Ich will raus aus dem Euro

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Der Gründungsimplus und Markenkern der AfD war und ist die Kritik am Euro. Nun muss ich bei Focus-Online lesen: “AfD sagt plötzlich: Wir wollten nie raus aus dem Euro”. Das sagt natürlich nicht die AfD, sondern Herr Prof. Dr. Jens Zeller, immerhin AfD-Sprecher in Baden-Württemberg und Platz 18 auf der Europawahlliste, der schon in Berlin bei der Kandidatenaufstellung wirre Thesen zum Euro vertrat (siehe ‘Die Europawahlliste der AfD’) und jetzt meinte: “Der Wähler will nicht zurück zur D-Mark.” “Der Wähler” ist natürlich vor allem er selbst, während andere Wähler, z. B. ich, durchaus zurück zu nationalen Währungen wollen, um die Krise zu überwinden, die nächste zu vermeiden und einen Eurosuperstaat zu verhindern.

Auf die Frage „Vor einem Jahr haben Sie noch formuliert, ‚Zurück zur D-Mark darf kein Tabu sein‘. Ist das heute noch ihre Position?“, antwortete Zeller: „Aber absolut nicht. Das ist der falsche Zungenschlag, der die AfD leider nicht in den Bundestag gebracht hat. Der Wähler will nicht zurück zur D-Mark. Und ich gebe offen zu, dass wir im Bundestagswahlkampf nicht alle mit einer Zunge gesprochen haben. Auch heute nicht.“

Natürlich ist das weiterhin die Position der AfD (warum sollte die D-Mark ein Tabu sein, selbst wenn sie für manche nicht der präferierte Ausweg aus diesem Euro ist?), die sie fast in den Bundestag gebracht hat. Das war und ist die wesentliche Forderung und das Alleinstellungsmerkmal der AfD. Wer für diesen Euro ist, hat alle anderen Parteien zur Auswahl. Richtig ist allein, dass “nicht alle mit einer Zuge gesprochen haben”, z. B. Herr Kollege Zeller nicht, womit er der AfD schadet statt nutzt.

Der Chefstratege der AfD, Rainer Erkens, begründete den Kurswechsel seiner Partei gegenüber dem “SWR” mit der veränderten Stimmungslage bei den Wählern: „Politik ist die Fähigkeit, das zu fühlen und spüren, was die Leute bewegt. Und im Moment bewegt sie der Euro nicht so stark wie vor einem Jahr.”

Herr Erkens ist nicht der Chefstrategie der AfD, sondern ein Mitarbeiter derBundesgeschäftsstelle mit der Aufgabe, die Strategie zu koordinieren. Dabei verwechselt er leider Strategie mit Taktik und politische Inhalte mit tagesaktueller Stimmungslage. Selbst wenn die Mehrheit der Deutschen noch für den Euro ist, ist die große und wachsende Minderheit der Eurogegner die Zielgruppe der AfD.

Weiter erklärte Erkens: „Wir wollten aus dem Euro eigentlich auch damals nie raus. Es war die sehr plakative Forderung. Als Mogelpackung sehe ich das nicht, dann hätten wir ja gelogen.“

Ich wollte weder damals im Euro bleiben noch will ich es jetzt. Wer jedoch nie den Euro verlassen wollte, das aber behauptete, hat natürlich gelogen.

Lucke und Henkel uneins über Euro-Position

Auch die Spitzenpolitiker der AfD, Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel, verfolgen grundlegend unterschiedliche Positionen bezogen auf die Euro-Austrittsforderung ihrer Partei.

Während Parteichef Lucke einen Euro ohne die Südländer bis hin zu Frankreich anstrebt [„Deshalb sagen wir Schluss mit dem Euro – in den Südländern.“], fordert der AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Hans-Olaf Henkel, den Austritt Deutschlands aus dem Euro und die Einführung einer neuen Währung nur von wenigen, wirtschaftsstarken Ländern. „Arbeitstitel ‚Nordeuro‘ – dafür bin ich“, sagte er.

Immerhin wollen unsere beiden Spitzenkandidaten entsprechend den beschlossenen Programmen diesen Euro beenden. So unterschiedlich sind ihre Positionen auch nicht, doch ich gehe noch weiter: Wir brauchen gar keinen Euro mehr, sondern nur noch nationale Währungen, wobei kleine Länder gerne auch die neue D-Mark benutzen dürfen.

Beitrag erschien auch auf: alexanderdilger.wordpress.com

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Dietrich Singh

Sehr geehrter Prof. Dilger,

der Euro ist als Instrument der haushaltspolitischen Disziplinierung von Südländer ungeeignet. Diesen Irrsinn aufgezeigt zu haben, ist das Verdienst der AfD.

Bei der Lösung dieser Probleme darf es keine Denkverbote geben. Eine Auflösung, der Austritts Deutschland oder Ausschluss von Defizitsündern muss ergebnisoffen in Deutschland diskutiert werden dürfen.

Bei der Entscheidungsfindung dürfen ausschließlich deutsche Interesse den Ausschluss geben, bei aller berechtigten Empörung. Insbesondere sind hier die monetären und politischen Folgekosten für den deutschen Steuerzahler zu berücksichtigen.

Die Konstruktion der EZB ist vom Grundsatz her an die der Bundesbank angelehnt und somit tragbar. Gescheitert ist dieses Prinzip weil es bewusst sabotiert wurde. Obwohl offensichtlich gegen grundsätzliche Werte unser westlichen Gemeinschaft böswillig verstoßen wurde, sollten wir nicht den Fehler begehen und ausschließlich emotional handeln.

Ich gebe zu auch bedenken, dass die Folgekosten bei einem Austritt Deutschlands auf uns zu kommen würden. Die Kosten für Umtausch und Einführung einer D-Mark in Milliardenhöhe, dazu kämen ungedeckte Target2 -Forderungen, die wir dann in der neuen Weichwährung Euro abschreiben könnten.

Meinem Rechtsverständnis läuft zudem diametral entgegen, dass wir in diesem Fall diejenigen auch noch belohnen, welche den Euro bewusst sabotiert haben. Es kann nicht sein, dass diese Länder für ihr Fehlverhalten noch belohnt werden.

Darüber hinaus hielte ich es politisch für fatal, dass die Koalition der willigen Länder, welche weitestgehend Haushaltsdisziplin geübt haben, in diesem Fall einen schweren Rückschlag hinnehmen müsste.

Das bedeutet nicht, dass ich nicht bereit wäre, den Euro zu verlassen oder ihn aufzulösen.

Dies darf allerdings nur Ultimo ratio unser Politik sein, wenn anders die Schuldenunion nicht zu verhindern ist. Einer Aufgabe dieser zentralen Position der AfD würde ich mich auch widersetzen.

Ich halte den Beitrag von Prof. Zeller deshalb für legitim. ich hätte es allerdings nicht über die Presse kommuniziert, sondern über innerparteiliche Gremien eingebracht.

Denn entscheidend bleibt, wie die Mitglieder der Partei zu diesem Punkte stehen.

Es wäre schön, wenn sie ihren Einfluss geltend machen, um die innerparteiliche Diskussion forcieren. Mir scheint dies dringend geboten.

Mit freundlichen Grüßen
Dietrich Singh

Gravatar: Frank Schilling

Sich an Namen für Währungen festzubeißen, geht meiner Ansicht nach in die völlig falsche Richtung. Was brächte denn eine D-Mark, wenn dafür weiterhin die EZB verantwortlich wäre, oder wenn die Schuldenunion durch Anleihekäufe einfach weiter ginge? Und selbst, wenn die Bundesbank wieder die Kontrolle gewönne und es keine Schuldenunion mehr gäbe, würde der währungspolitische Irrsinn zumindest in moderaterer Form weitergehen, denn die hohe Staatsverschuldung wäre ja nicht automatisch weg, und so müßte die Zentralbank am eingeschlagenen Weg von Niedrigzinsen und somit Geldflutung bis zum Untergang festhalten, da eine Drosselung der Geldmenge durch eine neue Hochzinsphase angesichts der Staatsverschuldung automatisch zum Staatskollaps führen würde.

Es geht im Kern also um die Sicherstellung einer stabilen Währung. Und wie sichert man die am besten: Indem man der Politik, die Möglichkeit zur Einflußnahme entzieht, da sie ihrer langfristigen ökonomischen Verantwortung augenscheinlich nicht gerecht werden. Es gibt also überhaupt keine vernünftige Alternative zu einem Währungswettbewerb, da nur dieser Geldwertstabilität sicherstellen kann, und kein Monopol dem alle auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind.

Die sinnvolle Alternative lautet also nicht Euro ODER D-Mark, sondern Euro UND D-Mark! Und meinetwegen zusätzlich auch noch Bitcoins, Gold- bzw. Silberwährung und Regionalwährungen etc., die es jetzt übrigens eingeschränkt auch schon in Deutschland gibt. Womit auch gleich die unsinnige Behauptung widerlegt wäre, das so etwas nicht praktikabel wäre. Dabei war Währungswettbewerb in der Geschichte etwas selbstverständliches , und machte den den "Falschmünzern" das Leben im Gegensatz zu heute recht schwer.

Renommierte Währungsexperten wie Professor Hankel, haben sogar schon ein genaues Konzept für den Ausstieg aus der Euromisere durch die Einführung eines Parallelwährungssystems vorgelegt: http://www.amazon.de/Die-Euro-Bombe-Hankel-Wilhelm/dp/380041516X/ref%3Dpd_sim_b_2

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