In kultischer Gesellschaft

Das politische Jahr des politischen Deutschlands gleicht immer mehr dem eines kultischen Staates. Es ist nicht mehr unregelmäßig gefüllt mit Wahlterminen, sondern mit den regelmäßigen Tagen des Gedenkens: 6. Juni und 8. Mai; 6. August und 13. Februar. An diesen Tagen wird der Befreier und Befreiten, der Täter und vor allem Opfergruppen, die sich diesen Status aneignen konnten, gedacht. Dazu als Einsprengseln die Erinnerung an die sozialistischen Führer im Januar und im April.

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Den Höhepunkt dieses politisch-kultischen Jahres bildet aber - wer wagte das zu bestreiten? - der 27. Januar. Seit 2005 Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und schon seit 1996 in Deutschland Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, krönt er den Kult der Erinnerung - und fasst zugleich alle Widersprüche zusammen. Sei es, dass man sich in Deutschland nicht entscheiden konnte, der ermordeten Juden zu gedenken und lieber über alle Opfer Nationalsozialismus Tränen vergoss; sei es, dass nun Seit an Seit auch jene der ermordeten Juden gedenken, die über jeden ermordeten Juden, der in Israel wohnt, klammheimlich Freude empfinden.

Doch gerade diese Widersprüche bringen den wirklichen Charakter der Tage des Gedenkens und der gesamten Erinnerungskultur ans Licht. Selbstverständlich geht es nicht ums Erinnern und schon gar nicht geht es um die Erinnerung an ermordete Juden; es geht allein um das rituelle Manöver, mit dem eine Spaßgesellschaft sich höhere Weihen verschafft.

Schon das diesjährige Spektakel um die Sitzung des Bundestags, der mit 4 Tagen Verzögerung am 31. Januar des 27. Januar gedachte, war Beweis für den rein kultischen Zweck der erinnerungstechnischen Übung. Statt der Opfer rein zu gedenken und sich politischer Ranküne wenigstens für diesen Tag zu enthalten, verwiesen schon im Vorfeld einige Oberpriester auf die besonderen Umstände, die sich durch die Gegenwart der Abgeordneten der Alternative für Deutschland ergaben. Wirklich unverschämt war dann Schäubles kurzer Redebeitrag. Moralisch überheblich meinte er, die AfD Abgeordneten warnen zu dürfen. Explizit aussprechen musste er nichts, denn in der Medienlandschaft des kultischen Deutschland versteht man auch so, was er meinte: Dort, auf der Rechten, sitzen die potentiellen Wiederholungstäter von morgen. Dass sich der Antisemitismus in Deutschland in den letzten Jahren fast ausnahmslos als links-grün-moslemischer zeigt, kümmerte ihn wahrscheinlich auch dann nicht, als die eingeladene Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch sagte, dass der Hass sich oft nicht mehr »gegen die Juden, sondern gegen die Israelis" richte.

Schäuble macht Politik mit ermordeten Juden. Und wie er sind viele Gedenkdeutsche der Meinung, eigentlich hätte die AfD bei diesem Gedenktag nichts verloren. »AfD unerwünscht«, würde er am liebsten verkünden, um dann ungestört weiter hetzen zu können. Und genau das markiert das wirklich neue an diesem 27. Januar, also an dem 27. Januar 2018: Der offen ausgesprochene Wunsch, die Abgeordneten der AfD vom Gedenken an die ermordeten Juden auszuschließen.

Und im gewissen Sinne, und zwar im kultischen Sinne, liegt man damit ja auch richtig. Ginge es bei diesem Gedenken wirklich um die ermordeten Juden - keiner würde es wagen zu sagen, wer gedenken darf und wer eher nicht. Darüber zu bestimmen, steht allenfalls den Überlebenden zu. Indes, vielen Abgeordneten links von der AfD ist das Schicksal der ermordeten Juden vollkommen schnuppe. Sie instrumentalisieren; schamlos kochen sie aus den ermordeten Juden ihre ideologische Seife.

Dabei hat sich zur gut verwertbaren Schuldzuweisung noch eine weitere politische Absicht ergeben: Im Gedenken wird die Gemeinschaft der guten Deutschen konstituiert. Sie tanzt um die Gedenkstätten wie eine Horde von Wilden um ihre heiligen Plätze. An einem solchen Tag wird das Dazu-Gehören beglaubigt auch, indem die Priester verkünden, wen man auszuschließen gedenkt: Man grenzt sich ab. Die vermeintlich Bösen werden beim Tanz aus der Mitte der kultischen Gemeinschaft verbannt. Und das in einem Staat, der sich als fortschrittlich versteht.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: karlheinz gampe

Der CDU Freimaurer Schäuble , ein Meister vom Stuhl (Oberster einer Loge), der Deutschen Inzucht unterstellt hat jede Menge Leichen im Keller und sieht selbst optisch seltsam aus.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wie-wolfgang-schaeuble-eine-klebrige-affaere-aussitzt-kommentar-a-1086399.html
Schäuble 100000 im Koffer:
https://www.youtube.com/watch?v=YB0HVYsw84k

Unten : SED Stasis Erikas (Merkels) kriminelle Intrigen gegen Schäuble

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schaeuble-kriminelle-intrigen-in-der-cdu-a-71543.html

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… „Den Höhepunkt dieses politisch-kultischen Jahres bildet aber - wer wagte das zu bestreiten? - der 27. Januar. Seit 2005 Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und schon seit 1996 in Deutschland Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, krönt er den Kult der Erinnerung - und fasst zugleich alle Widersprüche zusammen.“…

Ich denke, in Zukunft wird noch ein weiterer derartiger Gedenktag hinzu kommen, weil sich auch die der Merkel immer näher rückenden Grünen etc. - vor Allem der Kunst des politischen Verrats - immer erfolgloser versuchen! https://kritischerdenken.wordpress.com/2014/04/04/die-grune-kunst-des-verrates/

Ken Jebsen statuierte vor der russischen Botschaft in Berlin sicherlich auch deshalb erneut ein entsprechendes Exempel: https://www.youtube.com/watch?v=APljok9zEmU

Wohl aber auch deshalb, weil nun Russland - durch des Westens Nato intimst bedrängt - sich immer deutlicher in einer Situation befindet, die Israel schon vor dem 6-Tage Krieg kennen lernte, in den es ebenfalls durch den Westen getrieben wurde!!! https://www.welt.de/geschichte/article165185930/Wie-der-Westen-Israel-in-den-Sechstagekrieg-trieb.html

Leider wurden die Jerusalem scheinbar aber gezwungen, dies völlig anders darzustellen!!!

Bat „Ephraim Kishon" nach dem Sechstage-Krieg etwa auch deshalb um Entschuldigung: „Pardon, wir haben gewonnen“??? http://juedischerundschau.de/pardon-wir-haben-gewonnen-135910825/

Haben die Russen in aktuell ähnlicher Situation nicht ebenfalls das „natürliche Recht auf Selbstverteidigung“ wie es völkerrechtlich in Artikel 51 der UN-Charta festgeschrieben ist???

Würde sich nun die Göttin(?) auch aus diesem Grund genetisches ´Ich` betrachten https://www.arte.tv/de/videos/057871-000-A/mein-genetisches-ich/ und über tatsächlich ´gesunden Menschenverständ` verfügen, würde sie sicherlich im letzten Moment noch aus Eigenveranlassung zurücktreten!!!

Lehnt die Kanzlerin ihren Rücktritt auch deshalb ab, weil die von uns doch so Heißgeliebte(?) etwa ebenfalls kein wirklich geselliger ´Mensch` ist und darum den totalen Krieg gegen die Trump-USA, Russland und nun auch China bevorzugt??? https://www.contra-magazin.com/2017/02/merkel-will-totalen-krieg-gegen-trump-usa-russland-und-nun-auch-china/
Mein genetisches Ich

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