Krisen, Kontrollen und Aufschrei

Der zyprische Bankensektor war schon immer ein Verschiebebahnhof für russische Oligarchen. Von daher setzten viel darauf, dass Präsident Putin alles unternehmen würde, russische Einlagen zu beschützen und in Zuge dessen Zyperns Bankensektor zu retten. Er tat es nicht. Stattdessen bezichtigt er die EU des Diebstahls, vergisst aber dabei, dass viele Bankkunden um ein Haar nicht 10 Prozent, sondern bis zu 100 Prozent ihrer Einlagen verloren hätten. Oder tut er es doch noch? Seine geldmächtigen Freunde setzen ihm furchtbar zu.  So wird man jedenfalls ein außenpolitisches Leichtgewicht.

 

Veröffentlicht: | Kategorien: Blogs, Blogs - Politik, Blogs - Wirtschaft | Schlagworte: Allgemein, Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik
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Die vorläufige Rettung Zyperns wurde nunmehr von der EU orchestriert, erfreulicherweise ohne den ESM-Rettungsschirm zur Bankenrettung einzusetzen. Es wird allerdings nicht ausbleiben, dass die EZB weiterhin die Zentralbank Zyperns mit Liquidität ausstattet. 

Zypern ist nicht erst seit gestern als Geldwäsche- und Offshore-Banking Zentrum berühmt berüchtigt. Es hätte 2008 erst gar nicht EURO-Mitglied werden dürfen. Die Zinsen, die Zyperns Banken gewährten, waren so hoch, dass die Anleger, die jetzt 10 Prozent ihrer Einlagen verlieren, immer noch besser abschneiden als ein Einlagenkunde eines hiesigen Bankinstituts. Ärgerlich ist es nur für diejenigen, die ihr Geld erst vor kurzem nach Zypern gebracht haben. Aber warum taten sie es? Ärgerlich auch für diejenigen, die deutlich mehr als 10 Prozent abgeben müssen.

Viel spannender ist ein Phänomen, das wir künftig häufiger erleben werden: Kapitalverkehrskontrollen. Nicht nur Zypern, nicht nur jedes EURO-Mitgliedsland, jedes Land, wird sich erneut überlegen, wie es einen plötzlichen Abfluss von Kapital entgegenwirken kann, da Einlagengarantien à la Kanzlerin Merkel an Wert verlieren. Bis Ende der 70er Jahre war es gang und gäbe Geldflüsse restriktiv zu kontrollieren – selbst im angelsächsischen Raum. Im Zuge der Deregulierungswellen lockerte sich auch der Kapitalverkehr. Dies entsprach der Wunschvorstellung freier Märkte, wonach das Geld dorthin wandert, wo es am sichersten oder am rentabelsten angelegt werden kann. Als dann Ende der 80er Jahre ein krisengeschütteltes Land wie Malaysia die plötzliche Kaptalflucht zu verhindern suchte, kam es zu einem globalen Aufschrei der Märkte. Krisen, Kontrollen und Aufschrei werden auch in nächster Zukunft an der Tagesordnung sein. 

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: FDominicus

Enteignung kann niemals eine Lösung sein sondern nur ein Problem. Ich wünsche Ihnen eine Konto in Zypern, und zwar über 100 000 ¤. Ihre Reaktion auf die Enteignung dürfte etwas "verhaltener" ausfallen.

Gravatar: Karin Weber

Zitat: "Zypern ist nicht erst seit gestern als Geldwäsche- und Offshore-Banking Zentrum berühmt berüchtigt. Es hätte 2008 erst gar nicht EURO-Mitglied werden dürfen."

Hat das mal irgendjemand so halbwegs belegt? ... oder ist das der #Aufschrei aus den Müllstreammedien, die ihre Anweisungen aus dem Finanzministerium bekommen?

Ich glaube schon lange nix mehr, was mir hier permanent erzählt wird und wenn jemand sein Geld vor den staatlichen Räubern ins Ausland in Sicherheit bringt, dann finde ich das mehr als nur legitim.

Gravatar: Erimar v. der Osten

@ FDominicus. Die Tatsache, dass Zypern in der Vergangenheit eine Steueroase war und einen vollkommen aufgeblähten Bankensektor unterhielt, rechtfertigt selbstverständlich keine Enteignung. Wenn Sie eine Forderung gegen eine insolvente Firma haben, können Sie aber auch nicht erwarten, dass der Staat Sie freikauft. Eine Kundeneinlage ist nichts anderes als eine Forderung (einer Nichtbank) gegen ein Kreditinstitut. Einige, die in letzter Zeit ihr Geld nach Zypern gebracht haben, haben sich offensichtlich daran gewöhnt, dass die EU (mittelbar oder direkt) einspringt, wo auch immer eine Bank in Not ist. Immerhin hat die EU gerade 10 Mrd. für die Rettung Zyperns zur Verfügung gestellt. Für Anleger mit über TEUR 100 gab es auch bei zyprischen Banken die Möglichkeit sich privat zu versichern. In der Regel schiesst die Bank für ihre Kunden eine Rahmenversicherung ab, damit auch die "Großen" zusätzlich abgesichert sind. Die "Großen" fragen auch danach. Wenn sie keinen zusätzlichen Schutz bekommen, überlegen sie sich, ob und inwieweit sie der Bank trauen; für wie viel sie ihnen "gut" ist. Sie lassen sich die Bilanz geben. Sie erkundigen sich nach der Bonität. Immerhin sind die Probleme des EU Bankensektors seit Jahren bekannt. Warum sollten ausgerechnet die zyprischen Banken sich von griechischen Staatsanleihen etc. ferngehalten haben? Das wäre unrealistisch. Auch einige "Großen" haben sich zu sehr daran gewöhnt, dass am Ende der Staat oder die Staatengemeinschaft alles richten wird. Dennoch, an kann getrost davon ausgehen, dass viele "Große" sich zusätzliche abgesichert haben und jetzt, nachdem das Risiko sich verwirklicht hat, sich bei den Versicherern schadlos halten werden. Die auf Versicherungsrecht spezialisierten Kanzleien haben Hochkonjunktur. Das liest man nur nicht in den Schlagzeilen. Selbstverständlich hätten die Banken sich rechtzeitig überlegen können, ihren Gläubigern Eigenkapital anzubieten. Das setzt aber auch enteignungsgleiche Massnahmen (Geldsperre etc.) voraus.

Gravatar: Erimar v. der Osten

@ K.Weber: Die zyprischen Banken selbst haben mit Zypern als Steueroase geworben. Das sich auch Zypern in der Not "räuberisch" verhält, erleben wir gerade.

Gravatar: Hans von Atzigen

Weit zurueckreichende fundierte Ausfuerungen.Die sog.Globalisierung war ein recht diletantisch umgesetztes, sehr massiv Ideologiegefaerbtes Grundmodell.Leider erinnern sich nur noch wenige an die Umstaende in den 70 iger Jahren.Damals wurden Weichen gestellt die das aktuelle Geschehen massgeblich mitbestimmt haben.Unuebersehbar eine Volge der damals eingeleteten Globalisierung war eine ueber die Jahre unkontrolierte Geldmengenausweitung bis zum Exzess.Der Geld und Kapitalmarkt haben sich von den Ergebnissen der Realwirtschaft schrittweise getrennt und verheerend verselbstaendigt.Zu beginn der 90 iger ervolgte der entscheidende ganz grosse Schub.Die Volge.Diese Ueberliquiditaet wird jetzt zwangsweise aus dem Geldmarkt gedraengt.Dies durch erzwungene Abschreibung und Entwertung. Der Ruekkopelungseffekt auf die Realwirtschaft beginnt jetzt zu wirken mit den sich immer deutlicher abzeichnenden sehr haesslichen begleiterscheinungen=massive Wohlstandseinbrueche fuer zahllose Individuen.Da gab und gibt immer noch viel zu viele die zwischen Ordnung, Freiheit und Anarchie nicht unterscheiden koennen.Freiheit ist ein eusserst kostbares Gut.Doch eben dieses kostbare Gut Freiheit,kann nur erhalten werden,wenn Mass und Verantwortung NICHT ausgeklammert werden.Tja der Schaden ist angerichtet und der ist massiver als den meisten bewusst ist,massiver als uns allen lieb sein kann.Ist die Sache einigermassen reparierbar??? Leider stehen die Chancen verdammt schlecht.Die Oekonomische Lehre und Vorschung bedarf dringendst einer umfassenden ueberarbeitung.Mit Simpelthesen und Schwadronieren wird man dieser komplexen Materie,Oekonomie,niemals gerecht.Freundliche Gruesse.

Gravatar: FDominicus

"Wenn Sie eine Forderung gegen eine insolvente Firma haben, können Sie aber auch nicht erwarten, dass der Staat Sie freikauft. "

Erwarte ich ja nicht, erläutern Sie mir dann doch einfach warum wir (was haben wir mit den zypriotischen Banken zu tun) 11 Mrd überweisen. Das den Schuldendienst für Zypern heute schon absehbar nicht bedienbar macht.

Wie immer die blöden Europäer bezahlen....

Dazu erläutern Sie mich noch folgende "netten" Trick der EZB. Die ELA Faszilitiäten werden auf die Bank von Cpyern übertragen. Tja das kann wohl die Zentralbank machen was ist mit den anderen Gläubigern? Die lapidate Meldung: Ihr Geld ist weg aber die EZB ist "fein" raus.

Und warum erwischt es dann die Kleinanleger nich? Deren Konten werden auf die Bank von Zypern übertragen. Die Bank ist offenbar Pleite und müsste dann nicht jedem Kunden zumindest die 100 000 ¤ garantiert sein.

Das Sie ein Fehler im System lapidar kommentieren mit:
"Eine Kundeneinlage ist nichts anderes als eine Forderung (einer Nichtbank) gegen ein Kreditinstitut. "

Ja das ist so und deswegen ist es eine Lüge zu behaupten irgendwelche Einlagen seien sicher. Nun selbst die Besicherung mit 100 000 ¤ ist reine Makulatur wenn es die Politik so beschliesst.

Für die Politik ist nun beweisbar Enteignung eine Option die Sie hier das erste Mal ziehen aber sicher nicht das letzte Mal.

Nein die Zypern Rettung ist alles nur keine Rettung. Sie ist nur ein weitere Tiefpunkt in der Willkür. Die Politik beschließt welche Bank Pleite geht und welche nicht und auch wenn Sie um wieviel betrügen....

Gravatar: Hans von Atzigen

F.Domenicus stellt die richtigen Fragen und liefert auch die Richtigen Schlussvolgerungen.Wie erklaert sich Dies?Die Verbuchte Geldmenge ist sehr viel schneller gewachsen als die Realwirtschaftsleistung,soweit bekannt um den Faktor 10 oder darueber.Damit haben sich Vorderungen aufgebaut die Real nicht mehr einloesbar sind.Kaemen alle auf die Idee ihr Guthaben gleichzeitig einzuloesen wuerden diese gezwungenermassen und wohl auch ueberrascht feststellen das es fuer diese Vorderungen nicht genuegend reale Werte gibt.Warum hat das bis vor kurzem funktioniert??? Recht einfach bis zum Ausbruch des aktuellen Desasters wurden in der Praxis jeweils nur Vorderungen gegen Realwerte getauscht=eingeloest,im Umfang des Real verfuegbaren.Der ganze Rest an Vorderungen stand lediglich als Substanzlose nicht Real ferfuegbare Vorderungen in den Bilanzen.Tja jetzt loest sich dieser gigantische Hoffnungs und kollektife SELBSTBETRUG in Luft auf.Das aktuelle Geschehen ist nur noch der aussichtslose Versuch diesen Hoffnungs und Selbstbetrug zu retten.Das Ergebnis ist vorhersehbar und fatal Desastroes.Bloss noch eine Frage der Zeit bis DAS Final kolabiert.Die Schuldfrage???Eine eusserst Komplexe Sache.Am einfachsten kann man dies mit Kollektiver DUMMHEIT umschreiben.Freundliche Gruesse.

