Je suis Zynismus

Wenn wieder einmal, wie diese Woche in Brüssel, muslimische Terroristen ein Blutbad unter den Kufar anrichten, dann wird eine mittlerweile recht routinierte Betroffenheitsmaschine angeworfen.

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In die zahllosen „Je sui . . .“-Motivbildchen muss bloß noch der jeweilige Ort des Geschehens eingetragen werden, Facebook bietet die jeweiligen Nationalfarben als müheloses Bekenntnis-Tool an, und sämtliche Politiker schalten tapfer in den „Wir lassen uns unsere Werte nicht von denen nehmen“-Modus um.

Das war’s dann, bis zum nächsten Mal. Die Bekenntnisrituale westlicher Staatsspitzen gewönnen freilich deutlich an Glaubwürdigkeit, kuschelten sie nicht mit zunehmender Intensität mit genau jenen Regimes, die mehr oder weniger direkt zu den Paten jenes Terrors gezählt werden können. So gilt etwa die große Moschee von Brüssel nicht eben als Zentrum der Deradikalisierung junger muslimischer Männer mit erhöhtem Jungfrauen-Bedarf. Ganz im Gegenteil: „Saudische Imame verbreiten von dieser Moschee aus die Lehre des Wahhabismus. Diese ultraorthodoxe Form des Islams ist ein Nährboden für Radikalisierung“, meint die belgische Parlamentarierin Yamila Idrissi.

Finanziert wird dieser Inkubator des Dschihadismus seit Jahrzehnten von Saudi-Arabien, ohne dass je einer der belgischen Betroffenheitspolitiker dem Spuk robust ein Ende gesetzt hätte. Der Grund ist simpel: Saudi-Arabien ist ein wichtiger Markt für westliche Produkte und ein geostrategischer Verbündeter des Westens. Da wird man doch wohl in Brüssel ein kleines Terrornest bezahlen dürfen.

Auch das Bekenntnis der französischen Eliten zu den unverhandelbaren Werten des Westens leidet ein wenig unter dem prostituiertenhaften Gehabe der abgetakelten Grande Nation gegenüber dem stinkreichen Gas-Scheichtum Katar. Dort ist zwar Sklavenarbeit an der Tagesordnung, werden Schwule ausgepeitscht und spricht sogar die US-Regierung von einem Hotspot der Terrorfinanzierung – aber dafür springt Katar immer gerne und großzügig ein, wenn die Regierung in Paris wieder einmal klamm ist. Dass keine französische Regierung angesichts dieser delikaten Gemengelage einen allzu indiskreten Blick auf die Terror-Connections der Kataris wirft, erstaunt nicht wirklich.

Einem nicht unähnlichen Muster folgen ja auch die jüngsten Zugeständnisse der EU gegenüber der Türkei. Nur dass es in diesem Fall nicht um Geld geht, sondern um den Job des Türstehers, den Ankara für Berlin erledigen soll. Dass einer jüngst veröffentlichten Umfrage zufolge 20 Prozent der Türken religiöse Gewalt, wie sie der IS ausübt, für ganz okay halten, hindert die EU nicht, diese Leute in Zukunft unbürokratisch und visumfrei nach Europa einreisen zu lassen. Das wird sicher ein enormer Beitrag zur Bekämpfung des Terrors werden.

Wir haben es letztlich mit immer neuen Variationen des immer gleichen Problems zu tun: Ein ökonomisch, aber auch habituell immer schwächeres Europa ist immer stärker auf die Hilfe derartiger Regimes angewiesen, um weiter in seiner Komfort-Illusion leben zu können, eine Zeit lang noch. Und beim nächsten Terroranschlag kann man ja wieder seine Betroffenheit raushängen lassen.

Beitrag zuerst erschienen auf ortneronline.at

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Silvia

DANKE Christian Ortner! Sie sind einer der wenigen Journalisten, die diese Bezeichnung verdienen. Ihre Beiträge sind Balsam auf der Seele.

Was ich über den Großteil Ihrer Berufsgruppe denke, verbietet meine Kinderstube niederzuschreiben....

Gravatar: Otto nagel

Betroffenheitszelebration wie gehabt, aber zu Ostern wird auch gespendet! Allen voran der Papst,er spendete den Verfolgten dieserWelt, also den Islamopfern:
SEINEN KIRCHLICHEN SEGEN und wusch demIslam dabei die dreckigen Füße !
Seine Kirche hat Reichtümer in unglaublicher Höhe angehäuft; selbst ein angemessenes Almosen würde die Flüchtlingslager im Nahen Osten spürbar verbessern und Familien egal welcher Konfession den Glauben an die Zukunft wiedergeben.
Allein das Kölner Erzbistum verfügt über mehrere Milliar den Euro kapitalisierbares Vermögen!
Aber wenn Christen in den islamischen Gebieten dieser Welt verfolgt, getötet, vertrieben und ans Kreuz geschlagen werden, da herrscht Sprachlosigkeit, da ist nicht einmal als Prote st das Verdunkeln des Kölner Doms
angesagt!
Ostern 2016 , welche Scheinheiligkeit !
PS.
Über diese Evangelikin Käßmann will mich gar nicht erst äußern !

Gravatar: Adorján Kovács

Ich verweise noch auf die Webseite jenes Autors, dessen Name geächtet ist und nicht mehr erwähnt werden darf. Dort (der-kleine-akif.de) steht bitterböse zu lesen: Je suis cadavre [by Islam]. Damit ist alles gesagt.

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