Kleine politische Geometrie: Von „vorne-rechts-unten“ gegen „hinten-links-oben“?

"Linke und neoliberale No-Border-Freunde und Deregulierer des Arbeitsmarkts arbeiten heute Hand in Hand. Darum ist rechts heute links.

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Von 1968 bis 2015 war ich links, jetzt bin ich aus Sicht der "Linken" vermutlich rechts.
Es fühlt sich nicht so chic an, aber – hier stehe ich - ich kann nicht anders.“

Dieser Leserkommentar stand unlängst unter einem erstaunlich wohlwollenden Artikel zur „Bibliothek des Konservatismus“ in der Welt (Link: https://www.welt.de/kultur/article162401858/Hoert-endlich-auf-die-Konservativen-zu-verdaechtigen.html ) .
Inzwischen liest man öfter ähnliche Statements, was wohl auf eine immer weiter um sich greifende Rechts-Links-Schwäche schließen lässt.
Viele der noch denkenden Linken stellen sich still die Frage, warum die alten linken Kampfthemen, z.B. der Einsatz für die Interessen der Arbeiterschaft, für Subsidiarität bzw. nationale Selbstbestimmung und direkte Demokratie inzwischen im rechten Spektrum Asyl bekamen? (Link: http://www.zeit.de/kultur/2016-07/didier-eribon-linke-angela-merkel-brexit-frankreich-front-national-afd-interview )
Hat der Rechts-Links-Begriff ausgedient, wenn er unsere komplexe politische Welt doch offenbar nicht mehr ausreichend beschreibt?
Emotional gilt für die Mehrheit der Bürger immer noch: „Links“ wird als gefühlt „gut“ wahrgenommen, da hier vermeintlich für eine „Gleichheit“ sozial unterprivilegierter Gruppen gekämpft wird, mit denen die Mehrzahl sympathisiert, gegen unbeliebte Eliten.
Solche Erzählungen wärmen das Herz vieler immer noch, auch wenn sie längst überholt sind.
Selbst wenn wir auf der rechten Seite mal von der ahistorischen „Nazikeule“ absehen (denn Nazi steht für einen undemokratischen nationalen Sozialismus), wird „rechts“ oft schon deshalb gefühlt als „gemein“ angesehen, da hier nun mal von quasi vorgegebenen Unterschieden in Gesellschaften ausgegangen wird, selbst wenn eine Wertung dieser Unterschiede damit nicht mal zwingend verbunden sein muss.
In einem Satz kann man sagen: Der Unterschied zwischen Links und Rechts ist der zwischen Utopie und Realität. Leider wärmt Realität aber kaum das Herz.
Genau deshalb scheint es von linker Seite auch starke PR-Gründe zu geben, so lang wie möglich an diesem unzulänglichen Begriffspaar „rechts-links“ mit hart erkämpfter positiv Links- und negativ Rechts-Konnotation fest zu halten.
Angesichts dessen ist auf der politisch rechten Seite bei vielen auch immer noch nicht entschieden, wie man sich denn nun am besten benennen sollte.
Zur Auswahl stehen da z.B. Alternative, Konservative, Patrioten, oder als Bewegung eben auch „Rechts“ bzw. „Mitte-Rechts“, was aber alles immer auch noch erklärungsbedürftig ist.
Da der Begriff „Nationalist“ im Deutschen überwiegend mit „Chauvinist“ gleichgesetzt wird, ist er als Selbstbezeichnung, bis auf ein paar Rechtsextreme, kaum mehr im Gebrauch.
Letztlich werden die meisten dann wohl ganz opportunistisch danach entscheiden, was ihrer Meinung nach am besten beim Wähler ankommt.

Nun gibt es noch die umschwärmte „Mitte“, da wo sich heute von Linkspartei bis Christdemokratie bereits alles in der lauwarmen Einheitssoße des Sozialdemokratismus drängelt.
Lustigerweise sind das genau diejenigen, die am lautesten für Vielfalt und Buntheit werben.
Andere versuchen dagegen nur noch, pragmatisch von einer nebulösen „Vernunft“ zu reden, die dann weder „rechts“ noch „links“ sein soll.
Alle in der Mitte behaupten aber immer, nur das Allerbeste für alle zu wollen.
Allein das sollte schon stutzig machen, denn Partei kommt ja bekanntlich von „part“.

