Orbán und Soros

Dass der ungarische Ministerpräsident kein Freund des Milliardärs Soros ist, dürfte bekannt sein. Doch was jetzt in deutschen Medien über das neue ungarische Universitätsgesetz geschrieben wird, ist bestenfalls einseitig.

Veröffentlicht: | Kategorien: Blogs, Blogs - Empfohlen, Blogs - Lebenswelt, Blogs - Lebenswelt - Empfohlen, Blogs - Politik, Blogs - Politik - Empfohlen | Schlagworte:
von

Die deutsche Berichterstattung zum neuen ungarischen Universitätsgesetz ist sogar erschreckend einseitig. Ich darf den Leserinnen und Lesern der „Freien Welt“ wieder einmal, meinen ungarischen Sprachkenntnissen geschuldet, eine Informationsalternative bieten.

In Deutschland wird die Sache so dargestellt, dass das Gesetz quasi nur eine einzige Universität betreffen würde, nämlich die großenteils vom ungarisch-amerikanischen Milliardär G. Soros finanzierte CEU (Zentraleuropäische Universität). Das ist offensichtlich falsch. Ich beziehe mich auf die Darstellung des Nachrichtenportals „Origo“, die ich natürlich nicht überprüfen kann, die aber wenigstens diskutiert werden müsste.

Demnach arbeiten achtundzwanzig ausländische Universitäten in Ungarn regelwidrig, teilweise gesetzwidrig. Der charakteristischste Fehler sei der, dass Diplome vergeben würden, obwohl im Mutterland gar kein Unterricht stattfinde, was aber Vorschrift sei.

Die Probleme seien sehr verzweigt. Oft werde der Unterricht nicht innerhalb des ungarischen Rechtsrahmens durchgeführt, so seien einige Universitäten in Wirklichkeit gar nicht in Ungarn tätig, haben also keinen Campus, oder sie haben keinen ungarischen Partner, oder nur auf dem Papier, d. h. fiktiv. Auch das komme vor, dass der ausländische Partner über kein Programmakkreditierungsrecht verfüge, zum Beispiel weil in Ungarn entsprechend qualifizierte Ausbilder fehlen. Die ausländische Einrichtung stelle ein Dokument aus, das staatlich nicht anerkannt ist, sodass ungarische Hörer, die Geld bezahlt haben, geschädigt würden, weil das Dokument nicht voll gültig sei.

Die Université Pantheon Assas Paris II arbeite nicht innerhalb des erforderlichen rechtlichen Rahmens. Auch bei der Middlesex University sei dies so, sodass hier schon die Zulassung widerrufen werden musste.

Bei der CEU, die umgangssprachlich auch Soros-Universität genannt wird, liegen ebenfalls Unregelmäßigkeiten vor. Sie verfüge nicht über eine Programmakkreditierung und habe bei der Datenübermittlung mindestens Versäumnisse, so biete sie Ausbildungen an, die überhaupt nicht registriert seien. Soweit „Origo“.

Interessant ist, dass man in Deutschland von den anderen Universitäten nichts hört, nur von der „Soros-Universität“. Offenbar haben die anderen Universitäten kein Problem mit der Nacherfüllung der rechtlichen Vorschriften. Herr Steinmeier, der davon sprach, dass in Ungarn der Wissenschaft die Luft zum Atmen genommen würde, sollte zur Kenntnis nehmen, dass im neuen Gesetz von Lehrinhalten nirgendwo die Rede ist, wohingegen in Deutschland Wissenschaftler, die nicht dem links-„liberalen“ Mainstream folgen, erheblichen Repressalien ausgesetzt sind oder durch Denunziation und andere Beeinflussungen von Bewerbungsverfahren gar nicht erst auf einen Lehrstuhl gelangen. Zu dieser Problematik der Sachfremdheit gehört auch die in jedem Bewerbungsverfahren formulierte Bevorzugung von Frauen „bei gleicher Qualifikation“. Von den verheerenden Auswirkungen des Maas'schen Netzwerkdurchsetzungsgesetz auf die Meinungsfreiheit in Deutschland ganz zu schweigen.

Abschließend möchte ich noch meine eigene Bewertung bringen, die aus der Kenntnis der in der Universitätspresse der CEU erschienenen wissenschaftlichen Bücher beruht. Es ist unzweifelhaft, dass diese Werke eine hohe Qualität haben. Das Problem ist die politische Ausrichtung der Autoren, der Geist, der in diesen Publikationen vorherrscht. Die CEU sollte, so die offizielle Absicht des Gründers Soros, einen so genannten „liberalen“ Geist nach Mitteleuropa bringen, was nach der kommunistischen Einheitsdiktatur wünschenswert war. Es ist aber zu vermuten, dass das Lehrpersonal entsprechenden Voraussetzungen genügen musste, sodass hier sicher auch nicht nur die Qualifikation eine Rolle gespielt haben dürfte. Nun ist „liberal“ schon länger vor allem in Mitteleuropa nur eine Floskel, hinter der sich eine globalistische Agenda verbirgt. Ob Orbán durch mehr Druck auf ausländische Universitäten verhindern will, dass die nächste Generation von Ungarn im Geiste von Soros erzogen wird, mag mit ein Grund sein für das neue Universitätsgesetz. Angesichts der einseitig links-„liberal“ ausgerichteten Universitätslandschaft West- und Mitteleuropas bin ich mir nicht sicher, ob etwas Gegensteuerung bei der Zusammensetzung der Professorenschaft nicht wünschenswert wäre, damit, wenn schon beeinflusst wird, dies nicht nur von einer Seite aus geschieht.

Nachtrag vom 6. Mai 2017: Weil immer wieder die Behauptung vorgebracht wird, es handle sich beim Fall der CEU um eine rückwirkende Beurteilung, was tatsächlich eisernen Rechtsgrundsätzen nicht entspräche, biete ich noch einen Link an, in dem der Autor auf die Gesetzeslage genauer eingeht. Tatsächlich ist die CEU aufgrund eines Sondergesetzes, das dem damals gültigen ungarischen Hochschulgesetz nicht entsprach, gegründet worden: http://www.budapester.hu/2017/05/01/die-ceu-ist-keine-universitat.

Kommentare zum Artikel

Gravatar: karlheinz gampe

Die deutsche Professorenschaft ist auch nicht das non plus ultra. Professoren sind nicht frei und werden von der Industrie gesponsert oder auf Stellen gehievt. Sie vertreten dann Konzerninteressen.

Gravatar: RAFAMedR Martin Schmid

Die Deutsche Professorenschaft ist bestenfalls in den Geisteswissenschaften, die es sich aber wenigstens finanziell nicht lohnt, zu studieren, relativ frei. Alle anderen sind abhängig, in der Medizin(un)industrie in der Regel korrupt und kriminell bzw. leisten via bewusst falsxher Gutachten Beihilfe zum versuchten bzw. vollendeten Prozessbetrug (§§ 263, 22, 23, 27 StGB). Für die Chemie gilt übrigens im Vollbeweis oftmals dasselbe. Verbrecher. Lieber sterben als sich in die Hand von Ärzten begeben.

Gravatar: Adorján Kovács

@gampe, Schmid
Keineswegs betrifft die Abhängigkeit in Deutschland nur die naturwissenschaftlichen Professoren, obwohl sie dort durch das Drittmittelsystem besonders auffällig ist. Nein, auch die geisteswissenschaftlichen Professoren sind abhängig, und zwar meist von der links-grünen Ideologie. Das fällt nicht so auf, weil es freiwillig ist und nicht von außen aufgezwungen. Der äußere Einfluss erfolgt im Bewerbungsverfahren, z. B. durch Kollegen oder die Landesregierung. Allein schon die denunziatorische Tätigkeit von Horkheimer und Habermas ergibt eine ganze Reihe von konservativen Opfern.

Gravatar: egon samu

Köszönöm Kovács úr a helyesbítését!

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang