Panik und Tricks auf der Euro-Titanic

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Die politischen Kapriolen um die Euro- Rettung werden mit jedem Tag absurder. Nachdem der Widerstand des Parteivolks gegen weitere „Rettungsschirme“ und den ESM immer spürbarer wird und es eine Initiative gibt, die Mitglieder der FDP zu befragen, gerät Parteichef Rösler von zwei Seiten in Bedrängnis. Während die Kanzlerin verlangt, ihr ohne Wenn und Aber auf dem Weg zur Zementierung der Schuldenunion zu folgen, verweigert die Parteibasis zunehmend die Gefolgschaft. Röslers Kalkül, als er die geordnete Insolvenz von Griechenland ins Gespräch brachte, war wohl, der Mitgliedschaft eine Beruhigungspille zu verabreichen, um das große Ziel, den ESM, zu retten. Was gut für das Land ist, dem Merkel nach eigenem Bekunden dienen wollte, spielt in ihrer Regierung immer offensichtlicher keine Rolle mehr. Auch nicht bei den Medien, die sich auf die Frage konzentrieren, ob Merkels Mehrheit steht oder fällt, statt sich damit auseinanderzusetzen, welche Folgen ihre Politik für die Bürger hat.
Wie wenig Interesse besteht, das Parlament an den bevorstehenden Schicksalsentscheidungen zu beteiligen, enthüllte der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler vergangenen Donnerstag auf dem Kongress der Familienunternehmer in Berlin.
Der Entwurf eines „Gesetzes zur Änderung des Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilitätsmechanismus“ wurde am Freitag Nachmittag, wenn sich, wie jeder weiß, weder Abgeordnete noch Personal im Büro befinden, zugestellt. Am Montag wurde die Vorlage dann von den Koalitionsfraktionen beschlossen und eingebracht. Selbst wenn alle Abgeordneten am Montag den Entwurf gelesen haben sollten, konnten sie sich offensichtlich kein Bild über die enthaltenen Widersprüche in den Formulierungen machen. Sonst wäre der Entwurf nicht rausgegangen.
Unter B steht, dass „der von der Bundesrepublik zur Verfügung zu stellende Gewährleistungsrahmen“ von 123 Milliarden Euro um 88,0459 Milliarden Euro auf 211,0459 Milliarden Euro erhöht wird.
Unter C , Alternativen: keine. Unter D heißt es : „Es entstehen keine unmittelbaren Ausgaben. Die mittelbaren Auswirkungen sind nicht bezifferbar.“
Klartext. Der Betrag wird erst später fällig, in welcher Höhe, kann niemand sagen.
Unter F, Sonstige Kosten steht: „Das Gesetz führt nicht zu zusätzlichen Kosten für die Wirtschaft einschließlich der mittelständischen Unternehmen. Durch die vorgesehenen Maßnahmen sind Auswirkungen auf die Einzelpreise und das Preisniveau, insbesondere auf das Verbraucherniveau, nicht zu erwarten.
Wie kommt der Gesetzgeber, der einräumt, die Kosten seines Handelns seien nicht bezifferbar zu der Behauptung, diese unkalkulierbaren Kosten hätten keinerlei Auswirkungen auf das Preisniveau für Bürger und Unternehmen?
Entweder handelt es sich um einen groben Fehler, oder eine bewusste Irreführung.
Egal was es ist, so ein Entwurf hätte niemals abgesegnet werden dürfen.
Die Koalition konnte sich das nur erlauben, weil sie sicher sein kann, dass die Opposition in diesem Fall nicht genau hinsehen wird.

Beitrag erschien zuerst auf achgut.com

Kommentare zum Artikel

Gravatar: Meier

Angenommen es gibt eine Krise innerhalb der CDU, weil die Parteimitläufer zunehmend mehr Angst vor der Wählerschaft bekommen als vor der Kanzlerin, die ihnen Pfründe gibt. Denn die, setzt sich zur Ruhe, wenn sie den „EU-Banken-Rettungs-Schirm“ als Vergoldung ihrer politischen Mühen erreichte, aber was sollen die anderen CDU-Parlamentarier machen, wenn ihnen weiterhin die Wähler „abstinent bleiben“?

Frau Merkel kam genau in solch einer Vertrauenskrise der Partei bzw. ihrem Chef und Kanzler Kohl an die Schaltstellen. Umgab sich mit Loyalen und schaltete alle Konkurrenten ab.
Nun ist es eigentlich an der Zeit, das sich genau dieser Vorgang wiederholt und Frau Merkel als verbrauchte CDU-Chefin als Kanzlerin die das Volk mittlerweile offensichtlich gegen sich und die CDU empört, ganz einfach und normal abgelöst wird. So wie das im gesunden Wettbewerb üblich ist, wo sich neue Leute mit höherer Wertschätzung durchsetzen und die Alten dafür Platz machen müssen. Sie hatten ja schon ihre Zeit, ihre Chancen und das sollen nun die Nächsten auch haben.

Wenn eine große Volkspartei die regiert, Wahl um Wahl verliert, dann wird es Zeit die Vertrauensverluste zu akzeptieren, statt zu ignorieren und stur an einer verfehlten Politik fest zuhalten. Wenn die Unternehmer das Vertrauen in die Partei verlieren, die ihnen langfristige Perspektiven geben muss, um weiter in diesem Land zu bleiben, dann sind Personalwechsel so eindeutig und notwendig wie Windelwechsel beim Säugling, damit wieder Vernunft und konstruktive Phasen zum Zuge kommen.
Hoffentlich stecken die CDU-Abgeordneten nicht weiter den Kopf in den Sand und vernachlässigen ihr „Baby“. Um Demokratie die dem Volk nutzt ist es wichtig zu jeder Zeit aufstehen zu können, wenn es stinkt, wenn es wichtig und berechtigt ist.

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