solche Pseudo-Frau, ist dies ebenfalls nicht normal, also abnormal.

Die Politik beschliesst und macht Gesetze für die Mehrheit des Normalfalls.
Bei Abweichungen von der Normalität im Einzelfall, gelten die von der Mehrheit beschlossenen Minderheitengesetze, der sich die Minderheit fügen muss.

Was wir erleben ist Abnormalität, Minderheiten diktierem der Mehrheit was als normal zu gelten hat, das ist alles nicht mehr normal.

Wie gesagt, nicht zu ernst nehmen, es war alles nur ein konstruierter, rein theoretischer Diskurs für ebensolche Minderheiten: Die Mehrheit weiß ja eh Bescheid.
Völlig Normal.

Gravatar: Clara West

Hallo Herr Klinkmüller,

für mich war die Ausgangsfrage „Ist der Mensch die Krönung der Schöpfung?“ - aufbauend auf Precht’s Buch „Tiere denken“. Die Fragestellung an sich war schon pauschal.

Sie haben Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass es viele Menschen gibt, die Gutes tun, die sich Mühe geben, alles richtig zu machen. Jedoch ist das Gesamtergebnis Mensch unter dem Strich eher niederschmetternd. Sollte also der Mensch die Krönung sein, so muss man ganz zwangsläufig Gott die Frage stellen, ob er das nicht besser hätte hinbekommen können. Und wenn nun Menschen behaupten, dass Gott sie nach seinem Ebenbild schuf, dann kommt mir der Gedanke „Ich hoffe nicht“. Denn, wenn dem so wäre, hätten wir es mit einem furchtbar willkürlichen und unvollkommenen Gott zu tun. Interessanterweise interpretieren Menschen Gott auch genau so. Ein übernatürliches Wesen mit sehr menschlichen Unarten wie Rachegelüste, Eifersucht, Machtbesessenheit und Narzissmus. Begriffe wie Gottesfürchtigkeit, Erbarmen oder Gnade haben jahrhundertelang die Religion geprägt. Gott sieht alles, Gott hört alles, Gott weiß alles. Er weiß von deinen Fehlern, bevor du sie begehst. Und wenn du sie dann begehst, dann wird er sich rächen, wenn du ihn nicht um Verzeihung bittest. Mein persönlicher Gipfel war schon in dem Moment erreicht, als unser ältestes Kind zum Firmunterricht ging und dort allen Ernstes behauptet wurde: “Wenn du nicht an Gott glauben kannst, ist deine Mutter schuld.“ Da war sie wieder, die Verachtung gegenüber Frauen, wie wir sie in allen Weltreligionen wiederfinden.

Ich kann und will an einen solchen Gott nicht glauben, aber jeder muss dazu seinen eigenen Weg finden, sei es in der Religion oder aber auf völlig weltlichen Pfaden.

Bisher kann man jedoch feststellen, dass jeder Versuch, den Menschen über etwas anderes zu stellen, immer fehlgeschlagen ist. Mensch über Mensch - bedeutet immer Kriege. Mensch über Natur - bedeutet biologisches Ungleichgewicht, Ausbeutung, Nestverschmutzung.

Wir kommen nur auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn wir uns als Teil der Natur verstehen und versuchen, mit ihr im Einklang zu leben, wenn wir es schaffen, unsere natürlichen Instinkte wieder zu entdecken. Sie wurden uns ja aberzogen, weil sie wirtschaftlichem und politischem Nutzen im Wege stehen.

Gravatar: Johannes Klinkmüller

Hallo Frau West,

wie gesagt, akzeptiere ich Ihre Sicht natürlich. Aber nur noch mal zur Erinnerung: Krone der Schöpfung ist für mich der Mensch am 7. Schöpfungstag. Davon sind wir m.E. noch weit entfernt. Wobei ich, wie erwähnt, erschüttert bin, durch welche Täler die Menschheit geht. Das aber liegt nicht an Gott.

Mit dieser Sicht, dass die Schöpfung im Werden ist, befinde ich mich nicht im Einklang mit der gängigen Vorstellung; aber diese ist in der Tat nicht stimmig, wenn man menschliches Verhalten sieht; die attackieren Sie absolut zu Recht. So viele Zacken hätte keine Krone, wie sie täglich rausfliegen. Von Krone kann also nur als Zielvorstellung die Rede sein.

Mit Instinkten habe ich persönich wenig am Hut. Trotz allen Schimpfens auf den Menschen: Dazu sind seine Saiten zumeist doch schon zu fein gestimmt und wer es möchte, handelt in der Regel nicht auf der Basis von Trieben und Instinkten.

Vergleichbares gilt für Natürlichkeit: Ich halte durchaus viel von ihr, aber wir stehen nicht mehr mit der Sonne auf und gehen nicht mehr, wenn es dunkel wird, ins Bett. Menschen machen die Nacht zum Tag und den Tag zu ihrer Nacht. Ob es gut ist oder nicht: Menschen gehen diesen Weg der Erfahrung. Der Rousseausche Begriff von Natur ist von Beginn an ein anachronistisches Konstrukt gewesen. Natürlichkeit steht längst auf nicht voraussehbar gewesene Weise zur Disposition. Wenn Sie Instinkte und Natürlichkeit leben wollen, müssen Sie ein Instinkt-Naturpaket bei Amazon bestellen oder bei einem Reiseveranstalter Instinkt-Natur-Urlaub buchen und daran glauben, dass es seiner ist.

Niemand, der "natürlich" leben will, entkabelt sich oder reißt die Stromleitungen aus der Wand. Wo also soll die gute alte Natürlichkeit anfangen, wo soll sie enden?
Manche Natürlichkeit wird ziemlich unnatürlich produziert, mit einem ganz und gar unnatürlichen Aufwand.

Ich merke beim Schreiben, wie mir da selbst Fragen über Fragen kommen. Ein weites Feld, würde Effi Briests Vater sagen. Aber eines, das man wirklich zum Thema machen kann! Ich hätte da eine Idee ... erstmal möchte ich aber das Tier-Mensch-Thema für mich abschließen.

Jedenfalls bin ich froh, dass es immer wieder Menschen gibt, mit denen man kontrovers und sachlich diskutieren kann. Und die ein oder andere Spitze/Zacken darf ja durchaus sein :-)

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang