Israel oder: Mauern wirken

Es gibt kaum ein Land, von dem man bei jedem Besuch so viel lernen kann wie von Israel. Gerade weil das Land klein und von vielen Feinden umgeben ist, sucht es immer kompromisslos und mutig die am besten scheinenden Lösungen. Für die unterschiedlichsten Probleme, vom Migrationsdruck aus der Dritten Welt bis zur Unabhängigkeit der Justiz.

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reilich, für das allergrößte Problem des Landes – das sogenannte Nahostproblem, die besetzten Gebiete und den radikalen Islamismus – findet Israel seit seiner Gründung keine Lösung. Eine solche bräuchte allerdings auch auf arabischer Seite lösungsorientierte Partner. Umso spannender ist, was einem bei einem Besuch in Israel an Nachahmenswertem auf vielen anderen Gebieten aufgefallen ist:

  1. Der für europäische Besucher erstaunlichste und lehrreichste Satz stammt aus dem Munde eines Richters des Obersten Gerichtshofs (welcher in Israel auch die Funktion eines Verfassungs- und Verwaltungsgerichtshofs hat): „Seit wir die Mauer in der Wüste Richtung Ägypten fertiggestellt haben, haben wir kein Problem mehr mit illegalen Migranten.“ Der Richter sagt das mit durchaus zufriedenem Unterton. Damit zeigt Israel, das früher vor allem für Schwarzafrikaner ein begehrtes Ziel gewesen ist, dass Mauern funktionieren können. Und dass ein ständig an sein eigenes Überleben denkender Staat auch ganz klar das Recht in Anspruch nimmt, sich gegen illegale Migration zu schützen. Dieses Vorgehen gegenüber solchen Migranten ist völlig unabhängig davon, dass sich Israel weiterhin als Einwanderungsland für Juden aus aller Welt definiert und realisiert.
  2. Diese Mauer Richtung Ägypten ist etwas ganz anderes als die zweite Mauer, die Israel in der Westbank errichtet hat. Diese ist ja durchaus umstritten, weil sie nicht entlang der alten völkerrechtlichen Grenze Israels, sondern zum Teil tief auf palästinensischer Seite gebaut worden ist. Aber auch sie wirkt: Sie hat ganz eindeutig den palästinensischen Terrorismus auf israelischem Boden stark reduziert.
  3. Israel sperrt die wenigen trotz der Mauer ins Land gelangenden illegalen Immigranten in ein Lager, geht also ganz anders vor als etwa Österreich. Das israelische Oberstgericht hat daran lediglich die Dauer des Zwangsaufenthalts kritisiert, und diesen auf sechs Monate limitiert. Das ist eine Vorgansweise, die übrigens der Ungarns sehr ähnelt, während sie für die österreichische Linke völlig unakzeptabel erscheint.
  4. Israel hat auch mit zwei afrikanischen Ländern geheime Abkommen geschlossen, um illegale Immigranten dorthin  abschieben zu können. Das ist zwar zweifellos mit israelischen Zahlungen verbunden, aber jedenfalls wirksam. Das eine Land ist Uganda. Das andere wird geheimgehalten.
  5. Was in Österreich vielen nicht bewusst ist: Rund ein Fünftel der israelischen Staatsbürger sind islamische Araber. Dennoch scheint von diesen kaum eine Gefahr auszugehen – sehr zum Unterschied von radikalen Islamistengruppen außerhalb der streng bewachten Grenzen des Staates. Auch wenn Israel seine diesbezüglichen Methoden nicht öffentlich macht, so hat es jedenfalls ausreichende Wege gefunden, die islamistischen Predigern und Propagandisten bei den israelischen Arabern keine Chance lassen.
  6. Was mir nicht bekannt war und vermutlich vielen anderen Österreichern nicht bekannt ist: Im heutigen Israel lebte einst auch eine kleine deutsch-protestantische Minderheit, deren Angehörige zu Zeiten der Nazis deren Parolen übernommen haben, die sogenannten Templer. Das haben sie etwa auch durch das Hissen von Hakenkreuzfahnen gezeigt. Das hat dann dazu geführt, dass diese Templer „heim ins Reich“ geschickt und gegen Juden aus dem Hitler-Reich ausgetauscht worden sind. Dennoch sind heute etwa in Tel Aviv ehemalige Templer-Häuser als historische Besonderheit einschließlich der darauf angebrachten deutschen Sinnsprüche als historische Denkmäler erhalten und gut gepflegt.
  7. Israel ist ein Land, das enorm viel Wert auf (Natur-)Wissenschaft und Forschung legt. Da das Land nicht reich ist – viele Menschen verdienen durch Arbeit nicht mehr, als in Österreich die Mindestsicherung beträgt! –, wird enormer Wert auf die Umsetzung geeigneter Forschungsergebnisse durch profitorientierte Unternehmensgründungen gelegt, die direkt an Universitäten erfolgen. Das ist für viele österreichische Unis noch immer igitt (ganz abgesehen vom hiesigen Übergewicht wertloser Billigst- und Ideologiestudien à la Politologie, Publizistik oder Gender).
  8. Selbst ausgesprochen linksliberale Israelis verurteilen den früheren US-Präsidenten Obama wegen des sogenannten Iran-Atomdeals, der zu einem Ende der gegen Iran verhängten Sanktionen führen soll – sofern er nicht von Donald Trump noch beendet wird. In Europa hingegen findet der Deal die Unterstützung praktisch aller Politiker.
  9. Besonders interessant ist die Bestellung von israelischen Richterposten (einschließlich der am Höchstgericht). Darüber entscheidet eine neunköpfige Kommission aus zwei Ministern, zwei Vertretern des Parlaments, zwei Rechtsanwälten und drei Richtern. Da einer der Parlamentsvertreter der Opposition angehört, ist die Regierung eindeutig in der Minderheit. Was sich auch an vielen regierungskritischen Urteilen des Höchstgerichts zeigt. Unter den 15 Richtern dieses Gerichts findet man etwa auch einen maronitischen Araber. Die Justiz ist dadurch wirklich unabhängig. In Österreich wird hingegen bei der Bestellung etwa des Verfassungsgerichts, des mächtigsten Oberstgerichts, ein beinharter und totaler Mehrheits-Durchgriff des rotschwarzen Proporzes praktiziert, was für die Reputation des VfGH alles andere als positiv ist.

Vieles regt zum Nachdenken an, vieles auch zum Nachahmen. Aber auch zur Erkenntnis, dass mutige und lösungsorientierte Ansätze im heutigen erstarrten Rot-Schwarz-Österreich leider fast immer ein Fremdwort sind.

Zuerst hier erschienen: www.andreas-unterberger.at/2017/03/israel-oder-mauern-wirken/

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: karlheinz gampe

Historisch haben Mauern immer gewirkt. Man denke nur an Stadtmauern. Auch der Limes hat seine vorgesehene Aufgabe erfüllt. Hätte der Mensch historisch schlechte Erfahrung mit Mauern und anderen Befestigungen gemacht so wären diese nicht über Jahrtausende gebaut worden. Nur Deppen von der CDU Stasi Partei sehen sowas anders.

Gravatar: H.Roth

Diese Liste läßt sich noch um viele Punkte weiterführen. Was mich besonders an Israel beeindruckt, ist der starke, gemeinsame Überlebenswille einer Nation, der sich in so vielen Lebensbereichen zeigt. In Österreich und Deutschland sind es dagegen nur kleine Gruppen, die sich gegen die Auflösung der eigenen Kultur und Identität wehren.

Gravatar: esther scheiner

Ein hervorragend recherchierter und geschriebener Artikel, der ganz deutlich hervorhebt, warum Israel welche Massnahme ergreift und mit welchem Erfolg. Auch die Stellung der arabischen Israelis wird klar bewertet. Araber haben es in Israel tatsächlich viel einfacher, in allen Bereichen Karriere zu machen, als in anderen arabischen Staaten. Auch die extrem hohe Zahl an hochtechnologischen Start-Up Unternehmen, die in der Welt einzigartig ist, wird gewürdigt. Danke Herr Unterberger, es tut einfach wohl einmal einen so wahrheitsgetreuen Beitrag in der europäischen Presse zu finden.

Gravatar: Britta

Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, was wir
alles Israel, den Juden verdanken. Es ist die Wiege
unserer Kultur. Ich erinnere, jüdisch-christliche Kultur.
Sie beeinflusst uns mehr als den meisten bewusst ist.
Wir haben die 10 Gebote erhalten, wie; Du sollst nicht
töten, und so weiter. Jesus war Jude!

Und obwohl wir den Israelis soviel verdanken, ist kaum
ein Volk/Land so verhasst wie Israel. Das ist unendlich
traurig. Nur Aufklärung, wie dieser gute Artikel
von Andreas Unterberger können dazu beitragen,
diesen widerlichen Neid und Hass zu beenden.

Sicher, die Menschen die voller Hass sind, werden
diesen Artikel kaum lesen. Dazu müsste der Artikel
in vielen uns fremden Sprachen erscheinen.
Wie türkisch und arabisch.

Gravatar: RA Martin Schmid

Die - leider abgerissene - Mauer zur DDR hat auch gewirkt. Leider wurde sie abgerissen.

Gravatar: Katharina

Karfreitag 2017 in Jerusalem,

die Juden feiern Pessach.
Die Christen feiern Ostern.

Heute, Karfreitag in Jerusalem hat wieder der Islam
zugeschlagen. Ein Palästinenser hat eine christliche
Touristin aus England getötet.

Gravatar: Oskar

http://haolam.de/de/israel-nahost/artikel_28921.html

Israel ist ein sehr kleines Land. Nur so groß wie unser
Hessen. Aber selbst das wollen die Moslems den Juden
noch wegnehmen, obwohl sie 57 islamische Länder
ihr eigen nennen.

Und mit diesem Spiel sollen schon die kleinen
palästinesischen Kinder den Kampf gegen das winzige
Israel lernen.
Widerlich. Die wollen keinen Frieden.

Gravatar: H. Schmid

Vielen Dank, Dr. Andreas Unterberger für Ihren her-
vorragenden Artikel.
Viele Menschen haben Aufklärung was Israel oder
auch das Judentum angeht mehr als nötig.
Was ich schon im Netz an Hass bezüglich der Juden
und Israel gelesen habe das ist dermaßen abstoßend,
das kann ich nicht beschreiben. Solche Seiten werden von
mir boykottiert.

Die Juden-und Israelfeinde wollen systematisch den
Hass schüren. Das dürfen wir nicht zu lassen.
Danke an Herrn Unterberger.

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