Je animalischer, desto seelischer! - Wozu Tiere herhalten müssen.

Den Menschen als Krone der Schöpfung bezeichnet zu haben, beinhaltete keine arrogante Abgrenzung gegenüber der umfassenden Natur, sondern wollte eine ständige Erinnerung an Anspruch, Weg und Ziel sein. Es gibt ein exoterisches und ein esoterisches Christentum. Nicht Ersteres, die Amtskirche also, sondern Letzteres, die Frömmigkeit der einfachen Menschen, war das Bindeglied unserer Gesellschaft. Dass dieses sich auflöst, läutet, das spüren momentan viele, ihr Ende ein.

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Dieser Post setzt den vorausgegangenen - Lieber Tier als Krone der Schöpfung - fort.

Klar, dass die angesprochene Frömmigkeit dem Bewusstsein der Menschen entsprach und immer wieder hinterfragbar war. Doch für eine miteinander kommunizierende, aufwärtsstrebende Gesellschaft war sie unverzichtbar.

Mehr und mehr Mitbürger nehmen Abstand von ihr, wenn sie überhaupt noch wissen, was gemeint ist, profitieren aber gleichzeitig noch von ihr. Wenn sie einmal fehlen wird, werden diejenigen, die sie passiv oder aktiv ablehnten, die sein, die am lautesten greinen. – Ich kenne übrigens keine bessere Sicht darauf, was fromm sein bedeutet, als die Goethes in seiner Marienbader Elegie.

Mit dem Verschwinden dieser ethischen Grundlage schwindet auch rasant die Zahl derer, die Kindern und Jugendlichen vermitteln, wie sinnvoll es sein kann, auf etwas zu verzichten, um ein höheres Ziel zu erreichen. Anspruchsdenken muss bekanntlich nicht zwanghaft sein, sondern es ist, richtig verstanden, unersetzbar sinnvoll bezüglich der religiösen Einstellung (Kether lässt grüßen), bezüglich der beruflichen Arbeit oder in der Gestaltung einer Beziehung. Dass zunehmend in der Vergangenheit Anspruch und Krone gleich in einem Aufwasch recycelt wurden, kennzeichnet den sich breitmachenden inneren Phlegmatismus. – Der Mensch als Krone der Schöpfung: abgelehnt.

Seelisch wird gedümpelt, gerast wird stattdessen durch das Netz und auf den Straßen.

Der Weg der Tiere: Abspaltung und Stagnation

Es ist auch nicht mehr in, sich mit der eigenen Seele zu beschäftigen. Dafür beschäftigen sich manche mit der von Tieren, schließlich kommt animalisch von lat. anima, und das bedeutet Seele. – Je animalischer, desto seelischer.

Widerspruch ernten Bräuer, Wohlleben, Precht und Co kaum, wenn sie offen oder versteckt suggerieren, dass der Mensch ein Tier sei. Das ist eine kaum mehr diskutierte Grundannahme; manche drücken es nur vorsichtiger aus.

Für mich gingen die sich entwickelnden Wesen der Erde von Beginn an, also vor über 3 Milliarden Jahren, den gleichen Entwicklungsweg. Das änderte sich, aus welchen Gründen auch immer. In der Entwicklung zweigten die so bezeichneten Tiere sich ab. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel treten sie vor dem Menschen in Erscheinung. – Zu früh, um Mensch zu werden.

Womöglich allerdings gäbe es den Menschen nicht ohne die Existenz von Tieren. Und wer wollte zudem auf das Singen einer Amsel, das Aufschwingen der Lerche, das warnende Zetern des Eichhörnchens im Wald oder das Spiel der Delphine leben!

Obwohl zuerst präsent, ist es ganz und gar unangemessen zu sagen, der Mensch stamme vom Tier ab. Gewiss mag dessen Entwicklung nicht linear gewesen sein, wie ebenso das der Tiere nicht, aber wir sehen das Ergebnis des Menschseins. Es ist eine erkennbar eigenständige Entwicklung, nicht eine, die sich aus dem Tier entwickelte, sondern von der das Tier sich abspaltete.

Wir sehen die Tiere, ihre vielfältigen Formen. Auf ganz unterschiedlichen Stufen stagnierte ihre Entwicklung. Das beinhaltet keine Wertung; eindeutig ist, sie haben einen physischen Körper, wie wir Menschen, sie können sich bewegen, sie haben Gefühle und sind zu Lautäußerungen fähig. Aber das Selbstbewusstsein ist ein Wesensmerkmal des Menschen, seine differenzierte Sprache, seine Vernunft, sein aufrechter Gang.

Ich teile die Goethesche Sicht auf das Leben, dass von vornherein, von allem Ursprung an, alles enthalten ist, wozu sich Pflanzen, Tiere oder Menschen entwickeln können. Goethe hat dieses Denken in seiner Metamorphose der Pflanzen offengelegt. Dazu im nächsten Post gegebenenfalls mehr.

Auf die Stufen dieser Entwicklung weist in unnachahmlich prägnanter Weise die Schöpfungsgeschichte hin. Sie will keine Doktorarbeit sein, sondern ein Dokument, das in prägnanter Form uns auf unseren Ursprung, unseren Weg und unser Ziel, den 7. Schöpfungstag hinweist.

„Der Mensch ist, rein biologisch gesehen, ein Tier“ (Wohlleben)

Die Tatsache, dass die mehrfach genannten Autoren der Tierbücher, vor allem Bräuer, Wohlleben und Precht also, den Menschen als Tier bezeichnen bzw. ihn zumindest von ihm abstammen lassen, halte ich für einen Virus, einen, der in diesem Ausmaß intensiv seit annähernd 200 Jahren wirkt und diese Wirkung verstärken die Bücher, die ich hier anspreche. Dieser Virus kommt aus der elementaren Gegenbewegung zu allem Leben. Kulturen und Religionen haben für diese die unterschiedlichsten Begrifflichkeiten gefunden.

Natürlich benötigt jede Seite, die der Lebensbejahung und die der Lebensverneinung, sozusagen Handlanger, um ihr Ziel umzusetzen.

Die Frage mag sich jeder stellen, welcher Seite er die Hand reicht.

Natürlich ist es ein Teil der lebensverneinenden Strategie, den Menschen als Krone der Schöpfung abzulehnen, indem man vermittelt, das sei anmaßend und arrogant und - das ist der aktuelle Tenor - religiöser Schwachsinn (aufschlussreich ist, wie Precht in seinem Buch vorgeht); zugleich werden die Ergebnisse der Forschung als Dokumente präsentiert, die die Abstammung vom Tier belegen sollen. Welchen Zeitraum und welches Spektrum der Entwicklung aber überblicken wir bei einem Zeitraum von über drei Milliarden Jahren der Erdgeschichte, bei über 13 Milliarden kosmischer Geschichte? Und welchen Einblick haben wir in die Entwicklung der Seele sowohl des Menschen als auch des Tieres?

Auf einer viel oberflächlicheren Ebene mag mancher, den Menschen als Krone der Schöpfung zu bezeichnen, abgelehnt haben, weil er den Zusammenhang mit dem Baum der Sephirot (siehe dazu der Beginn des letzten Posts), der biblischen Schöpfungsgeschichte und den weltweiten Schöpfungsmythen nicht sehen konnte oder sehen wollte.

Mancher aber mag diese Charakterisierung deshalb ablehnen, weil er sich - das kann bewusst, das kann unbewusst sein - einer ständigen Entwicklung verweigert.

Das spielt der Strategie der Lebensverneinung in die Hände, sich den Tieren anzupassen. Bei Letzteren bewegt sich evolutionär wenig. In Zeiten wie diesen offensichtlich für viele genau das Richtige. Möglich, dass sich gerade eine Entwicklung hin zu „Tiere II“  andeutet. Zu erkennen ist jedenfalls, dass Teile der Menschheit sich fast rasend schnell voneinander entfernen. Auch im sogenannten Christlichen Abendland gibt es im Übrigen massive Bewusstseins-Vergreisungen und Verhärtungen des Menschlichen. Niemand möge annehmen, dass der Abstieg in den puren Materialismus ohne Konsequenzen für die Seele der solchermaßen reduziert lebenden Menschen sein werde.

Wenn wir die augenblickliche Zerrissenheit der Menschheit wahrnehmen, die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Einzelnen und wie sich Strömungen des Bewusstseins auf der Erde in einer verwirrenden Vielfalt zeigen, spüren wir, wie ungeheuer komplex das ganze Schöpfungsgeschehen ist. Da kommen einer Mehrheit Tiere als Mauer gegen Entwicklungsansprüche gerade recht.

Manchem ist die ständige Metamorphose zuviel, ein gutes Tierbuch tut´s auch, vor allem eines wie das von Peter Wohlleben über Das Seelenleben von Tieren. Da steht so wunderbar W/Richtiges auch für den Menschen drin, Sie werden gleich Kostproben lesen können.

Wie Tiere uns wohl sehen?

Im Rahmen des vorausgehenden Posts habe ich die Tatsache angesprochen, dass die Beschäftigung mit Tieren und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Tierreich momentan einen sehr hohen Stellenwert einnehmen und dass dies darauf zurückzuführen sein könnte, dass der Mensch insgeheim oder bewusst danach trachtet, über die Zuwendung zum Reich der Tiere, sei sie privater oder wissenschaftlicher Natur, mehr über sich selbst zu erfahren, weil bis zu einer bestimmten Zeit die Entwicklung aller Wesenheiten auf der Erde gemeinsam vonstatten ging, bevor sich, wie oben erwähnt, das Tierreich abtrennte und in gewisser Weise stehenblieb. Angesprochen habe ich im letzten Post, wie sehr Eigenschaften und Verhaltensweisen von Tieren immer wieder mit dem Verhalten und Vermögen von Kleinkindern verglichen werden; vor allem im Buch Juliane Bräuers finden sich zahlreiche Vergleiche. Mittels der Versuchsergebnisse meinen wir, Tiere immer besser zu verstehen. In Wirklichkeit aber, so glaube ich, sind wir meilenweit davon entfernt zu ahnen, wie Tiere uns sehen. Erst wenn wir das könnten, könnten wir Aussagen treffen, was Tiere und Menschen verbindet  und trennt, über alles bisher Erforschte hinaus.

Durchaus für möglich halte ich, dass jene indische Lebensweisheit - Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen - die Wahrheit über Tiere angemessen zum Ausdruck bringt. Vielleicht entspricht das Bewusstsein gerade der höheren Tiere einer Art Traumbewusstsein. Welches Grundgefühl aber muss dann in der Seele der Tiere sein, wenn sie dumpf wahrnehmen, dass es einen Bewusstseinszustand gibt, der ihnen verschlossen bleibt? Welches Grundgefühl löst das in ihnen aus?
Eine immanente Angst? Oder Traurigkeit? - Sehen wir sie in den Blicken von Tieren?

Ich möchte mit zwei Bemerkungen meine Ausführungen zu Juliane Bräuers Buch abschließen.

Zum einen fällt auf, wie sehr das Verhalten von Tieren aufgewertet wird. Bräuers Buchtitel lautet Klüger als wir denken. Ehrlich gesagt, ich war von keinem Versuch, von keinem Ergebnis wirklich überrascht, ja, ich könnte mir vorstellen, irgendwann findet sich ein Papagei, der laut bis 7 oder 8 zählen kann, oder ein Yorkshire Terrier, der 140 Spielzeuge zu unterscheiden vermag.

Tiere übernehmen von Menschen unglaublich viel, wie das Buch von Dahlke/Baumgärtner hinreichend belegen wird. Tier und Mensch, das gilt auch für Wissenschaftler, können eine Verbindung eingehen, die fallweise Tiere noch Erstaunlicheres leisten lässt. Aus welchen Gründen auch immer, es ist nur eine Frage der Zeit, dass das eintritt.

Was aber auffällt, ist, dass im Umgang mit Tieren, gerade von Seiten der Wissenschaftler - auch von Juliane Bräuer - Begrifflichkeiten gewählt werden, die das Verhalten der Tiere auf Ebenen hebt und ein Niveau suggeriert, das absolut nicht der Realität entspricht. So wird in Studien das Kausalverständnis von Tieren getestet und ob sie arbiträre Hinweise nutzen oder kausale Zusammenhänge verstehen. An anderer Stelle fasst Bräuer Versuchsergebnisse zusammen, nachdem es zuvor darum ging, ob Tiere intentional und referentiell kommunizieren, indem sie darauf verweist, dass es „bei verschiedenen Tierarten komplexe Kommunikationssysteme“ gibt. Auch geht es darum, dem Rätsel reziproken Verhaltens auf die Spur zu kommen und um Reaktionen auf mangelnde Kooperationsbereitschaft des Partners.

Bienen wissen, so Wohlleben, wer sie sind

Ein eigenständiges Kapitel widmet sich der Frage: Haben Tiere eine Kultur?, wobei der Wikipedia-Definition, die sich nur auf den Menschen bezieht (wie diffamierend gegenüber Tieren, schrecklichschrecklich!), notgedrungen die von Biologen gegenübergestellt wird, die unter Kultur die langfristige Übertragung von Informationen von einer Generation zur nächsten auf nichtgenetischem Weg verstehen.

Am Ende des Buches denken Sie nicht mehr an ägyptische oder griechische Hochkulturen oder die des Christlichen Abendlandes, sondern haben sich einfach daran gewöhnt, dass Tiere Kultur haben, ja, auch eine Theory of Mind. – Sie wissen nicht, was das ist? Dann wissen Sie auch nicht, dass zu einer Theory of Mind gehört, dass man sich seiner selbst bewusst ist und eine Annahme von den Bewusstseinsvorgängen anderer haben kann. Dass man dem Blick anderer folgen und wissen kann, was andere sehen oder hören. All das vermögen manche Tiere bzw. Tierarten; sowohl Bräuer als auch Wohlleben führen Versuche an.

Letzterer weiß: Hunde können zählen und „Bienen wissen, wer sie sind.“ – Bienen hatten wohl einen Gott wie Jahwe nicht nötig, der dem Menschen das Bewusstsein seiner selbst, das ICH BIN brachte.

Irgendwie fehlt nur noch, dass Tieren ein hohes Maß an Empathie bescheinigt wird.
Vielleicht sehen Sie in Gedanken auch schon einen Bonobo einen Vortrag zum Achtfachen Pfad des Buddhismus und der Bedeutung von Achtsamkeit halten. Und wenn sie all das Angesprochene gelesen haben, wundern Sie sich auch nicht mehr, wenn Sie einen Konzertsaal betreten und einen Orang-Utan an der Harfe sehen oder im Theater ein Papagei als Souffleur agiert.

Fakt ist, am Schluss des Bräuer-Buches fällt Ihnen nicht mehr auf, wie reduziert doch der Kulturbegriff ist, der hier Verwendung findet, oder dass es nicht so wirklich viele Belege gibt, die über vereinzelte Tierarten hinaus Tieren eine Eigenschaft zugesteht, die man ansatzweise mit Theory of Mind, der Fähigkeit also, sich in andere hineinzuversetzen, bezeichnen kann.

Am Ende hat - so ging es mir jedenfalls - der Leser alle Ansprüche reduziert und ist ganz eingelullt von diesen unglaublichen menschlichen Eigenschaften von Tieren und ihrem hohen Niveau und nickt einfach nur noch mit dem Kopf, wenn Juliane Bräuer im abschließenden Kapitel Resümee: Wer ist klüger? schreibt:

"Selbst wenn es darum geht, in die Zukunft zu blicken, scheinen Mensch und Tier sich nicht grundsätzlich zu unterscheiden. Und nicht nur Menschenaffen, sondern auch bislang weitgehend unbekannte Vogelarten bereiten sich flexibel auf die Zukunft vor."

Ach, also auch da: gar kein großer grundsätzlicher Unterschied!

Wenn Sie das Buch zuschlagen, haben Sie zwar noch im Ohr, dass die Leipziger Biologin Ihnen abschließend augenzwinkernd vermittelt: „In Wirklichkeit wird sicher kein Tier - auch keine Fledermaus - ein Buch wie dieses schreiben.“ Aber Sie trauen dem Frieden nicht mehr so ganz. Wer weiß. Und wenn Wissenschaftler eines Tages mittels eines Versuches ermitteln werden, dass Schimpansen unter vier Möglichkeiten ein Kreuz in jener Spalte machen, mittels dem sie wünschen, ein Buch schreiben zu können, anstatt Leckerli zu fressen, dann wird Sie das auch nicht mehr wundern.

Wenn der Mensch den Menschen abschafft

Irgendwie habe ich mich nach der Lektüre des Bräuer-Buches nach der Welt von Dr. Dolittle zurückgesehnt, die so schön wirklich unwirklich war und niemand Röhren auswählen, Tasten drücken oder Werkzeuge ineinanderstecken musste, um zu beweisen, wie klug er war.

Seltsam ist jedenfalls, wie sehr in diesen Tierbüchern die Ebenen von Mensch und Tier miteinander verschmolzen werden. Und wie reduziert alle Begrifflichkeit ist. Für mich ein Gefühl wie nach der Lektüre von Kafkas Prozess: Leben im Halbdunkel; alles ist auf seltsame Weise diffus, gelähmt.

Als ob es nicht einen Riesenunterschied gäbe zwischen dem Kulturbegriff, auf den sich Bräuer bezieht, und dem, den wir Menschen verwenden, wenn wir uns auf die alte ägyptische, babylonische oder griechische Hochkultur oder die des Christlichen Abendlandes beziehen und als ob die Theory of Mind beim Menschen nicht ganz andere Aspekte erfasst als beim Tier und es nicht angemessen wäre, für Tiere - bei allem Respekt - einen anderen Begriff zu wählen.

Warum forschen Wissenschaftler so zwanghaft, nur um immer wieder auf die Tatsache zu stoßen, dass Tiere Fähigkeiten aufweisen, die wir bei Kleinkindern auch finden?

Mit all diesen Versuchen geht zugleich eine Verflachung des Menschseins einher. Und der große Abstand zwischen Tier und Mensch wird höchstens an der ein oder anderen Stelle am Rande erwähnt.

Kein Rabe wird den Hamlet auf dem Theater geben können, kein Schwein wird je einen Müllauto durch die Straßen Münchens fahren, kein Storch einen Computer programmieren oder ein Schimpanse eine Predigt halten. Und das, obwohl doch das Genmaterial des Letzteren zu 98 Prozent mit dem des Menschen identisch ist.

Sie finden, dass ich zu allergisch reagiere und vielleicht ein verkappter Tierfeind bin?

Im Gegenteil, in zweiter Linie habe ich mit den vielen Tierversuchen echt ein Problem. Was kommt dabei wirklich heraus? Ich fände es sinnvoller, mit dem Geld verrottete Menschenschulen zu sanieren oder Wilderern und Walfängern intensiver das Handwerk zu legen.

Für mich aber am deprimierendsten ist, dass diese Tierbücher eine Tendenz verstärken, die momentan in vollem Gange ist: die bereits angesprochene Verflachung des Menschseins.

Manche Menschen wollen mit Teufelsgewalt den Menschen abschaffen.

Die angesprochene Verflachung ist ja nicht nur auf der moralischen Ebene zu beobachten oder auf der der politischen Kultur.

So oft wie in Tierbüchern von der Seele der Tiere gesprochen wird, so oft sprechen Menschen nicht mehr von ihrer eigenen.

Für Seelisches interessiert sich die Menschheit zunehmend weniger. Sonst müsste sie doch langsam artikulieren können, wie sehr gerade momentan seelisch kranke Männer das Weltgeschehen dominieren.

Und von Geist wird schon gar nicht mehr geredet.

Geist, was ist damit eigentlich gemeint?

Intelligenz?

Wirklich nicht. Aber wen interessiert das noch?

Mir scheint, als ob der Anspruch an Menschsein in einem erschreckenden Ausmaß sinkt, das aber das kaum noch jemand auffällt.

In den letzten Jahrzehnten ist weder die politische Kultur noch die Diskussionskultur so in sich zusammengebrochen wie zur Zeit.

Entweder gilt die Merkel-Devise, immer im Gespräch zu bleiben, um die Unfähigkeit, die zugleich eine spezifisch deutsche Schattenseite ist, zu kaschieren, dass man nicht zu klaren Worten in der Lage ist - Leute wie Erdogan baut das bekanntlich auf -, oder es gibt sofort eine Front, unerbittlich wie der Eiserne Vorhang. Wer einen einzigen falschen Satz sagt oder schreibt, wird sofort dem Feindeslager zugeordnet. Die Fronten laufen für viele absolut klar und dazwischen ist Niemandsland.

Eine handlungsorientierte Gesprächskultur gibt es nicht mehr: entweder es wird gelabert oder abrupt eine Mauer installiert.

Wir kennen dieses Verfahren. Es ist das, mit dem die Menschen den Raum zwischen Himmel und Erde bereinigten. Seitdem ist dort Platz für Zigarettenrauch, Abgasqualm und menschengemachten Orbitmüll. Für sonst nichts mehr. Eigentlich ist schon, seit Galilei, ins All linsend, die Jupitermonde fand, aber keinen Gott, eh alles klar.

Wie sollte das sich auch ändern bei Büchern, die angesichts des inneren Lebens der Tiere nicht die Frage nach dem Geist des Menschen und seiner Vernunft stellen, immer wieder aber auf die Verwandtschaft von Mensch und Tier verweisen. Peter Wohlleben gibt seinem Buch den stolzen Titel Das Seelenleben der Tiere; von Seele hat er allerdings so viel Ahnung wie vom Leben nach dem Tod, zu dem er sich wie folgt outet:

"Ganz davon abgesehen glaube ich persönlich nicht an ein Leben nach dem Tod. Ich beneide jeden, der das kann, aber mein Vorstellungsvermögen reicht dazu nicht aus."

Warum er dann ausgerechnet seelisches Leben thematisch in den Mittelpunkt rücken will (im Buch selbst schreibt er des Öfteren zu allem Möglichen, nur nicht zum Seelenleben), bleibt wohl ein Rätsel, wenn man nicht anlässlich seiner zahlreichen Bücher den Verdacht haben könnte, dass er dem Verkaufserfolg auch ein gewisses Maß an Seriosität opfert.

Wo sitzt die Seele?, lautet die letzte Kapitelüberschrift seines Buches und Wohlleben fragt dann: "Haben Tiere auch eine Seele im Sinne eines immateriellen Organs?"

Er schließt sich zwei Definitionen, die der Duden anbietet, an, und weil dort das Denken zur Seele gehört, folgert Wohlleben, dass Denken eine Grundvoraussetzung für eine Seele ist. Denken, so lässt er uns wissen, ist Problemlösen.

Das aber genügt unserem sellernden Förster nicht, er möchte ein Plädoyer für die tierische Seele im religiösen Sinne halten und schreibt:

"Eine Seele ist Grundvoraussetzung für ein Leben nach dem Tod, sofern man nicht an die körperliche Wiederauferstehung glaubt. Und wenn es in diesem Sinne beim Menschen eine Seele gibt, dann muss diese geradezu zwingend ebenfalls bei Tieren vorhanden sein. Warum? Weil sich die Frage stellt, ab wann Menschen in den Himmel kommen."

Hoffentlich hat sich Ihnen die Logik der Gedankenführung erschlossen, mir nicht.

Wohleben rätselt dann auf die gestellte Frage, ab wann also Menschen in den Himmel kommen, ob das seit 2000 Jahren der Fall gewesen sei oder seit 4000 Jahren oder seit es Menschen gibt und wer dann wohl im Rückblick nicht mehr als Individuum bezeichnet werden könne, irgendeine Vorfahrin oder ein Vorfahr, der vor 200197 Jahren gelebt hat, von der ganzen Reihe, die man über die primitiveren Vorfahren bis zu den Bakterien zurückgehen kann, ganz zu schweigen. (Ich habe es nicht verworrener dargestellt, als es ist.)
Bei so viel offenen Fragen weiß Wohlleben:

"Wenn es keinen festen Zeitpunkt X gibt, ab dem Wesen der Art Homo sapiens hinzugerechnet werden können, dann gibt es auch keinen festen Zeitpunkt, ab dem eine Seele auftritt. Und wenn es eine höhere Gerechtigkeit im religiösen Sinne gibt, dann wird bei der Frage nach dem ewigen Leben wohl kaum eine scharfe Grenze zwischen zwei Generationen gezogen werden, bei der die Älteren außen vor bleiben und die Jüngeren Einlass finden. Ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass im Himmel ein großes Getümmel an Tieren aller Art herrscht, die zwischen den unzähligen Menschen leben?"

Und das, auch wenn es kein Leben nach dem Tod gibt! – Alles klar?

Ehrlich gesagt vermute ich, dass Wohlleben den Lektor des Verlags bestochen hat, damit dieser das Kapitel Wo sitzt die Seele durchwinkt.

Mein Buch-Exemplar entstammt übrigens der 8. Auflage; recht viele Menschen haben also Wohlleben gelesen und ich gehöre zu denen, die glauben, dass solch ein Niveau abfärbt.

Mir ist nicht wohl bei diesem Gedanken und Wohllebens Gedankenleben.

Im Grunde ist Das Seelenleben der Tiere ein Dokument unserer Zeit und ihres Zustandes, sich mit unserer unersetzlichen Seele auseinanderzusetzen.

Tiere haben Gefühle, und diese machen eine Ebene einer jeden Seele aus, auch der menschlichen.

Man muss dazu nicht Jüttemann/Sonntag/Wulfs Die Seele. Ihre Geschichte im Abendland gelesen haben oder C.G. Jungs Der Mensch und seine Symbole (schaden hätte es Wohlleben nicht können, schon ein paar Seiten dort hätten ihn einiges erkennen und eiiniges nicht schreiben lassen).

Aber Wohlleben kommt wohl nicht der Hauch einer Ahnung an, dass er auf der derzeitigen Welle reduzierten Menschseins mitschwimmt und sie verstärkt.

Das Buch hat - das möchte ich keineswegs verschweigen - durchaus auch seine Stärken. Sie liegen, selbst wenn mancher nicht immer dem, was Wohlleben in seinen Auswertungen bezüglich der Fähigkeiten und Gefühlen von Tieren schreibt, folgen mag, in den mitgeteilten Erlebnissen und Erfahrungen, die insgesamt authentisch wirken und dem Buch über einige Passagen seine erfrischende und lebendige Note geben. Da ist einfach ein Mann, der mit wachen Augen durch die Natur geht, immer bereit, etwas ihm bisher Unbekanntes wahrzunehmen und auch die eigenen Tiere entsprechend beobachtet, Hunde, Ziegen, Bienen und Pferde. Man kann sich nur für seine Kinder freuen, die unter diesen Bedingungen aufwachsen konnten.

Eine Vorzeigefamilie, ein Vorzeigeförster, und so nimmt man in Kauf, dass einige Kapitel wenig bis nichts mit dem Thema zu tun haben (u.a. „Bequemlichkeit“, „Schlechtes Wetter“), auch ziemlich trocken sind und dass man manchmal wünschte, er hätte etwas mehr von der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit und dem Fundus Juliane Bräuers.

Wir geben dem Macht, dem wir uns zuwenden!

Natürlich werden einige die Abnahme der Moral und die Zunahme von Gewalt nicht mit solchen Büchern in Zusammenhang bringen, aber sie sind im Rahmen einer Gesamtentwicklung zu sehen, und da ist zu beobachten, dass die Abnahme einer Anspruchshaltung an das Menschsein Lücken hinterlässt, in die nichts Gutes nachfließt.

Viel zu sehr lassen sich weite Teile unserer Gesellschaft gehen.

Und diese Tendenz nimmt zu.

Dazu tragen auch philosophische Rattenfänger wie Richard David Precht  bei, die sich viel Mühe damit geben, den letzten Rest der in der Gesellschaft noch vorhandenen Spiritualität und Religiosität in die Tonne zu treten.

Wie jener das macht, davon im nächsten Post.

Es gibt ein exoterisches Christentum und ein esoterisches. Nicht Ersteres - dessen Fragwürdigkeiten wird ernsthaft niemand in Abrede stellen -, sondern Letzteres, das sich aus der Frömmigkeit des einfachen Mannes und der einfachen Frau, mögen sie Bauern, Handwerker, Kaufleute, Mönche oder Nonnen gewesen sein, speiste, war das vereinende Element, das mit seiner Ethik die Menschen unserer Gesellschaft verband.

Dass dieses sich auflöst und zum Teil bewusst ruiniert wird, läutet, das spüren viele Menschen, das Ende unserer Gesellschaft ein!

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Kommentare zum Artikel

Gravatar: Candide

Sehr geehrter Herr Klinkmüller, ohne Ihre Weltsicht profanieren zu wollen, halte ich die Menschheit eher doch für das Ergebnis von Evolution. Wobei unsere hominiden Vorfahren eher schlecht als recht am Rande des Scheiterns (im Darwinschen Sinne) herumkrebsten, bis ihnen die abnorme Entwicklung des Großhirns gelang und damit die Erkenntnis, daß man den Lebensraum, der den Erfolg der Spezies beeinträchtigte, aus eigener Kraft umgestalten konnte. Mit dieser neuen Kreativität ging aber auch einher, daß man sich über Dinge Gedanken machte, die nicht allein dem Arterhalt dienten.
Der moderne Mensch (homo "sapiens" = "im Bewußtsein seiner selbst") wurde schließlich so erfolgreich, daß sein anfängliches Problem sich allmählich ins Gegenteil verkehrte: die weibliche Muttergottheit, die Gebärende, deren Schoß immer neues Leben entsprang; die vielbrüstige Diana der Epheser, sie wurde fast allerorts durch den Göttervater als oberste Gottheit verdrängt. Weil dieser den Lebensraum gegen Konkurrenz verteidigen konnte. Die oberste Priorität war nicht mehr, Leben zu spenden, sondern Lebensraum zu verteidigen. Der Feind war nicht mehr die Natur, sondern der benachbarte Stamm, der sich ebenfalls ausbreitete und Ressourcen für sich beanspruchte. Kain gegen Abel, der Ackerbauer gegen den Wanderhirten, dessen Vieh das mühsam bestellte Feld des anderen abweidete.
Nun benötigt jede Gemeinschaft eine geistige Klammer. Wenn mehrere Familien einen Stamm bilden, der sich mit einem anderen Stamm verbündet, wird das friedliche Miteinander nur durch gemeinsame Rituale gewährleistet. Man spricht die gleiche Sprache, man singt die selben Lieder. Dazu gehört aber auch ein gemeinsames Projekt. Das gemeinsame Bauen eines Tempels fördert den Zusammenhalt mehr als jede andere Maßnahme, weil dieses Bauwerk ein weithin sichtbares Symbol für Identität und Zusammengehörigkeit darstellt. Außerdem ist die Gottheit sinnstiftend, denn die Menschheit scheint sich schon früh mit Fragen beschäftigt zu haben, die wir uns von Tieren nicht vorstellen können. "Woher kommen wir? Warum sind wir? Warum gibt es belebte und unbelebte Natur? Wohin gehen wir, wenn wir sterben? Gibt es Kräfte, die wir nicht sehen und nicht messen können? Kann man diese Kräfte beeinflussen oder sind wir ihnen ausgeliefert? Wie zufällig ist Zufall?"
Die Frage, ob Jesus wirklich gelebt hat oder ob Paulus der eigentliche Stifter der christlichen Religion war, interessiert eigentlich nicht. Die Kernbotschaft ("Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich" Joh. 14:6) bleibt davon völlig unberührt. Die Amtskirchen versagen mittlerweile auf der ganzen Linie, denn die Frohbotschaft ist nicht verhandelbar, unser Gott ist nicht Jehova und nicht Allah.
Das Christentum ist keine "abrahamitische" Religion. Dieser Begriff wurde erst im vergangenen Jahrhundert erfunden. Ahura Mazda, der alleinige Gott der Zoroastrier, ist viel älter als Abraham und nicht semitisch. Semiten sind eine Sprachfamilie, deren Mitglieder einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung von der arabischen Halbinsel auswanderten. Die Hauptvertreter heutzutage sind Araber (Islam) und (sephardische) Juden. Teil deren Kultur sind weitschweifig erörterte Denkgebäude, mit mystischer Überhöhung und die vor allem dazu dienen, sich Gottvater etwas näher zu fühlen, zumindest näher als andere.
Bei den Zoroastriern waren Männer und Frauen gleichberechtigt. Es gab keine rituellen Beschneidungen, Hunde waren hochgeschätzter Teil der Gemeinschaft und es galt beispielsweise als Frevel, einen großen, gesunden alten Baum zu fällen.
Wobei ich auf die unsäglichen aktuellen Publikationen über Tiere zurückkommen möchte.
Da sitzen also ein paar junge Leute herum, die sich auf ihrem Fachgebiet einen Namen machen wollen. Es geht natürlich um Forschungsprojekte, Fördergelder, Promotion, Habilitation, ecc.
Man sucht verzweifelt nach einer Idee, einer Theorie die man formulieren und beweisen muß. Da werden die abartigsten Versuche mit wehrlosen Kreaturen gefahren, wobei ganz sicher Spieltrieb, gepaart mit Sadismus, eine Rolle spielen. Wer regelmäßig mit Vertretern von anderen Spezies zusammenkommt und dabei etwas Beobachtungsgabe sowie Empathie mitbringt, wie weiland Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt, hätte bald genug Material beisammen für neue Bestseller.
Wer an Gott glaubt, respektiert seine Geschöpfe. Wer nicht glaubt, sollte trotzdem wissen, daß Tiere und Menschen nahezu den gleichen genetischen code haben (Abweichungen um ein paar Prozent, je nach Spezies), nahezu gleiche Bedürfnisse haben, empathiefähig sind und unter den gleichen Dingen leiden. Etwas ganz Besonderes aber ist die Jahrtausende alte Schicksalsgemeinschaft zwischen Hund und Mensch, denn auf ihr beruht die soziale Entwicklung von uns Menschen. (Auch Luther konnte sich "die Belferlein" im Himmel vorstellen).
In einem Punkt stimme ich mit Herrn Klinkmüller überein: Religiosität bedeutet vor allem Sinnsuche. Ein rein materialistisches Dasein, ausgerichtet auf Bedürfnisbefriedigung, ist leer. Da kann man versuchen, noch die letzten Tabus zu brechen, einen weiteren ultimativen Kick zu bekommen, aber vom Menschsein ist man weit entfernt. Wer sein Bewußtsein mit Drogen, Alkohol und Trance zu erweitern sucht, hat den Pfad hinab zur Hölle schon beschritten. Den göttlichen Atem spürt man nur, nachdem man das Wunder des Lebens begriffen hat.

Gravatar: H.Roth

Tiere sind faszinierend. Man kann über sie staunen, ihre besonderen Fähigkeiten bewundern und sie in manchen Dingen sogar als Vorbild nehmen. Es gibt viele Dinge, in denen sie uns Menschen überlegen sind. Wir werden niemals so kunstfertig fliegen, schwimmen oder Dinge aufspüren können wie Tiere.

Ich habe selbst eine zeitlang in der Tierforschung mitgearbeitet und weiß, dass man allzuleicht das Objekt seiner Studien "vermenschlichen" oder auch "vergöttern" kann. Vergebens habe ich damals einem Kollegen, den Unerschied zwischen Mensch und Tier zu erklären versucht. Dabei muss man notgedrungen den Boden der Naturwissenschaft verlassen, denn in dieser Auseinandersetzung geht es um Weltbilder, um Überzeugungen, um Ideologie, um Religion. Letzendlich war es eine Debatte: hat die Bibel, oder hat Darwin recht?

Aus christlicher Sicht ist die Grenze zwischen Tier und Mensch schnell gezogen und erklärt:
Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist (d.h. lebendige Seele, ewige Seele). Er ist im Bildnis Gottes geschaffen, d.h. als moralisches, schöpferisches, vernunftbegabtes Wesen.
Das Tier besteht aus Körper und (vergänglicher) Seele.

Die Evolutionstheorie scheitert, was den Menschen angeht, immer noch am "missing link", d.h. eine Entwicklung vom Menschenaffen zum Menschen ist eine unbewiesene Annahme, ohne jede naturwissenschaftliche Grundlage. Es ist nicht vielmehr als ein Weltbild, oder eine Ideologie.
Die Tendenz dieses Weltbildes ist es, den Unterschied zwischen Mensch und Tier zu verwischen. Die Gefahr dabei ist, den "Wert" von Mensch und Tier umzukehren. Und es ist nichts Neues in der Geschichte der Menschheit, dass Tiere als "göttliche Wesen" verehrt werden.

Als ich neulich ein Tierlexikon für Kinder durchblätterte, und zwischen Meerschweinchen und Möwe den Eintrag "Mensch" fand, empfand ich das als Entwürdigung. Andere scheint das allerdings nicht weiter zu befremden.

Gravatar: Johannes Klinkmüller

@Candide
Ich stimme Ihnen durchaus zu, dass die Menschheit Ergebnis von Evolution ist, allerdings einer teleologischen, einer zielgerichteten. Und ihr Beginn ist nicht ein evolutionärer Zufall, sondern ein geistiger Akt, so wie es im Dhammapada heißt: „Alle Dinge entstehen im Geist“. - Die Genesis nennt diesen Geist Gott.
Klar, dass es ein langer Weg war, einen Körper zu schaffen, der in der Lage war, die menschliche Seele aufzunehmen. Wir sind nicht am Ende dieses Prozesses angelangt. Das wäre auch schlimm, wenn man auf die Erde sieht. Dennoch ist das Bildnis Gottes in jedem Menschen verankert. Es ist Ausgangspunkt und zu verwirklichendes Ziel. So jedenfalls stellt es sich mir momentan dar.
Diesen Weg als Weg des Tieres zu bezeichnen, finde ich erstaunlich angesichts der Tatsache, wie wenig wir wissen. Die geistigen Urkunden der Menschheit aber zählen für viele nicht mehr. Ich bin froh, dass es sie gibt.

Meines Erachtens gibt es keinen Widerspruch zwischen dem, was die Naturwissenschaften erforschen und der Schöpfungsgeschichte. Das Problem ist nur, dass manche glauben, sie wüssten alles. Lesen Sie Precht (oder lieber nicht!)! Das ist die faustische Gottähnlichkeit, der vor sich selbst nicht bange ist.
Wahrscheinlich ist es so, dass wir genauso viel wissen über uns und das All, wie es Astrophysiker zugeben, die bekunden, dass ihnen gerade mal 5 Prozent der Materie des Alls bekannt sind. Und ich vermute, das gilt für die Seele und den Geist genauso.

@ H.Roth
Die Bedeutung der Tiere haben Sie in Ihrem ersten Absatz wunderbar erfasst, finde ich. Tiere und Menschen sind für mich in einer Schöpfungspartnerschaft vereint und deren Qualität ist abhängig von dem Bewusstsein der Menschen. Ich habe festgestellt, dass es immer mehr Kinder gibt, die mir in der 5.Klasse gesagt haben: Ich esse kein Fleisch.
Zugleich erlaube ich mir nicht, jemanden zu verurteilen, der Fleisch ist. Fleischesser sind keine Bewusstseinskrüppel. So müssen sie sich langsam vorkommen. Hoffentlich geht es ihnen nicht irgendwann wie den Rauchern und es werden ihnen zum Cordon bleu Schlachthofbilder serviert.
Das Bewusstsein der Menschen ändert sich. Das ist keine Frage von Gut und Böse, auch keine Frage der Bewertung, selbst wenn wir manchmal zu diesen Kategorien greifen, um Entwicklung zu erklären.
Menschsein ist für mich eine große Seilschaft: Manche bleiben unten und sichern die Anderen, aber die, die vorwärtsgehen, können das nur, weil andere ihren Aufstieg sichern.

Dessenungeachtet gibt es eine Bösartigkeit, die um ihrer selbst willen existiert, und das bewusst.
Man sollte nicht mit ihr ins Gespräch kommen wollen. Es ist Bosheit, die die ganze Seilschaft zum Absturz bringen will.

Gravatar: Clara West

Hallo Herr Klinkmüller,

Zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass ich Ihre Artikel sehr gern lese. Ich stimme zwar nicht immer mit ihnen überein, das ändert aber nichts daran, dass sie sehr zum Nachdenken anregen.

Sie schreiben: "Nicht Ersteres, die Amtskirche also, sondern Letzteres, die Frömmigkeit der einfachen Menschen, war das Bindeglied unserer Gesellschaft. Dass dieses sich auflöst, läutet, das spüren momentan viele, ihr Ende ein."

Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass die Frömmigkeit jemals ein wirkliches Bindeglied war. Frömmigkeit war gerade für die Mitglieder der römisch katholischen Kirche ein Zwang ausgelöst durch die Macht der Kirche. Dieser Druck ging bis in die Familien hinein. Gerade in den Dörfern, wo jeder jeden kannte wirkte das ganz besonders intensiv. Die Geschichte meiner eigenen Familie hätte in der Vergangenheit einen völlig anderen Verlauf genommen, wenn es diesen Druck nicht gegeben hätte. Es war verboten, sich in einen Protestanten zu verlieben, was unglücklicherweise meiner Urgroßmutter passierte. Sie durften nicht heiraten und als sie dann auch noch schwanger wurde, wurde sie von ihrer Familie verstoßen - der Nachwuchs wurde in die bestehende Familie eingegliedert. Meine Oma war noch der Ansicht, dass ihre Söhne nicht mehr ihre Söhne sein werden, wenn sie eine "Andersgläubige", sprich Protestantin würden heiraten wollen. Selbst mein Vater war noch sehr erleichtert, dass mein damaliger Freund, heute der beste Ehemann von allen, katholisch war obschon meine Eltern locker ein Angehörige der sogenannten 68-er Generation hätte sein können.

Meine Oma war eigentlich eine sehr liebe Frau, die, rückblickend betrachtet, ein sehr schweres Leben gehabt hat. Ich kann mich noch sehr gut an Sätze erinnern wie: "Man muss immer beten und an Gott glauben, sonst hat man kein Glück im Leben". Die Angst vor der göttlichen Strafe hat sie bis ins Hohe Alter verfolgt. Der Pfarrer im Dorf hatte eine unglaubliche Macht. Wer da nicht Sonntags in die Kirche kam, wurde in der nächsten Woche schräg angesehen und hinter dem Rücken hat die Gemeinde getuschelt.

Da war nichts vom Humor eines Don Camillo. Gar nichts.

Sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits gab es in unserer Familiengeschichte außereheliche Kinder der Liebe - ohne die ich heute hier nicht an meinem PC sitzen würde. Diese Kinder wurden von Kirche und Gemeinde mit Verachtung gestraft. Sie waren diejenigen, die nicht hätten da sein dürfen. Schandflecke. Bastarde. Dieser Druck war so groß, dass die Betroffenen darunter bis an ihr Lebensende schwer gelitten haben.

Ich denke, die Erde hätte viele Probleme weniger, wenn der Mensch sich nicht als Krone der Schöpfung angesehen hätte. Man muss sich nicht als Tier ansehen, aber Menschen und Tiere sind natürliche Wesen, die sich offensichtlich gar nicht so sehr unterscheiden. Damit haben viele schon ein Problem. Sie sehen sich nicht so gern als natürliche Wesen. Sie gehen lieber IN die Natur - und zahlen gern auch viel Geld dafür.

Dieses Sich-Außerhalb-Stellen hat dazu geführt, dass Menschen Menschen zu Machtzwecken missbraucht haben und das auch weiterhin tun werden. Frauen / Müttern wurden ihre natürlichen Instinkte aberzogen und der männliche Nachwuchs wurde schlimmsten Erziehungsmethoden unterworfen. Liebe wurde Gewalt gleichgesetzt, bzw Gewalt als Liebesbeweis gefordert. Die Bibel schreibt einiges darüber im Alten Testament.

Ein armseliges Ergebnis für die Krone der Schöpfung.

Nach meiner Beobachtung brauchen viele Menschen Gott, weil sie Angst vor der vermeintlichen Sinnlosigkeit des eigenen Seins haben. Sie haben Angst vor dem Nichts und der Glaube erfüllt eigentlich mehr den Wunsch nach der eigenen Bedeutung. Da muss es doch etwas geben, da muss doch etwas sein, es muss einen Sinn in meinem Dasein geben.

Dieser Wunsch nach Ewigkeit hatte bisher in der Welt ganz fatale Folgen - in allen Religionen. Der feste Glaube daran, in der Ewigkeit für Taten während des irdischen Daseins belohnt zu werden, hat für schlimmste Blutbäder, Gewalt, Mord und Totschlag geführt. Wir Menschen sind offensichtlich dafür empfänglich. Jahrhundertelange Indoktrination von allen Seiten hat ihre Früchte getragen.

"...Imagine there's no heaven. It's easy if you try. No hell below us. Above us only sky...."

Was ist so schlimm daran, wenn wir einfach nur Teil des ewigen Kreislaufes sind, wenn wir kommen und gehen wie die Jahreszeiten, wenn wir Verantwortung im hier und jetzt übernehmen müssen, wenn es keine Belohnung für irdische Greueltaten im Jenseits gibt, wenn der Sinn des Lebens in sich selbst liegt?

Ich gebe zu, dass dies Teil meiner Sinnsuche ist und als solche nicht abgeschlossen.

Gravatar: Hans Meier

Candide 17.03.2017 - 15:49

Danke, schön beschrieben.

Unsere Vorfahren haben es geschafft mit viel Klugheit zu überleben.

Was ich als Erwachsener nicht so ganz verstehe, ist die Beziehung zum Hund.
Ich hatte einen als Kind und fand der war ein Schlingel, der klaute in den Hühnerställen die Eier.

Wenn ich heute sehe wie viele ihren vierbeinigen Liebling füttern, um dann mit ihm auszugehen und den bei seiner Notdurft zu beobachten, dann frage ich mich ob das was mit den „oralen und den analen Phasen“ der Kindheit zu tun hat?
Also den Stadien die wir, als Kinder erlebten und denen wir entwachsen können, wenn unsere Rationalität wächst und wir zielorientiert, sowohl emotional wie rational, also „mit Bewusstsein durch unser Leben segeln“.

Andernfalls gibt es den Normalfall.
Da ist der „emotionale Flügel“ der Größere.
Das hat zur Folge „im Lebenslauf“ drehen Solche sich auf einem Radius um sich selbst, und suchen „Orientierung und Struktur“ wie eben große Kinder.
Diese brauchen himmlische Eltern und sind Gotteskinder, obwohl wir einfach eher mehr oder weniger bewusste Menschen sind.

Gravatar: R. Avis

@ Hans Meier: Unsere heutige Beziehung zum Hund ist völlig degeneriert, wie auch die zu unseren anderen Mitgeschöpfen. Da werden mancherorts Igelbabies extra zum Schmusen gezüchtet und in die Wohnzimmer geholt, Zwergschweinchen in Puppenkleider gesteckt und deren rosiger Allerwertester photographiert, Katzenwelpen von ihrer Mutter getrennt wenn sie gerade mal die Augen aufmachen können, weil sie dann doch so "super-cute" sind. Je hilfloser, desto besser.
Dann die vegane Ernährung. Das Problem ist nicht der Fleischkonsum an sich, sondern daß Menschen billig Fleisch essen wollen, möglichst viel, möglichst mager, aber dafür täglich. Die Zustände in der Massentierhaltung können nur Produkte liefern, die dem Konsumenten auf lange Sicht schaden, weil sie fett und krank machen.
Da habe ich in meiner Tiefkühltruhe lieber ein sauber erlegtes Wildschwein anstatt mehrerer Kilo Halal-geschlachteter Hühner (oder Lämmer) obskurer Herkunft aus Super-Sonderangeboten.
Nur: der totale Verzicht auf Fleisch beendet die Daseinsberechtigung von Schlachttieren überhaupt, so einfach ist das

Gravatar: Johannes Klinkmüller

Halllo Frau West,

vielen Dank erstmal Ihnen und Ihren Mitkommentatoren für die inhaltsbezogenen und zum Weiterdenken anregenden Kommentare.

Sie kennen vielleicht „Gottesvergiftung“, das 1976 von Tillman Moser erschienene Buch über dessen Kindheit. Ehrlich und aufschlussreich, was er damals schrieb (Auszug http://www.dober.de/religionskritik/moser.html) und angesichts meiner Kindheit hätte ich vieles genauso sehen können.
Mir war jedoch, als ich mein Elternhaus verließ, um zu studieren, seltsam klar bewusst, dass der Gott meiner Eltern nicht mein Gott ist, dass ich diesen Gott nicht ernst nehmen kann, allerdings klären möchte, was es für mich mit ihm auf sich hat. Ich habe mich dann zwei, drei Jahrzehnte später diesem Thema u.a. über C.G. Jung, aufschlussreichen Erfahrungen mit esoterischen Richtungen und der Beschäftigung mit den Mythen wieder zugewandt. Damals mir sehr hilfreich, sehe ich heute selbst C.G. Jung mit Skepsis, weil das psychoanalytische Wissen mir zu abstrakt ist und Menschen auf dem Hintergrund der Beschäftigung mit ihm zudem das Unbewusste leider unterschätzen, das Kraftquell sein kann, aber, wenn man zu naiv und vertrauensselig mit ihm umgeht, eine große Gefahr darstellt, weil das sogenannte Böse des Unbewussten weitaus raffinierter ist als das der bewussten Ebene und vielfach total unterschätzt wird.

Ich kann alles, was Sie schreiben, absolut nachvollziehen und viele Leser könnten ähnliche Erfahrungen hinzufügen, ich selbst meine Erfahrungen mit der unglaublichen Bigotterie vieler (sogenannter) Christen und den Zwängen, denen ich als Kind ausgesetzt war und die mich von mir entfernt haben. Auch ich kenne den Gott Mosers, der alles sieht, was wir tun, die perfekte ständige Überwachungsinstanz.
Es hat allerdings noch eine ganze Weile gedauert, bis ich damals durchschaute, dass das wohltönende Gesäusel vieler Christen über die Liebe Gottes vor allem dazu dient, die eigene Lieblosigkeit zu kaschieren. Meinen Eltern nehme ich ihr diesbezügliches Verhalten nicht mehr übel. Ihre „Lieblosigkeit“ sehe ich heute relativ; vielleicht hätte mein Vater die seine durchschauen können. In ihrer Art der Religionsausübung, die meine ältere Schwester und mich sehr belastet hat, haben sie dennoch für ihre Kinder viele Opfer gebracht. Als ihr Kind ehre ich sie.

Aber ihr Gott war der Gott IHRES Inneren. Zunehmend wurde mir im Leben bewusst, dass Menschen ihr eigenes Inneres als Gott verkaufen. Ihre eigene Enge war es, die ihren Gott so eng sein ließ, ihre Unfähigkeit, Grenzen zu überschreiten, ließ ihren Gott so gesetzlich sein, ihre Unfähigkeit, sich Grenzen und Richtwerte zu geben, machte ihren Gott so universell weit und unverbindlich.

Die Geschichte der Kirche und das Verhalten von Christen sagt für mich viel über den Entwicklungsgang menschlichen Bewusstseins aus, aber wenig bis nichts über Gott. Ich verstehe, dass sich Menschen von Gott verabschieden, weil sie an dem Verhalten von Christen bzw. religiösen Menschen und deren Institutionen verzweifeln. Nicht alle durchschauen, dass Gott auch für die Machtgier der Menschen herhalten muss; die Geschichte der Katholischen Kirche ist ein durchgehender Beweis hierfür.
Bei den allermeisten Menschen halte ich die Tatsache, dass sie mit Gott wegen der kirchlichen Praxis oder den Verbrechen im Rahmen von Religionen nicht klarkommen, für eine Ausrede, denn tatsächlich ist fast jedem bewusst, dass Gott, wer auch immer er ist, leider sehr oft wenig bis nichts mit dem der Kirche oder dem, was Menschen als Religion bezeichnen, zu tun hat.
Nicht nur mit Kindern, auch mit Gott wurde in der Kirche viel Missbrauch getrieben. Ein Ende ist nicht absehbar.

Mit der Frömmigkeit verhält es sich ähnlich. Sie war und ist zum Teil - vielleicht muss man sagen: oft - bigott, aufgesetzt und verquirlt mit eigenen Interessen. Aber dennoch war sie für mich bis vor ein, zwei Jahrzehnten ein Kitt der Gesellschaft, denn, so fragwürdig auch im Detail diese sogenannte Frömmigkeit war, so sehr auch manche Menschen nur den äußeren Schein aufrecht erhalten wollten: die Einstellungen der Menschen haben die Gesellschaft geprägt und in eine ethische Richtung gebracht, die trotz aller schrecklichen Geschehnisse (Inquisition, Kreuzzüge gegen die Katharer, Dreißigjähriger Krieg etc.) für diese insgesamt günstig war. - Frömmigkeit, wie ich sie sehe, entwickelt sich. Immer entspricht sie dem Bewusstsein der Menschen. Deshalb stelle ich keine hohen Erwartungen an sie. Und die antiklerikalen Bewegungen unserer Zeit bringen womöglich auf Dauer viel mehr Ehrlichkeit im Hinblick auf ehrliches religiöses Sein.
Im Übrigen darf man nicht übersehen, dass Menschen im Rahmen der Kirche und aufgrund einer sehr ehrlichen Frömmigkeit viel Gutes bewirkt haben.