Gravatar: Erimar v. der Osten

@ FDominicus: Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, wenn Sie sagen, dass hier die Politik alles entscheidet. Mir lag daran zu erinnern, dass in einer Insolvenzsituation, mit der wir es hier in Bezug auf einzelnen Banken zu tun haben, Gesetze und privatrechtliche Gesellschaftervereinbarungen und Versicherungen vorgeben, welche Gläubiger wie zu behandeln und gegebenenfalls wann zu befriedigen sind. Das letzte Wort hätten Gerichte und nicht Politiker. Ein Bail-out, wie sie die EURO-Gemeinschaft für die Anteilseigner und Gläubiger von Banken organisiert, sollte eigentlich das letzte Mittel sein. In den Medien wird vorwiegend makroökonomisch diskutiert. Man spricht fast ausschließlich von Bankensektoren, als ob es keine einzelnen Banken gäbe. Da die einzelne Bank sicher nicht für die Eurozone systemrelevant ist, ist stets vom ganzen Bankensektor die Rede. Zugegeben, der Gesamtsektor ist schon eher systemrelevant. Einräumen muss man sicherlich auch, dass eine Abwärtsspirale auch andere europäische Banken in ihren Strudel ziehen kann. Jedenfalls befinden wir uns argumentativ mitten in der EU Interventions- und Bail-out-Logik der letzten Jahre, als ob es kein privates Insolvenz- und Liquidationsrecht zu bedenken gäbe. Auch in Zypern haben sich zunächst einzelne Banken übernommen. Natürlich gab es makroökonomische Gründe - Zypern ist nicht zuletzt auch wegen der Ausweitung der Geldmenge und der Rettungslogik der Eurozone in die Liquiditätsfalle geraten. Zuvor hatte Zypern mit dem freiwilligen Beitritt zur Währungsunion in 2008 nicht nur die Steuerung seiner Geldpolitik an Dritte übertragen, sondern auch auf eine effektive Kontrolle der Liquiditätsflüsse verzichtet – und kann nicht gegensteuern. Das hat manchen Staat und in der Folge manche Bank in die Bredouille gemacht. Insoweit ist es verständlich, dass sich Zypern mit verantwortlich fühlt und seinen Bankensektor zu retten versucht, auch wenn gerade die Banken (mit wenigen Ausnahmen) um jeden Preis die Währungsunion wollten. Die Ursachen liegen u.a. in der fatalen Ausweitung der Geldmenge, die die EZB seit Jahren verfolgt. Darauf wollte ich in dem obigen Beitrag nicht eingehen. Da haben Sie und auch HvA vollkommen Recht.

Gravatar: FDominicus

Sehr geehrter Herr v. Osten. Nur das habe ich beanstandet. Tatsache ist aber die Politik hat entschieden welche Bank bleibt und welche abgewickelt ist.

Dazu hat die EZB einen so besonderen Gläubigerstatus wie niemand anders. Schulden die in die Hände der EZB gelangen werden "vorrangig".


Wenn Sie daran erinnern wollen, wie das abzulaufen hat, ist es nicht klar herausgekommen. Die Reihenvolge ist, soweit mir bekannt:
EK Geber
Explizite Gläubiger
dann eben zuletzt die Kontinhaber.

Ja Sie haben recht ein Guthaben ist "nur" eine Forderung. Diese hat aber Vorrang vor allem Anderen (jedenfalls sollte es so sein).

Nur heißt das noch lange nicht das das heutige Recht "richtig" ist. Korrekt wäre es diese Guthaben als Sondervermögen zu sehen, die von der Bank niemals ausgeliehen werden dürfen. Sie dürfen auch nicht als Sicherheit dienen.

Wäre das der Fall wären bei Bankpleiten genau die richtigen betroffen. EK-Geber und dann die expliziten Gläubiger.

Eine Enteignung für die Fehler Anderer ist schlicht und einfach unrecht.

Können wir uns zumindest darüber verständigen?

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