Übrigens wurden und werden neben den Seitenrichtungsangaben „rechts“ und „links“ ja auch die anderen Richtungen, die es im dreidimensionalen Raum noch so gibt, politisch als Metapher gewertet.
„Oben“ und „unten“, entspringt dem vordemokratischen Modell mit den drei Ständen (Wehrstand, Nährstand und Lehrstand) bis zum Ende der absoluten Monarchie nach der Revolution von 1848/49 und es soll auch heute noch Herrschaftszuschreibungen anzeigen.
Aber auch „hinten“ und „vorn“, war zu mindestens seit dem 19. Jahrhundert mit den Adjektiven „reaktionär“ und „progressiv“ wertend belegt. Rechts war hier meist synonym mit „konservativ“ und damit fast automatisch „hinten“, also „reaktionär“, da es immer als Verteidiger der alten Mächte angesehen wurde.
Wollte man allerdings die heutige politische Situation in Deutschland mit diesen geometrischen Richtungsbegriffen beschreiben, könnte man dann sagen: Wir haben eine progressive Rechte, die von unten gegen eine reaktionäre linke Obrigkeit kämpft.
Das dürfte so allerdings in keinem Politik-Lehrbuch stehen.

Das ein duales politisches Spektrum als Modell für viele aktuelle Probleme nicht mehr aussagefähig ist, wurde und wird zwar öfter mal thematisiert, aber neu vorgeschlagene Modelle (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_Spektrum ) haben es in den Gesellschaftswissenschaften -und/oder- in der Öffentlichkeit schwer, Anerkennung zu finden.
Dabei wird oft vergessen, dass ein Modell nicht behauptet, die völlige Wahrheit abzubilden. Gerade durch Vereinfachungen soll ein Modell uns einen Zugang zu einer komplexen Wahrheit erleichtern.
Wenn also irgend ein Modell, wie z.B. das Bohrsche Atommodell in der Physik, zu Erklärungen von Phänomenen nicht mehr ausreicht, dann setzen sich neue Modelle, wie z.B. das Orbitalmodell durch.

Jeder kennt die Situation, sich zwischen zwei Optionen entscheiden zu müssen, die beide i.d.R. dann auch noch mit verschiedenen Problemen behaftetet sind.
Bekanntermaßen nennt man so etwas ein „Dilemma“.
Geometrisch kann das durch eine Gerade mit den beiden entgegengesetzten Richtungen (links-rechts) dargestellt werden.
Solche verschiedenen Dilemma-Optionen könnten auch zwei private Vornamen haben, sie können aber auch, wie in unserem Fall, sich gegenseitig ausschließende politische Lösungen versprechen.
Als Favorit für ein verbessertes Modell des politischen Spektrums erscheint mir immer noch das Dreieck und nicht das Viereck am vielversprechendsten zu sein.
Ein Dreieck weitet das „links-rechts“-Dilemma der Gerade zu einem „sozial-liberal-konservativen-Trilemma“ auf.
Wer von Geometrie etwas Ahnung hat weiß, dass ein Viereck letztlich auch nur zwei unabhängige Richtungsachsen hat, während ein Dreieck bereits drei unabhängige Achsen hat (Ein etwas hinkender Vergleich dazu: Der vierbeinige Stuhl kippelt, der dreibeinige Hocker nicht). Je mehr Richtungsachsen, desto mehr Differenzierungen sind möglich.
Dieses Dreiecksmodell mit den drei Punkten „sozial“, was für das Streben nach Gleichheit steht; mit „liberal“, was für das Streben nach Freiheit steht und mit „konservativ“, was für das Streben nach Sicherheit steht, lehnt sich zeitlos an die drei politischen Hauptrichtungen seit der 1848er Revolution an: Sozialismus, Liberalismus und Konservativismus.
Es lässt die Achsen sozial-liberal, liberal-konservativ und sozial-konservativ zu.
Undemokratische bzw. diktatorische Entartungen, die es bei allen drei Punkten geben kann (sozialistische Diktatur, liberale Anarchie, konservative Diktatur wie z.B. ein Gottesstaat) liegen außerhalb des Dreiecks.
Um den wirkliche Grundkonflikt unserer Zeit noch darstellen zu können, wäre heute aber noch eine weitere zusätzliche Hauptunterscheidung der drei Kategorien Sozialismus, Liberalismus und Konservativismus erforderlich - eine Unterscheidung hinsichtlich der politischen Ordnungsdimension „national“ versus „international bzw. global“.
Dann hätten wir zwei Dreiecke, eines mit den drei Punkten: national-sozial; national-liberal; national-konservativ und eines mit den drei Punkten: international-sozial; international-liberal; international-konservativ.
Das Modell deckt wie gesagt sicher nicht alles ab, erscheint mir aber oft aussagekräftiger als nur die „rechts-links“-Gerade.
In leichter Abänderung eines alten „Kraftwerk“-Hits, könnte man deshalb also singen: „Es ist ein „Modell“ und es sieht gut aus…“.

Kommentare zum Artikel

Gravatar: Werner N.

`Rechts` und `Links` sind fundamentale Gegensätze nicht nur in räumlichen Richtungen, sondern auch Ideologien, Werten, Überzeugungen, Ismen. Der Nationalsozialismus allerdings war eine rechtsextreme Bewegung, unabhängig vom Etikett. Zwar gibt es Parallelen zum ebenso extremen und mörderischen Sozialismus (Diktatur einer Einheitspartei u.A.), aber bekanntlich sahen Nationalsozialisten und Faschisten den Marxismus, Kommunismus und Bolschewismus als ihre erbitterten ideologischen Gegner. Die gemäßigte `Neu–Rechte` sollte eher ihre Unterschiede zum diktatorischen Faschismus und Sozialismus – der 1989 ebenfalls scheiterte – aufzeigen, als diese Phase der Geschichte neu zu interpretieren.

Die zerebrale "Hemisphären–Theorie" der linken und rechten Gehirn–Hälfte gibt m. E. schlüssige Erklärungen der nachhaltigen Gegnerschaft beider Klassen. Wenn Wissenschaftler deren starke Vereinfachung heute auch kritisieren, offenbart sie doch die unterschiedlichen mentalen Auffassungen. Ferner verdeutlicht sie, wie und warum diese die jeweilige Kultur, Zivilisation und Lebenshaltung a-priori beeinflussen. Im Folgenden nur unvollständige Stichworte:

LINKE denken vorwiegend mit der linken Hemisphäre. Diese ist für Sprache, Rechnen und rational folgernde Logik zuständig. Sie huldigen dem Materialismus, Positivismus, Atheismus, Fordismus, der Evolutionstheorie und Grenzenlosigkeit. Historie und Vergangenheit lehnen sie als reaktionär ab (ausgenommen ihre eigene). Unsere ‚Moderne`, die ihre Wurzeln in `Aufklärung` und `Marxismus` hat, setzt besonders auf das, was K. Marx als „common intellect“ bezeichnete. Dieser bevorzugt reduktive EIN–seitigkeit, und EIN–fachheit, weshalb diese extreme Phase der `Aufklärung` eine Verdunkelung zerebraler Partien zur Folge hat, die auf Dauer selbstzerstörerisch wirkt. Horkheimer, Adorno, Marcuse und Sloterdijk wiesen darauf hin. Selbst der rationale Cortex wird nur partiell genutzt, weshalb „Aufgeklärte“ so blind, realitätsfremd und EIN–fältig sein können wie „Irrationale“. `Linke` streben (UNI–forme) Gleichheit an, eine >Einheit in der Einheit<; ihr Raum- und Zeitbegriff ist exoterisch objektiv und EIN–dimensional.

RECHTE gebrauchen mehr die rechte Gehirnhälfte sowie Emotionen. Hier sollen sich auch die Synapsen befinden, mit denen der Mensch Verbindung zu „Gott“ oder dem Hl. Geist aufnehmen kann. `Rechte` neigen zu Kreationismus, Individualismus, Religion, Nationalismus und Grenzen. Sie legen mehr Wert auf dreidimensionale Raumvorstellung und einen zyklischen, denn linearen Zeitbegriff. Deshalb agieren sie bedächtig, schätzen konservatives Bewahren, hängen mehr an Historie und Vergangenheit. Sie ziehen >Einheit in der Vielfalt< vor. Es ist verhängnisvoll falsch, diese Eigenschaften nur negativ und rückständig zu sehen.

Die MITTE ist kein nach allen Seiten offener Mittelpunkt oder eine neutrale Null–Linie – wie es Politiker aus taktischen Gründen gern auslegen – sondern ein dynamischer zerebraler Bereich aus `Lechts` und `Rinks`. Hemisphären arbeiten nicht solitär, sondern sind mehr oder weniger dominant und umfassend. Die Hälften kommunizieren untereinander und mit anderen Arealen. (Wie emotional erklärte linke Rationalisten „aus der Hose heraus“ reagieren können, zeigt ihr Fanatismus im gegenwärtigen Klassenkampf gegen `Rechte`). Die „Mitte“ müsste sich also aus einer Synthese von maskuliner Ratio und femininer Emotion, wenn man so will, Yin und Yang bilden. Dabei variieren Priorität, Quantität und Qualität von Fall zu Fall. Erde und Wasser sind per se Gegensätze. Aus ihrer Mischung entsteht Schlamm, der wässriger oder erdhafter sein kann, evtl. Steine enthält. Postmodernisten nennen es „Doppelcodierung“ von Psyche und Materie. Damit wollen sie die im „Logozentrismus“ Gefangenen befreien. Die von `Modernisten` und `Aufgeklärten` überheblich beanspruchte geschichtslose Ewigkeit ist um. Möglicherweise meint die Kanzlerin dies, wenn sie gewohnt vage von einer kommenden „Zeitenwende“ für Deutschland und die Welt spricht (23.01.2017). (Lit: T. Hürter >Ich bin zwei< / ZEITONLINE 13.06.2013).
http://www.zeit.de/2013/25/gehirn-haelften-doppelnatur?page=2.

Gravatar: Gast

@ Werner N. 08.03.2017 - 13:35

Haben Sie wirklich durchdacht, was Sie schreiben?

Sie beginnen mit: „`Rechts` und `Links` sind fundamentale Gegensätze nicht nur in räumlichen Richtungen, sondern auch Ideologien, Werten, Überzeugungen, Ismen.“
Lassen wir das einmal so stehen, obwohl ich nicht weiß, was Sie mit „rechten Ismen“ gemeint haben könnten. Immerhin schließen Sie damit die leider immer noch häufig geschriebene Unsinnigkeit, Extreme könnten sich an ihren Enden berühren, aus. Darin gehe ich mit Ihnen konform.

Dann fahren Sie jedoch fort: „Der Nationalsozialismus allerdings war eine rechtsextreme Bewegung, unabhängig vom Etikett.“
Wieso denn? Was war denn am National-Sozialismus überhaupt rechts? Was verstehen Sie unter „rechts“? Leiten Sie die Einteilung aus dem jeweiligen Gebrauch der Gehirnhälften ab; was Ihre weiteren Ausführungen vermuten lassen könnten? Hieße das dann nicht, daß Linke und Rechte allenfalls noch von Neurologen voneinander geschieden werden könnten? Ihre Aussagen, ihr Handeln wäre dann zu deren Einschätzung und Verortung irrelevant?

Schließlich schreiben Sie: “Zwar gibt es Parallelen zum ebenso extremen und mörderischen Sozialismus (Diktatur einer Einheitspartei u.A.), aber bekanntlich sahen Nationalsozialisten und Faschisten den Marxismus, Kommunismus und Bolschewismus als ihre erbitterten ideologischen Gegner.“
Huch, Sie sehen Parallelen zwischen den –Ihrer Ansicht nach rechten- Nationalsozialisten und Faschisten und Sozialismen? Obwohl Sie eingangs fundamentale Gegensätze konstatierten?

Ich finde die Einteilung in rechts und links auch nicht sonderlich glücklich und nur unzulänglich deskriptiv. Aber die nicht nur in diesem Lande beliebte Übung, zwischen den Sozialismen Gegensätze zu konstruieren, die von den wesentlichen Gemeinsamkeiten nur abzulenken geeignet sind, führen in die Irre. Ob von manchen gewollt oder von anderen mangels eigener Erkenntnissuche lediglich übernommen, macht im Ergebnis keinen Unterschied.
Alle Kollektivismen stehen im Gegensatz zum Recht und zur individuellen Freiheit.
Daß National-Sozialisten/Faschisten im Bolschewismus damaliger Zeit einen Gegner sahen, ändert daran nichts. Den Insassen des GULAG waren ideologische Gegensätze der um Herrschaft kämpfenden Kollektivisten wohl auch recht einerlei.

Kollektivismus endete in der Geschichte immer in Lagern; einerlei, unter welchem Anstrich, unter welcher Maske, er daherkam.

Wenn schon in rechts und links geteilt werden soll, statt persönliche Freiheit und Recht einerseits Kollektivismus und Willkür andererseits einander gegenübergestellt zu sehen, tendiere ich zu Definitionen, wie sie z.B. Kuehnelt-Leddhin in „Leftism“ bot. (Gibt es bei „mises.org“ als PDF).

Sie bemühen u.a. Horkheimer, Adorno und Marcuse zu Ihren Zeugen. Na, damit sind Sie ja mittendrin in der „instrumentellen Vernunft“. Jener Art von Intellektuellen konstruierten Vernunft, die alles rechtfertigen kann, was dem Ziele dient. Dazu empfehle ich allein die Lektüre von Hermann Lübbes Schrift „Politischer Moralismus: Der Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft“.

Hier im Lande siegte die Gesinnung bislang nicht nur über die Urteilskraft.

Gravatar: Werner N.

@Gast - Es ehrt mich, dass Sie meinen nicht durchdachten Ausführungen wieder so viele Zeilen widmen. Also:

1. „Rechte Ismen“ sind zunächst das Gegenteil von „linken“. Wikipedia definiert „Ismus“ als .."Ideologie, Lehre, geistige Strömung oder Glaubenssystem in Geschichte, Wissenschaft oder Kunst“.. Die zerebrale„Hemisphären–Theorie“ ist ein grobes, aber schlüssiges Orientierungsmodell, das bei allen offenen Fragen – besser als die Sitzordnung in Parlamenten – erklärt, warum `Linke` anders „ticken“ als `Rechte`. Mit den in der Tomographie sichtbar werdenden enorm komplexen Neuro–Strukturen können Wissenschaftler jedoch (bislang?) nicht erklären, warum sie einen Kant oder Einstein ermöglichen und wie diese damit ihre epochalen „Denkgebäude“ errichteten.

2. Bei Objekten, Zuständen oder Menschen sollte man Gemeinsamkeiten einerseits und gravierende Abweichungen andererseits berücksichtigen. Mann und Frau haben jeweils zwei Beine und Hände, sowie eine Nase; dennoch fahndet die Polizei nicht nach `Zweibeinern`, sondern nach einer Frau oder einem Mann, stellt damit das primäre Unterscheidungsmerkmal heraus.

3. Wenn ich es richtig verstanden habe, wollen Sie Nationalsozialisten nicht als `Rechte`, sondern als Vertreter eines linken Sozialismus sehen, u.A. weil sich ihre Partei NSDAP nannte. Dazu nur der Historiker Ernst Nolte: ..“Man mag den `Gefreiten des 1. Weltkriegs` als Sozialdarwinisten, als Lebensraum–Politiker oder als Antisemiten sehen. (...) Mit größtem Nachdruck aber formulierte er seine innerste Intention, er wolle der `Zerbrecher des Marxismus` werden. Marxismus war für ihn vornehmlich der Bolschewismus“.. (<Der kausale Nexus<, S. 41).
»Rheinische Post-Online« bringt am 09.03.17 einen Artikel >Das sind die Parteien am rechten Rand<. Zitat: ..“Mehrere Kleinparteien haben in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland versucht, an die Nazi-Zeit anzuknüpfen. Wir haben die `Rechtsaußen` zusammengestellt“.. D.h. auch hier wird „Rechtsaußen“ mit Nationalsozialismus gleichgesetzt.

Natürlich hatte der Nationalsozialismus auch soziale Initiativen (KDF–Reisen, 1. Mai, Familienpolitik), aber eben keine sozialistischen; so waren sie z. Bsp. nicht anti–bourgeois oder familienfeindlich. .."Jede Seite dieses ideologischen Konfliktes hatte die Vernichtung der anderen im Programm".. (Nolte). Das sieht nicht nach Übereinstimmung aus. So dürfte es auch nicht gelingen, den "Antifa–Linken" einzureden, dass sie bei den Nazis eigentlich gegen ihre eigenen Gesinnungsgenossen zu Felde ziehen.

4) Es stimmt, ..“Kollektivismus endete in der Geschichte immer in Lagern“.. Dies deshalb, weil er gesellschaftlich nur EIN Lager will. Damit werden gewalttätig natürliche Gegensätze und Individualität unterdrückt; früher oder später kommt es zu Gegenreaktionen, wie 1989 oder derzeit in der EU. Eine Rückkehr zu „persönlicher Freiheit“ bleibt jedoch ein Allgemeinplatz, da es absolute Freiheit nicht gibt. Es kommt auf das Maß von Freiheit und Unfreiheit an. Deshalb meine Anregung, zurück zu Hegel mit: „These, Antithese, Synthese“.

5) Zur „Frankfurter Schule“ und ihrer Kritik an der `Aufklärung` sowie Marxens „Vulgär–Aufklärung“ sagte ich hier ja schon Einiges. Ein umfassendes Thema, das nicht in wenigen Sätzen abzuhandeln ist. Die empfohlene Lektüre werde ich noch lesen.

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