Es ist eine grundsätzliche Entscheidung, die man zu fällen hat, an einen Gott zu glauben oder nicht, an ewige Wiederkehr oder eine Entwicklung über die Weltentage der Genesis hin.
Auch ich habe im Übrigen meine Zweifel und frage mich manchmal, wer mir eigentlich die Gewissheit gibt, dass den, den ich Gott nenne, wirklich der Urgrund des Alls und unseres Seins ist. Was wäre, wenn es ihn nicht gäbe und hinfällig wäre, dass das Gute siegt wie im Märchen, in der Unendlichen Geschichte, bei den Brüdern Löwenherz oder im Herrn der Ringe?
Mir widerstrebt, so ohne Hoffnung zu denken, total. Das ist kein rationaler Akt in mir. Ich für mich spüre, dass mich das einfach nur krank machen würde.

Krone der Schöpfung ist der Mensch in der augenblicklichen Realität nicht, aber selbst wenn noch mehrere Atlantisuntergänge sein werden, hoffe ich, dass alles ein Ziel hat, was die jüdische Mystik eben in Kether, der Krone erfasste oder die christliche im Gral oder die Bibel in ihrem Hinweis auf den neuen Menschen und eine neue Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt. Das mag noch Millionen Jahre dauern. Und es könnte sich herausstellen, dass Orbit und Himmel, den vor allem der Protestantismus ratzfatz leerräumte, einen viel größeren Einfluss auf das Leben der Menschheit hat, als wir ahnen. Wenn wir unser sogenanntes modernes Denken mit dem der Antike und des Mittelalters vergleichen, finden wir, dass die Menschen zu früheren Zeiten viel kosmischer dachten, viel mehr kosmische Zusammenhänge sahen.
Unsere Wissenschaftler untersuchen das All und die fernsten Galaxien, aber in unserem Bewusstsein sind wir in einem Ausmaß auf die Erde fixiert, wie vielleicht noch nie in der Geschichte der Menschheit und halten uns für den Nabel der Welt. Wir tun so, als ob, was wir entwickeln und entdecken, Neuland wäre, das quasi sein Sein uns verdankt. Es ist aber alles da. Wir können es nur nicht sehen. Wir würden auch nicht verkraften, alles sehen zu können. Als Menschen sind wir vielleicht Neuntklässler. Bis zum Uni-Examen ist es noch ein langer Weg. Bis dahin wartet viel Erkenntnis.

Gravatar: Hans Meier

R. Avis 19.03.2017 - 17:22
@ Hans Meier: „Unsere heutige Beziehung zum Hund ist völlig degeneriert, wie auch die zu unseren anderen Mitgeschöpfen.“
Wieso?
Wie war denn die ursprüngliche Beziehung?

Offensichtlich haben unsere Vorfahren, Hunde für verschiedene Zwecke gezüchtet, und konkrete Absichten gehabt. Das die Kinder unserer Vorfahren mit Hunden befreundet waren und manche lebenslänglich war sicher so normal wie heute.
Allerdings lebten unsere Vorfahren kaum alle in urbanen Strukturen, sondern in der Fläche.
Und da bellte der Wachhund, wenn sich Fremde dem Anwesen näherten, um den, der den Hund hielt zu benachrichtigen, schaumal da kommt jemand.
Was „Degeneration“ betrifft, waren die Strukturen vielleicht klarer.
Wer heute Problemkinder hat, solche die keine Probezeit in der Privatwirtschaft überstehen, der bringt sie in Ämtern unter, in Wasserköpfen der Selbstverwaltung, wo sie als Formblatt-Wender amtieren.
Ob als Klima-Beauftragte oder in „sonstigen überflüssigen Wachtel-Funktionen“, die nur unnütze Steuergelder verschwenden und der Bevölkerung spießige Vorschriften machen.
Vor Jahrhunderten wurden solche Kinder beim Kloster abgeliefert, damit der Abt billige Arbeitskräfte hatte und die Kinder versorgt waren.
Denn der Hund hatte seine Aufgaben auf dem Hof oder bei der Jagd.
Na ja https://www.youtube.com/watch?v=XDRQT4zWJJY

Gravatar: Candide

@ Hans Meier: Mensch und Hund.
Stimme mit Ihnen völlig überein, was "Problemkinder" angeht, die aber wohl Opfer sozialistischer Erziehungsmethoden sind.
Bin selber mit (vielen) Hunden aufgewachsen und habe mir über diese, vom Menschen geschaffene Spezies, so meine Gedanken gemacht. Unter anderem darüber, daß Kulturen, die hundefreundlich sind, eine ganz andere gesellschaftliche Struktur haben als solche, die Hunde ablehnen oder nichts mit ihnen anfangen können. (Zitat Jacob Zuma: "Hunde zu halten ist nicht afrikanisch." Dieser Satz entspricht genau meiner Beobachtung.)
Die Ur-Menschen auf Wanderschaft, nach dem Exodus aus Afrike vor ca. 50 000 Jahren, waren Jäger und Sammler. Sie mußten sich organisieren, kommunizieren und sich aufeinander verlassen lernen.
Ganz sicher haben sie sich die Zusammenarbeit in Wolfsrudeln angesehen. Ganz sicher haben sie die Jagd-Taktik übernommen und mit Sicherheit jagte man auch bald äußerst erfolgreich gemeinsam mit den Wölfen (canis Lupus). Die Sage von durch Wölfe aufgezogenen Menschenkindern gibt es in vielen Kulturen. Die Werwölfe des Mittelalters waren vermutlich nichts anderes als solche verwaisten Kinder, die aber im Wolfsrudel wegen ihrer kläglichen Fähigkeiten ganz unten in der Rangordnung standen.
Dagegen machten sich Wolfswelpen bei den frühen Menschen sehr nützlich. Sie rochen sowohl Gefahr als auch Beute. Sie hörten, wenn sich etwas im Dunklen näherte und meldeten das. Sie funktionierten auch ganz ausgezeichnet als echte "Heizkörper", wenn die Menschen froren. Sie hielten den Lagerplatz sauber von Essensresten, beschützten die Kinder und waren fabelhafte Spielkameraden. So entwickelte sich die neue Spezies: Canis Lupus Familiaris, der (Familien-)Hund. Die einzige Spezies, die unsere Mimik lesen kann (Schimpansen können das gar nicht; Pferde, ebenfalls seit Langem Begleiter des Menschen, nur ansatzweise). Hunde versuchen sogar, mit uns zu kommunizieren (Wölfe können nur heulen, nicht bellen). Sie haben auch ein anderes Verdauungssystem entwickelt als es ihre wilden Vorfahren haben, indem sie mehr Kohlenhydrate vertragen. Sie waren unverzichtbare Gefàhrten in der langen Eiszeit.

Aber jene Menschen, die den mittleren Osten und Europa besiedelten, waren noch aus einem ganz anderen Grund erfolgreich: sie haben von den Wölfen soziale Strukturen erlernt und diese weiter-entwickelt. Es gibt eine feste Hierarchie. Zu allen Privilegien gehören entsprechende Pflichten. Treue, Disziplin, selbstlose Fürsorglichkeit und Solidarität; das gibt es nur bei Mensch und Hund (Elefanten können wir abhaken, weil demnächst vom Antlitz der Erde verschwunden). Hunde sind zwar noch immer Jäger und Sammler (heutzutage "Abstauber"), die gemeinsam ihr Territorium verteidigen, (auch gegen Postboten), und sie haben noch immer einen angeborenen und untrüglichen Sinn für Gerechtigkeit. Vielen Menschenkindern geht Unrechtsbewußtsein irgendwann verloren, Dann gelten sie in Hunde-Augen als irre und der Hund bekommt Angst vor ihnen. Wenn ein Hund sich nach Meinung der Menschen schlecht benimmt, dann liegt der Fehler sicher nicht bei ihm, denn vorsätzlichen Ungehorsam im Team gibt es bei erwachsenen Hunden normalerweise nicht.
Die Mythen der nordamerikanischen Indianer erzàhlen, daß Gott Himmel und Erde erschaffen hat, die Tiere und auch den Menschen - aber nicht den Hund. Den hatte er nämlich schon bei sich.

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