Klatschen über die AfD

Rezension des Buches "Angst für Deutschland"

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Früher haben herrschsüchtige Männer ihre Frauen, die sich nicht mehr fügen wollten, für hysterisch erklärt. Sie seien zu sehr vom Gefühl geleitet, man nähme sie besser nicht ernst. Und genau in dieser Weise wird heutzutage praktisch jede Opposition gegen herrschende Parteien und Medien abgebügelt. Man wirft ihr vor, nur ans Gefühl zu appellieren.

Es darf also nicht wundern, wenn ein Buch, das im Untertitel die »Wahrheit über die Alternative für Deutschland« verspricht, mit dem Titel »Angst für Deutschland« aufwartet und die Autorin Melanie Amann gleichsam zur Sicherheit den Teil I gleich noch einmal mit ihrem Schlüsselwort ziert: »Die AfD und die Angst«. Statt also die AfD aus aktuellen politischen Fragen heraus verstehen zu wollen, verlegt sich die Redakteurin der Hamburger Illustrierten »Der Spiegel« aufs Psychologisieren. Laut Literaturverzeichnis schöpft sie ihr Wissen aus »Tiefenpsychologie – Eine Einführung«, einem Standardwerk aus den frühen 1970er Jahren.

Politische Argumente haben bei Amann Seltenheitswert. So wird der Vorschlag der AfD, Flüchtlinge auf Inseln außerhalb Europas zu verschiffen, kurz als Lösung bezeichnen, »die keine ist« . Dass Australien auf genau diesem Weg die Zahl der Opfer unter den Flüchtlingen praktisch auf Null gebracht hat, weiß die Autorin entweder nicht oder sie will es nicht wissen. Sie hat ja ihr Thema: Die AfD und die Angst. Die macht sie quer durch ihr Buch überall aus. Sie unterstellt sie gleichsam im Rundumschlag den Mitgliedern der Partei; und das wie selbstverständlich ohne Beleg. »Diese Vermutungen über die Gefühlswelt der AfD-Politiker sind schwer belegbar, aber sie sind naheliegend.« Auch eine Art, einen Faktencheck zu unterlaufen. Was »naheliegend« ist, kann ja nicht falsch sein.

Dabei gesteht Amann der AfD Ängste zu. »Nicht alle Ängste im AfD-Milieu sind irrational« ; sie gibt zu, dass »viele Kritikpunkte« der AfD z.B. an Talkshows »eben auch berechtigt« sind. »Es sind die Auswüchse dieser Gefühle und Anschauungen, die die AfD aus meiner Sicht zu einer Gefahr machen« , schreibt sie. Also fokussiert Amann auf die Extreme; d.h. im wesentlichen auf Höcke. Doch Höcke ist nicht die AfD, das weiß auch Amann. Sie sieht die Idealisten in der Mehrheit, »die im Hintergrund die Alltagsarbeit der Partei stemmen. In diesen Leuten lebt die anfängliche, gemäßigte AfD fort.« Was denn nun?, fragt sich der Leser: Ist die AfD nun gemäßigt oder ist sie rechtsradikal?

Zwangsläufig verstrickt sich Amann daher auf ihrem Weg, die Geschichte der AfD zu beschreiben, in immer neue Widersprüche. Das beginnt mit den Anfängen der AfD. Den erkennt die Autorin, wenig originell, in Thilo Sarrazin und seinem Bestseller »Deutschland schafft sich ab«. In ihm wurden die Themen gereicht, mit denen die AfD Politik machen wird. Dass Sarrazin seine Thesen stringent untermauert, macht Sarrazin rational, macht ihn schlüssig, auch widerlegbar; also nichts da Gefühl. Und wenn Amann den Gründervater der AfD, Bernd Lucke, als kalkulierenden Professor für Wirtschaftsfragen beschreibt, der »mit Matrizen hantiert, die ganze Tische überlappen« und »noch nüchterner« spricht als Angela Merkel, dann klingt das gleichfalls nach Hirn und nicht nach Bauch. Macht aber nichts – für Amann sind die AfD von Lucke und die AfD nach Lucke »ein und dasselbe Gewächs« . Getrost hebt sie Intelligenz, Nervenstärke und bürgerliches Profil von Frauke Petry hervor – also nichts, was auf Gefühlduseleien verweist. Dass hier etwas an der Angstthese faul ist, scheint die Autorin nicht einmal zu merken. Dabei könnte gerade an diesem Widerspruch eine sinnvolle inhaltliche Analyse beginnen.

Weil die Betrachtungen tatsächlich nicht passen, ergeht sich das Buch in einer endlosen Wiederholung der These, die AfD lebe allein von Angst. Tiefer begründet wird hier nichts. Der Text wird durch die bloße zeitliche Reihenfolge zusammengehalten. Am Ende ergibt sich eine Sammlung von Erlebnisprotokollen; hier eine Beschreibung der Garderobe von Alexander Gauland, dort private Details über die erste Ehe vom Frauke Petry; von der Autorin mehr, meistens aber weniger spannend erzählt. Nur die versprochene Wahrheit über die Alternative für Deutschland, die bringt die Autorin nirgends ans Licht. Kein Wunder, dass Marcus Pretzell sie öffentlich als »unprofessionelle Klatschbase« tituliert hat.

Weil Amann keine These gedanklich und belegbar verfolgt, muss sie sich auf erläuternde, sprachliche Bilder verlassen. Und für solche hat sie einen Faible. Da ist der pausbäckige Hinweis auf einen, der im Glashaus »keine Steine, sondern Felsbrocken wirft«, dem es aber »stets gelingt«, »den Scherben auszuweichen« – Marcus Pretzell ist gemeint. Götz Kubitschek wird als einer beschrieben, der »mutwillig gegen die Demokratie« tritt, wie ein Kind »gegen eine Sandburg«. Die AfD wird mit einem Bild aus der Bibel erläutert: »Die AfD wirkt wie der biblische brennende Dornbusch, aus dem es ruft: ' Ich bin, der ich bin!'« Die Demokratie als Sandburg, die Stimmen aus der AfD als Stimme Gottes. – Zwei Beispiele, wie sich jemand wieder und wieder sprachlich vergaloppiert.

Nach der Groteske kommen, wie könnte es anders sein, die Fehler. Wenn Amann schreibt, Frauke Petry könne »Bypässe zum Bundesvorstand legen« und damit andeuten will, Petry suche sich, wenn nötig, Mehrheiten bei den Landesvorständen, dann hat sie den Bypass offenbar nicht richtig verstanden – der würde am Bundesvorstand vorbei zu den Ländern gelegt. Zugegeben, ein lässlicher Fehler. Selbst die Behauptung, die 41.5% der CDU/CSU bei den letzten Bundestagswahlen wären »eines ihrer besten Ergebnisse seit Gründung der Bundesrepublik«, darf man Frau Amann verzeihen. Sie nimmt es eben mit Sprache und Fakten nicht so genau. Vollkommen angstfrei macht sie einen 12. Platz zu einem der Besten.

Schwerer wiegt, wenn Frau Amann Leuten, die den Unterschied verschiedener Ethien wie Deutsche und Afrikaner als gegeben annehmen, indirekt Rassismus unterstellt. Der folgt nämlich, zumindest laut Amann, schon aus der Bildung solcher ethnischen Gruppen. Wer das bestreitet, dem entgegnet sie in einer Art Kurzschluss: »Als ob auf die Gruppenbildung nicht zwangsläufig die Frage nach der Gruppenwertigkeit folgen würde. Wozu müsse man sonst unterscheiden?« Offenbar kann die Dame vom Spiegel Unterscheidung und Wertung nicht unterscheiden. Wer so denkt, muss ja beim Gleichmachen enden. Für den sind dann auch Landeslisten und Bundesliste ein und dasselbe – auch wenn es eine Bundesliste im deutschen Wahlrecht überhaupt gar nicht gibt.

Den Gipfel des Unsinns erklimmt die Autorin jedoch mit dem Titel »Angst für Deutschland«. Hat sie keinen Lektor gefunden, der ihr gesteckt hat, dass es eine »Angst für etwas« im Deutschen aus guten Gründen nicht gibt? Doch dieser Titel verfolgt einen Zweck: So können auf dem Buchdeckel die Buchstaben AfD in Kreuzworträtselmanier abgesetzt werden.

»Angst für Deutschland« wäre kein Buch über die AfD, wenn es nicht auch etwas zur Problemlösung beisteuern würde. Denn Melanie Amann begreift die AfD als Problem – statt die AfD im Kontext der Probleme zu denken, auf die sie, die AfD, völlig berechtigt, wie die Autorin selber mehrfach erwähnt, verweist. Daher begreift Amann die Alternative für Deutschland auch nicht. Sie ist, aus welchen Gründen auch immer, so emotinal involviert, dass sie immer gerade dort aufhört zu denken, wo es interessant werden könnte. Etwa bei der Frage, warum es eine Aufteilung der AfD in drei Gruppen – Ideologen, Idealisten und Karrieristen – überhaupt gibt. Hier würde es tatsächlich spannend.

Statt dessen geht auch bei den therapeutschen Empfehlungen wieder vieles daneben. Was nicht wundert, denn sie hält Merkel tatsächlich für einen unfreiwilligen Helfer der AfD. Das ist zwar in etwa so plausibel, wie der die Öffentlichkeit empörende Vorwurf, Merkel hätte durch ihre Politik den Terroristen unfreiwillig geholfen – aber was machts. Diesmal hat es ja die bessere Seite gesagt. »Noch hilfreicher für die AfD sind Merkels Kritiker außerhalb der Union: ehemalige Verfassungsrichter wie Hans-Jürgen Papier oder Udo di Fabio, ehemalige Minister und renommierte Professoren wie Rupert Scholz und Ulrich Battis. Sie alle attestieren Merkel schwere Fehler, gravierende Rechtsverstöße, einen Verfassungsbruch gar, oder einen 'Akt der Selbstermächtigung'.« So geht es weiter bis zu dem Satz, den man getrost als Schlüsselsatz der 300 Seiten ansehen kann: »Die AfD zu entzaubern ist mühsam, denn viele ihrer Parolen lassen sich auf harte Fakten zurückführen.«

Ein redlicher Autor würde schreiben: Die AfD hat offenbar Recht und die Parteien und Medien täten besser damit, die Wahrheit zu sagen. Aber das geht offenbar nicht. Oder müssen wir sagen: Noch nicht? – Noch wird auch von dieser Redakteurin krampfhaft weiter an einem Bild der Alternative für Deutschland gebastelt, dass den herrschenden Medien und zur Politik passen soll. Daher kann dieses Buch die Wahrheit nicht treffen. Die lässt es nur in seinen eigenen Widersprüchen erkennen. Aber vielleicht lernt Frau Amann in Zukunft noch weiter dazu. Sie hat an und für sich erkannt, mehr als einmal bei der Einschätzung der AfD daneben gelegen zu haben. Schon auf der ersten Seite gibt sie zu, sie habe »mehrmals versagt«. »Immer wieder habe ich die Entwicklung der Partei falsch eingeschätzt, immer wieder musste ich meine Erwartungen korrigieren.« Vielleicht wird es ja in einer mittelfristigen Zukunft noch was. Bis dahin bleibt die Autorin eben die »Klatschbase«, als die Marcus Pretzell sie tituliert hat – allerdings eine professionelle. Denn Geld verdient sie sich ja. Auch wenn es nur mit der AfD ist.

Kommentare zum Artikel

Gravatar: karlheinz gampe

Aman entstammt anscheinend der Lügenpresse, da wird es mit der Wahrheit nicht genau genommen. Vermutlich hat diese Frau sogenannte Schwafelwissenschaften studiert, da klappt es mit dem logisch folgerichtigem Denken nicht.so. Was die Journaille nur immer an dem ehrenwerten Höcke rum zu mäkeln hat. Widerlegt haben diese Deppen ihn noch nie.

Gravatar: brezelschnezelkuh

Sehr guter Artikel, der treffend den Umgang mit der AfD nicht nur in dem rezensierten Buch, sondern auch in den Medien allgemein den Nagel auf den Kopf treffend beschreibt. Argumente=Null. Also Nazikeule oder psychologische Theorie der Theorie der Theorie raus. Denn etwas anderes ist die Psychologie nicht.
Dank an den Autor!

Gravatar: Roman Gestedtner

Sehr treffend analysiert. Was als Autor*in vom "Spiegel" kommt, für den gilt seit langem Joachim Ringelnatz' dictum "Was er uns zeigt, das ist verkehrt".

Gravatar: Gittel

Guter Artikel, Herr Herold.
Ich kann sagen, wenn es die Afd nicht gäbe, hätte ich noch mehr Angst.Jeden Tag versucht man diese junge Partei und ihre Mitglieder zu denunzieren, Ihnen Sachen zu unterstellen und ihnen das Wort im Mund umzudrehen. Warum? Weil allen anderen Parteien der A. .. Auf Grundeis KA geht,weil sie es nicht für möglich gehalten haben , dass diese Partei so groß wird und weil sie in den Landtagen schon gute Arbeit leisten.Das werden sie auch in der Opposition nach der BTW. Und wenn man sich das Wahlprogramm durchliest, sind da nicht nur leere Worthülsen, sondern auch gute Lösungen enthalten.
In meinem Umfeld wird blau gewählt . Für unsere Kinder, für unsere Zukunft!

Gravatar: Zicky

Herr Wolfgang Hebold, ich wünsche mir und besonders Ihnen, dass dieser Artikel von vielen vielen Menschen gelesen wird. Besser kann man die momentane Hetze gegen AfD gar nicht entlarven.

Gravatar: Mittelradikal

Dem Wähler soll Angst und Bange werden, wenn er das Wort AfD nur hört. Daran arbeiten die "SED" Parteien mit Hilfe der Medien seit es die Partei gibt. Ich habe keine Angst vor der AfD oder den Wählern der AfD. Ich habe Angst vor Terrorismus. Und der kommt aus dem Islam. Wer kann dagegen etwas tun. Richtig. Nur die AfD!!!!

Gravatar: Mittelradikal

Ergänzung: Angst vor der AfD hat nicht die Bevölkerung, sondern die Altparteien also die neue SED. Diese Angst wird auf die Bevölkerung übertragen, so sieht es aus.

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