Medianwählermodell mit treuen Parteianhängern

Mir ist eine interessante und auch praktisch relevante Variante des Medianwählermodells eingefallen. Mich würden Hinweise darauf interessieren, ob es diese in der Literatur schon gibt.

Veröffentlicht: | Kategorien: Blogs, Blogs - Empfohlen, Blogs - Politik, Blogs - Politik - Empfohlen | Schlagworte:
von

Das Medianwählermodell besagt, dass sich in einem Zwei-Parteien-System beide Parteien der Mitte annähern, weil am Ende der Medianwähler genau in der Mitte entscheidet. Dazu wird angenommen, dass jeder die Partei wählt, die ihm relativ am nächsten steht. Stellt sich eine Partei links auf und die andere rechts, dann bekommt die erste alle Stimmen links der Mitte und die zweite die rechts davon. Wandert die rechte Partei in die Mitte, gewinnt sie aus der Mitte und sogar von gemäßigt Linken Stimmen dazu. Bleibt die andere Partei unverändert, wird sie jede Wahl verlieren. Das gilt erst recht, wenn sie noch weiter nach links rückt, um der anderen Partei auszuweichen. Sie gewinnt jedoch Stimmen zurück oder sogar hinzu, wenn sie selbst in die Mitte wandert. Schließlich treffen sich beide genau in der Mitte und der (fast) indifferente Medianwähler gibt den Ausschlag.

Für das Modell gibt es viele Varianten und Erweiterungen. So ist es nicht entscheidend, dass die Wählerpräferenzen eindimensional auf einem Kontinuum von links nach rechts verteilt sind. Das Modell funktioniert auch zwei- und mehrdimensional. Bei mehr als zwei Parteien wird es allerdings deutlich komplizierter.

Meine kleine Erweiterung besteht darin, dass es treue Parteianhänger geben mag, die eine Partei auf jeden Fall wählen. Wenn eine Partei mehr davon hat als die andere, dann sollte sie jede Wahl gewinnen, indem sie über den Medianwähler hinaus in den Bereich der anderen Partei eindringt. Selbst wenn die Parteien dann ihre relativen Positionen tauschen sollten, bliebe sie stärker. Überhaupt ist es ein Problem im Grundmodell, dass bei einem Tausch der relativen Positionen, also wenn z. B. die vormals rechte Partei geringfügig linker wird als die vormals linke, (fast) alle Wähler sofort die Partei wechseln sollten. Meine Erweiterung ließe sich also auch dahingehend abschwächen, dass es gar keine absolut treuen Wähler geben muss, sondern bei manchen die Parteibindung einfach etwas stärker ist, so dass sie langsamer die präferierte Partei wechseln würden als andere.

Ein Zahlenbeispiel mag die Idee mit treuen Wählern veranschaulichen. Es gebe 101 Wähler, die von links nach rechts geordnet sind. Der 51. Wähler ist dann der Medianwähler, der im Grundmodell die Wahl entscheidet. Die linkere Partei hat die ersten 50 Wähler auf ihrer Seite, die rechtere Partei die Wähler vom 52. bis 101. Der Medianwähler entscheidet sich für eine der beiden Parteien, die ihm geringfügig mehr zusagt, wodurch diese die Wahl gewinnt. Wenn nun die anfangs rechtere Partei fünf treue Wähler hat, die sie auf jeden Fall wählen, während anfangs die linkere Partei nicht über solche Wähler verfügt, kann sie eine Position formulieren, die nicht dem 51. Wähler am besten gefallen soll, sondern z. B. dem 49. Wenn die zuvor linkere Partei ihre Position nicht ändert, steht sie plötzlich rechts, da ihr Angebot dem 50. Wähler noch etwas besser gefällt als dem 49. Trotzdem wird sie die Wahl verlieren, weil die andere Partei 49 linke Wähler gewinnt und 5 treue Wähler behält, also insgesamt 54 von 101 Stimmen auf sich vereinigt. Wenn die vormals linkere Partei deshalb etwas weiter nach links rückt und den 49. Wähler noch etwas besser umschmeichelt, verliert sie trotzdem mit 49 zu 52 Stimmen.

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Lisa

Könnten Sie eventuell das mehrdimensionale Modell genauer erklären?
Zu diesem gibt es nur ganz wenig in der Literatur.
Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang